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Basisches Wasser: besser als Leitungswasser?

Ist basisches Wasser besser als herkömmliches Leitungswasser?

Ist basisches Wasser besser als herkömmliches Leitungswasser?

Basisches Wasser zu trinken soll einer „Übersäuerung“ des Körpers entgegenwirken und die Gesundheit fördern. Belege zur Sinnhaftigkeit fehlen jedoch.

Frage:Hält basisches Wasser gesund oder kann es Krankheiten vorbeugen?
Antwort:nicht (ausreichend) erforscht
Erklärung:Es ist ungeklärt, ob basisches Wasser bei gesunden Erwachsenen die Gesundheit fördern bzw. Krankheiten verhindern kann. Gut gemachte Studien zum Thema fehlen. Große Effekte durch basisches Trinkwasser sind nicht wahrscheinlich.

Es wäre vermeidbar: Doch 361.000 Kinder unter fünf Jahren sterben auch dieses Jahr an Durchfall, ausgelöst durch schmutziges Trinkwasser. 3 von 10 Menschen, also insgesamt 2,1 Milliarden Bewohner unseres blauen Planeten, haben in ihrem Zuhause kein sicheres Trinkwasser. 236 Millionen Menschen sind tagtäglich mindestens eine halbe Stunde unterwegs, um Wasser zum Trinken, Kochen, Waschen, Putzen und Versorgen ihrer Tiere zu holen [6]

Aus Trinkwasser wird basisches Wasser

In Österreich muss in der Regel niemand mit derartigen Gefahren und Einschränkungen leben: In Küche und Bad sprudelt, ganz ohne Schleppen, sauberes Wasser aus den Leitungen. Doch obwohl die überlebensnotwendige Flüssigkeit von exzellenter Qualität, geprüft und sehr günstig ist, möchten manche Menschen ihr Trinkwasser nicht einfach so konsumieren. Sie bevorzugen es, das Wasser aus der Leitung basischer, also alkalischer zu machen.

Normales Trinkwasser, so die Befürchtung, führe ebenso wie bestimmte Nahrungsmittel zu einer ungesunden „Übersäuerung“ des Körpers. Diese vermeintliche Störung des Säuren-Basen-Gleichgewichts soll Krankheiten fördern oder sogar zu Krebs führen können. Es wird auch darüber spekuliert, ob basisches Wasser die Regenerationsfähigkeit von Sportlern unterstützen kann [1] [5].

Normales Trinkwasser hat einen pH-Wert von circa 7 bis 8. Mit Hilfe von Mineralstoff-Zusätzen oder teuren Apparaten (z. B. „Wasserionisierer“) für Zuhause lässt sich der pH-Wert von Leitungswasser auf etwa 9 heben, das Wasser wird basisch. Auch abgefülltes Fertig-Basenwasser gibt es zu kaufen. Doch bringt das alles auch einen Mehrwert für die Gesundheit?

Nicht plausibel, kaum untersucht

Wissenschaftlich plausibel ist das Konzept einer solchen Übersäuerung des Körpers nicht. Dazu haben wir bereits in einem anderen Beitrag veröffentlicht.

Dennoch haben wir nach Studien zur Frage gesucht, ob basisches Wasser die Gesundheit von Erwachsenen ohne besondere Vorerkrankungen fördert, ob es Beschwerden verhindert oder heilend wirkt und sicher für die Anwender ist.

Die Ausbeute unserer Recherche war allerdings sehr mager. Es gibt kaum Untersuchungen zum Thema – und die, die es gibt, sind zu schlecht gemacht, um aussagekräftige Antworten liefern zu können.

In einer idealen Studie würden die Teilnehmer per Los zwei Gruppen zugeordnet: eine Gruppe erhielte basisches Wasser, die andere nur unspektakuläres Leitungswasser. Aussehen und Geschmack der beiden Wasserarten sollten sich dabei nicht unterscheiden, und weder Teilnehmer noch Studienleiter dürften wissen, wer welches Wasser bekommt. Die beiden Teilnehmergruppen dürften sich nur in einem einzigen Merkmal wesentlich unterschieden: ihrem Wasserkonsum. Wenn die Basenwasser-trinkenden Teilnehmer danach beispielsweise seltener krank würden als jene der anderen Gruppe, wäre das ein Beleg für die Wirksamkeit. Doch solch rigoros durchgeführte Studien konnten wir nicht finden.

Auf Basis der aktuellen Studienlage können wir also nicht beurteilen, ob oder welche positiven oder negativen Wirkungen der regelmäßige Genuss von basischem Wasser auf gesunde Erwachsene haben könnte. Es erscheint bisher allerdings nicht sonderlich plausibel, dass damit deutliche vorbeugende oder heilende Effekte zu erzielen sind.

Sicherheit unklar

Auch über die Sicherheit der vielfältigen Produkte rund um basisches Wasser, das vor allem über das Internet vermarktet wird, können wir keine Aussagen treffen. Ein französisches Wissenschaftsteam hat kritisiert, dass Apparate zur quasi unbegrenzten Basenwasserherstellung frei erhältlich sind, im Gegensatz zu Medizinprodukten mit nachgewiesener Wirkung [3].

Sehr stark basisches Wasser kann toxische Reaktionen hervorrufen, wie ein Zwischenfall aus dem Jahr 2013 zeigt. Damals gelangte in der Nähe von Bonn Natronlauge – eine extrem basische Flüssigkeit – durch einen technischen Defekt in die Wasserleitungen [4].

 

Die Studien im Detail

Für unsere Suche erschienen uns beispielsweise doppelt-verblindete Studien oder Kohortenstudien ideal, bei denen viele Probanden über einen längeren Zeitraum im Alltag Basenwasser trinken, während eine Vergleichsgruppe nur unspektakuläres Leitungswasser konsumiert.

Die wenigen Studien, die wir finden konnten, waren jedoch alles andere als aussagekräftig. Zu wenige Teilnehmer, zu kurze Laufzeiten, zu wenig rigoroses Design oder Sponsoring durch Basenwasser-Hersteller (zum Beispiel: [2]) verunmöglichen verlässliche Schlüsse. So ist beispielsweise nicht klar, ob die unterschiedlich zusammengesetzten (und deshalb nicht unbedingt vergleichbaren) Basenwasser tatsächlich aufgrund ihres hohen pH-Werts oder durch die zugesetzten Mineralstoffe die vermeintliche Wirkung erzielen [1] [5].

(AutorIn: J. Harlfinger, Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Ähnliche Artikel

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Fenton u.a. (2016)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit
Analysierte Studien: 1 Kohortenstudie
Fragestellung: Kann basisches Wasser Krebs vorbeugen oder heilen?
Interessenskonflikte: keine laut Autoren

Fenton, T. R., and T. Huang. 2016. ‚Systematic review of the association between dietary acid load, alkaline water and cancer‘, BMJ Open, 6: e010438. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[2] Weidman u.a. (2016)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 100 Erwachsene ohne Vorerkrankungen
Studiendauer: 1 Tag
Fragestellung: Hat das Trinken von basischem im Vergleich zu gewöhnlichem Wasser eine Auswirkung auf die Blut-Viskosität?
Interessenskonflikte: Autoren erhielten teilweise Gelder von einem Unternehmen, das basisches Wasser herstellt.

Weidman, J., R. E. Holsworth, Jr., B. Brossman, D. J. Cho, J. St Cyr, and G. Fridman. 2016. ‚Effect of electrolyzed high-pH alkaline water on blood viscosity in healthy adults‘, J Int Soc Sports Nutr, 13: 45. (Studie in voller Länge)

Weitere Quellen

[3] Henry u.a. (2013)
Henry, M., and J. Chambron. 2013. ‚Physico-Chemical, Biological and Therapeutic Characteristics of Electrolyzed Reduced Alkaline Water (ERAW).‘, Water, 5: 2094-115. (Artikel in voller Länge)

[4] Lendowski u.a. (2015)
Lendowski, L., H. Farber, A. Holy, A. Darius, B. Ehrich, C. Wippermann, B. Kufner, and M. Exner. 2015. ‚Accidental contamination of a German town’s drinking water with sodium hydroxide‘, Int J Hyg Environ Health, 218: 366-9. (Zusammenfassung)

[5] Pogge (2017)
Pogge, E. 2017. ‚ALKALINE WATER IN ATHLETES: IT IS BENEFICIAL?‘, AgroFOOD Industry Hi Tech, 28: 38-40. (Zusammenfassung)

[6] WHO (2017)
World Health Organization. 2017. ‚Fact Sheet: Drinking Water‘ http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs391/en/.