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Kurkuma: Stimmungsmacher bei Depression?

Das Gewürz aus der Kurkuma-Wurzel verleiht Gerichten Farbe

Fast jeder Fünfte erkrankt im Laufe seines Lebens einmal an einer Depression. Kann das indische Gewürz Kurkuma helfen, der Freudlosigkeit und inneren Leere zu entfliehen?

Frage: Kann Kurkuma die Symptome von Depressionen lindern?
Antwort:unklar
Erklärung: Es ist unklar ob Kurkuma bei Depressionen helfen kann. Die Studien zu dieser Frage sind von nur bescheidener Qualität.

Was haben Curryhuhn, Kichererbsencurry und Depressionen gemeinsam? Bei allen dreien soll Kurkuma, ein Gewürz aus der Familie der Ingwergewächse, mehr Farbe ins Leben bringen. Im Fall der leckeren Currygerichte hat diese Behauptung sicher ihre Berechtigung, aber hilft Kurkuma auch Menschen, die an Depression leiden?

Depression kann jeden treffen

Jeder Mensch fühlt sich hin und wieder unglücklich, lustlos und niedergeschlagen. Derartige Phasen sind Teil des Lebens und gehen normalerweise wieder vorbei. Wenn diese negative Stimmung über einen längeren Zeitraum anhält so steckt oft eine ernstzunehmende Erkrankung – eine Depression -dahinter. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass rund 350 Millionen Menschen weltweit an einer Depression leiden [17].

Stimmungsaufheller Kurkuma?

Die Stimmung ist im Keller, ständiges Grübeln, Erschöpfung und Antriebslosigkeit erschweren den Alltag. Im schlimmsten Fall endet das Gefühlschaos mit Selbstmord. Depressionen sind die häufigste Ursache für den Freitod [13, 15].
 
Viele Betroffene scheuen aus Scham und Vorurteilen gegenüber psychischen Erkrankungen den Weg zum Arzt. Medikamente bringen nicht immer den gewünschten Erfolg oder werden wegen der relativ häufig auftretenden Nebenwirkungen nicht konsequent genug eingenommen [2,3][16].
 
Betroffene möchten selbst aktiv werden und suchen nach alternativen Auswegen. Bei ihrer Suche finden sie im Internet zahlreiche verheißungsvolle Angebote, die ein Entkommen aus dem depressiven Dilemma versprechen. Darunter auch Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform mit dem gelben Pflanzenfarbstoff Curcumin. Angeblich soll die Substanz die Symptome einer Depression bessern. Und das ohne ärztliche Verschreibung.
 
Die wissenschaftliche Beweislage für eine Wirksamkeit von Kurkuma bei Depression ist dürftig. Es gibt zwar einige verheißungsvolle Tierstudien, die auf eine mögliche Wirksamkeit bei Depression schließen lassen [7, 8, 9, 10]. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen können allerdings nicht kurzerhand auf den Menschen übertragen werden. Auch über die Art und Weise wie Kurkuma eine Depression positiv beeinflussen könnte, gibt es derzeit nur Spekulationen. So wird etwa gemutmaßt, dass Kurkuma die Verfügbarkeit, des Stimmungs-Botenstoffs Serotonin im Gehirn verbessere und so den Verlauf einer Depression beeinflussen könnte [11, 12].
 
Auf Basis bisher durchgeführter klinischer Studien am Menschen können wir nicht sagen ob Kurkuma die Symptome einer Depression lindern kann. Die derzeit vorhandenen Studien sind von schlechter Qualität und liefern keine überzeugenden Ergebnisse darüber, ob es wirkt oder nicht [1, 2, 3, 4, 5, 6].

Keine schweren Nebenwirkungen

Kurkuma-Präparate werden in der Regel gut vertragen. Am häufigsten klagen Konsumenten über leichte Magen Darm Probleme wie Blähungen oder Sodbrennen. Auch allergische Reaktionen sind möglich. Da unklar ist, wie sich Kurkumamittel bei schwangeren und stillenden Frauen sowie bei Kindern auswirken, raten Experten der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bei diesem Personenkreis von einer Einnahme ab [12, 14].

Was hilft sonst?

Neben einer medikamentösen Therapie mit sogenannten Antidepressiva können vielen depressiven Patienten auch psychotherapeutische Methoden helfen [18]. Nicht jeder spricht auf jedes Medikamente gleich gut an. So können bei einer schweren Form der Depression bestimmte Antidepressiva zwar durchwegs helfen. Bei leichteren Formen ist dies nicht immer so. Auf die teils strittige Wirksamkeit von Antidepressiva ist Medizin transparent schon in einem früheren Artikel eingegangen.
 
Auch andere Behandlungsmethoden wie Johanniskraut oder Sport können in bestimmten Fällen die Symptome einer Depression lindern.

Ayurvedisches Heilmittel

Kurkuma bereichert nicht nur die indische und asiatische Küche als fester Bestandteil von Curry- Gewürzmischungen. In der indischen Volksheilkunde Ayurveda hat die Wurzel eine lange Tradition als Heilmittel. Auch in unseren Breiten haben Kurkuma Präparate Einzug gehalten. Ob Verdauungsprobleme, Alzheimer oder Rheuma – das Nahrungsergänzungsmittel soll angeblich bei einer Fülle von Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen helfen. Die EMA bescheinigt dem Gewürz bei leichten Verdauungsbeschwerden eine Wirksamkeit als traditionelles Heilmittel [12, 14]. Wie wir in einem früheren Artikel berichteten ist eine mögliche Wirksamkeit von Kurkuma bei Krebs wissenschaftlich nicht gut erforscht und daher völlig unklar.

 

Die Studien im Detail

Bei unserer Recherche haben wir einige Studien gefunden, in denen die Wirksamkeit von Kurkuma bei depressiven Menschen untersucht wurde. Die meisten Untersuchungen offenbarten vermeintliche Verbesserungen von depressiven Symptomen. Bei genauerer Betrachtung fanden wir allerdings bei allen gröbere methodische Mängel. So waren die positiv gefärbten Ergebnisse oft das Resultat von persönlichen Interpretationen der Autoren und nicht von statistischen Daten.

Erwartungshaltung

Ein wichtiges Qualitätskriterium bei der Durchführung von Studien ist eine gut durchgeführte Verblindung. Im Idealfall sollten sowohl die Patienten wie auch die Behandler nicht wissen, wer die wirksame Substanz und wer ein Scheinpräparat erhält. In den meisten Studien, die eine Wirksamkeit von Kurkuma bei Depressionen zum Inhalt hatten, war dies nicht der Fall. Somit kann nicht ausgeschlossen werden, dass allein die Erwartungshaltung der Patienten eine scheinbare Besserung brachte [3, 4, 5,6].
 
Die meisten Studien hatten nur wenige Teilnehmer und viele Studien wurden durch Herstellerfirmen zumindest mitfinanziert [1, 3, 5]. Das kann zu Verzerrungen führen.

Nur teilweise nachvollziehbar

Auch bei einer im Jahr 2014 veröffentlichten randomisierten kontrollierten Studie war die Teilnehmerzahl mit nur 56 depressiven Patienten sehr klein [1].Untersucht wurde die Wirksamkeit von Kurkumin im Vergleich zu einem Scheinpräparat. Positiv anzumerken ist, dass in dieser Untersuchung Qualitätsmerkmale wie beispielsweise Randomisierung (zufällige Zuteilung der Patienten zur jeweiligen Behandlungsgruppe) und Verblindung der Probanden durchgeführt wurden. Allerdings fehlen wichtige Patienten- Eckdaten wie beispielsweise zur Schwere der Erkrankung oder zu eingenommenen Medikamenten. Auch hier war eine Herstellerfirma von Curcumin-Kapseln in die Finanzierung mit eingebunden.

(AutorIn: C. Christof, Review: J. Wipplinger)

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Ähnliche Artikel

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Lopresti u.a. (2014)
Studientyp:randomisiert-kontrollierte Studie etc.
Teilnehmer: 56 depressive Patienten
Fragestellung: Hilft Curcumin bei Depression (Major Depressive Disorder)?
Interessenskonflikte:Herstellerfirma unterstützt Studie finanziell

Lopresti AL, Maes M, Maker GL, Hood SD, Drummond PD, Curcumin for the treatment of major depression: a randomised, double-blind, placebo controlled study. J Affect Disord. 2014;167:368-75. doi: 10.1016/j.jad.2014.06.001. Epub 2014 Jun 11.

Weitere wissenschaftliche Quellen

[2] Bergman u.a. (2013)
Bergman J, Miodownik C, Bersudsky Y, Sokolik S, Lerner PP, Kreinin A, Polakiewicz J, Lerner V., Curcumin as an add-on to antidepressive treatment: a randomized, double-blind, placebo-controlled, pilot clinical study. Clin Neuropharmacol. 2013 May-Jun;36(3):73-7

[3] Sanmukhani u.a. (2013)
Sanmukhani J, Satodia V, Trivedi J, Patel T, Tiwari D, Panchal B, Goel A, Tripathi CB, Efficacy and safety of curcumin in major depressive disorder: a randomized controlled trial. Phytother Res. 2014 Apr;28(4):579-85.

[4] Panahi u.a. (2014)
Panahi Y, Badeli R, Karami GR, Sahebkar A., Investigation of the efficacy of adjunctive therapy with bioavailability-boosted curcuminoids in major depressive disorder. Phytother Res. 2015 Jan;29(1):17-21.

[5] Esmaily u.a.(2015)
Esmaily H, Sahebkar A, Iranshahi M, Ganjali S, Mohammadi A, Ferns G, Ghayour-Mobarhan M., An investigation of the effects of curcumin on anxiety and depression in obese individuals: A randomized controlled trial. Chin J Integr Med. 2015 May;21(5):332-8. doi: 10.1007/s11655-015-2160-z. Epub 2015 Mar 17.

[6] Yu u.a. (2015)
Yu J-J, Pei L-B, Zhang Y, Wen Z-Y, Yang J-L , Chronic Supplementation of Curcumin Enhances the Efficacy of Antidepressants in Major Depressive Disorder: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Pilot Study. EBM Reviews – Cochrane Central Register of Controlled TrialsJournal of clinical psychopharmacology. 35 (4 // 30870895 (NSFC) *National Natural Science Foundation of China*):406-10, 2015.

[7] Zhao u.a. (2013)
Zhao X, Wang C, Zhang JF, Liu L, Liu AM, Ma Q, Zhou WH, Xu Y. Chronic curcumin treatment normalizes depression-like behaviors in mice with mononeuropathy: involvement of supraspinal serotonergic system and GABAA receptor. Psychopharmacology (Berl). 2014 May;231(10):2171-87

[8] Benammi u.a. (2014)
Benammi H, El Hiba O, Romane A, Gamrani H., A blunted anxiolytic like effect of curcumin against acute lead induced anxiety in rat: involvement of serotonin. Acta Histochem. 2014 Jun;116(5):920-5.

[9] Wang u.a. (2014)
Wang Z, Zhang Q, Yuan L, Wang S, Liu L, Yang X, Li G, Liu D. The effects of curcumin on depressive-like behavior in mice after lipopolysaccharide administration, Behav Brain Res. 2014 Nov 1;274:282-90.
[10] Wu u.a. (2014)
Wu A, Noble EE, Tyagi E, Ying Z, Zhuang Y, Gomez-Pinilla F., Curcumin boosts DHA in the brain: Implications for the prevention of anxiety disorders. Biochim Biophys Acta. 2015 May;1852(5):951-61.

[11] Seo u.a. (2015)
Seo HJ, Wang SM, Han C, Lee SJ, Patkar AA, Masand PS, Pae CU. Curcumin as a putative antidepressant. Expert Rev Neurother. 2015 Mar;15(3):269-80.

[12] European Medicines Agency (2009) Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), Assessment report on curcuma longa l. rhizoma, abgerufen am 15.02.2016

[13] Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (2015) Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Depression, abgerufen am 15.02.2016

[14] National Institutes of Health (2012)
National Institutes of Health( NIH), Tumeric, abgerufen am 16.02.2016

[15] IQWIG (2009)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), Leitliniensynopse zum Thema „Depression“, abgerufen am 15.02.2016

[16] IQWIG (2015)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Wie wirksam sind Antidepressiva? Abgerufen am 15.02.2016

[17] Deutsches Bundesministerium für Gesundheit (2015)
Depression, abgerufen am 16.02.2016

[18] IQWIG (2012)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Behandlungsmöglichkeiten einer Depression. Abgerufen am 16.02.2016