Vitamin C gegen Coronavirus: kein Beleg für Wirksamkeit

AutorIn: Bernd Kerschner
Review:

Julia Harlfinger, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 27. März 2020
Skepsis ist angebracht, wenn Vitamin C als Mittel gegen das Coronavirus angepriesen wird
Zu Vitamin C kursieren viele Falschmeldungen. Eine davon: Vitamin C soll gegen das Coronavirus wirken. Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Hinweise.
Frage:
Kann Vitamin C einer Infektion mit dem neuen Coronavirus vorbeugen oder bei der dadurch ausgelösten Erkrankung Covid-19 helfen?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
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Erklärung:
Bisher gibt es keine abgeschlossenen Studien zu Vitamin C und dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2). Derzeit wird eine solche Studie mit Intensivpatientinnen und -patienten in China durchgeführt. Mit Ergebnissen ist nicht vor Ende 2020 zu rechnen.

Wie gehen wir vor?

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Dieser Beitrag ist Teil unserer Sammlung von Faktenchecks zum Coronavirus

Um die gesundheitsfördernde Wirkung von Vitamin C ranken sich zahlreiche Mythen und Falschmeldungen. Dazu zählt auch die weithin bekannte Behauptung, Vitamin C könne Erkältungsviren bekämpfen.

Das stimmt nicht. Belege für die Nicht-Wirksamkeit liefern die zusammengefassten Ergebnisse bisheriger Studien. Demnach können Vitamin-C-Präparate Erkältungen weder lindern noch haben sie eine nennenswerte vorbeugende Wirkung (siehe Vitamin C ist bei Erkältungen nutzlos).

Auch zur Bekämpfung anderer Krankheiten mit Hilfe von Vitamin C kursieren Behauptungen, denen solide Belege fehlen. Demnach soll Vitamin C vor dem neuen Coronavirus schützen oder Beschwerden einer Infektion damit lindern.

Keine Forschungsarbeiten zu Vitamin C und Coronaviren

Fakt ist: Es gibt bisher keine wissenschaftliche Studie, in der sich eine solche lindernde oder vorbeugende Wirkung von Vitamin C gezeigt hat.

Das gilt einerseits für das neuen Coronavirus SARS-CoV-2, andererseits auch für weitere bereits länger bekannte Erregern aus dieser Virenfamilie. Trotz intensiver Suche in medizinischen Datenbanken konnten wir keine Forschungsarbeiten dazu finden.

Neue Studie läuft in China

Bei unserer Recherche sind wir jedoch auf eine laufende Studie [1] gestoßen. Sie wurde im Februar 2020 im chinesischen Wuhan gestartet. Das ist jene Stadt, in der das neue Coronavirus Ende 2019 erstmals nachgewiesen wurde.

Das Forschungsteam dieser Studie will untersuchen, ob Infusionen mit hochdosiertem Vitamin C Betroffenen helfen können, die wegen der Coronavirus-Infektion Covid-19 auf der Intensivstation liegen.

Bisher gibt es jedoch noch keine Daten. Erste Ergebnisse sind nicht vor Ende 2020 zu erwarten.

Unerwünschte Wirkungen

Vitamin C ist wasserlöslich. Überschüssige Mengen scheidet der Körper mit dem Urin aus [2]. Aus diesem Grund scheinen schwere Nebenwirkungen selten zu sein.

Wird das Vitamin hochdosiert geschluckt, kann das Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit zur Folge haben [2]. Hohe Vitamin-C-Mengen könnten zudem das Risiko für Nierensteine und Nierenstörungen erhöhen [2].

Wieviel Vitamin C brauchen wir?

Der tägliche Bedarf für das Vitamin liegt bei rund 100 Milligramm, wobei die Empfehlungen leicht schwanken [3,4]. Bereits eine Orange oder ein Paprika sind mehr als ausreichend, um diese Menge abzudecken [4,5].

Vitamin C findet sich unter der chemischen Bezeichnung Ascorbinsäure auch in vielen Fertigprodukten. Dort wird es als Konservierungsmittel zugesetzt.

Laut Österreichischem Ernährungsbericht sind die Menschen hierzulande ausreichend mit dem Vitamin versorgt [6].

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Die Studien im Detail

An der derzeit laufenden Studie [1] sollen 140 Personen teilnehmen, die aufgrund einer schweren Lungenentzündung, ausgelöst durch Covid-19, auf der Intensivstation versorgt werden.

Es ist geplant, die Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufzuteilen. Die Behandlungsgruppe wird zweimal täglich eine Infusion mit je 12 Gramm Vitamin C bekommen. Die zweite Gruppe ist die Kontrollgruppe – sie erhält ebenso häufig Infusionen ohne das Vitamin. Bis auf die Vitamin-C-Infusionen sollen sich die beiden Gruppen in punkto Therapie und Pflege nicht voneinander unterschieden.

Erst nach Studienende wird bekannt werden, wer welcher Gruppe zugeteilt war. Diese „Verblindung“ soll sicherstellen, dass die Erwartungen von Behandelten und Studienleitung die Ergebnisse nicht verfälschen können.

Am Ende wird hoffentlich feststehen, ob Vitamin C-Infusionen eine wirksame Hilfe für Corona-Intensivpatientinnen und -patienten sein können, um etwa die Zeit am Beatmungsgerät oder das Sterberisiko zu verringern. Zum Redaktionsschluss (März 2020) sind dazu keinerlei Aussagen möglich.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Peng (2020)
Vitamin C Infusion for the Treatment of Severe 2019-nCoV Infected Pneumonia. Abgerufen am 23. 3. 2020 unter ClinicalTrials.gov

[2] UpToDate (2020)
Pazirandeh S. Overview of water-soluble vitamins. In Hoppin AG (ed.). Abgerufen am 25. 3. 2020 unter www.uptodate.com https://www.uptodate.com/contents/overview-of-water-soluble-vitamins (Zugriff kostenpflichtig)

[3] UpToDate (2020)
Vitamin C (ascorbic acid): Drug information. Abgerufen am 25. 3. 2020 unter www.uptodate.com (Zugriff kostenpflichtig)

[4] Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (2016)
Vitamine – Deckung des Tagesbedarfs. Abgerufen am 25. 3. 2020 unter gesundheit.gv.at

[5] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2002)
Mittlere Gewichte einzelner Obst- und Gemüseerzeugnisse. Abgerufen am 25. 3. 2020 unter www.bvl.bund.de

[6] Bundesministerium für Gesundheit (2012)
Österreichischer Ernährungsbericht 2012. Abgerufen am 25. 3. 2020 unter ernaehrungsbericht.univie.ac.at