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MMS: das gefährliche „Wundermittel“

Problemfall MMS: ätzend und giftig

International wird vor MMS gewarnt.

Das „Miracle Mineral Supplement“ MMS trägt das Wunder schon im Namen. Belege für einen Nutzen der giftigen Substanz gibt es nicht, Einzelfälle zeigen ausschließlich Nebenwirkungen.

Frage:Hat das Miracle Mineral Supplement MMS einen medizinischen Nutzen?
Antwort:nicht (ausreichend) erforscht
Erklärung:Weltweit warnen staatliche Stellen dringend vor der Einnahme von MMS. Es sind keine Studien zu einem medizinischen Nutzen zu finden, wohl aber Fallberichte zu Nebenwirkungen.

Mit überzogenen Heilsversprechen kranke Menschen zu ködern, um ihnen dann wirkungslosen Unsinn zu verkaufen, ist ziemlich böse. Wenn das angebliche Wundermittel dann auch noch Schaden anrichten kann, wird es gefährlich.

Um genau so ein gefährliches Produkt handelt es sich bei MMS. Mit dem „Miracle Mineral Supplement“ sollen laut Werbung angeblich Krankheiten von Schnupfen bis Malaria, von Krebs bis Autismus, von AIDS bis Hepatitis geheilt werden können.

Obwohl MMS nicht mehr verkauft werden darf und zahlreiche Stellen vor einer Verwendung dringend abraten, wird es weiterhin über das Internet vertrieben.

Keine Studien zu MMS

Die Studienlage ist schnell beschrieben: Es finden sich zu MMS keine klinischen Studien. Das einzige, was es gibt, sind Fallberichte, die von schädlichen Auswirkungen berichten [1, 2]. Nach der Einnahme von MMS könne es beispielsweise zu Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Nierenversagen, schweren Schädigungen am Darm, Blutdruckstörungen und erheblichem Flüssigkeitsverlust kommen [1–6].

Inzwischen warnen weltweit unterschiedlichste Behörden und staatliche Stellen, unter anderem in England, Kanada, den USA, Deutschland oder Österreich, vor den möglichen Nebenwirkungen und raten dringend von einer Einnahme ab [zum Beispiel 3–6].

MMS: Gift aus dem Chemiebaukasten

Hauptbestandteil des „Miracle Mineral Supplement“ ist die chemische Verbindung Natriumchlorit (NaClO2). Das klingt ähnlich wie die chemische Bezeichnung für Kochsalz, Natriumchlorid (NaCl), ist aber wesentlich gefährlicher. Denn unter Beigabe einer Säure, zum Beispiel Zitronensäure oder Essig, wird Natriumchlorit „aktiviert“, und es entsteht Chlordioxid.

Chlordioxid ist eine hoch reaktive, giftige, brandfördernde, umweltgefährliche Mischung aus Chlor und Sauerstoff [5]. In der Industrie wird es unter anderem zur Desinfektion und zum Bleichen von Papier oder Stoffen verwendet. Auf die Haut wirkt die Verbindung reizend bis ätzend [3] [5]. Wenig verwunderlich also, dass eine Einnahme zu unangenehmen bis lebensbedrohlichen Nebenwirkungen führen kann [7].

Dass Chlordioxid als Desinfektionsmittel Keime abtötet, hat anscheinend die Idee befeuert, es könne auch im Körper unerwünschte Dinge abtöten. Es gibt allerdings nicht den geringsten Hinweis darauf, dass MMS gegen Krebs oder eine andere Erkrankung helfen könnte.

Behörden warnen dringend vor MMS

Laut deutscher Verbraucherzentrale ist Chlordioxid in Europa weder als Lebensmittel noch für Lebensmittel erlaubt. Natriumchlorit ist in Deutschland nicht als Arzneimittel(bestandteil) zugelassen [6].

Auch die österreichische Medizinmarktaufsichtsbehörde AGES warnt vor dem ätzenden Produkt und stuft es als zulassungspflichtiges Arzneimittel ein [4]. Solche Mittel dürfen nur angeboten werden, wenn deren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit durch klinische Studien bestätigt wurde. Da es solche wie erwähnt nicht gibt, ist eine Zulassung von MMS in naher Zukunft nicht zu erwarten.

Trotz der Verbote und Warnungen ist MMS nicht vom Markt verschwunden. Wer im Internet mit dem Stichwort „MMS“ sucht, findet rasch die Zutaten für den MMS-Cocktail – zum Beispiel getarnt als Mittel zur Trinkwasseraufbereitung.

Damit bleibt es der Weitsicht und Vernunft der Konsumentinnen und Konsumenten überlassen, ob sie den Cocktail mixen – oder lieber die Finger von der giftigen Mixtur lassen.

[Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels stammt vom 31. Oktober 2014. Eine neuerliche Literatursuche brachte keine zusätzlichen Erkenntnisse oder Änderung unserer Einschätzung.]

 

Die Studien im Detail

Es gibt keine einzige Studie, die einen medizinischen Nutzen von MMS untersucht oder gar belegt hätte.

(AutorIn: J. Wipplinger, V. Ahne, Review: C. Christof, V. Ahne)

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Wissenschaftliche Arbeiten

[1] ] Nguyen u.a. (2014)
Chlorine dioxide from a dietary supplement causing hemolytic anemia. Clinical Toxicology 52: 323 (kein Online-Eintrag)

[2] Williams u.a. (2009)
Severe hemolysis in pediatric case after ingestion of Miracle Mineral Solution(trademark). Clinical Toxicology 47(7): 737 (kein Online-Eintrag)

Weitere Quellen

[3] Bundesinstitut für Risikobewertung (2012)
„BfR rät von der Einnahme des Produkts „Miracle Mineral Supplement“ („MMS“) ab“. Stellungnahme Nr. 025/2012 des BfR vom 2. Juli 2012. Abgerufen am 10.08.2017 unter http://www.bfr.bund.de/cm/343/bfr-raet-von-der-einnahme-des-produkts-miracle-mineral-supplement-mms-ab.pdf

[4] Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (2015)
AGES, Medizinmarktaufsicht, Sicherheitsinformation, 27.02.2015: „Warnung vor Miracle Mineral Supplement MMS“. Abgerufen am 09.08.2017 unter http://www.basg.gv.at/news-center/news/news-detail/article/warnung-vor-miracle-mineral-supplement-mms-1087/

[5] Deutsche Verbraucherzentrale (2017)
„Miracle Mineral Supplement (MMS): Erhebliche Gesundheitsgefahr“. Stand: 03.01.2017. Abgerufen am 10.08.2017 unter https://www.verbraucherzentrale.de/miracle-mineral-supplement

[6] Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2015)
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stuft zwei „Miracle Mineral Supplement“-Produkte als zulassungspflichtig und bedenklich ein. Pressemitteilung 3/15 vom 26.02.2015. Abgerufen am 10.08.2017 unter http://www.bfarm.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/mitteil2015/pm3-2015.html

[7] Toxicology Data Network (USA)
[Suchbegriff CHLORINE DIOXIDE: Zugriff auf einschlägige Datenbanken, die zahlreiche Gesundheitsrisiken durch Chlordioxid auflisten]. Abgerufen am 10.08.2017 unter https://toxnet.nlm.nih.gov/