Booster-Impfung für Johnson&Johnson-Geimpfte (Janssen)

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Bernd Kerschner

zuletzt aktualisiert: 31. Dezember 2021
Einmal reicht nicht: Johnson&Johnson-Geimpfte sollten sich vier Wochen später einen Booster holen.
Der zweite Stich für Johnson&Johnson-Geimpfte: Was sagen Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit der „Booster“-Impfung gegen Covid-19?
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Alle, die vor mehr als 4 Wochen mit dem Corona-Impfstoff von Johnson&Johnson (Janssen) geimpft wurden, sollten sich sobald wie möglich ein zweites Mal impfen lassen. So lautet die Empfehlung des Nationalen Impfgremiums in Österreich und der Ständigen Impfkommission (STIKO) in Deutschland [5,6,8]. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit empfiehlt allen vollständig Geimpften eine Auffrischimpfung nach vier Monaten [7].

Die deutsche und die österreichische Behörde empfehlen auch eine dritte Impfung. Dem österreichischen Nationalen Impfgremium zufolge soll diese vier Monate nach der zweiten Impfung erfolgen [6]. In Deutschland rät die STIKO aufgrund der raschen Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus bereits nach drei Monaten zur dritten Impfung [5] (Stand: Ende Dezember 2021).

Rasch nachlassende Schutzwirkung

Gründe für diese Empfehlungen sind der rasch nachlassende Impfschutz sowie die schlechtere Wirksamkeit gegen die Omikron-Variante. Ursprünglich haben Fachleute angenommen, dass beim Impfstoff von Johnson&Johnson eine einzige Dosis ausreichenden Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung bietet. Inzwischen hat eine Beobachtungstudie jedoch gezeigt [4], dass der Schutz nach nur einer Impfung schnell abfällt: Kurz nach der Johnson&Johnson-Impfung beträgt die Schutzwirkung rund 60 Prozent. Das bedeutet, dass die Impfung rund 60 Prozent der Covid-19-Erkrankungen verhindert hat, die ohne Impfung aufgetreten wären. Nicht einmal vier Monate später war die Schutzwirkung jedoch auf 42 Prozent abgefallen.

Womit boostern und warum?

In Österreich und Deutschland empfehlen die Gesundheitsbehörden allen Johnson&Johnson-Geimpften für die zweite und dritte Impfung mit einen mRNA-Impfstoff (Moderna oder Biontech/Pfizer; Stand Ende Dezember 2021) [5,6]. Personen unter 30 Jahren sollten jedoch nicht den Moderna-Impfstoff erhalten, sondern jenen von Biontech/Pfizer. Begründet wird diese Empfehlung damit, dass Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen in dieser Altersgruppe nach der Moderna-Impfung häufiger vorkamen als nach der Biontech/Pfizer-Impfung [5,9]. Die Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung ist eine sehr seltene Nebenwirkung der beiden mRNA-Impfstoffe. In unserem allgemeinen Beitrag zum Moderna-Impfstoff haben wir beleuchtet, wie oft diese Nebenwirkung auftritt.

Zweite Impfung: besser mit mRNA-Impfstoff

Sind einmal Johnson&Johnson-Geimpfte besser vor Covid-19 geschützt, wenn sie sich ein zweites oder drittes Mal impfen lassen? Um diese Frage zu beantworten, haben wir verschiedene Forschungsdatenbanken durchsucht.

Wir fanden drei Studien, die das indirekt anhand der Antikörper-Anzahl im Blut untersucht haben [1-3]. Alle drei kamen zu ähnlichen Ergebnissen: Nach einer zweiten Impfung war die Anzahl der Antikörper deutlich höher als nach einer einmaligen Johnson&Johnson-Impfung.

Die meisten Antikörper haben die Studien nach einer Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna festgestellt. Eine Booster-Impfung mit einer zweiten Dosis Johnson&Johnson schien einen geringeren Anstieg der Antikörper zu bewirken.

Das lässt darauf schließen, dass ein Booster mit einem mRNA-Impfstoff am besten davor schützt, an Covid-19 zu erkranken. Von Antikörpern lässt sich jedoch nur indirekt auf den Schutz vor Erkrankungen schließen. Wie viele Erkrankungen eine solche Booster-Impfung im Vergleich zur Einzelimpfung mit Johnson&Johnson tatsächlich verhindern kann, bleibt unklar.

Keine direkten Studien zu dritter Impfung

Zur Wirksamkeit der dritten Impfung für Johnson&Johnson-Geimpfte fanden weder wir noch die deutsche Impfkommission Studien [5,11]. Die Behörde begründet ihre Empfehlung mit Daten zum ähnlich wirkenden Impfstoff von AstraZeneca.

So zeigt eine Beobachtungsstudie aus England, dass zwei AstraZeneca-Impfungen vier Monate nach der zweiten Impfung keinen Schutz vor einer Erkrankung durch die Omikron-Variante des Coronavirus bieten dürfte. Eine Booster-Impfung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer scheint hier jedoch zu helfen: nach diesem dritten Stich liegt die Schutzwirkung gegen eine Omikron-Erkrankung möglicherweise wieder bei 71 Prozent [12].

Die Fachleute der deutschen Impfkommission STIKO nehmen an, dass eine dritte Impfung Johnson&Johnson-Geimpfte in ähnlicher Weise vor der Omikron-Variante des Coronavirus schützt [11].

Nebenwirkungen nach mRNA-Booster stärker

Nebenwirkungen wie Fieber, Muskelschmerzen oder Rötung und Schmerzen im geimpften Arm scheinen häufiger nach einer Booster-Impfung mit dem Biontech/Pfizer- oder dem Moderna-Impfstoff aufzutreten als nach einem Johnson&Johnson-Booster. Zu diesem Ergebnis kam eine der drei Antikörper-Studien [1]. Wie häufig welche Nebenwirkungen auftreten, haben wir in unseren Beiträgen zu den Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson beschrieben.

Zweite Impfung mit Johnson & Johnson?

Für die zweite Impfung gibt es laut europäischer Arzneimittelbehörde EMA auch die Option, wieder den Impfstoff von Johnson & Johnson zu verwenden [10]. Die Gesundheitsbehörden in Österreich [6] und Deutschland [5] empfehlen dies nicht. Das Nationale Impfgremium in Österreich erwähnt die Möglichkeit jedoch zumindest [6].

Eine weitere Studie hat zwar untersucht, wie viele Erkrankungen eine doppelte Impfung mit Johnson & Johnson verhindern kann [4]. Doch die Aussagekraft ist eingeschränkt, denn es fehlt der direkte Vergleich mit der Einfach-Impfung.

An der Studie nahmen rund 31.000 Personen teil, die zwei Impfungen im Abstand von zwei Monaten bekamen. Die Hälfte der Teilnehmenden wurde mit zwei Dosen des Impfstoffs von Johnson & Johnson geimpft, die andere Hälfte mit zwei Dosen eines Schein-Impfstoffs (Placebo).

Mit doppelter Johnson&Johnson-Impfung erkrankten um ca. 75 Prozent weniger Teilnehmende als mit zwei Dosen Schein-Impfstoff. Die zweifache Impfung verhindert somit ca. 75 Prozent der Covid-19-Erkrankungen, die ohne Impfung auftreten würden. Man sagt auch: Die Schutzwirkung beträgt ca. 75 Prozent.

Einen direkten Vergleich mit der Einfach-Impfung hat das Studienteam allerdings nicht durchgeführt. Daher lässt sich der Vorteil der Doppelimpfung zur Einfachimpfung nur grob schätzen. In der ursprünglichen Zulassungsstudie des Impfstoffs betrug die Schutzwirkung 66 Prozent (wir haben dazu einen eigenen Beitrag veröffentlicht). Es ist also möglich, dass zwei Dosen Johnson & Johnson besser vor einer Erkrankung schützen als eine Einzeldosis.

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Die Studien im Detail

Antikörper-Studien

Bei unserer Suche fanden wir drei Studien zur Booster-Impfung nach einer Erstimpfung mit dem Johnson&Johnson-Impfstoff [1-3]. Alle drei untersuchten die Anzahl der Antikörper gegen das Coronavirus im Blut der Teilnehmenden.

In der am besten durchgeführten Studie [1] nahmen 461 Personen teil, die drei Monate zuvor eine Johnson&Johnson-Impfung erhalten hatten. Per Zufall wurden sie in vier Gruppen aufgeteilt. Drei der vier Gruppen erhielten eine Booster-Impfung: eine mit dem Johnson&Johnson-Impfstoff, eine mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff, eine mit dem Moderna-Impfstoff. Die vierte Gruppe (Kontrollgruppe) wurde kein zweites Mal geimpft. Anschließend bestimmte das Studienteam die Anzahl der Antikörper im Blut der Teilnehmenden. Jene Personen, die beim zweiten Mal mit dem Biontech/Pfizer- oder dem Moderna-Impfstoff geimpft worden waren, hatten deutlich mehr Antikörper als jene, die noch einmal den Johnson&Johnson-Impfstoff oder gar keine zweite Impfung erhalten hatten. Wie hoch genau die Antikörperwerte jeweils waren, ist allerdings noch nicht veröffentlicht.

Die zwei anderen Studien sind weniger verlässlich als die erste Studie [2]. Die Forschungsteams haben die Teilnehmenden nämlich nicht per Zufall, sondern willkürlich verschiedenen Booster-Impfstoffen zugeteilt. Nur eine zufällige Zuteilung stellt sicher, dass die Gruppen gut miteinander vergleichbar sind – und beispielsweise in einer Gruppe nicht mehr Ältere mit schlechterem Immunsystem landen als in anderen Gruppen.
Dennoch kommen die beiden Studien zu ähnlichen Ergebnissen. In einer davon nahmen 151 Personen teil, die mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson geimpft worden waren. Mindestens 12 Wochen später erhielten sie eine Booster-Impfung mit demselben Impfstoff oder mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer oder von Moderna. Zwei Wochen nach der Booster-Impfung waren die Antikörperwerte deutlich höher als unmittelbar vor der Booster-Impfung. Die Studie erlaubt jedoch keinen Vergleich der unterschiedlichen Booster-Impfstoffe.

In der dritten Studie [3] wurden 55 Johnson&Johnson-Geimpfte in drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt einen Johnson&Johnson-Booster, eine einen Biontech/Pfizer-Booster und eine gar keinen Booster. Das Studienteam entschied jedoch scheinbar willkürlich und nicht nach dem Zufallsprinzip, wer welcher Gruppe zugeteilt wurde. Die Gruppen unterschieden sich auch relativ stark voneinander, etwa hinsichtlich Alter und Zeitpunkt der Booster-Impfung. Mit Booster waren die Antikörperwerte höher als ohne.

Zwei der drei Studien [2,3] haben grobe Mängel, die ihre Aussagekraft einschränken. Am aussagekräftigsten wären Studien, die anstelle der Antikörper-Anzahl das tatsächliche Covid-19-Erkrankungsrisiko untersuchen. Solche Studien konnten wir jedoch nicht finden.

Johnson&Johnson-Doppelimpfung

Wir haben zwar eine solche Studie [4] gefunden. Sie hat jedoch nicht die zweite mit der ersten Impfung verglichen, sondern lediglich die Schutzwirkung nach der zweiten Impfung erhoben.

Durchgeführt wurde sie von der Herstellerfirma Johnson&Johnson (Janssen). Es handelt sich dabei um eine große randomisiert-kontrollierte Studie [4]. Diese Studienart eignet sich am besten, um zu beantworten, wie gut der Impfstoff das Erkrankungsrisiko verringert. An der Studie nahmen 31.300 Menschen ab 18 Jahren aus Nord- und Südamerika, Asien, Afrika und Europa teil. Per Zufall (randomisiert) wurden sie einer von zwei Gruppen zugeteilt. Die Impfstoff-Gruppe erhielt zwei Dosen Johnson&Johnson-Impfstoff, die Kontroll-Gruppe zwei Dosen Schein-Impfstoff (Placebo). Zwischen den beiden Dosen lag ein Abstand von zwei Monaten.

14 Tage nach der zweiten Dosis bis durchschnittlich 36 Tage danach haben die Forscherinnen und Forscher beobachtet, wie viele Teilnehmende in beiden Gruppen an Covid-19 erkrankt sind.

  • Mit doppelter Johnson&Johnson-Impfung erkrankten 14 Personen
  • Mit Placebo-Impfung erkrankten 52 Personen

Die doppelte Impfung verringerte das Erkrankungsrisiko also um 75 Prozent. Möglicherweise liegt dieser Wert für Personen ab 60 etwas niedriger (bei 66 Prozent) und für Jüngere etwas höher (bei 78 Prozent). Genau lässt sich das aufgrund der wenigen Erkrankungsfälle jedoch nicht sagen.

Die meisten Erkrankungen wurden durch die Alpha-Variante des Coronavirus verursacht, nur wenige durch die Delta-Variante. Daher ist nicht klar, ob der Schutz vor der Delta-Variante ähnlich gut ist wie vor Alpha.

Das Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung scheint sehr hoch zu sein:

  • Mit doppelter Johnson&Johnson-Impfung erkrankten 0 Personen schwer
  • Mit Placebo-Impfung erkrankten 8 Personen schwer (eine davon starb)

Rein rechnerisch ergibt das eine Schutzwirkung vor schweren Erkrankungen von 100 Prozent. Da insgesamt nur wenige Erkrankungen schwer verlaufen sind, ist diese Zahl jedoch nicht sehr genau.

Die Studie wurde streng nach wissenschaftlichen Anforderungen durchgeführt. Alle Teilnehmenden und das wissenschaftliche Studienteam wurden im Unklaren gelassen, wer den echten und wer den Placebo-Impfstoff erhielt. Daher stufen wir die Ergebnisse der Studie als relativ verlässlich ein. Da der direkte Vergleich mit nur einer Impfung in dieser Studie fehlt, lässt sich nicht beantworten, ob zwei Dosen Johnson&Johnson-Impfstoff wirklich deutlich besser wirken als nur eine. Die ursprüngliche Zulassungsstudie des Impfstoffs zeigte für eine Einzeldosis zwar eine Schutzwirkung von 66 Prozent – ein niedrigerer Wert als die 75 Prozent in der Zwei-Dosis-Studie. Aufgrund der großen Schwankungsbreite der Ergebnisse beider Studien ist aber nicht abgesichert, dass die wahre Schutzwirkung tatsächlich deutlich höher ist.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Sablerolles u.a. (2021)
Sablerolles, R., Rietdijk, W., Goorhuis, B., Postma, D., Visser, L., Geers, D., … & SWITCH research group. (2021). Immunogenicity and reactogenicity of booster vaccinations after Ad26. COV2. S priming. medRxiv. (Link zur Studie)

[2] Atmar u.a. (2021)
Atmar, R. L., Lyke, K. E., Deming, M. E., Jackson, L. A., Branche, A. R., El Sahly, H. M., … & Beigel, J. H. (2021). Heterologous SARS-CoV-2 Booster Vaccinations–Preliminary Report. Medrxiv. (Link zur Studie)

[3] Khoo u.a. (2021)
Khoo, N. K. H., Lim, J. M. E., Gill, U. S., de Alwis, R., Tan, N., Toh, J. Z. N., … & Bertoletti, A. (2021). Differential immunogenicity of homologous versus heterologous boost in Ad26. COV2. S vaccine recipients. medRxiv. (Link zur Studie)

[4] FDA (2021)
FDA Briefing Document. EUA amendment request for a booster dose for the Janssen COVID-19 Vaccine. Abgerufen am 29.12.2021 unter www.fda.gov

[5] Robert-Koch-Institut (RKI)
Beschluss der STIKO zur 16. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung von 21.12.2021. Abgerufen am 31.12.2021 unter www.rki.de

[6] Nationales Impfgremium Österreich (NIG)
COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 8.0, Stand: 23.12.2021. Abgerufen am 31.12.2021 unter www.sozialministerium.at

[7] Bundesamt für Gesundheit Schweiz
Abgerufen am 31.12.2021 unter www.bag.admin.ch

[8] Robert-Koch-Institut (RKI)
Fragen & Antworten zur Impfung. Abgerufen am 31.12.2021 unter www.rki.de

[9] Paul-Ehrlich-Institut (2021)
Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19 seit Beginn der Impfkampagne am 27.12.2020 bis zum 30.09.2021. Abgerufen am 3. 12. 2021 unter www.pei.de

[10] EMA (2021)
European Medicines Agency. COVID-19 Vaccine Janssen : EPAR – Product information. Version vom 17.12.2021. Abgerufen am 22.12.2021 unter www.ema.europa.eu

[11] STIKO (2021)
Wissenschaftliche Begründung der STIKO für die Empfehlung zur Verkürzung des Impfabstands zwischen Grundimmunisierung bzw. Infektion und Auffrischimpfung auf einen Zeitraum ab 3 Monate. Stand: 21.12.2021. Abgerufen unter www.rki.de

[12] Andrews u.a. (2021)
Andrews, N., Stowe, J., Kirsebom, F., Toffa, S., Rickeard, T., Gallagher, E., … & Bernal, J. L. (2021). Effectiveness of COVID-19 vaccines against the Omicron (B. 1.1. 529) variant of concern. medRxiv. (nicht-begutachtete Vorabversion der Studie)