Echinacea und Corona: Kein Hinweis auf Schutzwirkung

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Bernd Kerschner, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 21. Dezember 2020
Der Rote Sonnenhut (Echinacea purpura) hat als Naturheilmittel einen guten Ruf.
Echinacea-Präparate sollen das Immunsystem stärken und vorbeugend vor einer Corona-Infektion schützen. Beweise für eine solche Schutzwirkung gibt es nicht.
Frage:
Kann Echinacea vor einer Sars-CoV-2 Infektion schützen?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Es gibt keine klinischen Studien zu Echinacea und Sars-CoV-2. Eine Laborstudie aus der Schweiz lässt keine Schlüsse auf eine Wirksamkeit beim Menschen zu. Auch die Ergebnisse von Studien mit anderen Viren können nicht einfach auf ein neues Virus übertragen werden.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)

Dieser Beitrag ist Teil unserer Faktencheck-Serie Mythen und Fakten zum Coronavirus

Eine neue Krankheit braucht nicht unbedingt auch neue Medikamente. Es könnte durchaus sein, dass ein bekanntes Mittel auch gegen eine neue Krankheit hilft. Der Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea) hat als Naturheilmittel einen guten Ruf, angeblich stärkt er das Immunsystem. Zumindest geben Studien Hinweise darauf, dass Extrakte aus der Pflanze einer Erkältung vorbeugen könnten. Kann Echinacea auch helfen, eine Corona-Erkrankung zu vermeiden?

Laborergebnisse sind keine klinischen Studien

Seit September 2020 gibt es eine Studie aus der Schweiz [1], erschienen in einem anerkannten Fachmagazin, die dem Echinacea-Extrakt im Reagenzglas eine Wirkung gegen Sars-CoV-2 Viren bescheinigt.

Doch so einfach ist eine Wirksamkeit nicht zu beweisen, dafür braucht es klinische Studien. Es muss an Menschen erprobt werden, ob die regelmäßige Einnahme von Echinacea-Präparaten vor einer Infektion schützt – im Vergleich mit einer Gruppe ähnlicher Menschen, die das Präparat nicht nehmen. So eine Studie gibt es nicht.

Laborstudien, die mit Zellkulturen in einem Gefäß stattfinden, können dabei helfen, biologische Mechanismen aufzuklären. Sie können zeigen, wie ein isoliertes Virus auf eine Substanz reagiert, oder wie eine bestimmte Gruppe an Körperzellen mit einem Virus zu Recht kommt.

Doch in einem lebendigen Organismus greifen viel mehr Abläufe ineinander als in einem isolierten Gefäß im Labor. Ganz egal welche Wirkung, welcher Ablauf und Mechanismus in einer Laborstudie gefunden wird, es ist dann noch lange nicht geklärt, ob das in einem lebendigen Körper genauso abläuft. Tausende Substanzen können Viren unschädlich machen, wenn sie im Labor direkt in Kontakt damit gebracht werden, doch ob diese Substanzen auch im menschlichen Körper eine Infektion verhindern können, ist eine völlig andere Frage – die eben nur durch klinische Studien beantwortet werden kann.

Echinacea zur Behandlung von Covid-19?

Leider gilt für die Behandlung von Covid-19 mit Hilfe von Echinacea das Gleiche wie zur vorbeugenden Wirkung: Studien dazu fehlen bislang. Hier sind allerdings erste klinische Studien geplant, wenn auch mit dem Nachteil, dass nicht Echinacea allein untersucht wird, sondern Kombipräparate.

Echinacea: Image und Wirklichkeit

Präparate des Sonnenhuts werden vor allem gegen Erkältungskrankheiten eingesetzt. Aus den drei Arten Echinacea purpurea, Echinacea pallida und Echinacea angustifolia werden je nach Präparat Extrakte aus den Blüten, Blätter, Wurzel oder der gesamten Pflanze verwendet. Als Bestandteil von diversen Erkältungs-Mitteln, aber auch zur allgemeinen Stärkung der Immunabwehr gehören sie derzeit zu den meistverkauften pflanzlichen Gesundheitsprodukten [4].

Wir haben nachgeprüft, wie es um die Wirksamkeit bestellt ist. Das Ergebnis: Die regelmäßige Einnahme von Extrakten aus Echinacea könnte möglicherweise etwas Schutz vor Erkältungen bieten. Der Effekt scheint allerdings klein zu sein. Ob die Pflanze auch zur Behandlung taugt, ist unklar. Studienergebnisse dazu sind widersprüchlich.

Jedes Virus für sich

Erkältungen werden nicht von einem einzigen Virus ausgelöst, sondern es gibt zahlreiche Viren, die als Auslöser in Frage kommen. Dazu zählen auch einige Corona-Viren, also Verwandte des Pandemie-auslösenden Sars-CoV-2. Doch jedes Virus ist anders. Selbst wenn Echinacea gegen eine Reihe von Erkältungsviren helfen könnte, wäre das noch kein Nachweis, dass es auch bei Covid-19 hilft.

Echinacea: Nebenwirkungen unbekannt

Laut einer Übersichtsarbeit [2] zu Erkältungen ist die Anwendung von Echinacea sicher, allerdings wurde das nur für einen kurzen Zeitraum überprüft. Daten zu Langzeitfolgen liegen nicht vor. Auch ist ungewiss, wie die Präparate bei Schwangeren und Kindern wirken, die Europäische Arzneimittelbehörde EMA rät daher von einer Anwendung bis zum Alter von zwölf Jahren und bei Schwangeren ab [3].

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Die Studien im Detail

Trotz umfangreicher Recherche in den beiden Forschungsdatenbanken Pubmed und Cochrane Library konnten wir keine klinischen Studien mit menschlichen Teilnehmenden finden, in denen die Wirksamkeit von Echinacea zur Vorbeugung oder Behandlung einer SARS-CoV-2-Infektion untersucht wurde.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Signer (2020)
Signer, J., Jonsdottir, H.R., Albrich, W.C. et al. In vitro virucidal activity of Echinaforce®, an Echinacea purpurea preparation, against coronaviruses, including common cold coronavirus 229E and SARS-CoV-2. Virol J 17, 136 (2020). (Laborstudie in voller Länge)

[2] David (2019)
David, S., & Cunningham, R. (2019). Echinacea for the prevention and treatment of upper respiratory tract infections: A systematic review and meta-analysis. Complementary therapies in medicine, 44, 18-26. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[3] EMA (2017)
European Medicines Agency (EMA). Herbal medicine: summary for the public, Purple coneflower root
Echinacea purpurea (L.) Moench, radix; Abgerufen am 3.12.2020 unter www.ema.europa.eu

[4] Karsch-Völk u.a. (2014)
Karsch-Völk M, Barrett B, Kiefer D, Bauer R, Ardjomand-Woelkart K, Linde K. Echinacea for preventing and treating the common cold. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 2. Art. No.: CD000530. (Übersichtsarbeit in voller Länge)