Wie sicher ist die Corona-Impfung?

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Julia Harlfinger, Bernd Kerschner, Iris Hinneburg, Gerald Gartlehner

zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2021

Was ist nach der Corona-Impfung zu erwarten, welche Risiken hat sie und warum ging alles so schnell? Wir beantworten Fragen zur Sicherheit der neuen Impfstoffe. (Bild: © Yuganov Konstantin – shutterstock.com)


Inhalte

 

Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie zur Corona-Impfung.

Jedes Medikament hat Nebenwirkungen, die Impfung gegen Covid-19 ist da keine Ausnahme. Zudem ist die Corona-Impfung neu, und die Erfahrungen damit begrenzt. Das macht viele Menschen unsicher.

Wir haben zusammengefasst, was nach einer Corona-Impfung zu erwarten ist, welche Risiken bekannt sind und warum die neuen Impfstoffe nun so rasch verfügbar waren.

 

Die Corona-Schutzimpfung: Ist sie sicher?

In „normalen“ Zeiten dauert die Entwicklung neuer Impfstoffe bis zu 15 Jahre. Dass wirksame Impfstoffe gegen das Coronavirus nun so schnell – nicht einmal ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie – zur Verfügung stehen, ist eine Premiere. Und es hat viele Menschen verunsichert. Wurden hier Abstriche bezüglich der Sicherheit gemacht? Haben Wissenschaft und Behörden ungenau gearbeitet?

Nein, wie alle Medikamente wurden auch die Corona-Impfstoffe vor ihrer Zulassung streng auf ihre Sicherheit hin geprüft. Die Herstellerfirmen haben alle notwendigen Studien genauso durchgeführt, wie das auch bei weniger dringend benötigten Impfungen der Fall ist [3].

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Warum ging jetzt alles so schnell?

Dass diesmal alles so schnell ging, liegt vor allem daran, dass für die Entwicklung der Corona-Impfung wegen deren Dringlichkeit rasch sehr hohe Summen investiert wurden. So konnten einige Schritte bei der Zulassung der neuen Impfstoffe parallel ablaufen, anstatt wie üblich nacheinander – das kostete zwar einiges, sparte aber wertvolle Zeit. Zudem gab es bereits einige Erkenntnisse aus der Forschung zum SARS-Virus, dem nahen Verwandten des neuen Coronavirus, das im Jahr 2002 aufgetreten, dann aber wieder verschwunden war. Diese Vorarbeiten halfen den Herstellerfirmen ebenfalls, rasch einen wirksamen Corona-Impfstoff zu finden.

Sobald die Herstellerfirmen neue Studienergebnisse zur Wirksamkeit und Sicherheit der Corona-Impfstoffe vorlegen konnten, begutachteten die unabhängigen Zulassungsbehörden diese sofort. Diese Vorgehensweise heißt rolling review. Herstellerfirmen und Behörden arbeiteten also besonders effizient und flexibel zusammen, was den sonst Jahre dauernden Prozess beschleunigte [5]. Zudem wurde den Impfstoffen eine bedingte Zulassung erteilt. Das bedeutet, dass laufend weiter geforscht wird und Herstellerfirmen immer neue Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe liefern müssen (Mehr dazu weiter unten).

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Reaktionen auf die Impfung sind normal

Nach der Corona-Impfung mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna Biotech, Johnson&Johnson und Astra Zeneca (Stand Juni 2021) haben die meisten Menschen Schmerzen, Schwellungen oder Rötungen an der Einstichstelle. Diese Reaktionen sowie Fieber, geschwollene Lymphknoten oder allgemeines Krankheitsgefühl betreffen in der Regel 5 bis 9 von 10 Geimpften [1,2]. Wie häufig welche Reaktionen genau vorkommen, haben wir uns in unseren Beiträgen zu den einzelnen zugelassenen Corona-Impfstoffen näher angesehen:

Die Abwehrzellen des Immunsystems reagieren auf die Impfung wie bei einem tatsächlichen „Angriff“. Dieses Aktivwerden des Immunsystems ist für manche Geimpfte deutlich spürbar: Sie fühlen sich mitunter bis zu einige Tage lang kränklich, haben Kopfschmerzen oder leichtes Fieber. Solche vorübergehenden Beschwerden gehören zur natürlichen Reaktion des Körpers auf die Impfung und verlaufen meist mild. Sie verschwinden für gewöhnlich nach einigen Tagen von selbst.

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Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten

Schwere Nebenwirkungen durch Impfungen sind sehr selten [2]. Zu den seltenen, schweren Nebenwirkungen zählen etwa die Bildung von Blutgerinnsel, wie sie in Zusammenhang mit dem Impfstoff von Astra Zeneca beobachtet wurden (mehr dazu in unserem Beitrag zum Astra Zeneca-Impfstoff). In sehr seltenen Fällen kann es direkt nach der Impfung auch zum allergischen (anaphylaktischen) Schock kommen. Im Fall der Corona-Impfstoffe werden pro eine Million Impfungen etwa 10 bis 20 Fälle von anaphylaktischem Schock beobachtet. Solche schweren allergischen Reaktionen betrafen bisher fast immer Menschen, die in der Vergangenheit schon einmal allergisch auf Impfungen oder Medikamente reagiert haben [4].

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Verspätete Nebenwirkungen – theoretisch möglich, aber unwahrscheinlich

Weil die Corona-Impfung so neu ist, fragen sich manche Menschen, ob sie langfristige Auswirkungen auf den Körper haben könnte. Sind verzögert auftretende Nebenwirkungen und negative Langzeitfolgen möglich, von denen man jetzt noch nichts weiß?

Untersuchen ließ sich das freilich bisher nicht. Verzögert auftretende Nebenwirkungen sind jedoch wenig wahrscheinlich. Denn nach der Impfung wird der Impfstoff in kürzester Zeit wieder abgebaut, argumentierten Fachexperten [6]. Im Körper bleibt sehr wahrscheinlich nichts zurück, was eine verzögerte Reaktion verursachen könnte.

Es ist jedoch möglich, dass es derzeit noch unbekannte seltene Nebenwirkungen gibt, die vielleicht nur bei einer von hundert Tausenden geimpften Personen auftreten. Das ist prinzipiell für jeden Impfstoff und jedes Medikament denkbar. Fachleute sind jedoch der Meinung, dass auch diese sehr seltenen Nebenwirkungen innerhalb der ersten drei Monate nach der Impfung und nicht zeitverzögert auftreten [6]. Weil sie aber so selten sind, kann es sein, dass sie erstmals auftauchen, wenn der Impfstoff schon lange im Einsatz ist. Deshalb überwachen sowohl die zuständigen Behörden (in Europa die Europäische Arzneimittelbehörde EMA), als auch die Herstellerfirmen auch nach der Zulassung der Impfstoffe alle gesundheitlichen Probleme von Geimpften, die womöglich mit dem Impfstoff in Zusammenhang stehen könnten [5].

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Kein Kontakt zwischen Impfstoff und menschlichem Erbgut

Um das Immunsystem gegen das Coronavirus zu „trainieren“ kommt in den neuen mRNA- und Vektor-Impfstoffen der genetische Bauplan des Coronavirus zum Einsatz. Die Sorge mancher Menschen, der Impfstoff könnte Einfluss auf das eigene Erbgut (die DNA) nehmen, ist jedoch unbegründet: Dass die menschliche DNA durch die Corona-Impfung beeinflusst oder gar verändert werden könnte, gilt als sehr unwahrscheinlich. Die genetische Information, die im Impfstoffs enthalten ist, kommt mit der menschlichen DNA nicht in Kontakt. Denn die menschliche DNA liegt gut verpackt im Zellkern. Auch auf das Erbgut in Spermien oder Eizellen hat der Impfstoff keinen Einfluss.

Die mRNA, der wirksame Bestandteil der mRNA-Impfstoffe (zB von Biontech/Pfizer und Moderna), ist zudem aus anderen Bausteinen zusammengesetzt als die DNA. Dass die mRNA und die DNA miteinander interagieren können, ist deshalb äußerst unwahrscheinlich [5].

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Keine Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit zu erwarten

Auch Behauptungen, die Corona-Impfung könnte Frauen unfruchtbar machen, haben keine wissenschaftliche Grundlage. Sie basieren auf der fälschlichen Annahme, ein Eiweiß namens Syncytin, das in der Gebärmutter vorkommt, könne vom Immunsystem mit dem Coronavirus, genauer dem Spike-Protein, verwechselt und angegriffen werden. Das ist jedoch sehr unwahrscheinlich. Zudem würde das bedeuten, dass eine durchgemachte Covid-19 Erkrankung Frauen ebenso unfruchtbar machen könnte. Obwohl inzwischen jedoch viele Millionen Frauen weltweit die Erkrankung durchgemacht haben, gibt es darauf keine Hinweise. (Unsere Kolleginnen und Kollegen der Faktencheck-Plattform Correctiv haben dazu eingehend recherchiert.) [7]

Für Schwangere sind die Corona-Impfstoffe derzeit nicht explizit zugelassen. Das liegt jedoch nicht daran, dass die Zulassungsbehörde hier eine Gefahr für die Frauen oder ihre Kinder vermutet. Schwangere wurden in den Impfstoff-Studien bisher einfach nicht untersucht [1].

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Strengere Kontrolle durch bedingte Zulassung

Bei den derzeit zugelassenen Corona-Impfstoffen handelt es sich um sogenannte bedingte Zulassungen. Bedingt deshalb, weil den Herstellerfirmen bestimmte Bedingungen gestellt werden, die noch strenger sind als bei regulär zugelassenen Impfstoffen. Das bedeutet etwa, dass die möglichen Risiken und die Wirkung der Corona-Impfung noch strenger und engmaschiger überwacht werden als das gewöhnlich ohnehin der Fall ist. Auch nach der Zulassung werden die Teilnehmenden der Studien, in denen die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe erprobt wurde, genau beobachtet. Mindestens zwei Jahre lang müssen Herstellerfirmen laufend neu gewonnene Daten zu Sicherheit und Wirkung der Impfung vorlegen. Das soll sicherstellen, dass auch selten Nebenwirkungen entdeckt werden, falls sie auftreten.

Die bedingte Zulassung wurde gewählt, weil es sich bei Covid-19 um eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung handelt, für die es im Moment keine verlässlich wirksamen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Deshalb war es wichtig, dass Impfstoffe schnell zur Verfügung stehen. Gleichzeitig haben die Behörden sichergestellt, dass zum Zeitpunkt der Zulassung der (bekannte) Nutzen des Impfstoffs die (bekannten) Risiken überwiegt [5].

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Bisher keine Hinweise auf schwerere Krankheitsverläufe durch die Impfung

In Studien vor und nach der Zulassung der Corona-Impfstoffe wird auch das Risiko der Entstehung krankheitsverstärkender Antikörper genau überwacht. In der Fachsprache heißt dieses Phänomen auch vaccine enhanced disease. Dabei könnten geimpfte Personen, anstatt vor der Erkrankung geschützt zu sein, bei einer späteren Infektion mit dem Coronavirus besonders schwer an Covid-19 erkranken. Etwa, wenn das Immunsystem im Zuge der Impfung nicht ausreichend reagiert hat, sich das Virus verändert (mutiert) oder der Impfschutz irgendwann nachlässt. Dieses Phänomen wurde bei Impfungen gegen andere Viruserkrankungen beobachtet und ist deshalb theoretisch denkbar. Bislang gibt es – trotz Millionen geimpfter Menschen weltweit – aber keine Hinweise darauf, dass dieses Problem auch bei der Corona-Impfung auftreten könnte [5]. Die Zulassungsbehörden achten aber dennoch genau darauf.

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Impfen – ja oder nein?

Impfen oder nicht impfen – diese Entscheidung trifft jeder für sich. Eine Pflicht zum Impfen gibt es in Österreich nicht. Wichtig beim Abwägen des Nutzens und der möglichen Risiken einer Corona-Impfung, auch die möglichen Komplikationen und Folgen einer Covid-19 Erkrankung zu bedenken.

Wir haben die Fakten zu den derzeit verfügbaren Impfstoffen zusammengetragen, um unseren Leserinnen und Lesern eine informierte Entscheidung zu ermöglichen.

Alles, was wir über die derzeit zugelassenen Impfstoffe wissen, wie sie getestet wurden und welche Fragen noch offen sind, haben wir hier zusammengefasst:

Was ein mRNA-Impfstoff und was ein Vektor-Impfstoff ist, was genau die Corona-Impfung im Körper macht und wie der Schutz gegen Covid-19 zustande kommt haben lesen Sie in unserem Beitrag: Wie wirken die neuen Corona-Impfstoffe?.

Wer genauer wissen möchte, wie die Entwicklung eines neuen Impfstoffes abläuft und wie die Sicherheit und Wirksamkeit der neuen Corona-Impfstoffe überprüft wurde, liest hier weiter: Corona-Impfung: Wie die Welt zu neuen Impfstoffen kommt.

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Mehr Infos

Mehr zur Herstellung des Corona-Impfstoffes finden Sie auf der Webseite der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Antworten auf häufige Fragen zur Corona-Impfung bietet das deutsche Robert Koch-Institut (RKI).

Weitere zuverlässige Informationen zum Corona-Virus sowie zu den einzelnen Corona-Impfstoffen finden Sie außerdem bei Gesundheitsinformation.de.

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Versionsgeschichte:

  • 21. 6. 2021: Ergänzung von Informationen zu Nebenwirkungen; Ergänzung um Impfstoff von Johnson&Johnson
  • 16. 2. 2021: Ergänzung von Informationen zu Vektorimpfstoffen
  • 20. 1. 2021: erste Version veröffentlicht

Quellen

[1] Robert Koch-Institut Deutschland
COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ). Abgerufen am 12.1.2021 unter www.rki.de

[2] Gesundheitsinformation.de
Der Impfstoff Moderna (mRNA-1273, Moderna Biotech) zur Impfung gegen Corona. Abgerufen am 12.1.2021 unter www.gesundheitsinformation.de

[3] Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit
Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen. Abgerufen am 12.1. 2021 unter www.ages.at

[4] Schweizer Informationsplattform für Impffragen
Coronavirus (COVID-19). Abgerufen am 12.1.2021 unter www.infovac.ch

[5] Paul-Ehrlich-Institut Deutschland
FAQ – Häu­fig ge­stell­te Fra­gen. Coronavirus SARS-CoV-2 / COVID-19. Abgerufen am 18.1.2021 unter www.pei.de

[6] ORF.at
„CoV-Impfung: Keine Spätfolgen zu erwarten“., Abgerufen am 18.1.2021 auf science.orf.at

[7] Unabhängige Recherche-Plattform Correctiv
Keine Belege, dass die Covid-19-Impfung unfruchtbar macht. Abgerufen am 19.1.2021 unter www.correctiv.org