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Stimmt die Behauptung aus Internet, Werbung oder den Medien?

Gesundheitsmythen: Fake news erkennen

Was ist wahr, was ist falsch? Neben wertvollen Gesundheitsinformationen finden sich auch viele medizinische Fake news im Internet. Unsere Checkliste hilft, sie zu erkennen.

Dr. Internet weiß auf fast alle Gesundheitsfragen eine Antwort. Nur: seinen Antworten ist nicht immer zu trauen: Neben wissenschaftlich überprüften Gesundheitsinformationen finden sich zahlreiche unseriöse Gesundheitsmythen. So soll eine „zuckerfreie Ernährung angeblich Krebs bekämpfen„, und in Wasser gelöstes“kolloidales Silber sei ein natürliches Antibiotikum„. Wie kann man solche Falschmeldungen sicher erkennen und enttarnen? Welche Informationen sind wirklich vertrauenswürdig?

Wir haben eine Checkliste zusammengestellt, die Ihnen helfen soll, vertrauenswürdige von unseriösen Gesundheitsinformationen zu unterscheiden.

Checkliste für vertrauenswürdige Gesundheitsinformation

(Stand: 17. 6. 2018)
Checkliste als PDF herunterladen

Formale Kriterien

  1. Keine Werbung. Eine vertrauenswürdige Gesundheitsinformation wirbt nicht für be-stimmte Medikamente oder Produkte. Wichtig: Ob eine Herstellerfirma hinter den Informationen auf einer Webseite oder in einer Broschüre steht, sollte im Impressum stehen.
  2. Autoren-Angaben statt Anonymität. Wer hat die Information geschrieben? Hat diese Per-son die nötige Ausbildung dafür (z.B. Medi-zinstudium)? Gibt es Kontaktmöglichkeiten per Telefon oder Email? Antworten auf diese Fragen sollten Sie im Impressum finden oder bei Webseiten unter Menüpunkten wie „Kontakt“ oder „Über uns“.
  3. Datum der letzten Aktualisierung. Ist die Information veraltet? Wann wurde sie ge-schrieben bzw. zuletzt aktualisiert? Möglich-erweise gibt es mittlerweile neuere Studien, die zu einer anderen Einschätzung führen.
  4. Wissenschaftliche Quellenangaben. Sind Angaben zu Nutzen, Wirkung oder Risiken einer Behandlung durch wissenschaftliche Quellen belegt? Informationen sollten nicht auf einer ausgesuchten Einzelstudie beruhen, sondern möglichst auf allen bisherigen Studienergebnissen.

Inhaltliche Kriterien

  1. Neutrale, nicht-wertende Sprache. Macht Ihnen der Inhalt Angst? Haben Sie den Ein-druck, beeinflusst zu werden? Dann dürfen Sie gerne misstrauisch werden! Versprechungen wie „100%-ige Wirkungsgarantie“ sind nicht glaubwürdig. Vorsicht ist auch geboten, wenn andere Therapiemöglichkeiten schlecht gemacht werden.
  2. Ansprechen von Nachteilen. Jede wirksame Behandlung, so harmlos sie auch erscheinen mag, hat gewisse Risiken und kann Neben-wirkungen hervorrufen. Diese sollten nicht verschwiegen werden. Manchmal wiegen die Risiken schwerer als der mögliche Nutzen.
  3. Nennung anderer Behandlungen. Es gibt fast immer mehr als eine Behandlungsmöglich-keit. Sie alle sollten genannt werden. Es ist auch wichtig zu wissen, welcher Fall eintreten kann, wenn eine Behandlung unterlassen wird.
  4. Ist die Behandlung spürbar? Kann sie Be-schwerden im Alltag deutlich bessern? Senkt sie das Risiko für schwere Erkrankungen oder den frühzeitigen Tod? Wenig aussagekräftig ist, wenn eine Behandlung nur Werte verbessern kann, die man selbst nicht spürt (z.B. Cholesterinspiegel oder Blutdruck).
  5. Konkrete Zahlen & Vergleich. Es soll in Zah-len beschrieben werden, wie gut eine Be-handlung wirkt – beispielsweise, wie viele Menschen im Vergleich zu einer anderen Be-handlung oder zu gar keiner Behandlung profitieren.
  6. Wie gut ist die Forschungslage gesichert? Für viele Therapien oder Untersuchungsme-thoden gibt es keine ausreichenden Belege für die Wirksamkeit, weil sie nicht oder kaum erforscht sind. Darauf sollte deutlich hinge-wiesen werden.

Quellen zum Nachlesen:

Qualitätssiegel für Webseiten

Die Organisationen HON und AFGIS vergeben Gütesiegel für Online-Gesundheitsinformationen. Webseiten mit diesen Siegeln geben beispielsweise an, wie sie finanziert werden, wer die Informationen darauf schreibt und wer für sie verantwortlich ist. Sie überprüfen jedoch nicht, ob die Inhalte selbst richtig sind. Durch einen Klick auf das Siegel können Sie überprüfen, ob sie gültig sind.

Vertrauenswürdige Webseiten

Folgende Webseiten zum Thema Gesundheit befolgen die zehn Punkte für vertrauenswürdige Gesund-heitsinformationen. Sie sind unabhängig und berücksichtigen ausschließlich die aktuelle wissenschaftliche Studienlage.

Medizin-transparent.at
Behauptungen aus Werbung, Medien und Internet unter der Lupe
Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin

Gesundheitsinformation.de
Objektive Informationen zu vielen Krankheiten
IQWIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) Deutschland

Igel-Monitor.de
Informationen zu ärztlichen Leistungen, die nicht von den Krankenkassen (in Deutschland) gezahlt werden
Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. ,Deutschland

Krebsinformationsdienst.de
Unabhängige Informationen rund um Krebs und Vorsorge
Deutsches Krebsforschungszentrum

Faktenboxen
Nutzen & Risiken medizinischer Behandlungen in konkreten Zahlen
Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
Max Planck Institut für Bildungsforschung (Deutschland)

Patienten-Information.de
Kurzinformationen und Checklisten für PatientInnen
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (Deutschland)

Medbusters (App)
App für vertrauenswürdige Gesundheitsinformation, fasst Inhalte mehrerer Anbieter zusammen (derzeit Medizin-transparent.at sowie Gesundheitsinformation.de)
Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger

AutorInnen:Bernd Kerschner, Julia Harlfinger. Department für Evidenzbasierte Medizin, Donau-Universität Krems. Redaktion Medizin-transparent.at
Version:12. Juni 2018