PEMF: Helfen pulsierende Magnetfelder gegen Arthrose?

AutorIn: Iris Hinneburg
Review:

Julia Harlfinger, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2020
PEMF-Geräte wie diese sollen Arthrose-Beschwerden lindern
Bei Arthrose (Gelenkverschleiß) ist der Leidensdruck oft hoch und die Beschwerden sind hartnäckig. Kann die Behandlung mit pulsierenden Magnetfeldern (PEMF) helfen?
Frage:
Verbessert PEMF die Schmerzen bei Arthrose spürbar? Verbessert die Methode die Beweglichkeit und Lebensqualität bei Betroffenen?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Schmerzen wurde in acht kleinen eher mangelhaften Studien untersucht. Die Studien kamen zu stark abweichenden Antworten. In den Studien mit positiven Ergebnissen ist teils unklar, ob der Unterschied für die Betroffenen tatsächlich spürbar war. Lebensqualität und Beweglichkeit wurden in fünf bzw. zwei Studien untersucht – diese waren klein und wenig aussagekräftig. Außerdem kamen die Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen.

Wie gehen wir vor?

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Immer wieder erreichen uns Anfragen zu diversen Heilsversprechen bei Arthrose (Gelenkverschleiß). Für uns ist das ein starker Hinweis auf den hohen Leidensdruck von Menschen mit Arthrose sowie darauf, dass die übliche Behandlung oft nicht ausreichend hilft. Dann suchen einige Arthrose-Patientinnen und -Patienten auf eigene Faust nach Linderung abseits der üblichen Therapien.

Zu solchen Behandlungen gehört beispielsweise die pulsierende Magnetfeld-Therapie, kurz PEMF. Sie soll den Schäden an Knorpeln und Knochen entgegenwirken, die typisch für eine Arthrose sind. Eine Variante von PEMF dürfte die Papimi-Therapie sein, nach der uns ein Leser konkret fragte.

PEMF: Sammelbegriff für viele Behandlungen

Unter der Bezeichnung PEMF sind viele verschiedene Behandlungsformen zusammengefasst. Sie tragen unterschiedliche Namen. Für uns war nicht immer ganz klar, inwiefern sich die einzelnen PEMF-Angebote voneinander unterscheiden.

Auch die Besonderheiten der Papimi-Therapie aus der Leseranfrage konnten wir nicht in allen Details nachvollziehen. Deswegen haben wir unsere Recherche allgemeiner gehalten und recherchiert, was die besten verfügbaren Studien zur Wirksamkeit von PEMF bei Arthrose besagen.

Ganzkörper- oder Teilbehandlung

Ein wesentliches Bauteil von PEMF-Geräten ist eine Magnetspule, die ein schwaches pulsierendes Magnetfeld erzeugt. Größere Geräte kommen etwa in Arztpraxen zum Einsatz. Patientinnen und Patienten legen sich in diese Geräte entweder ganz hinein. Oder es wird nur der betroffene Körperteil behandelt.

Es gibt auch verschiedene PEMF-Geräte zum Auflegen oder Umschnallen für die Behandlung daheim. Sie sind etwa in Internet-Shops erhältlich. Auch Matten mit eingenähten Magnetspulen stehen zum Verkauf.

Erfolgreich – im Laborversuch

In Zellversuchen konnten Magnetfelder, wie sie in PEMF-Geräten entstehen, Knorpelzellen anregen – sie produzierten durch die Behandlung mehr Proteoglykane. Proteoglykane sind ein wichtiger Bestandteil der Gelenkknorpel. Auch die Vermehrung der Knorpelzellen ließ sich durch PEMF anregen [1].

Da der Rückgang von Gelenksubstanz ein wesentliches Problem bei einer Arthrose darstellt, ist eine Wirksamkeit von PEMF bei Gelenkverschleiß zumindest theoretisch plausibel. Ob PEMF aber tatsächlich einen Nutzen bringt, etwa spürbar die Schmerzen reduziert, können weder Tier- noch Zellstudien zeigen.

Dafür braucht es aussagekräftige Studien mit Arthrose-Betroffenen. Genau nach solchen haben wir auch gesucht.

Verschiedene Geräte und Verfahren

Bei unserer Recherche konnten wir eine systematische Übersichtsarbeit zum Thema mit sechs Einzelstudien sowie zwei neuere Untersuchungen identifizieren. In diesen Studien standen verschiedene Verfahren der pulsierenden Magnetfeldtherapie im Fokus; die Papimi-Therapie war allerdings nicht ausdrücklich genannt. Die Details, die wir über das Papimi-Verfahren herausfinden konnten, stimmten auch nicht mit den technischen Einzelheiten der in den Studien beschriebenen Geräte überein.

Insgesamt können uns die vorliegenden Studien nicht davon überzeugen, dass die pulsierende Magnetfeldtherapie bei Arthrose einen deutlichen Nutzen für die Betroffenen bringt.

  • Für Beweglichkeit und Lebensqualität können wir gar keine Schlüsse ziehen.
  • Auch für die Schmerzlinderung sind die Ergebnisse für eine definitive Aussage zu widersprüchlich und die einzelnen Studien zu mangelhaft.
  • Inwiefern diese Ergebnisse auf die von unserem Leser angefragte Papimi-Therapie übertragbar sind, lässt sich nicht genau sagen.

Kein Fokus auf Sicherheit

Wie gut die Behandlung vertragen wird, haben nur zwei Studienteams untersucht [1]. Darin zeigte sich kein Unterschied in den Nebenwirkungen zwischen einer PEMF-Behandlung und der Scheintherapie. Angesichts der wenigen vorliegenden Daten lassen sich daraus aber keine verlässlichen Schlüsse zur Sicherheit von PEMF bei Arthrose ziehen.

Schwachstelle Knie

Die Arthrose gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen. Sie ist bei älteren Menschen recht häufig. Der „Gelenkverschleiß“ findet sich bei bei etwa der Hälfte der Frauen über 70 Jahre und rund einem Drittel der Männer im selben Alter.

Meist entwickelt sich die Arthrose am Hüft- oder Kniegelenk. Sie kann aber auch an anderen Gelenken auftreten, etwa in der Hand oder an der Schulter.

Bisher steht kein Medikament zur Verfügung, das eine Arthrose heilen könnte. Um die Beschwerden zu lindern, werden Bewegung und Schmerzmitteln empfohlen. Eventuell vorhandenes Übergewicht sollte reduziert werden.

Betrifft die Arthrose Knie oder Hüfte, können Hilfsmittel wie Gehstöcke das Gelenk entlasten. Wenn der Gelenkverschleiß weit fortgeschritten ist, ist auch ein künstlicher Gelenkersatz eine Behandlungsoption [5-7].

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Die Studien im Detail

Bei unserer Suche sind wir auf eine systematische Übersichtsarbeit [1] aus dem Jahr 2013 gestoßen, die insgesamt sechs randomisierte kontrollierte Studien zu unseren Fragestellungen enthält. Wir haben zusätzlich nach neueren Studien gesucht und konnten zwei weitere [2,3] identifizieren.

Bei unserer Recherche haben wir außerdem eine Untersuchung [4] gefunden, veröffentlicht auf Koreanisch. Lediglich die Zusammenfassung und die Tabellen sind auf Englisch publiziert. Hier konnten wir die Zuverlässigkeit der Studie im Detail nicht prüfen und gehen daher nicht weiter auf die Ergebnisse ein.

Damit stehen uns für unsere Auswertung Daten aus acht randomisierten kontrollierten Studien zur Verfügung.

In diesen Studien wurden über 530 Menschen untersucht. Die meisten waren mindestens 50 Jahre alt. Rund 80 litten an einer Arthrose der Halswirbelsäule, die meisten an einer Knie-Arthrose.

Magnetfeld oder Scheintherapie

In den Studien kamen Geräten für die pulsierende Magnetfeld-Therapie zum Einsatz. Die Einteilung der Teilnehmenden erfolgte nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen: In der ersten Gruppe funktionierten die PEMF-Geräte wie vorgesehen. In der zweiten Gruppe waren die Geräte verändert: Sie sahen zwar aus wie PEMF- Geräte in Betrieb, bauten aber gar kein Magnetfeld bzw. kein pulsierendes Magnetfeld auf.

Die Teilnehmenden konnten also nicht nachvollziehen, ob sie die tatsächliche PEMF-Behandlung bekamen oder nur eine Scheinbehandlung. Insgesamt dauerte die Behandlung zwischen vier und sechs Wochen.

Was den Vergleich der Studien erschwert: Es wurden sehr verschiedene Geräte verwendet, zum Beispiel tragbare Geräte für die Heimbehandlung oder größere Geräte in einem Studienzentrum. Ebenso unterschieden sich die eingesetzten Magnetfelder hinsichtlich Frequenz und Intensität. Auch variierten Behandlungsdauer und -häufigkeit.

Eingeschränkte Aussagekraft

Die Aussagekraft der Studien ist insgesamt eingeschränkt: Ein Teil der Studien weist wesentliche Mängel auf, beispielsweise fehlen in der Auswertung die Daten einiger Teilnehmender. Bei anderen Untersuchungen enthalten die Veröffentlichungen nicht alle wichtigen Details, sodass wir die Zuverlässigkeit nicht abschließend bewerten können.

Schmerzen beeinflusst?

In allen Studien wurde getestet, ob sich durch PEMF die Schmerzen veränderten [1-3]. Allerdings kommen die Untersuchungen mit über 500 Teilnehmenden zu widersprüchlichen Ergebnissen. Selbst bei den vermeintlich positiven Studien ist nicht immer klar, ob der Effekt wirklich groß genug war, um für die Betroffenen spürbar zu sein.

Unklar: Mehr Beweglichkeit und Lebensqualität?

Deutlich weniger Daten liegen für die Wirkung von PEMF auf Beweglichkeit und Lebensqualität vor:

  • Die Beweglichkeit wurde in fünf Studien [1-3] mit gut 300 Teilnehmenden getestet. Auch hier waren die Ergebnisse widersprüchlich.
  • Lebensqualität wurde bei zwei Studien [1,2] mit knapp 150 Teilnehmenden untersucht: In einer der Studien [1] war kein Unterschied zwischen den Gruppen festzustellen. In der anderen Untersuchung [2] wurde die Lebensqualität mit einem Fragebogen erfasst, der zwei verschiedene Bereiche abdeckt: körperliche sowie mentale Gesundheit Dabei zeigte sich nur in punkto körperliche Gesundheit ein Unterschied zwischen PEMF und der Scheinbehandlung, in dem anderen nicht.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Li u.a. (2013)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien: 7 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt über 530 Menschen mit Arthrose
Fragestellung: Verbessert die Behandlung mit pulsierenden Magnetfeldern Schmerzen und Beweglichkeit bei Arthrose?
Interessenkonflikte: für die systematische Übersichtsarbeit keine nach Angaben des Autorenteams; die meisten Einzelstudien sind durch den Hersteller des betreffenden Geräts gesponsort

Li S et al. Electromagnetic fields for treating osteoarthritis. Cochrane Database Syst Reviews 2013: CD003523 (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[2] Bagnato u.a. (2016)
Studientyp: randomisierte kontrollierte Studie
Teilnehmende: 66 Menschen mit Knie-Arthrose
Fragestellung: Verbessert die pulsierende Magnetfeldtherapie die Beschwerden bei Knie-Arthrose?
Interessenkonflikte: Keine nach Angaben des Autorenteams. Der Hersteller hat die Prüf- und Placebo-Geräte zur Verfügung gestellt.

Bagnato GL et al. Pulsed electromagnetic fields in knee osteoarthritis: a double blind, placebo-controlled, randomized clinical trial. Rheumatology 2016;55:755-762 (Studie in voller Länge)

[3] Dündar u.a. (2016)
Studientyp: randomisierte kontrollierte Studie
Teilnehmende: 40 Menschen mit Knie-Arthrose
Fragestellung: Verbessert die pulsierende Magnetfeldtherapie die Beschwerden bei Knie-Arthrose?
Interessenkonflikte: keine nach Angaben des Autorenteams

Dündar Ü et al. Assessment of pulsed electromagnetic field therapy with Serum YKL-40 and ultrasonography in patients with knee osteoarthritis. Int J Rheum Dis 2016; 19: 287–293 (Zusammenfassung der Studie)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[4] Lee u.a. (2004)
Lee JC, Park JJ, Sheen DH et al. Effect of pulsed electromagnetic fields in the treatment of knee osteoarthritis. Report of double-blind, placebo-controlled, randomized trial. J Korean Rheum Assoc 2004; 11:143-50 (Zusammenfassung der Studie)

[5] IQWiG (2018)
Arthrose. Abgerufen am 11.12.2019 unter gesundheitsinformation.de

[6] UpToDate (2019)

Management of knee osteoarthritis. Abgerufen am 16.10.2019 unter uptodate.com (kostenpflichtig)

[7] UpToDate (2019)
Overview of the management of osteoarthritis. Abgerufen am 09.12.2019 unter uptodate.com (kostenpflichtig)