Angepasster Impfstoff: Omikron-Booster von Moderna

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Bernd Kerschner, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 2022-11-07
Die neuen Auffrischungs-Impfstoffe sind an Omikron angepasst.
Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)
Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie zur Corona-Impfung. In diesem Beitrag berichten wir, was zu den Omikron-angepassten Impfstoffen von Moderna bekannt ist (Stand: 02. November 2022):
  • Imfpstofftyp: mRNA-Impfstoffe (Was ist das?)
  • in Österreich ab 12 Jahren für die Auffrischungsimpfung zugelassen [4]
  • Verabreichung: eine Spritze, üblicherweise in den Oberarmmuskel, zumindest 3 Monate nach der letzten Covid-Impfung [4]
Der erste Corona-Impfstoff von Moderna wurde gegen die ursprüngliche Corona-Variante entwickelt. Gegen die aktuellen Omikron-Varianten wirkt er aber deutlich schlechter. So wie Biontech-Pfizer hat nun auch Moderna an Omikron-Varianten angepasste Impfstoffe entwickelt: einen gegen die Untervariante BA.1 und einen gegen BA.4/5. So wie die Pfizer-Impfstoffe enthalten auch die Moderna-Impfstoffe eine Mischung aus dem ursprünglichen Corona-Impfstoff und einem der an eine der Omikron-Varianten angepassten Impfstoffe [1,2].

Wie gut schützen die angepassten Impfstoffe von Moderna?

Wie gut die Impfstoffe vor einer Erkrankung oder einem schweren Krankheitsverlauf schützen, lässt sich aktuell noch nicht zuverlässig sagen. Denn das wurde bisher noch nicht direkt untersucht [2]. (Stand 2.November 2022) Zugelassen wurde der BA.1-Impfstoff auf Basis einer Antikörper-Vergleichsstudie [2]. Mit dem BA.1-Impfstoff Geimpfte bildeten im Schnitt um 75 Prozent mehr Antikörper gegen die Omikron-BA.1-Variante und 69 Prozent mehr gegen BA.4/5 als Personen, die mit dem ursprünglichen Impfstoff geimpft waren. Fachleute gehen davon aus, dass mehr Antikörper auch mehr Schutz vor einer Erkrankung bieten. Darauf beruht die Empfehlung, für die Auffrischungs-Impfung einen Omikron-angepassten Impfstoff zu bevorzugen [2]. Der BA.4/5-Impfstoff wurde bisher noch nicht in Studien mit menschlichen Teilnehmenden untersucht. Für die Zulassung wurde nur eine Antikörper-Vergleichsstudie an Mäusen durchgeführt (so wie auch für den BA.4/5-Impfstoff von Biontech-Pfizer). Mäuse die eine Auffrischungs-Impfung mit dem BA.4/5-Impfstoff erhalten hatte, bildeten mehr Antikörper gegen verschiedene Omikron-Varianten als Mäuse, denen der ursprüngliche Corona-Impfstoff von Moderna verabreicht worden war [2]. Mittlerweile gibt es Vorabdrucke von noch unveröffentlichten Antikörper-Vergleichsstudien mit menschlichen Teilnehmenden (Stand: 02. November) [5,12]. Sie verglichen die Anzahl von Omikron-Antikörpern im Blut nach einer Auffrischungs-Impfung mit einem angepassten Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna, im Vergleich zu einer Auffrischungs-impfung mit einem ursprünglichen Impfstoff. Die eine Studie fand mehr Antikörper gegen Omikron-Varianten nach einer Impfung mit einem angepassten Impfstoff [12], die andere wiederum nicht [5]. Beide Studien sind Vorabdrucke, das heißt sie wurden noch nicht von anderen Forschenden begutachtet. Sie haben außerdem nur sehr wenige Personen untersucht und abgesehen davon noch andere Schwachstellen. Ihre Aussagekraft ist deshalb gering.

Wie sicher sind die Impfstoffe?

Die Nebenwirkungen des BA.1-Impfstoffes scheinen vergleichbar zu sein mit jenen des ursprünglichen Corona-Impfstoffs von Moderna. In der Zulassungsstudie wurden keine neuen Nebenwirkungen festgestellt. Allerdings haben in dieser Studie nur 437 Personen den BA.1-Impfstoff erhalten [1,2]. Das sind zu wenige Teilnehmende, um seltene Nebenwirkungen feststellen zu können. Der BA.4/5-Impfstoff wurde bisher noch nicht in Studien mit Menschen untersucht. Daher sind auch mögliche Nebenwirkungen noch nicht direkt untersucht. Beide angepassten Impfstoffe sind dem ursprünglichen Corona-Impfstoff von Moderna sehr ähnlich. Dieser wurde bereits in Studien umfangreich untersucht und gilt als gut erprobt. Daher nehmen Fachleute an, dass auch die angepassten Impfstoffe sicher sind, auch wenn mögliche Nebenwirkungen noch wenig oder gar nicht in Studien mit Menschen untersucht wurden [2].

Was wird empfohlen?

Die Ständige Impfkommission in Deutschland (STIKO) empfiehlt die Omikron-Impfstoffe von Moderna nur für Personen ab dem Alter von 30 Jahren [2,7]. Das liegt daran, dass nach Impfungen mit dem ursprünglichen Moderna-Impfstoff bei jüngeren Personen häufiger Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen auftraten als nach Impfungen mit dem Pfizer-Impfstoff [11]. Auch Schwangeren empfiehlt die STIKO, sich mit einem Pfizer-Impfstoff anstelle eines Moderna-Impfstoffs impfen zu lassen [2,11]. Die österreichischen Behörden haben keine derartige Empfehlung ausgesprochen. In Österreich gilt die Zulassung ab 12 Jahren [3,4].

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Die Studien im Detail

Welche Studien haben wir berücksichtigt?

Es gibt bisher noch keine Studien, die direkt untersucht haben, wie wirksam die angepassten Impfstoffe von Moderna vor Erkrankung und schwerem Krankheitsverlauf schützen können. In der Zulassungsstudie für den BA.1-Impfstoff wurde untersucht, ob Teilnehmende, die eine Auffrischungs-Impfung mit dem angepassten Impfstoff erhalten haben, mehr Antikörper gegen Omikron-Varianten bilden als Personen, die den ursprünglichen Corona-Impfstoff von Moderna bekommen haben. Zusätzlich wurden Corona-Erkrankungen der Teilnehmenden während der Studie sowie Nebenwirkungen erhoben [1,2]. In der Zulassungsstudie für den BA.4/5-Impfstoff wurde ein solcher Antikörper-Vergleich nur an Mäusen durchgeführt [2].

Wie aussagekräftig sind die Studien

Die Studie zum BA.1-Impfstoff weist einige Mängel auf:
  • Erkrankungen nicht aussagekräftig untersucht: In der Zulassungsstudie wurden zwar Corona-Erkrankungen während des Studienzeitraums dokumentiert. Allerdings erkrankten sowohl in der Gruppe, die den angepassten Impfstoff erhalten hat, als auch in der Vergleichsgruppe, die mit dem ursprünglichen Corona-Impfstoff von Moderna geimpft wurde, nur einzelne Personen. Außerdem hat die Studie nur wenige Wochen gedauert. Daher lässt sich nicht zuverlässig einschätzen, wie gut der angepasste Impfstoff tatsächlich vor Erkrankung und schwerem Verlauf schützen kann.
  • Verzerrung durch Gruppenunterschiede: Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland nimmt an, dass die Ergebnisse von Antikörper-Vergleich und Vergleich der Nebenwirkungen verzerrt sein könnten, weil die Gruppen unterschiedlich waren. Um zuverlässig beurteilen zu können, wie wirksam der Impfstoff ist, sollten die Teilnehmenden zufällig in Gruppen eingeteilt werden und sich bezüglich Alter, Geschlecht und gesundheitlichen Voraussetzungen möglichst ähnlich sein.
  • Verzerrung durch fehlende Verblindung: Um die Wirksamkeit des Impfstoffes verlässlich einschätzen zu können, sollten weder Forschende noch Teilnehmende wissen, wer welchen Impfstoff erhalten hat. Fachleute bezeichnen das als Verblindung. In diesem Fall war jedoch sowohl den Teilnehmenden als auch den Forschenden bekannt, ob der angepasste Impfstoff verabreicht wurde oder der ursprüngliche. Das könnte die Forschenden bei der Auswertung beeinflusst haben.
Auch die Studie zum BA.4/5-Impfstoff hat Mängel: Es handelt sich nur um eine tierexperimentelle Antikörpervergleichs-Studie an Mäusen. Daher lässt sich nicht zuverlässig einschätzen, ob der Impfstoff bei Menschen gleich wirksam und verträglich ist. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland bemängelt außerdem, dass die Mäuse nicht nach dem Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt wurden, wenig über die Mäuse und ihre Haltung bekannt ist und die Ergebnisse des Antikörpervergleichs sehr uneinheitlich sind [2].

Wissenschaftliche Quellen


[1] EMA (2022) https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/spikevax-previously-covid-19-vaccine-moderna-epar-product-information_en.pdf, abgerufen am 31.10.2022 [2] STIKO (2022) Wissenschaftliche Begründung der STIKO zur Auffrischimpfung von Personen ≥12 Jahren mit einem Omikron-BA.1- oder einem Omikron-BA.4-5-adaptierten bivalenten mRNA-Impfstoff Epidemiologisches Bulletin 40/2022 (rki.de), abgerufen am 25.10.2022 [3] Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (2022) abgerufen am 25.10.2022 https://www.sozialministerium.at/Corona/allgemeine-informationen/corona-schutzimpfung.html#impfstoffe-und-empfehlungen [4] Fachinformation Spikevax https://www.basg.gv.at/fileadmin/redakteure/08_COVID-19/Fachinformation_Spikevax_311022_final.pdf, abgerufen am 7.11.2022 [5] Wang (2022) Antibody responses to Omicron BA.4/BA.5 bivalent mRNA vaccine booster shot https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2022.10.22.513349v1.full.pdf, abgerufen am 25.10.2022 [6] Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) (2022) https://www.basg.gv.at/covid-19/covid-19-impfstoffe#c23334, abgerufen am 31.10.2022 [7] STIKO (2022) RKI - Impfen - COVID-19-Impfempfehlung (Stand 26.10.2022), abgerufen am 31.10.2022 [8] EMA (2022) EMA recommends approval of second adapted Spikevax vaccine | European Medicines Agency (europa.eu), abgerufen am 2.11.2022 [9] BASG (2022) https://www.basg.gv.at/fileadmin/redakteure/06_Gesundheitsberufe/DHPC/2022/220906_Spikevax_0__Zero__O__Omicron__.pdf, abgerufen am 2.11.2022 [10] STIKO (2022) Anhang zur wissenschaftlichen Begründung der STIKO-Empfehlung zur Auffrischimpfung von Personen ≥12 Jahren mit einem Omikron-BA.1-adaptierten bivalenten mRNA-Impfstoff (rki.de), abgerufen am 2.11.2022 [11] STIKO (2021) RKI - Empfehlungen der STIKO - Pressemitteilung der STIKO zur COVID-19-Impfung mit mRNA-Impfstoff bei Personen unter 30 Jahren (10.11.2021), abgerufen am 2.11.2022 [12] Davis-Gardner ME. et al. (2022) mRNA bivalent booster enhances neutralization against BA.2.75.2 and BQ.1.1. https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2022.10.31.514636v1.full.pdf, abgerufen am 4.11.2022