CBD gegen Regelschmerzen: Unerforscht

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Bernd Kerschner

zuletzt aktualisiert: 2022-07-21
Einmal im pro Monat Schmerzmittel nehmen? Natürlich Alternativen sind gefragt.
Angeblich sollen CBD-Tropfen bei Regelschmerzen helfen. Wissenschaftlich untersucht wurde das aber offenbar nie.
Erklärung:
Ob CBD Regelschmerzen lindern kann, wurde wissenschaftlich offenbar nie untersucht. Wir konnten keine Studien dazu finden. Frauen, die unter starken Regelschmerzen leiden, sollten mit einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt darüber sprechen. Erkrankungen wie die Endometriose könnten dahinterstecken.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)
Es ist grün, es ist natürlich und ein bisschen etwas Verruchtes hat es auch an sich: Cannabidiol, kurz CBD. Den nicht-berauschenden Stoff aus der Cannabispflanze gibt es meist als Tropfen oder Tee, und er liegt im Trend. Immerhin soll CBD so einiges können: Beruhigen, beim Einschlafen helfen und Schmerzen lindern zum Beispiel. So behaupten zumindest Anbieter und Fans des CBD. Dass wissenschaftliche Belege für diese Behauptungen fehlen, haben wir bereits herausgefunden, in unseren Beiträgen zu CBD zum Einschlafen und zu CBD gegen Migräne. Ein weiteres Versprechen rund um den Cannabis-Stoff: CBD als vermeintliches Mittel gegen Regelschmerzen.

CBD als natürliche Alternative zu Schmerzmittel?

Die meisten Frauen kennen Regelschmerzen. Zieht sich die Gebärmutter während der Regelblutung krampfartig zusammen, können Unterleibschmerzen, Kreislaufprobleme und Übelkeit die Folge sein. Bei etwa 10 von 100 – meist jungen - Frauen sind die Beschwerden so stark, dass sie im Alltag einschränken [1]. In der Fachsprache spricht man von Dysmenorrhoe. Nicht alle Frauen wollen Schmerzmittel nehmen, bei manchen wirken sie nur unzureichend. CBD als natürliche Alternative - das versprechen diverse Internetseiten. Doch woher stammt diese Behauptung? Ist die angebliche schmerzstillende Wirkung von CBD bei Regelschmerzen wissenschaftlich belegt?

CBD: In der Regel unerforscht

Offenbar nicht. Denn trotz Suche in drei verschiedenen Datenbanken konnten wir keine einzige Studie zu CBD bei Regelschmerzen finden. Genauso wie bei CBD gegen Kopfschmerzen handelt es sich um eine unbelegte Behauptung.

Starke Regelschmerzen: normal ist das nicht!

Viele Frauen sind von Regelschmerzen betroffen und man könnte fast meinen, es wäre ein ganz normales Frauenleiden. Doch starke Schmerzen während der Monatsblutung sind nicht normal und auch nicht immer harmlos. In manchen Fällen können sie auf gutartige Geschwulste der Gebärmutterschleimhaut (Myome) oder auch auf Endometriose hinweisen. Bei der Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnlich ist, außerhalb der Gebärmutter - also an Stellen, wo es nicht hingehört. Am oder im Darm etwa, in der Bauchhöhle, oder auf den Eierstöcken.

Endometriose bleibt oft lange unerkannt

Während der Regelblutung wird die Gebärmutterschleimhaut zusammen mit etwas Blut abgestoßen. Dasselbe passiert auch mit diesen sogenannten Versprengungen. Das kann mitunter starke Schmerzen verursachen. Schätzungsweise jede zweite Frau mit starken Regelschmerzen hat Endometriose. Genau beziffern lässt sich die Häufigkeit der Erkrankung jedoch nicht [2]. Weil Regelschmerzen für viele Frauen zur Monatsblutung einfach „dazugehören“, dauert es oft Jahre, bis eine Endometriose als Ursache erkannt wird.

Gefahr für die Fruchtbarkeit

Wer unter starken Regelschmerzen leidet, sollte mit einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt darüber sprechen. Endometriose ist zwar eine gutartige Erkrankung, sie kann neben Regelschmerzen allerdings zu Problemen mit der Fruchtbarkeit führen. Ausführliche und wissenschaftlich fundierte Informationen zum Thema hat das Portal Gesundheitsinformation.de: Mehr zu Regelschmerzen gibt es hier, Informationen zu Endometriose hier.

CBD: Der Alleskönner aus der Cannabispflanze?

CBD ist ein chemischer Stoff, der in der Cannabispflanze vorkommt. Berauschen kann man sich damit allerdings nicht: Für die sogenannte psychoaktive Wirkung ist der Cannabis-Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol, kurz THC, verantwortlich. Im Gegensatz zum THC gilt CBD deshalb nicht als Suchtgift [3,5]. Laut einer Umfrage der Stiftung Warentest konsumieren 12 Prozent der Deutschen regelmäßig CBD-Produkte, die meisten von ihnen, weil sie sich davon Entspannung und besseren Schlaf erhoffen [5]. Dabei ist wissenschaftlich gar nicht ausreichend erforscht, ob CBD tatsächlich den Schlaf fördert, wie Anbieter behaupten. (Hier geht’s zum Artikel zu CBD und Schlaf)

Anbieter versprechen das Grüne vom Himmel

Dennoch ist der Stoff beliebt. Nicht nur zum Einschlafen oder gegen Kopfschmerzen wird der Stoff beworben. Anbieter der – meist hochpreisigen – CBD-Produkte versprechen noch viele weitere Wirkungen: zum Beispiel Linderung bei so vielfältigen Beschwerden wie Arthrose, Depression, Alzheimer und sogar Krebs [3]. Auch eine vermeidliche Anti-Corona-Wirkung wurde dem CBD bereits nachgesagt und in den Medien verbreitet. Warum das verfrühte Spekulationen waren, haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst.

Als Nahrungsmittel nicht zugelassen

Solche krankheitsbezogene Werbeaussagen, sogenannte health claims, sind rechtlich nicht erlaubt. Ebenso wenig der Verkauf von CBD-Produkten zum Schlucken: Als Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist CBD nämlich gar nicht zugelassen [3,5]. Verkauft werden die Produkte deshalb in der Regel mit dem Hinweis, dass sie nicht zur Einnahme bestimmt seien.

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Die Studien im Detail

Wir konnten keine Studien finden, die untersucht haben, ob CBD bei Regelschmerzen helfen kann – weder zur Behandlung noch zur Vorbeugung.

Wissenschaftliche Quellen


[1] IQWiG (2019) Regelschmerzen. Abgerufen am 25.5.2022 unter www.gesundheitsinformation.de [2] IQWiG (2021) Endometriose. Abgerufen am 25.5.2022 unter www.gesundheitsinformation.de [3] Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Abgerufen am 16.2.2022 unter www.verbraucherzentrale.de [4] Klartext Nahrungsergänzung (Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen) Abgerufen am 23.5. 2022 unter www.klartext-nahrungsergaenzung.de [5] Kommunikationsplattform VerbraucherInnengesundheit (BMSGPK) Abgerufen am 16.2.2022 unter www.verbrauchergesundheit.gv.at