Erkältungen verkürzen: vielleicht mit Zink

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Bernd Kerschner, Claudia Christof

zuletzt aktualisiert: 1. August 2021
Niesen, Schnupfen, Husten oder Halsweh – typische Symptome einer Erkältung
Für die meisten Mittel gegen Erkältungen fehlen Hinweise auf positive Effekte. Präparate mit Zink sind eine Ausnahme. Möglicherweise können sie die Krankheitsdauer ein wenig verkürzen.
Frage:
Sind Zink-Präparate zum Einnehmen wirksam zur Behandlung einer Erkältung (Verkühlung)?
möglicherweise
Antwort:
Antwort:
Frage:
Beugen Zink-Präparate zum Einnehmen einer Erkältung vor?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Möglicherweise können Zink-Präparate zum Einnehmen die Dauer einer Erkältung bei Erwachsenen leicht verkürzen. Viele Details rund um Wirksamkeit und Sicherheit sind allerdings noch ungeklärt. Ob Zink auch eine vorbeugende Wirkung hat, können bisherige Studien nicht beantworten – dazu sind sie zu wenig aussagekräftig.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)

Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit – das sind typische Beschwerden bei einer Erkältung (auch: Verkühlung). Kommen Halsweh, Fieber oder Kopf- und Gliederschmerzen hinzu, ist es eine gute Idee, zuhause zu bleiben und das Bett zu hüten.

Erkältungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Krankenstände oder das Fernbleiben von der Schule [1]. Ungefähr zwei bis vier Mal im Jahr sind Erwachsene in unseren Breiten erkältet, vor allem im Herbst und Winter. Kinder sind etwa acht bis zehn Mal pro Jahr erkältet [1]. Auslöser einer Erkältung sind fast immer Viren.

Bis die Erkrankung nach etwa einer Woche von selbst wieder zurückgeht, ist Geduld gefragt. Denn eine wirksame Anti-Erkältungs-Behandlung existiert bis heute nicht. Nur die Beschwerden lassen sich mit Medikamenten lindern [3,6].

Etwas kürzer krank

Immer wieder wird Zink bei Erkältungen empfohlen. Wir haben recherchiert, ob das Spurenelement wirklich helfen kann, schneller wieder gesund zu werden.

Herausgefunden haben wir, dass Präparate mit Zink zum Einnehmen – etwa Lutschpastillen – die lästigen Erkältungen zwar nicht wegzaubern. Aber dem aktuellen Stand des Wissens zufolge können Zink-Präparate Erwachsenen möglicherweise helfen [1], ein wenig schneller wieder gesund zu werden.

Der Erfolg scheint jedoch eher bescheiden. Bisherigen Studien zufolge [1] könnten Erwachsene, die Mittel mit Zink einnehmen, die Dauer ihrer Erkältung um rund eineinhalb Tage reduzieren. Bei Kindern scheint es diesen Effekt nicht zu geben [2].

Diese Erkenntnisse sind als durchaus vorläufig einzustufen. Neue Studien könnten den aktuellen Stand des Wissens noch verändern. Es gehört zum Beispiel genauer geklärt, in welcher Dosierung und Form Zink möglicherweise helfen kann und wie die Einnahme idealerweise erfolgen sollte.

Übelkeit als Nebenwirkung

Gesichert ist hingegen, dass auch harmlos erscheinende rezeptfreie Mittelchen wie Zink-Präparate Nebenwirkungen haben können: Mittel mit Zink können zum Beispiel Übelkeit und Verdauungsbeschwerden auslösen. Zudem schmecken sie nicht besonders angenehm [1,7]. Nasensprays mit Zink können möglicherweise zu einem andauernden Geruchsverlust führen [7].

Großer Markt, oft fragliche Wirkung

Der Markt für Mittel gegen Erkältungen ist riesig. Belege für deren Wirksamkeit sind hingegen rar. Immerhin scheint ein Extrakt der Kapland-Pelargonie (Handelsname Umckaloabo oder Kaloba) Linderung verschaffen zu können. Ob Präparate aus dem Sonnenhut Echinacea wirksam sind, ist noch weniger gesichert.

Auch über die gerne empfohlene Hühnersuppe und ihre unklare Wirksamkeit haben wir bereits berichtet.

Es gibt Hinweise darauf, dass Nasensprays mit Carrageen aus der Rotalge keinen positiven Effekt haben. Sicher wirkungslos ist das allseits beliebte Vitamin C. Das zeigen bisherige klinische Studien deutlich. Auch wer regelmäßig vorbeugend Vitamin C zu sich nimmt, kann Erkältungen nicht verhindern.

Nutzlos gegen die eigentlichen Erreger von Erkältungen sind im Übrigen auch Antibiotika. Die meisten Erkältungserkrankungen werden von Viren verursacht. Antibiotika wirken aber nur gegen Bakterien.

Zink im Essen

Zink ist ein für den Menschen notwendiges Spurenelement und wichtig für viele Vorgänge im Körper. Dazu zählen Immunreaktionen, wobei viele Details noch ungeklärt sind.

Zink muss ständig mit der Nahrung aufgenommen werden, etwa mit Fleisch, Milchprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen – was laut Fachleuten normalerweise auch in ausreichender Menge gelingt. Ein ausgesprochener Zinkmangel ist hierzulande selten [1, 3, 5].

Weiterführende Information

Über das Thema Erkältung [3], zum Beispiel zu Verlauf, Vorbeugung und Behandlung, informiert Sie auch das IQWIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen).

Die Studien im Detail

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 [1] hat die Studienlage zu Zink und Erkältungen zusammengefasst.

Das Forschungsteam [1] berücksichtigte 10 randomisiert-kontrollierten Studien zur Behandlung und 2 zur Vorbeugung von Erkältungen. Diese Studien wurden in den USA, in Großbritannien, Dänemark, Australien und Finnland durchgeführt. In den Behandlungsstudien nahmen 729 Erwachsene teil, in den beiden Vorbeugungs-Studien waren es 90. Nach zufälliger Zuteilung nahmen die Teilnehmenden entweder Zink in Form von Lutschpastillen oder ein Placebomittel ein. Dann wurde zum Beispiel erfasst, wie lange die Erkältung dauerte.

Den zusammengefassten Studienergebnissen zufolge könnte die Einnahme von Zinkpräparaten bei Erwachsenen die Krankheitsdauer um 1,8 Tage verkürzen. Folglich lohnt sich für Erwachsene die Einnahme von Zinkpräparaten möglicherweise, wenn sie die Erkrankungsdauer merklich reduzieren wollen.

Eine ältere systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2012 [2] hat auch die Ergebnisse von 3 Studien mit 563 Kindern zusammengefasst. Sie waren 1 bis 12 Jahre alt. Bei ihnen hat sich jedoch kein Effekt gezeigt, und die Erkältung wurde nicht verkürzt. Aktuellere Studien haben wir keine finden können, daher beruht unsere Einschätzung für Kinder auf dieser Übersichtsarbeit.

Den Ergebnissen [1,2] kann man jedoch keineswegs blind vertrauen. Vielmehr sind sie als vorläufig anzusehen. So finden sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Studien; das erschwert die Vergleichbarkeit und senkt somit das Vertrauen in die gezogenen Schlüsse.

Zudem erfüllen einige der Studien nicht alle Voraussetzungen für aussagekräftige Studien. Zum Beispiel wurden unterschiedliche Dosierungen und verschiedene Zinksalze verwendet: Zink-Glukonat, Zink-Acetat und Zink-Sulfat. Die Probandinnen und Probanden bekamen meistens Lutschpastillen verabreicht. Aber es kamen auch Tabletten und in einer Studie mit Kindern Sirup zum Einsatz, und es wurde bei verschiedenen Altersgruppen getestet. Vielleicht kam es hier also zu „Äpfel-mit-Birnen-Vergleichen“.

Zudem standen bei allen Studien Firmen als Sponsoren im Hintergrund; soweit wir eruieren konnten, stellten zumindest einige dieser Sponsoren die Testpräparate zur Verfügung.

Wir können auch nicht sicher sein, dass von allen durchgeführten Studien auch Ergebnisse publiziert wurden [6]. Vielleicht haben es nur die ermutigenden Studien bis zur Veröffentlichung geschafft. Der Rest ist vielleicht in den Schubladen von unzufriedenen Forschungsteams und Auftraggebern verschwunden – weil sich unerwünschte Ergebnisse gezeigt haben. In diesem Fall wäre die uns vorliegende Einschätzung verzerrt.

[Dieser Artikel ist erstmals am 22.1.2015 erschienen. Diese Version des Artikels beruhte auf einem Cochrane-Review, der mittlerweile zurückgezogen worden ist [6]. Im Herbst 2018 haben wir Recherche und Text gründlich überarbeitet. Bei der Aktualisierung im Dezember 2020 rückte eine neue Übersichtsarbeit [1] in den Vordergrund. Nichtsdestotrotz hat sich die unsere Einschätzung nicht verändert.]

Wissenschaftliche Quellen


[1] Hunter (2020)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit & Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 28 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmerinnen und Teilnehmer insgesamt: 3,597 Erwachsene ohne Zink-Mangel
Fragestellung: Helfen Zink-Präparate bei der Behandlung oder Vorbeugung von viralen Atemwegserkrankungen?
Interessenskonflikte: Angaben fehlen
Hunter J, et al. (2020). „Benefits and risks of zinc for adults during covid-19: rapid systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials.“ medRxiv. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[2] Science (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit & Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 17 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmerinnen und Teilnehmer insgesamt: 2121 Erwachsene und Kinder
Fragestellung: Sind Zink-Präparate wirksam bei der Behandlung von Erkältungen?
Interessenskonflikte: keine laut Autorenteam
Science M, Johnstone J, Roth DE, Guyatt G, Loeb M. Zinc for the treatment of
the common cold: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. CMAJ. 2012 Jul 10;184(10):E551-61. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[3] IQWIG (2020)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Erkältung.
Abgerufen am 13. 12. 2020 unter www.gesundheitsinformation.de

[4] Department f. Ernährungswissenschaften d. Universität Wien (2017)
Österreichischer Ernährungsbericht 2017. Abgerufen am 14. 12. 2020 unter https://ernaehrungsbericht.univie.ac.at

[5] Verbraucherzentrale (2020)
Klartext Nahrungergänzung. Mehr Zink bei Erkältungen? Abgerufen am 14. 12. 2020 unter www.klartext-nahrungsergaenzung.de

[6] Singh & Das (2015)
WITHDRAWN: Zinc for the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Apr 30;(4):CD001364. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[7] Dynamed (2020)
Upper Respiratory Infection (URI) in Adults and Adolescents. Abgerufen am 14. 12. 2020 unter www.dynamed.com