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Ultraschall gegen Fettpölsterchen: garantiert nicht schmerzfrei

Ultraschall gegen Hüftspeck?

Ultraschall gegen Hüftspeck?

„Völlig schmerzfrei“ soll eine neue Methode dank Ultraschall den Körperumfang reduzieren, verspricht der Kurier. Fokussierter Ultraschall kann zwar möglicherweise kleine Fettdepots geringfügig verringern, schmerzfrei ist dies jedoch auf keinen Fall.
 
 

 

Zeitungsartikel: Schlank ohne Schönheits-OP (14.10.2012, Kurier, Beilage „Schöner Leben“)
Frage:Führt eine Behandlung mit gebündeltem Hochintensitäts-Ultraschall zu einer merkbaren Reduktion von Körperfett?
Antwort:Die Methode kann nach 3 Sitzungen zu einer möglicherweise merkbaren, aber geringen Reduktion des Hüftumfangs führen. Schmerzfrei ist diese Behandlung allerdings keinesfalls.
Beweislage:
Niedrige wissenschaftliche Beweislagefür die Wirksamkeit

Rasch schlank ohne lästiges Hungern oder komplizierte Diäten, mühsame Fitnessübungen, und das auch noch ohne Schmerzen – das verspricht ein Artikel in der Sonntagsbeilage „Schöner Leben“ des Kurier vom 14. Oktober. Vollmundig wird dort eine nicht näher beschriebene Behandlungskombination aus „Ultraschall und neuester Radiofrequenz-Technologie“ als Weg zur Traumfigur angepriesen.

Während die Radiofrequenz-Behandlung vor allem dazu dienen soll, das Gewebe zu straffen, soll mittels „tiefgehendem Ultraschall“ Fettgewebe abgebaut werden – und zwar „absolut schmerzfrei und für den Körper äußerst schonend“.

Ultraschall zum Abbau von Fettgewebe?

Ultraschall ist am ehesten als diagnostisches Hilfsmittel bekannt, beispielsweise um den Bauch einer werdenden Mutter zu „durchleuchten“. Bei Ultraschall handelt es sich prinzipiell um nichts anderes als Töne, die so hoch sind, dass sie das menschliche Gehör nicht mehr wahrnehmen kann. Wie auch hörbarer Schall kann er Hindernisse – zwar abgeschwächt, aber doch – durchdringen, wird aber auch teilweise als Echo zurückgeworfen. Auch das Ungeborene wirft einen Teil des Ultraschalls zurück, woraus schließlich das Ultraschallbild entsteht.

Während Niedrigintensitäts-Ultraschall unbedenklich ist, hat Ultraschall von sehr hoher Intensität eine weitere Eigenschaft – er kann biologisches Gewebe erhitzen und zerstören. (Eine ähnliche Eigenschaft kennt man von sichtbarem Licht. Dieses kann als Laser – welches nichts anderes ist als stark gebündeltes Licht von sehr hoher Intensität – ebenfalls Gewebe zerstören.) Da Ultraschall Hindernisse wie Haut und Gewebe durchdringen kann, lässt er sich gezielt auf die unter der Haut liegende Schicht aus Fettgewebszellen bündeln. Nur das im „Brennpunkt“ der Ultraschallwellen liegenden Fettgewebe wird dabei erhitzt und zerstört, ähnlich wie ein Blatt, auf das Sonnenlicht mit einer Lupe gebündelt wird. Die darüber liegende Haut wird dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Keine großen Erwartungen

In einer randomisiert-kontrollierten Studie an 180 Personen mit leicht erhöhtem Gewicht wurde die Auswirkung einer solchen Hochintensitäts-Ultraschallbehandlung auf den Hüftumfang untersucht. [1] Die Probanden erhielten über einen Zeitraum von 12 Wochen entweder 3 Einheiten mit sehr hoher oder mittlerer Ultraschallintensität, oder aber Scheinbehandlungen mit abgeschaltetem Ultraschallgerät. Dabei fanden die Verfasser der Studie heraus, dass sich der Hüftumfang im Vergleich zur Scheinbehandlungsgruppe im Durchschnitt um bescheidene 1 cm verringert hatte. Allerdings zeigte selbst die Behandlung mit der stärksten Ultraschallintensität bei fast jedem Fünften in dieser Probandengruppe gar keinen Effekt.

Die Ergebnisse einer anderen Studie an 137 Personen scheinen auf den ersten Blick auf eine höhere Reduktion des Umfangs verschiedener Körperregionen wie Bauch, Hüften oder Schenkel hinzudeuten. [2] Da die Vergleichsgruppe allerdings gar keine Behandlung statt einer Scheinbehandlung bekam, ist diese Interpretation mit Vorsicht zu genießen. Immerhin zeigte sich in der zuvor beschriebenen Studie [1] selbst bei der scheinbehandelten Gruppe eine deutliche Verringerung des Hüftumfangs – möglicherweise aufgrund einer gestiegenen Motivation, etwas für sein Aussehen zu tun. Weiters entspricht die zweite Studie [2] in vielen Punkten nicht den wissenschaftlichen Mindeststandards.

Alles andere als schmerzlos

Starke Schmerzen traten in der ersten der beiden Studien [1] bei rund einer von 10 Personen während der Behandlung auf. Zudem kam es nicht selten zu Blutergüssen. Bei einem von 63 Probanden aus der Gruppe, die mit höchster Intensität behandelt wurde, traten sogar massive Blutergüsse auf. Auch Wasseransammlungen im Gewebe traten mitunter auf.

In der zweiten Studie [2] hatten die Probanden vor der Behandlung eine schmerzbetäubende Creme verabreicht bekommen. Bei immerhin 7 von 137 Personen traten Nebenwirkungen auf, darunter Hautrötungen, Blutergüsse und Blasen, die in einem Fall aufgrund einer Entzündung mit lokal aufgetragenen Antibiotika behandelt werden mussten.

Wirksamkeit nur wenig belegt

Mit nur einer kleinen, Hersteller-finanzierten Studie, die eine relativ geringe Abnahme des Hüftumfangs von durchschnittlich 1 cm im Vergleich zu Scheinbehandlungen ergab, ist die Wirksamkeit der Methode nur wenig gesichert. Zudem scheint fragwürdig, ob die Behandlungskosten für eine solch geringe Abnahme gerechtfertigt sind. Eine Umstellung der Ernährung – wie sie auch im Kurier erwähntes Vorher/Nachher-Beispiel „Niko F.“ zusätzlich zur Ultraschall-Behandlung durchgeführt hatte – verspricht wahrscheinlich deutlich bessere Erfolge. Schließlich zählen vor allem Ernährungsumstellung und Sport nach wie vor zu den effektivsten Gewichtsreduktionsmaßnahmen [3] – auch wenn uns die Werbung anderes einreden will.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: M. Strobelberger, M. Flamm)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Jewell u.a. (2011)
Studientyp: Randomisiert-kontrollierte Studie
Fragestellung: Kann eine nicht-invasive Behandlung mit Hochintensitäts-Ultraschall Körperfettansammlungen reduzieren?
Studiendauer: 12 Wochen
Teilnehmer: 180 Personen
Mögliche Interessenskonflikte: Finanzierung der Studie durch Hersteller des getesteten Ultraschall-Behandlungsgeräts (Medicis Technologies Corporation, Arizona, USA)

Titel: „Randomized sham-controlled trial to evaluate the safety and effectiveness of a high-intensity focused ultrasound device for noninvasive body sculpting.“ Plast Reconstr Surg 128(1): 253-262. (Zusammenfassung der Studie)

[2] Teitelbaum u.a. (2007)
Studientyp: nicht-randomisierte, kontrollierte Studie
Fragestellung: Kann eine nicht-invasive Behandlung mit Hochintensitäts-Ultraschall Körperfettansammlungen reduzieren?
Studiendauer: 12 Wochen
Teilnehmer: 164 Personen
Mögliche Interessenskonflikte: Finanzierung der Studie durch Hersteller des getesteten Ultraschall-Behandlungsgeräts (Ultra-Shape Ltd., Tel Aviv, Israel)

Titel: „Noninvasive body contouring by focused ultrasound: safety and efficacy of the Contour I device in a multicenter, controlled, clinical study.“ Plast Reconstr Surg 120(3): 779-789; discussion 790. (Zusammenfassung der Studie)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[3] Bray GA (2012). Overview of therapy for obesity in adults. In Mulder JE (ed.) UpToDate. Abgerufen unter http://www.uptodate.com am 23. 10. 2012