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Erkältungen verkürzen: vielleicht mit Zink

Haaaaaaatschi! Sind Zinkpastillen wirksam gegen lästige Erkältungen?Haaaaaaatschi! Sind Zinkpastillen wirksam gegen lästige Erkältungen?

Haaaaaaatschi! Sind Zinkpastillen wirksam gegen lästige Erkältungen?

Mittel gegen Erkältungen gibt es viele. Die meisten davon sind wirkungslos. Präparate mit Zink könnten eine Ausnahme sein. Möglicherweise verkürzen sie die Krankheitsdauer ein wenig.

Frage:Helfen Zink-Präparate bei Erkältungen?
Antwort:möglicherweise Ja
Erklärung:Möglicherweise können Präparate mit Zink wie Lutschpastillen die Dauer einer Erkältung bei Erwachsenen leicht verkürzen. Viele Details rund um Wirksamkeit und Sicherheit sind allerdings noch ungeklärt. Unsere derzeitige Einschätzung kann sich durch neue Studien durchaus noch verändern.

Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit – jedes Jahr im Herbst und Winter dieselbe Leier. Kommen auch noch Halsweh, Fieber oder Kopf- und Gliederschmerzen hinzu, bleibt oft nur mehr Zuhause ausrasten und das Bett hüten. Erkältungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Krankenstände oder das Fernbleiben von der Schule [1].

Ungefähr zwei bis vier Mal im Jahr sind Erwachsene in unseren Breiten erkältet, Kinder etwa acht bis zehn Mal [1]. Auslöser einer Erkältung sind fast immer Viren.

Die Erkrankung geht normalerweise nach etwa einer Woche von selbst wieder zurück. Da ist Geduld gefragt, denn eine wirksame Anti-Erkältungs-Behandlung existiert bis heute nicht. Nur die Beschwerden lassen sich mit Medikamenten lindern [2,6].

Etwas kürzer krank

Immer wieder wird Zink bei Erkältungen empfohlen. Wir haben recherchiert, ob das Spurenelement helfen kann, schneller wieder gesund zu werden. Herausgefunden haben wir, dass auch Präparate mit Zink wie etwa Lutschpastillen die lästigen Erkältungen nicht wegzaubern. Aber dem aktuellen Stand des Wissens zufolge können Zinkpräparate Erwachsenen möglicherweise helfen [1], ein wenig schneller wieder gesund zu werden.

Der Erfolg scheint jedoch eher bescheiden. Erwachsene, die Zink-hältige Mittel einnehmen, können ihre Erkältung möglicherweise um durchschnittlich zweieinhalb Tage reduzieren. Bei Kindern scheint es diesen Effekt nicht zu geben.

Diese Erkenntnis ist als durchaus vorläufig einzustufen. Neue Studien könnten den aktuellen Stand des Wissens also noch verändern. Es gehört zum Beispiel genauer geklärt, in welcher Dosierung und Form Zink möglicherweise (nicht) helfen kann und wie die Einnahme idealerweise erfolgen sollte.

Übelkeit als Nebenwirkung

Gesichert ist hingegen, dass auch „harmlos“ erscheinende rezeptfreie Mittelchen wie Zinkpräparate Nebenwirkungen haben können: Zink-hältige Mittel können zum Beispiel Übelkeit auslösen. Zudem schmecken sie nicht besonders angenehm [1].

Großer Markt, oft fragliche Wirkung

Der Markt für Mittel gegen Erkältungen ist riesig. Belege für deren Wirksamkeit sind hingegen rar. Immerhin scheint ein Extrakt der Kapland-Pelargonie (Handelsname Umckaloabo oder Kaloba) möglicherweise Linderung verschaffen zu können. Ob Präparate aus dem Sonnenhut Echinacea wirksam sind, ist noch weniger gesichert – ebenso wenig wie die Effekte von Rotalgen.

Auch über die gerne empfohlene – aber auch wirksame? – Hühnersuppe haben wir bereits berichtet.

Sicher wirkungslos ist das allseits beliebte Vitamin C. Das zeigen bisherige klinische Studien deutlich. Auch wer regelmäßig vorbeugend Vitamin C zu sich nimmt, kann Schnupfen und Co nicht verhindern.

Nutzlos gegen die eigentlichen Erreger von Erkältungen sind im Übrigen auch Antibiotika. Die meisten Erkältungserkrankungen werden von Viren verursacht. Antibiotika wirken aber nur gegen Bakterien.

Zink im Essen

Zink ist ein für den Menschen notwendiges Spurenelement und wichtig für viele Vorgänge im Körper. Dazu zählen Immunreaktionen, wobei viele Details noch ungeklärt sind.

Zink muss ständig mit der Nahrung aufgenommen werden, etwa mit Fleisch, Milchprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen – was laut Fachleuten auch gelingt. Ein ausgesprochener Zinkmangel ist hierzulande selten [1,3,4].

Weiterführende Information

Über das Thema Erkältung [2], zum Beispiel zu Verlauf, Vorbeugung und Behandlung, informiert Sie auch das IQWIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen).

 

Die Studien im Detail

Ob Zink die Dauer von Erkältungen reduzieren kann, hat eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2012 [1] untersucht.

Wir haben uns angesehen, ob seit der damaligen Recherche weitere gut gemachte Studien veröffentlicht worden sind – Fehlanzeige. Deswegen beruht unsere Einschätzung zur Wirksamkeit von Zinkpräparaten gegen Erkältungen auf dieser Übersichtsarbeit.

Das Forschungsteam [1] fasste die Ergebnisse von 17 randomisiert-kontrollierten Studien zusammen. Diese wurden in den USA, in Großbritannien, Dänemark, Australien und der Türkei durchgeführt. Sie hatten 2121 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Testpersonen waren Kinder und Erwachsene im Alter von 1 bis 65. Nach zufälliger Zuteilung nahmen sie entweder ein Placebomittel oder Zink ein: meistens in Form von Lutschpastillen, seltener als Sirup oder Tabletten. Dann wurde zum Beispiel erfasst, wie lange die Erkältung andauerte.

Der Übersichtsarbeit zufolge könnte die Einnahme von Zinkpräparaten bei Erwachsenen die Krankheitsdauer um 2,6 Tage verkürzen. Folglich könnte sich für Erwachsene die Einnahme von Zinkpräparaten möglicherweise lohnen, wenn sie die Erkrankungsdauer merklich reduzieren wollen. Bei Kindern habe sich jedoch kein Effekt gezeigt, und die Erkältung wurde nicht verkürzt.

Den Ergebnissen kann man jedoch keineswegs blind vertrauen. Vielmehr sind sie als vorläufig anzusehen. Zwar ist die Qualität der einzelnen analysierten Studien meist einigermaßen zufriedenstellend. Aber es finden sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Studien; das erschwert die Vergleichbarkeit und senkt somit das Vertrauen in die gezogenen Schlüsse.

Zum Beispiel wurden unterschiedliche Dosierungen und Zinksalze verwendet: Zink-Glukonat, Zink-Acetat und Zink-Sulfat. Diese wurden meistens in Form von Lutschpastillen verabreicht. Aber es kamen auch Tabletten und Sirupe zum Einsatz, und es wurde bei verschiedenen Altersgruppen getestet. Vielleicht kam es hier also zu einem „Äpfel-mit-Birnen-Vergleich“. Zudem standen bei allen Studien Firmen als Sponsoren im Hintergrund; soweit wir eruieren konnten, stellten zumindest einige dieser Sponsoren die Testpräparate zur Verfügung.

Wir können auch nicht sicher sein, dass von allen durchgeführten Studien auch Ergebnisse publiziert wurden [5]. Vielleicht haben es nur die „positiven“ Studien bis zur Veröffentlichung geschafft, der Rest ist vielleicht in den Schubladen von unzufriedenen Forschungsteams und Auftraggebern verschwunden – weil sich unerwünschte „negative“ Ergebnisse gezeigt haben. In diesem Fall wäre die uns vorliegende Einschätzung verzerrt.

Eine neue Übersichtsarbeit mit rigorosen Qualitätsansprüchen [6] wird hoffentlich in absehbarer Zukunft mehr Klarheit bringen.

[Dieser Artikel ist erstmals am 22.1.2015 erschienen. Diese Version des Artikels beruhte auf einem Cochrane-Review, der mittlerweile zurückgezogen worden ist [5]. Im Herbst 2018 haben wir Recherche und Text gründlich überarbeitet und eine andere Übersichtsarbeit herangezogen. Nichtsdestotrotz hat sich die unsere Einschätzung nicht verändert.]

(AutorIn: J. Harlfinger, Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Science (2012)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit & Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 17 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmerinnen und Teilnehmer insgesamt: 2121 Erwachsene und Kinder
Fragestellung: Helfen Zink-Präparate bei der Behandlung von Erkältungen?
Interessenskonflikte: keine laut Autorenteam

Science M, Johnstone J, Roth DE, Guyatt G, Loeb M. Zinc for the treatment of
the common cold: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. CMAJ. 2012 Jul 10;184(10):E551-61.
Zusammenfassung
Freier Volltext

Weitere wissenschaftliche Quellen

[2] IQWIG (2017)
Erkältung
Abgerufen am 19.11.2018

[3] Department f. Ernährungswissenschaften d. Universität Wien (2017)
Österreichischer Ernährungsbericht 2017
Abgerufen am 19.11.2018

[4] Klartext Nahrungergänzung (2018)
Mehr Zink bei Erkältungen?
Abgerufen am 19.11.2018

[5] Singh & Das (2015)
WITHDRAWN: Zinc for the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2015 Apr 30;(4):CD001364.
Zusammenfassung der Studie

[6] Hemilä & Chalker (2017)
Zinc for preventing and treating the common cold (Protocol); Database of Systematic Reviews 2017, Issue 9. Art. No.: CD012808.