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Schnarch-Sprays & Gurgellösungen: endlich ruhige Nächte?

Belastungsprobe für die Beziehung: ein Partner schnarcht, der andere wacht (unfreiwillig).

Durchschnarchte Nächte: Belastungsprobe für die Beziehung.

Wenn der Bettpartner oder die Bettpartnerin schnarchen, ist die Nachtruhe dahin und der Leidensdruck groß. Ob Schnarch-Sprays oder Gurgellösungen Abhilfe schaffen, ist unklar.

Frage:Helfen Schnarch-Sprays oder Gurgellösungen gegen Schnarchen?
Antwort:wissenschaftliche Belege fehlen
Erklärung:Drei kleinere Studien mit methodischen Mängeln kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Schnarchen nervt! Nicht unbedingt die Menschen, die den nächtlichen Lärm verursachen, sondern mehr diejenigen, die das Bett mit ihnen teilen. Wenn die Nachtruhe zu sehr leidet, sehen sich manche Paare sogar zu getrennten Schlafzimmern gezwungen.

Endlich ruhige Nächte?

Der Leidensdruck ist also hoch und nachweislich wirksame Mittel sind rar [4]. Wie so oft inspiriert diese Situation die Herstellung und Vermarktung diverser Produkte. Bei der Suche im Internet stößt man auf zahlreiche Mittel, die schnelle Abhilfe versprechen.

Oft handelt es sich dabei um Tropfen, die mit Wasser gemischt werden, um eine Gurgellösung herzustellen. Alternativ sind auch diverse Mund- bzw. Rachensprays erhältlich.

Gut geschmiert

Häufige Bestandteile dieser Präparate sind ätherische Öle oder Pflanzenöle. Die Idee dahinter: Das Schnarchen entsteht oft durch Flattern des Gaumensegels. Die Substanzen in den Mitteln sollen die Muskulatur stärken bzw. die Schleimhäute feucht halten und so die Vibrationen reduzieren [1]. Funktioniert das?

Vielfalt der Mittel gegen Schnarchen

Konkret wollte ein Leser wissen, wie wir einen bestimmte Rachenspray beurteilen. Dieses Produkt enthält verschiedene ätherische Öle und andere pflanzliche Substanzen. Allerdings konnten wir konkret zu diesem Schnarch-Spray keine Studien identifizieren und deshalb auch keine Einschätzung abgeben.

Deshalb haben wir unsere Suche auf verschiedene andere Präparate erweitert, die ebenfalls als Mittel gegen Schnarchen angeboten werden.

Dürftige Datenlage

Insgesamt konnten wir nur drei Studien [1-3] für unsere Bewertung heranziehen. Die Aussagekraft ist sehr bescheiden, die Ergebnisse sind widersprüchlich:

  • In zwei Studien [1,2] ließ sich jeweils kein Unterschied zwischen den getesteten Mittel und einem Scheinpräparat finden.
  • Eine andere Untersuchung [3] kam zu dem Ergebnis, dass der getestete Schnarch-Spray bzw. die Gurgellösung besser gegen das Schnarchen hilft als das Mittel ohne Wirkstoff. Allerdings können die scheinbar positiven Resultate auch schlicht dem Zufall geschuldet sein.

Nebenwirkungen wurden nur in einer [1] der drei Studien überhaupt untersucht, und hier wurden diese nur in der Gruppe mit dem Scheinmedikament beobachtet.

Da die Studien maximal zwei Wochen dauerten, lassen sich weder über langfristige Effekte noch über unerwünschte Wirkungen bei Daueranwendung sichere Aussagen treffen.

Da die Zusammensetzung der Anti-Schnarch-Mittel sehr unterschiedlich ist, sind die Ergebnisse dieser Untersuchungen nicht ohne weiteres auf Präparate mit anderen Inhaltsstoffen übertragbar.

Nur störend oder auch krankhaft?

Schnarchen kann viele Ursachen haben. So deuten die lauten Schlafgeräusche möglicherweise auf eine obstruktive Schlaf-Apnoe hin. Dabei erschlafft die Muskulatur in den oberen Atemwegen, und es können Atemaussetzer auftreten. Menschen mit Schlaf-Apnoe haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen [5] und sollten behandelt werden.

Allerdings gibt es auch viele harmlose Gründe, warum Menschen schnarchen. Dazu gehören etwa eine verstopfte Nase bei einer Erkältung oder gutartige Wucherungen an den Schleimhäuten [4].

 

Die Studien im Detail

Bei unserer Recherche sind wir auf vier Studien [1-3, 6] gestoßen, bei denen die Versuchspersonen nach dem Zufallsprinzip zwecks Vergleich auf verschiedene Gruppen aufgeteilt wurden. Demnach erhielten sie entweder eine Behandlung mit einer Gurgellösung bzw. einem Schnarch-Spray oder mit einem Scheinmedikament.

Für eine der Studien [6] ließ sich der Volltext nicht auffinden, sodass wir dazu keine weiteren Angaben machen können.

In einer der Studien [2] verwendeten die Versuchspersonen je eine Nacht lang ein wirkstoffhaltiges Präparat bzw. das Scheinmedikament – und dann umgekehrt (Cross-over-Design).

Insgesamt nahmen an den Studien [1-3] etwas mehr als 200 Testpersonen teil, was eher wenig ist und die Aussagekraft schmälert. In zwei Untersuchungen [1,2] waren Menschen mit einer Schlaf-Apnoe explizit ausgeschlossen, für eine fehlen entsprechende Angaben.

Getestet wurden sehr unterschiedliche Präparate in verschiedenen Darreichungsformen:

  • Ein Mittel auf der Basis verschiedener ätherischer Öle wurde als Gurgellösung [1,3] und als Rachenspray [3] getestet.
  • Ein anderes Mittel enthielt hauptsächlich verschiedene pflanzliche Öle wie Mandel- oder Olivenöl sowie Pfefferminz-Öl und wurde als Rachenspray eingesetzt [2].

Die Anwendungsdauer war in zwei Studien [1,3] mit jeweils 14 Tagen sehr kurz, in der anderen Untersuchung [2] wurde sogar jeweils nur für eine einzige Nacht getestet. Daraus lassen sich also keine verlässlichen Schlussfolgerungen für die Daueranwendung ziehen.

In allen Studien beurteilten die Bettpartnerinnen bzw. -partner, wie laut und häufig das Schnarchen war und wie sehr sie sich dadurch gestört fühlten. Dafür wurden sehr unterschiedliche Fragebögen eingesetzt, für die keine Angaben zur Verlässlichkeit und Eignung vorliegen. Das schränkt die Aussagekraft der Studienergebnisse ein.

Daneben gab es weitere methodische Mängel: So wurden in zwei Studien [1,3] nicht alle Daten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewertet. Außerdem fehlen in allen Untersuchungen Angaben, ob zusätzlich weitere Maßnahmen oder Begleitbehandlungen gegen das Schnarchen ergriffen wurden.

Teilweise fehlen Angaben in den Veröffentlichungen, etwa zum genauen Vorgehen bei der zufälligen Zuteilung oder zur Vergleichbarkeit der Gruppen, sodass wir die Verlässlichkeit der Ergebnisse nicht sicher einschätzen können.

(AutorIn: I. Hinneburg, Review: J. Harlfinger)

 

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Ulfberg (2001)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 72 schwere Schnacherinnen und Schnarcher
Fragestellung: Verringert das Gurgeln mit ätherischen Ölen über 14 Tage den Schweregrad des Schnarchens?
Mögliche Interessenkonflikte: Die Studie wurde vom Hersteller der Gurgellösung gesponsert.

Ulfberg J u.a. Treatment of snorers with a volatile oil: a randomized, double-blind placebo-controlled trial. ORL J Otorhinolaryngol Relat Spec. 2001; 63:298-301. (Zusammenfassung)

[2] Wijewickrama (2004)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer: 20 schnarchende Männer und Frauen
Fragestellung: Verringert ein Rachenspray auf Ölbasis das Schnarchen?
Interessenkonflikte: keine Angaben

Wijewickrama RC u.a. Study of lubricant-induced changes in chronic snorers (SLICCS). Otolaryngol Head Neck Surg. 2004; 131:606-9 (Zusammenfassung)

[3] Prichard (2004)
Studientyp: randomisiert-kontrolllierte Studie
Teilnehmer: 140 schnarchende Menschen
Fragestellung: Lindern ein Rachenspray oder eine Gurgellösung das Schnarchen?
Interessenkonflikte: Die Studie wurde durch den Hersteller der Test-Präparate gesponsort.

Prichard AJ. The use of essential oils to treat snoring. Phytother Res. 2004; 18:696-9 (Zusammenfassung)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[4] UpToDate (2019)
Snoring in adults. Abruf am 24.06.2019

[5] IQWiG (2018)
Obstruktive Schlafapnoe. Abruf am 03.07.2019

Studien, für die kein Volltext zu beschaffen war

[6] Hirunwiwatkul P. (2008)
Efficacy and adverse effects of Xanthane nasal solution as treatment of primary snoring. Asian biomedicine 2008; 2: 189-193.