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Mit Blaulicht gegen Schuppenflechte?

Blaues Licht für kranke Haut?

Blaues Licht für kranke Haut?

Die Lichttherapie mit UV-Licht gehört bei Schuppenflechte zu den bewährten Behandlungen. Aber wie sieht es mit Blaulicht aus?

Frage:Ist bei Schuppenflechte die Behandlung mit Blaulicht so wirksam wie UV-Licht oder andere etablierte Therapien?
Antwort:wissenschaftliche Belege fehlen
Erklärung:Wir haben keine Publikation finden können, die Blaulicht mit etablierten Behandlungen (z. B. UV-Bestrahlung) vergleichen.

Schuppenflechte (Psoriasis) kann für die Betroffenen anstrengend sein. Die geröteten und schuppigen Hautstellen jucken. Behandlung und Hautpflege kosten manchmal viel Zeit und führen nicht immer zum gewünschten Erfolg.

Es belastet außerdem, wenn andere Menschen irritiert oder ängstlich reagieren und die Hauterkrankung irrtümlich für ansteckend halten. Dabei ist Psoriasis eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Haut oder andere Gewebe angreift. So entstehen Entzündungen und die auffälligen Hautveränderungen, inklusive der typischen Schuppenbildung [1].

Neben Cremes mit verschiedenen Wirkstoffen gehört die Bestrahlung mit UV-Licht zu den Behandlungsoptionen. Dafür sind mehrere Sitzungen pro Woche in der Arztpraxis notwendig. Auch steigt bei wiederholter und langfristiger Anwendung das Risiko für Hautkrebs [1].

Einfacher daheim behandeln?

Seit einiger Zeit werden Geräte für die so genannte „Blaulichtbehandlung“ gegen Psoriasis angeboten. Patientinnen und Patienten können dieses Blaulicht zu Hause anwenden. Klingt eigentlich ganz praktisch.

Uns erreichte eine Leseranfrage, was von solchen Geräten zu halten ist. Wir haben uns deshalb auf die Suche nach Studien gemacht, in denen Blaulicht mit erwiesenermaßen wirksamen Therapien verglichen wurde.

Anmerkung: Nach Abschluss der Recherche wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass die Geräte des einzigen uns bekannten Herstellers nicht mehr vertrieben werden. Da möglicherweise noch Restbestände oder gebrauchte Geräte für den Einsatz zu Hause auf dem Markt sind, ist unsere Recherche nach wie vor relevant. Ob es eventuell auch noch andere Anbieter von vergleichbaren Geräten gibt oder die Blaulicht-Therapie bei Psoriasis aktuell auf andere Art und Weise angeboten wird, konnten wir nicht eindeutig klären.

Aussagekräftige Vergleich fehlen

Nach unserer Recherche kommen wir zu dem Schluss: Wir können leider nicht einschätzen, ob die neuartigen Blaulicht-Therapie Menschen mit Psoriasis wirklich hilft. Dafür fehlt uns eine solide Basis, also Studien, die die Blaulichtbehandlung mit einer etablierten Psoriasis-Therapie vergleichen – zum Beispiel mit einer UV-Licht-Behandlung, über deren Nutzen und Risiken vieles bekannt ist [1].

Ohne derartige Vergleiche lässt sich nicht seriös abschätzen, ob die Blaulichttherapie künftig eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Schuppenflechte spielen könnte.

Was wäre aussagekräftig?

Eine Studie mit aussagekräftigem Vergleich hätte unserer Einschätzung nach so aussehen müssen: Menschen mit Psoriasis werden nach dem Zufallsprinzip, also randomisiert, in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe bekommt eine etablierte Therapie, die andere Gruppe die Blaulichtbehandlung. Am Ende wird verglichen, wie sich der Hautzustand in den Gruppen verändert hat.

Gefunden haben wir aber ganz andere Untersuchungen: Drei Studien mit wenig aussagekräftigen Vergleichen bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Psoriasis [5, 6, 7]. Bei ihnen steht zwar „randomisiert“ im Titel, allerdings bezieht sich diese Zufallszuteilung nicht auf den Vergleich, der uns interessiert. Das liegt an dem relativ komplizierten Aufbau der Studien: In allen Studien gab es verschiedene Behandlungsgruppen, und bei jeder Testperson wurde außerdem noch ein Vergleich zwischen linker und rechter Körperhälfte gezogen.

Je nach zufälliger Zuteilung erfolgte die Blaulicht-Therapie an einer ausgewählten Hautstelle auf der einen Körperhälfte mit unterschiedlichen Intensitäten [6, 7] oder Wellenlängen [5]. Auf der anderen Körperhälfte erhielten die Testpersonen auf einer ausgewählten Hautstelle entweder keine Behandlung („nichts“) [5,6] oder sie trugen eine Vitamin-D-Creme auf [7].

Keine Gegenüberstellung

Das Problem: Der Vergleich zwischen den Behandlungsgruppen mit unterschiedlichen Blaulicht-Therapienhilft wäre wegen der zufälligen Zuteilung methodisch aussagekräftig, hilft uns bei unserer Fragestellung aber nicht [5, 6].

Bei den den Studien, bei denen die Kontrolle aus „nichts“ (keine Behandlung) bestand [5,6], schätzen wir es als problematisch ein, dass dieses Vorgehen nicht den sonst üblichen Therapieprinzipien entspricht – denn eine Behandlung wird nahezu immer empfohlen.

Der Vergleich zwischen Blaulicht und einer etablierten Therapie wird zwar in einer Studie gezogen [7]. Aber diese Zuteilung war nicht randomisiert und damit für unsere Einschätzung nicht aussagekräftig.

Stellenwert unklar

Alle drei Studien [5-7] haben noch ein weiteres Problem: Es ist unklar, wie repräsentativ die ausgewählten Hautstellen für den Gesamt-Hautzustand waren.

Alles in allem ist es nicht möglich, aus den gefundenen Studien den Stellenwert der Blaulichttherapie im Vergleich zu den bisher verfügbaren Behandlungsoptionen abzuleiten.

Häufige Autoimmunerkrankung

In Mitteleuropa sind etwa zwei Prozent der Bevölkerung an Psoriasis erkrankt. Die Hautkrankheit betrifft in Österreich rund 250.000 Menschen [4], in Deutschland etwa 1,5 Millionen [1].

Die meisten Psoriasis-Betroffenen, nämlich etwa 80 Prozent, haben eine „Psoriasis vulgaris“, auch „Plaque-Psoriasis“ genannt. Typisch sind die Hautveränderungen, also gerötete und schuppende Hautstellen an den Streckseiten von Armen und Beinen. Auch Kopfhaut, Rücken, Ohren, Hände oder Füße können betroffen sein.

Neben der Psoriasis vulgaris existieren einige weitere Psoriasis-Formen. Wenn sich die Autoimmunreaktion auf die Gelenke ausweitet, ist von „Psoriasis-Arthritis“ die Rede [1]. Mehr gesicherte Informationen rund um das Thema Psoriasis finden Sie auf den Seiten von www.gesundheitsinformation.de.

Verschiedene Behandlungsoptionen

Bei der häufigsten Form, der Plaque-Psoriasis, stehen je nach Schweregrad verschiedene Behandlungen zur Verfügung. Grundlage ist immer eine Hautpflege mit rückfettenden Substanzen. Außerdem gibt es Cremes, Lotionen und Schäume mit Kortison oder Vitamin-D-ähnlichen Wirkstoffen.

Wenn das nicht ausreicht, kann eine Lichttherapie mit UV-Licht probiert werden. Bei mittelschwerer und schwerer Psoriasis gibt es Medikamente zum Einnehmen oder Spritzen, die das Immunsystem hemmen [1, 2].

Nur blau, ohne UV

Die Lichttherapie, um die es in unserer Anfrage geht, enthält keine UV-Strahlung, sondern lediglich Strahlung im Bereich des blauen Lichts im sichtbaren Spektrum. Das blaue Licht wird von LEDs produziert und hat eine Wellenlänge im Bereich von 430 bis 490 Nanometern. Zum Vergleich: Im UV-Bereich hat die Strahlung eine Wellenlänge von maximal 400 Nanometern.

Warum Blaulicht helfen könnte

Das klassische Anwendungsgebiet von Blaulicht ist die Behandlung der Neugeborenen-Gelbsucht. Seit einiger Zeit wird jedoch auch die Behandlung verschiedener Hauterkrankungen untersucht, zum Beispiel Psoriasis [3].

Die Idee dazu stammt hauptsächlich aus Zellversuchen: Bei Psoriasis sorgt die Autoimmunreaktion dafür, dass sich die hornbildenden Hautzellen (Keratinozyten) zu schnell vermehren. Dadurch entstehen die Hautschuppen. In Laborversuchen konnten verschiedene Forschungsgruppen mit Blaulicht die Zellteilung der Keratinozyten hemmen.

Außerdem fanden sich auch Hinweise, dass Immunzellen, die bei der Autoimmunreaktion möglicherweise eine Rolle spielen, auf das Blaulicht reagieren [6]. Ob das nicht nur im Labor, sondern auch bei Patientinnen und Patienten funktioniert, müssen klinische Studien noch zeigen.

 

Die Studien im Detail

Wir konnten keine aussagekräftigen Untersuchungen finden, also randomisierte Studien, die einen Vergleich zwischen Blaulicht und etablierter Therapie gezogen haben.

(AutorIn: I. Hinneburg, Review: J. Harlfinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] IQWiG (2017) Schuppenflechte (Psoriasis), abgerufen am 20.09.2019

[2] UpToDate (2019) Treatment of psoriasis in adults, abgerufen am 20.09.2019 (kostenpflichtig)

Weitere Quellen

[3] Bundesamt für Strahlenschutz (2019) Blaulichttherapie, abgerufen am 20.09.2019

[4] Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (o.J.) Psoriasis, abgerufen am 20.09.2019

[5] Weinstabl A u.a. (2011) Prospective randomized study on the efficacy of blue light in the treatment of psoriasis vulgaris. Dermatology. 2011; 223:251-9

[6] Pfaff S u.a. (2015) Prospective Randomized Long-Term Study on the Efficacy and Safety of UV-Free Blue Light for Treating Mild Psoriasis Vulgaris. Dermatology. 2015; 231:24-34

[7] NCT02735187 (2019) Efficacy and Safety of Blue Light (453 nm) Treatment for Mild Psoriasis Vulgaris Over Three Months Compared to Vitamin D, abgerufen am 20.09.2019