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Teebaumöl gegen Pickel?

Pickel und Mitesser: Teebaumöl statt ausquetschen?

Pickel und Mitesser: Teebaumöl statt ausquetschen?

Teebaumöl gilt als natürliches Mittel gegen Pickel. Eine Studie liefert Hinweise auf eine solche Wirkung, gut belegt sind jedoch nur unangenehme Nebenwirkungen.

Frage:Kann eine Behandlung mit Teebaumöl Pickel (Akne) lindern?
Antwort:möglicherweise Ja
Erklärung:Eine kleine Studie liefert zwar vorsichtige Hinweise, dass Teebaumöl gegen Pickel helfen könnte, wissenschaftliche Gewissheit können jedoch nur weitere, gutgemachte Studien bringen.

Ein Pickel auf dem Kinn, ein paar Mitesser auf der Nase – wer kennt das nicht. Fast alle Jugendlichen werden in der Pubertät von leichter Akne geplagt. Mehr als jeder Sechste hat sogar mit der mittelschweren oder schweren Variante zu kämpfen [3], die in seltenen Fällen auch mit 30 Jahren noch andauert. Das bedeutet: Viele Aknepickel – oftmals mit Eiter oder roten, schmerzenden Knoten und späteren Narben.

Als Geheimtipp wird Teebaumöl gehandelt: Es soll entzündungshemmend wirken und somit Akne bekämpfen. Das Öl wird direkt aus Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Teebaums gewonnen. Viele sehen daher in Teebaumöl ein scheinbar sanftes Naturheilmittel.

Mögliche Hilfe gegen Pickel

Dass Teebaumöl gegen Pickel hilft, ist zwar nicht hieb- und stichfest bewiesen – dennoch gibt es Hinweise auf eine solche Wirkung. Sie stammen aus der einzigen Studie, die ein chinesisch-australisches Wissenschaftsteam in einer umfangreichen Recherche zu diesem Thema finden konnte [1].

In dieser Untersuchung [2] haben die Teilnehmer per Losentscheid entweder ein Gel mit Teebaumöl oder aber ein vergleichbares Gel ohne Wirkstoff zugeteilt bekommen. Damit sollten sie sich zweimal täglich die betroffenen Stellen im Gesicht einschmieren. Nach sechs Wochen schien sich die Anzahl der Pickel und Mitesser bei den Anwendern des Gels mit Teebaumöl stärker verringert zu haben als bei jenen, die das Gel ohne Wirkstoff angewendet hatten [1].

Einige Mängel in der Studiendurchführung schmälern allerdings die Aussagekraft dieser Ergebnisse. Unter anderem war die Anzahl der Teilnehmer zu gering für ein hundertprozentig aussagekräftiges Ergebnis. Ob Teebaumöl tatsächlich gegen Pickel hilft, müssen daher weitere Studien erst bestätigen.

Teebaumöl nicht ohne Nebenwirkungen

Aus ihren Ergebnissen schlussfolgern die Studienautoren auch, dass ihr Präparat mit Teebaumöl kaum mehr Nebenwirkungen hat als das Gel ohne Wirkstoff. Doch Teebaumöl ist nicht immer harmlos. Es kann genauso zu Nebenwirkungen führen wie andere Arzneimittel, da sind auch vermeintlich „sanfte“ Naturprodukte keine Ausnahme. So kann Teebaumöl bei empfindlichen Personen zu Hautreizungen und allergischen Hautausschlägen führen. Das Scientific Commitee on Consumer Safety (SCCS), das auf EU-Ebene berät, warnt daher vor Produkten, die über fünf Prozent Teebaumöl enthalten [4]. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung rät bei Kosmetika überhaupt zu einer Begrenzung auf eine Konzentration von einem Prozent [5].

Was hilft tatsächlich gegen Pickel?

Es gibt etliche Behandlungen, für die im Gegensatz zu Teebaumöl gut belegt ist, dass sie gegen unliebsame Pickel und Mitesser wirken [6]. Eines davon ist Benzoylperoxid, das als Gel oder Creme bei leichter bis mittelschwerer Akne Abhilfe verschaffen soll. Antibiotika und mit Vitamin A verwandte Stoffe (Retinoide) können sowohl als Salben wie auch in Tablettenform verwendet werden. Diese Mittel haben jedoch auch deutliche Nachteile und Nebenwirkungen.

Frauen, die mit der Antibabypille verhüten, können auf einige spezielle Pillen-Präparate zurückgreifen, um die Behandlung mit Salben oder anderen Mitteln zusätzlich zu unterstützen. Das alleinige Einnehmen der Pille kann jedoch keinen durchschlagenden Erfolg erzielen [6].

Nicht ausreichend sind die Belege für Therapien, bei denen Laser- oder UV-Licht eingesetzt wird. Ebenfalls unklar ist, ob Salicylsäure helfen kann, auch wenn sie in vielen frei verkäuflichen Produkten enthalten ist. Für die Wirksamkeit von komplementärmedizinischen Behandlungen durch gereinigtes Bienengift, Schröpfen, Akupunktur oder Massagen gibt es bislang keine Hinweise [6].

Wissenschaftlich gesicherte, weiterführende Informationen zu wirksamen Behandlungen bietet die Seite Gesundheitsinformation.de des unabhängigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) in Deutschland.

 

Die Studien im Detail

Für eine systematische Übersichtsarbeit [2] durchsuchte ein chinesisch-australisches Wissenschaftsteam im Jahr 2016 mehrere wissenschaftliche Publikationsdatenbanken nach Forschungsergebnissen zu Teebaumöl und Akne. Dabei fanden sie lediglich eine aussagekräftige (randomisiert-kontrollierte) Studie.

In dieser Untersuchung hatten die Verfasser ein Gel mit Teebaumöl in einer 5-prozentigen Konzentration mit einem Scheinpräparat ohne Wirkstoff an insgesamt 60 Patienten verglichen [2]. Welcher Patient welches Gel bekam, wurde per Los entschieden und vor den Teilnehmern und dem Studienpersonal geheim gehalten. Diese „doppelte Verblindung“, wie das Geheimhalten der Zuteilung vor sowohl Teilnehmern als auch Studienpersonal genannt wird, stellt sicher, dass Erwartungen der an der Studie beteiligten Personen das Ergebnis nicht beeinflussen können. Allerdings ist nicht sicher, dass diese Verblindung auch bis zum Ende der Studie aufrecht blieb, die Wirkstoff-freien Salben hatten nämlich eine andere Beschriftung als jene mit Teebaumöl.

Nach sechs Wochen hatten die Teilnehmer, welche das Gel mit Teebaumöl verwendeten, um durchschnittlich sieben bis acht Hautunreinheiten wie Pickel, Mitesser oder Pusteln weniger als jene, die das wirkstofflose Gel angewendet hatten. Mit lediglich 60 Teilnehmern sind diese Ergebnisse jedoch nur bedingt aussagekräftig. Finanziert wurde die Studie durch ein Unternehmen, das Kosmetika mit Teebaumöl herstellt [1].

In ihrer Suche nach Studien haben die Verfasser der Übersichtsarbeit noch eine weitere Studie finden können [1]. Allerdings sind deren Ergebnisse bisher nicht veröffentlicht worden. Aufgrund der geringen Teilnehmeranzahl von lediglich 18 wären sie jedoch kaum aussagekräftig [7].

(AutorIn: A. Polubotko, Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Cao u.a. (2015)
Studienart: Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Analysierte Studien: 35 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer: 3.227 Personen insgesamt.
Fragestellung: Welche Maßnahmen aus der Komplementärmedizin (zum Beispiel Teebaumöl) können bei Akne helfen?
Interessenskonflikte: keine bekannt

Cao, Huijuan; Yang, Guoyan; Wang, Yuyi; Liu, Jian Ping; Smith, Caroline A.; Luo, Hui; Liu, Yueming (2015): Complementary therapies for acne vulgaris. In: The Cochrane database of systematic reviews 1, CD009436. (Studie in voller Länge)

[2] Enshaieh u.a. (2007)
Studienart: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 60 Patienten zwischen 15 und 25 Jahren, von denen die Hälfte das Teebaumöl-Gel und die andere Hälfte das Scheinpräparat erhielt
Studiendauer: 45 Tage
Fragestellung: Verbessert Teebaumöl als 5-prozentiges Gel das Hautbild bei Akne?
Interessenkonflikte: Die Studie wurde von der Cinere Company, einem Hersteller von Naturkosmetik, unterstützt.

Enshaieh, Shahla; Jooya, Abolfazl; Siadat, Amir Hossein; Iraji, Fariba (2007): The efficacy of 5% topical tea tree oil gel in mild to moderate acne vulgaris. A randomized, double-blind placebo-controlled study. In: Indian Journal of Dermatology, Venereology, and Leprology 73 (1), S. 22. (Studie in voller Länge)

Weitere Quellen
[3] IQWIG (2016)
Akne. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. https://www.gesundheitsinformation.de/akne.2077.de.html (Zugriff 01.04.2017)

[4] SCCS (2008)
Opinion on Tee Tree Oil. Scientific Commitee on Consumer Safety. http://ec.europa.eu/health/ph_risk/committees/04_sccp/docs/sccp_o_160.pdf (Zugriff 03.04.2017)

[5] Bundesinstitut für Risikobewertung (2011)
Protokoll der 7. Sitzung der BfR-Kommission für kosmetische Mittel
http://www.bfr.bund.de/cm/343/7-sitzung-der-bfr-kommission-fuer-kosmetische-mittel.pdf (Zugriff 03.04.2017)

[6] IQWIG
Akne: Helfen Salben, Tabletten oder Lichtbehandlung? Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. https://www.gesundheitsinformation.de/akne-helfen-salben-tabletten-oder-lichtbehandlung.2077.de.html?part=behandlung-lw (Zugriff 01.04.2017)

[7] ANZCTR
Australian New Zealand Clinical Trials Register. The effects of Tea Tree oil on acne. ACTRN12605000233628. Abgerufen am 3. 4. 2017 unter http://anzctr.org.au/TrialSearch.aspx?searchTxt=ACTRN12605000233628