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Krank durch Weihwasser?

Ein kleines Mädchen taucht seine Hand in Weihwasser ein

Ein kleines Mädchen taucht seine Hand in Weihwasser ein

Eigentlich soll Weihwasser Segen bringen. Laboranalysen zeigen jedoch, dass sich darin große Mengen an Krankheitserregern befinden. Kann Weihwasser krank machen?

Frage:Kann der Kontakt mit Weihwasser krank machen?
Antwort:nicht (ausreichend) erforscht
Erklärung:In Weihwasserbecken leben häufig Krankheitserreger. Ob der übliche Kontakt mit Weihwasser tatsächlich krank machen kann, ist jedoch so gut wie nicht erforscht.

Weihwasser spielt im Christentum eine große Rolle. In jeder Kirche gibt es Weihwasserbecken, um mit dem Wasser ein Kreuzzeichen zu machen. Häufig segnen Priester Menschenmenge oder auch Lebensmittel durch das Besprengen mit Weihwasser.

Gerade Weihwasserbecken bieten Mikroorganismen ideale Bedingungen. Dafür sorgen zahlreiche ungewaschene Hände, die Gottesdienst für Gottesdienst darin eintauchen. Zudem steht das Wasser über längere Zeit in den Becken, ohne ausgetauscht zu werden.

Beim Kreuzzeichen mit dem Weihwasser befeuchten viele Gläubige Finger und Stirn, manche auch die Lippen. Sind die Keime im Wasser dabei ein Gesundheitsrisiko?

Krankmachende Keime

Laboruntersuchungen zeigen, dass diverse Mikroorgansimen im Weihwasser leben; darunter auch solche, die als Krankheitserreger bekannt sind. Das fanden drei verschiedene Forschungsteams heraus, als sie Weihwasser aus katholischen Kirchen in Österreich, Deutschland und Spanien analysierten. Die Proben dafür entnahmen sie den Weihwasserbecken von 16 Kirchen und zwei Spitalskapellen aus Wien, fünf Kirchen aus Villingen-Schwenningen in Baden-Württemberg und sieben Kirchen aus Sevilla [1-3].

Die meisten Krankheitserreger fanden sie wenig überraschend in den Becken von stark besuchten Kirchen [3]. Offenbar ist das Wasser umso belasteter, je mehr Hände regelmäßig darin eintauchen. Bedenklich fand das österreichische Forschungsteam, dass auch das Weihwasser einer Wiener Spitalskapelle Lebensraum für krankmachende Keime war.

Schlechte Hygiene – schlechte Gesundheit?

Die Hygiene von Weihwasserbecken ist also häufig schlecht. Unklar ist jedoch, ob die Menge an Keimen darin für Gläubige überhaupt ein Gesundheitsrisiko ist. Ob der übliche Kontakt mit Weihwasser krank machen kann, ist so gut wie nicht erforscht.

In speziellen Situationen könnte verkeimtes Weihwasser aber tatsächlich gesundheitsgefährdend sein. So gibt es Berichte über zwei Spitalspatienten, die wahrscheinlich dadurch schwere Infektionen bekamen. Der Grund: Besorgte Angehörige hatten sie im Spital besucht und mit Weihwasser besprengen [4,5]. Ob das keimbelastete Weihwasser aus Weihwasserbecken oder anderen Quellen stammte, erwähnen die Autoren der Fallberichte jedoch nicht.

Was tun?

Die katholische Kirche empfiehlt, dem Weihwasser Kochsalz beizufügen [2]. Bei ausreichend großen Salzmengen können sich Krankheitserreger im Wasser nicht mehr vermehren, die Keimbelastung bleibt niedrig. Salzwasser hat jedoch einen Nachteil: je höher die Salzkonzentration, umso stärker wird der Marmor angegriffen, aus dem viele Weihwasserbecken bestehen. Im schlimmsten Fall wird die Hygienefrage also zum Denkmalschutz-Problem.

Eine weitere Möglichkeit, die Keimbelastung gering zu halten, sind automatische Weihwasserspender. Ähnlich einem Seifenspender lässt er das heilige Wasser in die Hand tropfen und macht das unhygienische Eintauchen der Hände überflüssig.

Form und Funktion am Steinhof

Diese Idee wurde in der Spitalskirche am Wiener Steinhof vor gut 110 Jahren umgesetzt. Hier gibt ein goldener Spender das Weihwasser tropfenweise ab – wie von Architekt Otto Wagner gewünscht. Dadurch sollte die Übertragung von Infektionen wie Tuberkulose verhindert werden.

 

Die Studien im Detail

Dass Weihwasserbecken häufig mit Krankheitskeimen belastet ist, zeigen drei Laboranalysen von Weihwasserproben aus insgesamt 30 katholischen Kirchen [1-3]. Dabei haben sich die involvierten Forschungsgruppen Mühe gegeben, die Anzahl der Keime im Wasser so genau wie möglich zu bestimmen. Um die Ergebnisse nicht mit zusätzlichen Mikroorganismen zu verfälschen, entnahmen sie die Proben mit sterilen Pipetten und füllten sie abschließend in keimfrei gemachte Gefäße ab.

Die Laboranalysen können jedoch nicht beantworten, ob die gemessenen Keimzahlen im Wasser ausreichen, um Krankheiten auszulösen. Unklar ist auch, wieviel Kontakt Gläubige mit dem Wasser haben müssten, um krank zu werden. Trotz intensiver Suche fanden wir keine Studien, die dies untersucht haben.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Harlfinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Kirschner u.a. (2012)
Kirschner AK, Atteneder M, Schmidhuber A, Knetsch S, Farnleitner AH, Sommer R. Holy springs and holy water: underestimated sources of illness? J Water Health.2012 Sep;10(3):349-57. (Zusammenfassung der Untersuchung)

[2] Jurado u.a. (2002)
Jurado V, Ortiz-Martinez A, Gonzalez-delValle M, Hermosin B, Saiz-Jimenez C. Holy water fonts are reservoirs of pathogenic bacteria. Environ Microbiol. 2002 Oct;4(10):617-20.(Zusammenfassung der Untersuchung)

[3] König u.a. (2017)
König C, Tauchnitz S, Kunzelmann H, Horn C, Blessing F, Kohl M, Egert M.
Quantification and identification of aerobic bacteria in holy water samples from a German environment. J Water Health. 2017 Oct;15(5):823-828. (Zusammenfassung der Untersuchung)

[4] Rees & Allen (1996)
Holy water–a risk factor for hospital-acquired infection. Journal of Hospital Infections. 32(1):51-5. Jan 1996 (Zusammenfassung des Fallberichts)

[5] Greaves & Porter (1992)
Greaves I, Porter KM. Holy spirit? An unusual cause of pseudomonal infection in a multiply injured patient. BMJ. 1992 Dec 19-26;305(6868):1578. (Fallbericht in voller Länge)