Medizin transparent - Wissen was stimmt – unabhängig und wissenschaftlich geprüft

Jetzt anfragen

Sie fragen, wir antworten

Stimmt die Behauptung aus Internet, Werbung oder den Medien?

Artikel

Cholesterin senken durch Vitamine und Spurenelemente?

Wirken Vitamine gegen hohes Cholesterin?

Senken Nahrungsergänzungsmittel die Cholesterinwerte?

Können Mikronährstoffe in Form von Nahrungsergänzungsmitteln erhöhte Cholesterinwerte senken und damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindern oder verbessern?

Frage:Sind Vitamine und Mineralstoffe wirksam und sicher bei der Senkung des Cholesterinspiegels?
Antwort:unklar
Erklärung:Ob Nahrungsergänzungsmittel den Cholesterinspiegel senken können, ist noch immer kaum erforscht. Weiterführende Fragen haben wir in eigenen Beiträgen beantwortet: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird durch Multivitaminpräparate nachweislich nicht gesenkt. Möglicherweise haben Fischölkapseln eine positive Wirkung, was aber erst in gut gemachten Studien bestätigt werden muss.

Schlaganfall, Herzinfarkt und Co sind in Nationen mit hohem Lebensstandard weit verbreitet – auch hierzulande. Herz-Kreislauf-Erkrankungen können schwere Folgeschäden auslösen, und bei vier von zehn Menschen in Österreich sind sie die Todesursache.

Selbst aktiv werden

Viele Menschen wollen sich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und versuchen durch Lebensstiländerungen gegenzusteuern. Dazu gehören ausreichend Bewegung und der Verzicht aufs Rauchen, Abnehmen und Ernährungsumstellung [3] sowie weniger Stress.

Auch das Senken von zu hohen Cholesterinwerten kann eine sinnvolle Maßnahme zur Vorbeugung sein. Schließlich kann ein erhöhter Cholesterinspiegel in Kombination mit anderen Risikofaktoren eine Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems wahrscheinlicher machen. Auch familiäre Veranlagung, Alter und die erwähnten Lebensstilfaktoren spielen eine Rolle für dieses Risiko [3] [5] [6].

Wunsch nach Alternativen

Zum Cholesterinsenken kommen neben diversen Lebensstilveränderungen auch Medikamente zum Einsatz, allen voran Arzneiwirkstoffe namens Statine, über die wir bereits berichtet haben.

Doch nicht alle Betroffenen können oder wollen über einen längeren Zeitraum Tabletten einnehmen. Gibt es für sie andere Möglichkeiten, um die Cholesterinwerte zu verbessern? Wirken beispielsweise Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente – verpackt in Nahrungsergänzungsmittel? [3] [5]

Individuelle Mischung

Genau das wollte ein User von medizin-transparent.at wissen. Ihm wurde für den Kampf gegen zu hohes Cholesterin ein individuell zusammengestellter Mikronährstoff-Mix der Firma Biogena empfohlen.

Über diese Mikronährstoff-Mischungen können wir leider keine Aussagen treffen, weil diese Produkte speziell auf die einzelnen Patientinnen oder Patienten abgestimmt werden. Sie sind über Ärztinnen oder Therapeuten erhältlich und können Vitamine und Mineralstoffe sowie weitere Mikronährstoffe (Spurenelemente, Pflanzenstoffe, Aminosäuren etc.) enthalten.

Nur verschönerte Blutwerte?

Aber was taugen Vitamine und Mineralstoffe ganz allgemein zur Cholesterinsenkung? Leider ist diese spezielle Frage nicht sehr gut erforscht. Es ist also unklar, inwiefern bestimmte Nahrungsergänzungsmittel die Blutfettwerte verbessern können.

Zwar gibt es Studien, die behaupten, dass Mikronährstoffe wie Kalzium oder Vitamin C die Cholesterinwerte positiv beeinflussen können. Unklar bleibt hier aber, wie nachhaltig diese möglichen Effekte sind: Ob sie zum Beispiel nur kurzfristig zu einer „Verschönerung“ der Blutwerte führen [5] [6].

Multivitamine ohne Herzschutz

Wird die Frage allgemeiner formuliert, lässt sich über den Einfluss von Multivitaminpräparaten auf die Herzgesundheit freilich sehr wohl eine eindeutige Aussage machen: Sie führen nachweislich nicht zu positiven Effekten. Manche Vitamine können sogar problematisch sein. Hier geht es zum eigenen Beitrag .

Von der Dauereinnahme von Vitamin E oder der Vitamin-A-Vorstufe Betacarotin wird beispielsweise inzwischen abgeraten.

Etwas positiver sieht es derzeit für Fischölkapseln aus. Der Trend muss aber auch hier erst durch weitere, gut gemachte Studien bestätigt werden.

Ergänzung ist häufig

Jährlich werden Milliarden Dollar oder Euro für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben. Das Angebot in Apotheken, Drogerien, Supermärkten und im Internethandel ist riesig. Die Kapseln, Pulver und Flüssigkeiten können neben Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen auch Ballast- und Pflanzenstoffe sowie weitere Substanzen enthalten.

Eine beträchtliche Anzahl von Menschen konsumiert die frei verkäuflichen Präparate täglich – in der Absicht, dem Körper etwas Gutes zu tun und ihn gegen diverse Krankheiten zu wappnen [1] [2].

… oft unnötig…

Allerdings sind Nahrungsergänzungsmittel meist nicht notwendig. Gesunde Erwachsene aus Industrieländern können den empfohlenen Bedarf an Mikronährstoffen normalerweise decken, wenn sie sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren [1] [2]. Darüber haben wir auch hier schon ausführlich berichtet.

Eine solche gesunde Ernährung hat neben einer ausreichenden Menge von Vitaminen und Mineralstoffen zudem zusätzliche wertvolle Ingredienzien zu bieten – damit haben wir uns beispielsweise in unserem Beitrag über die so genannte Mittelmeerdiät befasst.

… aber manchmal sinnvoll

Bei Personen mit besonderen Bedürfnissen kann eine Nahrungsmittelergänzung durchaus ihre Berechtigung haben. Dazu gehören Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit oder ältere Personen, die sich beispielsweise wegen Schwierigkeiten mit dem Beißen nicht mehr ausgewogen ernähren können. Auch für Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten oder Mangelerscheinungen kann eine Ergänzung sinnvoll sein [1] [2].

[Die ursprüngliche Version dieses Artikels erschien am 4. November 2014. Eine neuerliche Literatursuche brachte keine inhaltliche Änderung unserer Einschätzung zur speziellen Frage „Cholesterinsenkung“. Die allgemeinere Fragestellung „Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ wurde in den entsprechenden Beiträgen neu bearbeitet.]

(Autorin: J. Harlfinger, Review: B. Kerschner, J. Wipplinger, C. Christof)

Artikel empfehlen: auf Facebook teilen auf Twitter teilen

 

Ähnliche Artikel

 

 

Wissenschaftliche Quellen

[1] Bundesamt für Risikobewertung
Gesundheitliche Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln. Abgerufen am 14.11.2016 unter http://www.bfr.bund.de/de/gesundheitliche_bewertung_von_nahrungsergaenzungsmitteln-945.html

[2] IQWIGWas sind Nahrungsergänzungsmittel? Abgerufen am 14.11.2016 unter https://www.gesundheitsinformation.de/was-sind-nahrungserganzungsmittel.2278.de.html

[3] IQWIG
Erhöhte Cholesterinwerte. Abgerufen am 14.11.2016 unter https://www.gesundheitsinformation.de/erhoehte-cholesterinwerte.2178.de.html

[4] Rees u.a. (2013)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration
Fragestellung: Helfen Nahrungsergänzungsmittel mit Selen bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Selenium supplementation for the primary prevention of cardiovascular disease. Cochrane Database Syst Rev. 2013 Jan 31;1:CD009671 (Volltext der Studie)

[5] UptoDatePatient information: High cholesterol treatment options (Beyond the Basics). Abgerufen am 14.11.2016 unter www.uptodate.com/contents/high-cholesterol-treatment-options-beyond-the-basics

[6] UptoDate
Lipid lowering with diet or dietary supplements. Abgerufen am 14.11.2016 http://www.uptodate.com/contents/lipid-lowering-with-diet-or-dietary-supplements