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Mit dem Apfel zum Nicht-Raucher?

Apfelkur als fragwürdige alternative Raucherentwöhnung

Apfelkur als fragwürdige alternative Raucherentwöhnung

Äpfel sollen dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören, versprechen Gesundheitstipps diverser Webseiten. Tatsache oder nur Schall und Rauch?

Frage:Helfen Äpfel bei der Rauchentwöhnung?
Antwort:nicht erforscht
Erklärung:Äpfel enthalten zahlreiche Inhaltsstoffe und haben zu Recht den Ruf, ein gesunder Snack zu sein. Ob sie dabei helfen können, auf Zigaretten zu verzichten, wurde in Studien noch nicht untersucht.

Die Welt liebt Äpfel. Gleich nach der Banane sind Äpfel das zweitwichtigste Obst: Mehr als 70 Millionen Tonnen Äpfel wurden etwa im Jahr 2009 weltweit produziert. Und egal, ob Elstar, Boskop oder Granny Smith, Äpfel enthalten eine Vielzahl gesunder Inhaltsstoffe.

Angeblich stecken in dem Obst aber auch Stoffe, die die Lust auf Nicotin nehmen. Das behaupten zumindest verschiedene Gesundheitsmagazine im Internet. Jedes Mal, wenn wir zur Zigarette greifen wollen, sollten wir stattdessen einen Apfel essen. Soweit die Theorie.

Welche Inhaltsstoffe der Äpfel die Lust aufs Qualmen nehmen sollen, ist allerdings offen – wissenschaftliche Belege für diese Behauptung fehlen. Wir haben daher nach Studien gesucht, die Äpfel als Hilfe zur Rauchentwöhnung testeten – und danach, was wirklich hilft, um von der Zigarette loszukommen.

Abwarten und Kaugummi kauen

Rauchen ist ein Gesundheitsproblem, das die gesamte Gesellschaft belastet. Entsprechend viel wird zur Raucherentwöhnung geforscht. Äpfel tauchen in diesem Zusammenhang und in evidenzbasierten Empfehlungen allerdings nicht auf [a], zumindest nicht als Hilfestellung.

Es gibt Studien, nach denen eine krebshemmende Wirkung möglich scheint [1].

Am ehesten mit Rauchentwöhnung hat eine Kaugummi-Studie zu tun [2]: Die Testpersonen kauten Kaugummis verschiedener Geschmacksrichtungen. Kaugummis mit Apfel-Kardamom-Geschmack halfen besser über rauchfreie 48 Stunden hinweg als Kaugummis mit Pfefferminzgeschmack. Die Effekte sind jedoch klein, und ob dafür der Apfelgeschmack verantwortlich ist, kann nur spekuliert werden. Die Aussagekraft schmälert außerdem, dass die Studie von einem Kaugummiproduzenten finanziert wurde.

Es gibt über 30.000 Apfelsorten, deren Inhaltsstoffe sich leicht unterscheiden. Keiner der Inhaltstoffe, wie Pektin oder Flavonoide, scheint bei bewährten Rauchentwöhnungen eine Rolle zu spielen [a]. Äpfel enthalten zudem keine Nährstoffe, die nicht auch in anderen Lebensmitteln stecken würden; allerdings ist das Verhältnis der vielen gesunden Bestandteile zueinander im Apfel besonders ausgewogen [b].

Die Apfel-Rosskur

Der Tipp, jedes Mal zu einem Apfel zu greifen statt zu einer Zigarette, ist sicher gesund. Nicht erforscht ist hingegen, ob der Apfel wirklich die Lust auf die Zigarette nimmt.

In Internet-Foren kursiert außerdem eine ziemliche Apfel-Rosskur: „Eine Apfelkur, bei der man für drei Tage lang nur Äpfel isst (etwa 20 Stück) kann bei der Rauchentwöhnung helfen, weil man durch die vielen Äpfel eine Abneigung gegen das Rauchen bekommt.“ Uns erscheint vorstellbar, dass hier in erster Linie eine Abneigung gegen Äpfel entwickelt wird; Studien dazu konnten wir nicht finden.

Was hilft?

Das Rauchen aufzugeben lohnt sich – sowohl für den Geldbeutel als auch für die Gesundheit: Es verlängert das Leben!  Doch der absolute Rauchstopp ist alles andere als einfach. Fast immer benötigt es mehrere Anläufe und sozialen Rückhalt. Die Hälfte der Personen, die es schaffen, erreicht das Ziel ohne Hilfsmittel. Für die anderen stehen einige wirksame Methoden zur Verfügung, beispielsweise Nikotinersatztherapien (Pflaster, Kaugummis etc.) oder Medikamente, die jedoch auch Nebenwirkungen haben.

Soziale Unterstützung und die Begleitung durch Arzt bzw. Ärztin oder engagierte Apotheken helfen ebenfalls nachweislich beim Versuch, die Sucht zu überwinden [a].

[Aktualisierte Version, ursprünglich veröffentlicht: 02.06.2014. Keine inhaltlichen Änderungen]

(AutorIn: J. Wipplinger, A. Kliem, Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Gallus u.a. (2005)
Studientyp: Meta-Analyse einiger Kohortenstudien
Teilnehmer insgesamt: 14838
Fragestellung: Senken Äpfel das Krebsrisiko?
Interessenskonflikte: Keine angegeben.

Gallus S, Talamini R, Giacosa A, Montella M, Ramazzotti V, Franceschi S, Negri E, La Vecchia C. Does an apple a day keep the oncologist away? Ann Oncol. 2005 Nov;16(11):1841-4. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[2] Cohen u.a. (2010)
Studientyp: nicht-kontrollierte Vergleichsstudie
Teilnehmer insgesamt: 49
Fragestellung: Wie beeinflusst der Kaugummigeschmack die negativen Effekte eines kurzzeitigen Entzugs bei abhängigen Rauchern?
Interessenskonflikte: Finanziert von Wrigley Manufacturing Company, LLC.

Cohen LM, Collins FL Jr, Vanderveen JW, Weaver CC. The effect of chewing gum flavor on the negative affect associated with tobacco abstinence among dependent cigarette smokers. Addict Behav. 2010 Nov;35(11):955-60. (Zusammenfassung der Studie)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[a] IQWIG
Hilfe zur Rauchentwöhnung. Abgerunfen am 25. 8. 2016 unter http://www.gesundheitsinformation.de/hilfen-zur-rauchentwohnung.2080.de.html?part=behandlung-lt

[b] Umweltberatung über Äpfel
Der Apfel – Inhaltsstoffe und positive Wirkungen. Abgerufen am 25. 8. 2016 unter http://images.umweltberatung.at/htm/apfel-info-ernaehrung.pdf