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Kombucha: fermentierter Tee mit unerforschter Wirkung

„Teepilz“ zum Ansetzen von Kombucha aus gezuckertem Tee

„Teepilz“ zum Ansetzen von Kombucha aus gezuckertem Tee

Kombucha-Tee soll die Gesundheit vielfältig fördern. Aussagekräftige Forschung dazu fehlt jedoch. Stattdessen besteht der Verdacht auf seltene, aber schwere Nebenwirkungen.

Frage:Hat Kombucha eine positive Wirkung auf die Gesundheit?
Antwort:wissenschaftliche Belege fehlen
Erklärung:Es gibt keine Studien, welche die Wirkung von Kombucha beim Menschen aussagekräftig untersucht haben. Zudem besteht der Verdacht, dass selbst hergestellter Kombucha in seltenen Fällen zu Lebererkrankungen oder einer gefährlichen Übersäuerung des Bluts führt.

Kombucha gilt als gesundheitsförderndes In-Getränk, das ursprünglich aus Asien stammt. Es handelt sich um fermentierten Tee mit Zucker, der säuerlich schmeckt und etwas Kohlensäure enthält. Kombucha gibt es fertig abgefüllt in Flaschen zu kaufen, viele stellen das Getränk auch selbst her.

Kombucha werden zahlreiche positive Wirkungen nachgesagt. Die bei der Fermentation entstandenen Inhaltsstoffe und die lebenden Mikroorganismen sollen etwa bei Verdauungsproblemen helfen und das Immunsystem stärken. Angeblich kann der Trank sogar Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs vorbeugen.
Wir wollten wissen, was an diesen Behauptungen dran ist.

Bisher nicht überprüft

Dazu durchforsteten wir drei wissenschaftliche Datenbanken nach Forschungsergebnissen. Aussagekräftige Studien scheinen jedoch bisher nicht durchgeführt worden zu sein. Weder wir noch zwei andere Forschungsgruppen [1,2] konnten Studien finden, welche die Wirkung von Kombucha beim Menschen untersucht haben.

Wir sind zwar auf eine laufende Studie gestoßen, welche die Auswirkung von Kombucha auf einen erhöhten Blutzuckerspiegel untersucht [3]. Da die Studie noch nicht abgeschlossen ist, liegen keine Ergebnisse vor. Die Anzahl der Teilnehmenden ist mit 20 allerdings sehr gering. Daher erwarten wir keine aussagekräftigen Daten.

Derzeit lässt sich also weder belegen noch ausschließen, dass Kombucha die Gesundheit positiv beeinflusst.

Verdacht auf schädliche Wirkung

Allerdings besteht auch der Verdacht, dass Kombucha der Gesundheit schaden kann [1,2]. So gibt es vereinzelt Berichte über Kombucha-Konsumentinnen und -Konsumenten, bei denen es etwa zu allergischen Reaktionen [5], Übelkeit [5], einer Muskelentzündung [8], einer gefährlichen Übersäuerung des Blutes [6,7,13] oder einer Lebererkrankung [5,9,11-13] gekommen ist. Bei einer Person hat die Übersäuerung des Blutes zum Tod geführt [7].

In den meisten Fällen ist gesichert, dass die Betroffenen den Kombucha selbst zuhause hergestellt haben [5-10]. In den übrigen Fallberichten [11-13] ist nicht erwähnt, ob es sich um selbst fermentierten oder käuflich erhältlichen Kombucha gehandelt hat. Es ist denkbar, dass der selbstgemachte Kombucha-Ansatz mit gesundheitsschädlichen Mikroorganismen verunreinigt war. Die Fallberichte können allerdings nicht beweisen, dass die Ursache für die schweren Gesundheitsprobleme tatsächlich Kombucha war.

Bei der Herstellung zuhause kann auch das dazu verwendete Gefäß ein Gesundheitsrisiko sein: So hat ein Ehepaar eine Bleivergiftung bekommen, weil sie ein halbes Jahr lang regelmäßig Kombucha getrunken haben, den sie in einem Keramikgefäß mit bleihaltiger Glasur angesetzt haben. Die Säure aus dem fermentierten Getränk kann das Blei aus der Glasur lösen [10].

Hefen und Bakterien

Grundlage ist gezuckerter Schwarztee, Grüntee oder Kräutertee, der mit einer Kombucha-Kultur angesetzt wird. Diese Kultur ist eine schleimige, gallertartige Masse und wird auch Tee-Pilz oder Kombucha-Pilz genannt. Tatsächlich handelt es sich um keinen Pilz, sondern um eine Mischung aus unterschiedlichen Hefen und Bakterien.

Kombucha-Kulturen sind in Reformhäusern oder Onlineshops erhältlich. Viele, die das Getränk selbst herstellen, geben einen Teil der rasch wachsenden Kultur auch an Freunde und Bekannte weiter.

Bei der Fermentation entstehen aus dem zugesetzten Zucker Alkohol und Essigsäure, Milchsäure und Gluconsäure. Dadurch schmeckt Kombucha sauer und enthält zwischen 0,7 und 1,3 Prozent Alkohol [1].

 

Die Studien im Detail

Ob Kombucha eine positive Wirkung auf die Gesundheit hat, können nur randomisiert-kontrollierte Studien zuverlässig beantworten. Bei dieser Studienart wird eine große Anzahl an Teilnehmenden per Zufall (randomisiert) einer von zwei Gruppen zugeteilt. Die Interventions-Gruppe trinkt regelmäßig Kombucha, während die Kontrollgruppe idealerweise ein ähnlich schmeckendes Getränk ohne Kombucha-Kultur zu sich nimmt. Damit Erwartungen das Ergebnis nicht beeinflussen können, sollten weder teilnehmende Personen noch Mitglieder der Studienleitung wissen, wer welcher Getränkegruppe zugeteilt ist.

Nur wenn bei der Interventionsgruppe nach einer gewissen Zeit eine deutlich bessere Gesundheit feststellbar ist als bei der Kontrollgruppe, wäre das ein Beleg für die gesundheitsfördernde Wirkung von Kombucha. Forscherinnen und Forscher müssen dabei vor Studienbeginn festlegen, welche Wirkung sie genau untersuchen möchten. Beispielsweise könnten sie erheben, ob Kombucha-Fans seltener Verdauungsprobleme haben oder an Erkältungen, Herz-Kreislauf-Problemen oder Krebs erkranken.

Trotz aufwändiger Suche in drei Forschungsdatenbanken konnten wir keine solchen Studien finden. Auch eine US-amerikanische Wissenschaftlerin und ihr Kollege [1] sowie ein deutscher Forscher [2] fanden für ihre systematischen Übersichtsarbeiten keine randomisiert-kontrollierten Studien zur Wirkung von Kombucha.

Laufende Studien

Wir stießen jedoch auf eine derzeit laufende Studie [3]. Darin möchte eine Forschungsgruppe untersuchen, ob Kombucha einen erhöhten Blutzuckerspiegel und Blutdruck senken kann. 20 stark übergewichtige Personen bekommen dazu vier verschiedene Getränke: ein käuflich erhältliches Kombucha-Getränk, im Labor hergestellter Kombucha, Tee oder Wasser. Über die Studiendauer von zwei Monaten soll jede Versuchsperson jedes der vier Getränke für jeweils zwei Wochen trinken. Die Reihenfolge der vier Getränke bestimmt dabei der Zufall. Die Versuchspersonen sollen nicht erfahren, zu welchem Zeitpunkt sie welches Getränk zu sich nehmen.

Der Studienaufbau klingt zwar vielversprechend, 20 Teilnehmende sind aber deutlich zu wenig, um die Ergebnisse daraus auf andere Personen übertragen zu können.

Eine weitere noch nicht abgeschlossene Studie untersucht, welche Auswirkungen naturbelassener im Vergleich zu pasteurisiertem Kombucha auf die Darm- und Mundhöhlen-Flora hat [4]. Inwieweit das für die Gesundheit der Testpersonen relevant ist, ist jedoch unklar.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Kapp & Sumner (2018)
Studienart: Systematische Übersichtsarbeit
Analysierte Studien: 16 Fallberichte zu Nebenwirkungen, keine Wirksamkeitsstudien gefunden
Fragestellung: Hat Kombucha eine positive Wirkung auf die Gesundheit?
Interessenskonflikte: keine laut Autorin und Autor

Kapp JM, Sumner W. Kombucha: a systematic review of the empirical evidence of human health benefit. Ann Epidemiol. 2019 Feb;30:66-70. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[2] Ernst (2003)
Studienart: Systematische Übersichtsarbeit
Analysierte Studien: keine Wirksamkeitsstudien gefunden
Fragestellung: Hat Kombucha eine positive Wirkung auf die Gesundheit?
Interessenskonflikte: keine bekannt

Ernst E. Kombucha: a systematic review of the clinical evidence. Forsch
Komplementarmed Klass Naturheilkd. 2003 Apr;10(2):85-7. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Weitere Quellen

[3] Kapp (2019)
The Effect of Kombucha on Blood Sugar Levels in Humans. Studienprotokoll, abgerufen am 11.9.2019 unter ClinicalTrials.gov

[4] Håkansson (2019)
The Effect of the Fermented Tea Beverage Kombucha on the Oral and Gut Microflora. Studienprotokoll, abgerufen am 11.9.2019 unter ClinicalTrials.gov

[5] Srinivasan u.a. (1997)
Srinivasan R, Smolinske S, Greenbaum D. Probable gastrointestinal toxicity of Kombucha tea: is this beverage healthy or harmful? J Gen Intern Med. 1997 Oct;12(10):643-4. (Fallbericht in voller Länge)

[6] Holbourn u.a. (2017)
Holbourn A, Hurdman J. Kombucha: is a cup of tea good for you? BMJ Case Rep. 2017 Dec 2;2017. pii: bcr-2017-221702. (Zusammenfassung des Fallberichts)

[7] CDC 1995
Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Unexplained severe illness possibly associated with consumption of Kombucha tea–Iowa, 1995. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 1995 Dec 8;44(48):892-3, 899-900. (Fallbericht in voller Länge)

[8] Derk u.a. (2004)
Derk CT, Sandorfi N, Curtis MT. A case of anti-Jo1 myositis with pleural effusions and pericardial tamponade developing after exposure to a fermented Kombucha beverage. Clin Rheumatol. 2004 Aug;23(4):355-7. (Zusammenfassung des Fallberichts)

[9] Perron u.a. (1995)
Perron AD, Patterson JA, Yanofsky NN. Kombucha „mushroom“ hepatotoxicity. Ann Emerg Med. 1995 Nov;26(5):660-1.

[10] Phan u.a. (1998)
Phan TG, Estell J, Duggin G, Beer I, Smith D, Ferson MJ. Lead poisoning from drinking Kombucha tea brewed in a ceramic pot. Med J Aust. 1998 Dec
7-21;169(11-12):644-6. (Zusammenfassung des Fallberichts)

[11] Gedela u.a. (2016)
Gedela M, Potu KC, Gali VL, Alyamany K, Jha LK. A Case of Hepatotoxicity Related to Kombucha Tea Consumption. S D Med. 2016 Jan;69(1):26-8. (Fallbericht in voller Länge)

[12] Kovacevic u.a. (2014)
Kovacevic, Z., Davidovic, G., Vuckovic-Filipovic, J., Janicijevic-Petrovic, M. A., Janicijevic, K., & Popovic, A. (2014). A toxic hepatitis caused the kombucha tea–Case report. Macedonian Journal of Medical Sciences, 7(1), 128-131. (Fallbericht in voller Länge)

[13] SungHee Kole u.a. (2009)
SungHee Kole A, Jones HD, Christensen R, Gladstein J. A case of Kombucha tea toxicity. J Intensive Care Med. 2009 May-Jun;24(3):205-7. (Zusammenfassung des Fallberichts)