Mund-Nasen-Schutz: ausreichend Sauerstoff auch mit Maske

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Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 2022-08-08
Auch mit Mund-Nasen-Schutz ist es möglich, entspannt zu atmen.
Das Atmen kann sich mit Maske unangenehm anfühlen. Dennoch zeigen Studien, dass man mit Maske genauso viel Sauerstoff bekommt wie ohne. Gerüchte über das Einatmen von zu viel CO2 sind falsch.
Frage:
Bekommt man im Alltag beim Atmen mit FFP2-Maske oder gewöhnlichem Mund-Nasen-Schutz genauso viel Sauerstoff wie ohne Maske?
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Antwort:
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Erklärung:
Auch wenn sich das Atmen mit Maske unangenehm anfühlen kann: Bisherigen Studien zufolge bekommt man mit FFP2-Maske oder Mund-Nasen-Schutz genauso viel Sauerstoff wie ohne Maske. Das gilt auch dann, wenn man sich bewegt oder anstrengt. Nur bei sehr intensivem Sport verringert sich der Sauerstoffgehalt im Blut geringfügig – jedoch zu wenig, um die Gesundheit zu gefährden.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)
Dieser Beitrag ist Teil unserer Faktencheck-Serie Mythen und Fakten zum Coronavirus „Bitte bedecken Sie Mund und Nase!“ – solche Durchsagen, etwa in Zügen, Bussen, Straßenbahnen oder U-Bahn, sind uns nur allzu vertraut. Vor allem FFP2-Masken sind eine wenig aufwendige Möglichkeit, die Ausbreitung von Viren einzudämmen, und sich selbst und andere zu schützen [4]. Manchmal kann das Atmen mit Maske jedoch unangenehm sein. Etwa wenn man durch den Bahnhof eilt, um den gleich abfahrenden Zug noch zu erwischen. Mit Maske hat man dabei oft das Gefühl, schlechter Luft zu bekommen. Manche Menschen befürchten, dass sich dies auch auf die Gesundheit auswirken könnte.    

So viel Sauerstoff wie ohne Maske

Diese Befürchtung ist jedoch unbegründet, wie bisher durchgeführte Studien zeigen [1,2]. Darin radelten die Teilnehmenden auf einem Heimtrainer, gingen schnell zu Fuß oder stiegen Treppen empor.  Das taten sie einmal mit FFP2-Maske oder Mund-Nasenschutz, und einmal ohne Maske. Bei beiden Bedingungen war der gemessene Sauerstoff-Gehalt im Blut der Teilnehmenden gleich hoch. Auch für die besser schützende FFP2-Maske war das der Fall. Lediglich bei sehr anstrengendem Sport (schnellem Radfahren bis zur Erschöpfung) war der Sauerstoffgehalt im Blut mit FFP2-Maske etwas niedriger als ohne Maske. Der Unterschied war aber gesundheitlich nicht bedenklich. Und trotz FFP2-Maske lag die sportliche Leistung am Heimtrainer nicht unter derjenigen der maskenlosen Teilnehmenden [1]. Mit gewöhnlichem Mund-Nasenschutz zeigte sich kein Unterschied bei der Sauerstoff-Messung.  

Atmung etwas anstrengender

Die Ergebnisse widersprechen somit dem Gerücht, wonach Masken einen Sauerstoffmangel verursachen würden. Viele Studienteilnehmende berichten dennoch, dass sich das Atmen mit Maske unangenehmer anfühlt [3]. Um gleichviel Sauerstoff einzuatmen, muss man sich mit Maske manchmal etwas mehr anstrengen und schneller atmen. Auf die Gesundheit scheint dies aber keine Auswirkung zu haben. Auf Personen mit Asthma oder der Lungenkrankheit COPD beispielsweise lassen sich die Studienergebnisse nicht übertragen. Denn untersucht wurden nur Gesunde.

Unbedenkliche Kohlendioxid-Menge

Auch eine weitere Befürchtung können die bisherigen Studien zerstreuen: dass man mit Maske zu viel Kohlendioxid (CO2) einatmen könnte. So wurden bei den Teilnehmenden entweder keine [1] oder nur eine geringfügig erhöhte [2] CO2-Menge im Blut gemessen. In keinem Fall war sie jedoch so hoch, dass sie die Gesundheit beeinträchtigen könnte. Beim Ausatmen sammelt sich unter der Maske tatsächlich ein wenig Kohlendioxid-haltige Luft an – allerdings eine verschwindend geringe Menge. Der Großteil der eingeatmeten Luft ist Frischluft, die durch das Gewebe - und teilweise durch die seitlichen Öffnungen der Maske – nachströmt. In sozialen Medien kursieren Videos, die zeigen, wie die gemessene Menge an Kohlendioxid unter der Maske stark ansteigt. Die Plattform Correctiv.org hat bereits beschrieben, warum die dabei verwendeten Messgeräte falsche Ergebnisse anzeigen. Versionsgeschichte:
  • 8.8.2022: Bei einer neuerlichen Suche haben wir zwei aktuelle Übersichtsarbeiten gefunden. Unsere ursprüngliche Einschätzung bleibt jedoch dieselbe.
  • 23.10.2020: Erste Version des Artikels wurde veröffentlicht.

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Die Studien im Detail

Welche Studien haben wir berücksichtigt?

Um herauszufinden, ob man mit Maske ausreichend Sauerstoff bekommt, sind randomisiert-kontrollierte Studien die verlässlichste Studienart. Dabei werden die Teilnehmenden per Zufall (randomisiert) einer von zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe trägt während der Untersuchung eine Maske, die andere nicht. Über einen Clip am Finger misst ein Forschungsteam den Sauerstoffgehalt im Blut, während die Teilnehmenden sitzen, stehen, auf einem Heimtrainer radeln, rasch auf einem Laufband gehen oder Stufen steigen. Nach einer Pause wechseln die Teilnehmenden die Gruppe: Hatten sie zuvor keine Maske getragen, wiederholten sie die Untersuchung diesmal mit Maske – und umgekehrt. Bei unserer Suche in den Forschungsdatenbanken Pubmed und Epistemonikos fanden wir zwei systematische Übersichtsarbeiten [1,2], die alle bisherigen randomisiert-kontrollierten Studien analysiert und zusammengefasst haben.

Wie aussagekräftig sind die Studien?

Insgesamt halten wir deren Ergebnisse für relativ aussagekräftig. Es gibt jedoch Kritikpunkte, die die Aussagekraft etwas einschränken:
  • Die Untersuchungen dauerten höchstens 60 Minuten. Im Alltag tragen viele Menschen die Maske jedoch deutlich länger.
  • In manchen Studien schien die Zuteilung der Teilnehmenden zu den Gruppen nicht zufällig gewesen zu sein. Dadurch gab es möglicherweise bereits vor Studienbeginn einen deutlichen Unterschied zwischen beiden Gruppen – ein fairer Vergleich der Messdaten wäre so nicht möglich.
 

Wissenschaftliche Quellen


[1] Engeroff (2021) Engeroff T, Groneberg DA, Niederer D. The Impact of Ubiquitous Face Masks and Filtering Face Piece Application During Rest, Work and Exercise on Gas Exchange, Pulmonary Function and Physical Performance: A Systematic Review with Meta-analysis. Sports Med Open. 2021 Dec 11;7(1):92. (Übersichtsarbeit in voller Länge) [2] Litwinowicz (2022) Litwinowicz K, Choroszy M, Ornat M, Wróbel A, Waszczuk E. Bayesian network meta-analysis of face masks' impact on human physiology. Sci Rep. 2022 Apr 6;12(1):5823. (Übersichtsarbeit in voller Länge) [3] Bakhit (2021) Bakhit M, Krzyzaniak N, Scott AM, Clark J, Glasziou P, Del Mar C. Downsides of face masks and possible mitigation strategies: a systematic review and meta-analysis. BMJ Open. 2021 Feb 22;11(2):e044364. (Übersichtsarbeit in voller Länge) [4] Deutsches Bundesministerium für Gesundheit (2022) Abgerufen am 8.8.2022 unter www.zusammengegencorona.de