Zink gegen Corona: kein Hinweis auf Wirksamkeit

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Julia Harlfinger, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 7. Dezember 2021
Zink-Präparate sind nur bei einem Mangel nötig - doch der ist in Österreich selten.
Studien deuten darauf hin, dass Zink keine Hilfe bei der Behandlung von Covid-19 ist. Eine vorbeugende Wirkung ist bisher nicht erforscht.
Frage:
Kann Zink den Verlauf von Covid-19 mildern?
möglicherweise nicht
Antwort:
Antwort:
Frage:
Schützt Zink vorbeugend vor einer Covid-19-Erkrankung?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Die Ergebnisse zweier Studien dazu deuten an, dass Erkrankte mit Covid-19 mit Zink nicht rascher genesen als ohne. Eine vorbeugende Wirkung ist bisher nicht in Studien untersucht worden.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)

Dieser Beitrag ist Teil unserer Faktencheck-Serie Mythen und Fakten zum Coronavirus

Gegen gewöhnliche Erkältungen wird häufig die Einnahme von Zink-Präparaten empfohlen. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass Zink die Dauer einer Erkältung zumindest ein wenig verkürzen könnte – auch wenn das nicht gut abgesichert ist. Für einen vorbeugenden Effekt gibt es allerdings keine Hinweise.

Manche hoffen, dass Zink auch gegen das Coronavirus hilft. So finden sich im Internet immer wieder Anregungen, Nahrungsergänzungsmittel mit Zink zur Vorbeugung oder zur Behandlung von Covid-19 einzunehmen. Wir haben recherchiert, ob eine solche Wirkung wissenschaftlich belegt ist.

Ernüchternde Studienergebnisse

Zur Behandlung von Covid-19 wurden bisher zwei Studien veröffentlicht [1,2], die die Wirksamkeit von Zink nach wissenschaftlich strengen Kriterien überprüft haben. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass Zink den Verlauf der Erkrankung nicht verbessert. So dürfte Zink nicht bewirken, dass es Covid-19-Erkrankten rascher wieder besser geht [3].

An einer Studie [1] nahmen 33 erwachsene Spitalspatientinnen und -patienten mit unterschiedlich schwerem Krankheitsverlauf teil. Die Hälfte von ihnen bekam Infusionen mit Zink-Lösung, die andere Hälfte eine wirkstofflose Placebo-Lösung. Der Vergleich beider Studiengruppen zeigte keine Unterschiede. Die mit Zink behandelten Teilnehmenden waren weder schneller genesen noch hatten sie ein geringeres Risiko zu versterben.

An der zweiten Studie [2] nahmen 108 Personen teil, die ihre Covid-19-Erkrankung zu Hause auskurierten, also nicht schwer erkrankt waren. Die Hälfte von ihnen nahm ein Zinkpräparat ein. Verglichen mit der anderen Hälfte, die kein Zink einnahm, wurden sie jedoch nicht schneller wieder gesund.

Die Ergebnisse der beiden Studien sind nicht gut abgesichert. Denn für eine wirklich verlässliche Einschätzung ist die Anzahl der Teilnehmenden noch zu gering. Zudem hat die zweite Studie einige Mängel in der Durchführung.

Dass Zink zur Behandlung von Covid-19 tatsächlich wirkungslos ist, müssen weitere Studien erst bestätigen.

Eine vorbeugende Wirkung ist bisher in keiner einzigen Studie erforscht worden. Ob die vorbeugende Einnahme von Zink-Präparaten vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 oder einer Covid-19-Erkrankung schützt, ist somit unklar.

Nicht ohne Nebenwirkung

Besser abgesichert ist, dass Zink-Präparate zum Einnehmen auch Nebenwirkungen haben: Beispielsweise können sie Übelkeit und Verdauungsbeschwerden auslösen. Zudem schmecken sie nicht besonders angenehm [4,5]. Diese Nebenwirkungen sind bei rund 7 Prozent der Covid-19-Erkrankten aufgetreten, die zuhause Zinkpräparate eingenommen haben [2]. Nasensprays mit Zink können möglicherweise zu einem andauernden Geruchsverlust führen [5].

Zink in der Nahrung

Zink ist ein für den Menschen notwendiges Spurenelement und wichtig für viele Vorgänge im Körper. Dazu zählen Immunreaktionen, wobei viele Details noch ungeklärt sind.

Zink muss ständig mit der Nahrung aufgenommen werden, etwa mit Fleisch, Milchprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen – was laut Fachleuten normalerweise auch in ausreichender Menge gelingt. In Österreich ist ein starker Zinkmangel selten [6].

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Die Studien im Detail

Die Wirksamkeit von Zink bei Covid-19 lässt sich am besten in randomisiert-kontrollierten Studien überprüfen. Dabei werden an Covid-19 erkrankte Personen per Los einer von zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe bekommt ein Zink-Präparat, die andere stattdessen ein wirkstoffloses Placebo-Präparat.

Idealerweise sollten weder die Studienleitung noch die Teilnehmenden wissen, wer welcher Gruppe angehört. Im Fachjargon wird die Geheimhaltung der Zuteilung „Verblindung“ genannt. So lässt sich ausschließen, dass die Daten durch Erwartungshaltungen verzerrt oder manipuliert werden.

Bei unserer umfangreichen Recherche sind auf die Ergebnisse von zwei randomisiert-kontrollierten Studie gestoßen [1,2]. Ein auf Studienzusammenfassungen spezialisiertes internationales Forschungsteam hat die beiden Studien analysiert [3].

An der ersten Studie [1] nahmen 33 Covid-19-Patientinnen und -Patienten teil, die mit unterschiedlich schwerem Verlauf im Krankenhaus lagen. 15 von ihnen wurden per Zufall der Behandlungsgruppe zugeteilt. Sie bekamen 7 Tage lang Infusionen mit hochdosiertem Zink. Die 18 Teilnehmenden in der Kontrollgruppe erhielten stattdessen Placebo-Infusionen mit einer wirkstofffreien Lösung.

Nach 28 Tagen zeigten sich keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Nach den Zink-Infusionen ging es etwa ähnlich vielen Teilnehmenden besser wie nach den Placebo-Infusionen. In der Zink-Gruppe waren 2 von 15 Behandelten verstorben, in der Placebo-Gruppe 3 von 18 – kein Hinweis auf einen Vorteil durch Zink.

Die zweite [2] Studie untersuchte 108 Personen, die ihre Covid-19-Erkrankung zu Hause auskurierten, also nicht schwer erkrankt waren. 58 von ihnen wurden nach dem Zufallsprinzip der Zink-Gruppe zugeteilt. Zehn Tage lang nahmen sie täglich ein Zinkpräparat ein, nicht aber die 50 Teilnehmenden aus der Kontrollgruppe.

Das wissenschaftliche Studienteam beobachtete, nach wie vielen Tagen die Beschwerden nur noch halb so stark waren. Das war im Schnitt nach 6 bis 6-einhalb Tagen der Fall. Ein Unterschied zeigte sich dabei nicht.

Diese Ergebnisse deuten also an, dass eine Behandlung mit Zink bei Covid-19 keine Hilfe ist. Die Ergebnisse sind allerdings nicht gut abgesichert. Einerseits sind 33 bzw. 108 Teilnehmende zu wenig für wirklich aussagekräftige Ergebnisse.

Die Studie mit den Personen, die ihre Erkrankung zuhause auskurierten, weist zudem einen weiteren Mangel auf: Die Teilnehmenden waren nicht verblindet – ihnen war bewusst, ob sie Zink einnahmen oder nicht. Die Erwartungen an eine mögliche Wirkung von Zink könnte die Teilnehmenden bei der Einschätzung ihrer Beschwerden beeinflusst und so die Ergebnisse verzerrt haben.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Patel u.a. (2021)
Studienart: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 33 Covid-19-Erkrankte in Spitalsbehandlung
Studiendauer: 28 Tage, davon 7 Tage Behandlung
Fragestellung: Sind Zink-Infusionen bei der Behandlung von Covid-19 im Spital wirksamer als Scheininfusionen?
Interessenskonflikte: keine laut Autorenteam

Patel O, Chinni V, El-Khoury J, Perera M, Neto AS, McDonald C, See E, Jones D, Bolton D, Bellomo R, Trubiano J, Ischia J. A pilot double-blind safety and feasibility randomized controlled trial of high-dose intravenous zinc in hospitalized COVID-19 patients. J Med Virol. 2021 May;93(5):3261-3267. (Studie in voller Länge)

[2] Thomas u.a. (2021)
Studienart: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 108 leicht an Covid-19-Erkrankte
Studiendauer: 28 Tage, davon 10 Tage Behandlung
Fragestellung: Lindert die Einnahme von Zink Covid-19-Beschwerden besser als keine Zink-Einnahme?
Interessenskonflikte: 2 Autoren haben in der Vergangenheit Honorare aus der pharmazeutischen Industrie erhalten.

Thomas S, Patel D, Bittel B, Wolski K, Wang Q, Kumar A, Il’Giovine ZJ, Mehra R, McWilliams C, Nissen SE, Desai MY. Effect of High-Dose Zinc and Ascorbic Acid Supplementation vs Usual Care on Symptom Length and Reduction Among Ambulatory Patients With SARS-CoV-2 Infection: The COVID A to Z Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2021 Feb 1;4(2):e210369. (Studie in voller Länge)

[3] COVID-NMA Initiative (2021)
Studienart: Laufend aktualisierte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Analysierte Studien: 2 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmende: 141 Patient/innen mit Covid-19
Untersuchungsdauer: 28 Tage
Fragestellung: Ist Zink verglichen mit Placebo oder einer alleinigen Standardbehandlung eine wirksame Behandlung von Covid-19?
Interessenskonflikte: keine laut Autorinnen und Autoren

Abgerufen am 6. 12. 2021. (Zur Analyse in voller Länge)

Nguyen VT, Rivière P, Ripoll P, Barnier J, Vuillemot R, Ferrand G, Cohen-Boulakia S, Ravaud P, Boutron I; COVID-NMA Consortium Team. Research response to coronavirus disease 2019 needed better coordination and collaboration: a living mapping of registered trials. J Clin Epidemiol. 2021 Feb;130:107-116. (Studienprotokoll in voller Länge)

[4] Hunter (2020)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit & Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 28 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmerinnen und Teilnehmer insgesamt: 3,597 Erwachsene ohne Zink-Mangel
Fragestellung: Helfen Zink-Präparate bei der Behandlung oder Vorbeugung von viralen Atemwegserkrankungen?
Interessenskonflikte: Angaben fehlen

Hunter J, et al. (2020). „Benefits and risks of zinc for adults during covid-19: rapid systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials.“ medRxiv. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[5] Dynamed (2020)
Upper Respiratory Infection (URI) in Adults and Adolescents. Abgerufen am 6. 12. 2021 unter www.dynamed.com (Zugriff kostenpflichtig)

[6] Österreichischer Ernährungsbericht (2017)
Rust P, Hasenegger V, König J. Österreichischer Ernährungsbericht 2017. Department für Ernährungswissenschaften, Universität Wien. (Bericht in voller Länge)