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Papaya: Nutzen unklar für die Verdauung

Papaya: schmackhafte Tropenfrucht mit verdauungsfördernder Eigenschaft?

Papaya: schmackhafte Tropenfrucht mit verdauungsfördernder Eigenschaft?

Mittel aus der Papaya werden zur Linderung von Verstopfung, Blähungen oder Gastritis beworben. Eine positive Wirkung der Papaya auf die Verdauung ist jedoch nicht belegt.

Frage:Können Mittel aus der Papaya die Verdauung verbessern oder Magen-Darm-Beschwerden lindern?
Antwort:wissenschaftliche Belege fehlen
Erklärung:Bisherige Studien sind zu mangelhaft, um diese Frage aussagekräftig beantworten zu können.

Gelegentliche Probleme mit der Verdauung kennen die meisten – etwa eine kurzfristige Verstopfung, Durchfall oder Blähungen. Auch länger andauernde Beschwerden von Magen und Darm kommen häufig vor, zum Beispiel Sodbrennen, Gastritis und das Reizdarm-Syndrom [3-5].

Wie schön wäre es, gegen all diese Beschwerden ein Mittel zur Verfügung zu haben, das rasch und ohne Nebenwirkungen hilft! Glaubt man zahlreichen Gesundheitsseiten im Internet, soll die Südfrucht Papaya genau das können; die Frucht soll ein verdauungsförderndes Enzym enthalten.

Beworben werden vor allem Produkte mit Papaya-Extrakt. Die Mittel können über das Internet bestellt oder in der Apotheke gekauft werden. Es gibt sie etwa in Form von eingedicktem Püree in kleinen Säckchen, als Kapseln oder Kautabletten.

Wir wollten wissen, ob Papayas bzw. bestimmte Inhaltsstoffe aus der Papaya tatsächlich die Verdauung verbessern können – sei es als frische Frucht oder als Extrakt aus Apotheke und Online-Versand.

Studien ohne Aussagekraft

Dazu durchforsteten wir medizinische Datenbanken nach Studien mit Personen, die an Verdauungsproblemen oder Magen-Darm-Beschwerden litten und versuchsweise mit Papayas bzw. Papaya-Mittel behandelt wurden. Gefunden haben wir lediglich zwei Untersuchungen zu kommerziell erhältlichen Produkten mit Papaya-Püree. Beiden Studien mangelt es an Aussagekraft.

Den Studienautoren zufolge soll Papaya-Püree Verdauungsprobleme wie Verstopfung und Blähungen lindern [1]. Eine Kombination aus Papaya-Püree und Hafer-Extrakt soll außerdem Beschwerden bei chronischer Gastritis bessern [2].

Viele Angaben fehlen

Diese Schlussfolgerung können wir nicht nachvollziehen, weil uns dazu wichtige Informationen fehlen. So ist beispielsweise unklar, an welchen Verdauungsbeschwerden die teilnehmenden Personen konkret litten [1] und wie stark sie betroffen waren [1,2]. Auch haben die Autoren für ihre Ergebnisanalysen viele der erhobenen Daten zu den Beschwerden nicht berücksichtigt [1,2].

Studien zu anderen Papaya-Produkten oder zu Papaya-Früchten ohne weitere Verarbeitung konnten wir nicht finden. Ob Papayas verschiedene Probleme mit der Verdauung bzw. im Magen-Darm-Trakt lindern können, müssen daher zukünftige besser durchgeführte Studien beantworten.

Kreuzallergie möglich

Bei Menschen, die auf Latex allergisch sind, kann die Papaya ebenfalls allergische Reaktionen auslösen. Grund dafür ist die Ähnlichkeit von Eiweißbestandteilen in Papayas und Latex. Auch anderes Obst und Gemüse wie Bananen, Kiwis, Avocados, Esskastanien, Kartoffeln und Tomaten enthalten Eiweiße, die jenen von Latex ähnlich sind und daher Kreuzallergien auslösen können [6].

Zu sonstigen Nebenwirkungen der Papaya ist wenig bekannt. In den beiden Studien zu Papaya-Püree sind den Autoren zufolge keine unerwünschten Wirkungen aufgetreten [1,2].

Verdauungsförderndes Enzym?

Die Papaya enthält das Enzym Papain – das ist ein Stoff, der Eiweiße aufspalten kann. Die Funktion von Papain ähnelt dem natürlicherweise im Magen vorkommenden Pepsin. Dieses Enzym hilft bei der Verdauung von Eiweiß.

Werbetexte zu Papaya-Produkten legen häufig nahe, dass die angeblich verdauungsfördernde Wirkung durch das Enzym Papain so zu erklären ist. Ob das so funktioniert wie angedacht, ist wissenschaftlich nicht gesichert. Studien dazu konnten wir keine finden.

Mehr Information

Im unabhängigen Portal www.gesundheitsinformation.de finden Sie wissenschaftlich gesicherte Informationen zur wirksamen Behandlung der häufigsten Magen-Darm-Beschwerden:

 

Die Studien im Detail

Vergleichbarkeit fraglich

In einer randomisiert-kontrollierten Studie [1] untersuchte eine österreichische Forschungsgruppe die Wirkung eines kommerziell erhältlichen Papaya-Pürees bei Verdauungsbeschwerden.

Dazu teilte sie die teilnehmenden Versuchspersonen per Zufall auf zwei Gruppen auf. Eine Gruppe erhielt ein Papaya-Püree, die andere Gruppe zum Vergleich ein Placebo-Püree ohne Papaya, das gleich aussah und schmeckte. Beide Gruppen nahmen die vorportionierten Pürees täglich 40 Tage lang ein; sie wussten nicht, ob sie in der „echten“ oder in der Placebo-Gruppe waren.

Welche Verdauungsbeschwerden die Teilnehmenden genau hatten, ist in der Publikation nicht erwähnt. Jeweils zu Studienbeginn und zu Studienende schätzten die Teilnehmenden für 22 unterschiedliche Symptome (wie zum Beispiel Durchfall, Verstopfung oder Bauchschmerzen) ein, ob und wie stark sie sich jeweils betroffen fühlten. Die Daten lassen darauf schließen, dass in der Studie Versuchspersonen mit sehr unterschiedlichen Beschwerden teilnahmen und daher nicht miteinander vergleichbar waren.

Selbst die Anzahl der Teilnehmenden bleibt unklar. An einer Stelle schreiben die Autoren von 139 Menschen zu Studienbeginn, von denen 126 die gesamte Studie durchliefen. An anderer Stelle ist nur von 84 Personen die Rede.

Fehleranfällige Analyse

Die Forscher führten für jedes der 22 Symptome einen Vergleich durch. Bei einem Teil der Versuchspersonen aus der Papaya-Gruppe waren die Symptome „Verstopfung“, „schmerzhafter Stuhlgang“ und „Blähungen“ häufiger zurückgegangen als in der Placebo-Gruppe. Doch diese Ergebnisse sind aus unserer Sicht nicht geeignet, um die Wirksamkeit des Papaya-Pürees zu belegen:

  • Die Resultate beruhen nur auf einem kleinen Teil der Teilnehmenden, während der Großteil nicht in die Analyse eingeschlossen wurde.
  • Sie berücksichtigen nicht, ob sich die Symptome nur geringfügig oder stark gebessert haben.
  • Bei 22 verschiedenen Vergleichen ist aufgrund des mehrfachen Testens eines Datensatzes die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich bei zumindest einem davon ein rechnerischer „Unterschied“ zeigt. Dieser existiert aber in Wirklichkeit gar nicht und entsteht bei der Auswertung zufällig.

Insgesamt ist die Auswertung lückenhaft und nicht nachvollziehbar. Zudem ist fraglich, ob die stark unterschiedlichen Beschwerden der Teilnehmenden überhaupt einen sinnvollen Vergleich erlauben.

Papaya und Hafer gegen Gastritis

Eine zweite randomisiert-kontrollierte Studie [2] untersuchte die Wirkung einer kommerziell erhältlichen Kombination aus Papaya-Püree und Hafer. In dieser Studie nahmen 60 Betroffene mit chronischer Gastritis teil.

Wieder wurden die Teilnehmenden per Zufall in zwei Gruppen eingeteilt. Eine nahm 30 Tage lang das Kombinationspräparat ein, die andere ebenso lange ein Placebo-Präparat ohne Papaya und Hafer.

Ob die beiden Gruppen in Hinblick auf Symptomschwere und andere Merkmale vor Studienbeginn ähnlich und somit vergleichbar waren, berichtet die Studie nicht. In der Publikation wird erwähnt, dass einige Teilnehmende Medikamente gegen zu viel Magensäure einnahmen. Ob dies in einer Gruppe häufiger oder in höherer Dosierung vorkam als in der anderen, bleibt unerwähnt. Waren die beiden Gruppen zu Beginn aufgrund von deutlichen Unterschieden nicht vergleichbar, so kann dies die Ergebnisse verzerrt haben.

Fragwürdige Auswertung

Für 11 verschiedene Merkmale (beispielsweise Übelkeit, Schmerzen oder Einfluss der Beschwerden auf den Alltag) verglichen die Forscher die Papaya-Hafer-Gruppe mit der Placebo-Gruppe. Personen, bei denen bestimmte Merkmale nicht aufgetreten waren, schlossen sie aus der Analyse aus.

Für keines der 11 Merkmale zeigte sich nach Behandlungsende ein Unterschied zwischen beiden Gruppen. Nur durch die Zusammenfassung der beiden Symptome „Schmerzintensität“ und „Einfluss der Beschwerden auf den Alltag“ zeigte sich rechnerisch ein geringerer Wert in der Papaya-Hafer-Gruppe. Auch hier gilt jedoch: je mehr Vergleiche man rechnet, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit für einen Zufallsfund, der im echten Leben gar keine deutlich spürbare Verbesserung für die Betroffenen bedeutet.

Auch in dieser Studie fehlen wichtige Angaben und Daten, um die Ergebnisse nachvollziehen zu können. Sie ist für uns keine Basis für Rückschlüsse zur Frage, ob Papayas bzw. Substanzen daraus in Kombination mit Hafer bei chronischer Gastritis helfen können.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Harlfinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Muss u.a. (2013)
Studienart: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 139 Personen mit unterschiedlichen Verdauungsbeschwerden
Studiendauer: 40 Tage
Fragestellung: Hilft Papaya-Püree bei Verdauungsbeschwerden?
Interessenskonflikte: Angaben zur Finanzierung der Studie fehlen

Muss C, Mosgoeller W, Endler T. Papaya preparation (Caricol®) in digestive disorders. Neuro Endocrinol Lett. 2013;34(1):38-46. (Studie in voller Länge)

[2] Weiser u.a. (2018)
Studienart: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 60 Personen mit chronischer Gastritis
Studiendauer: 30 Tage
Fragestellung: Hilft eine Kombination aus Papaya-Püree und Hafer bei Verdauungsbeschwerden?
Interessenskonflikte: Angaben zur Finanzierung der Studie fehlen

Weiser FA, Fangl M, Mosgoeller W. Supplementation of Caricol®-Gastro reduces chronic gastritis disease associated pain. Neuro Endocrinol Lett. 2018 Mar;39(1):19-25. (Studie in voller Länge)

Weitere Quellen

[3] IQWIG (2018)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Sodbrennen und Refluxkrankheit. Abgerufen am 9.5.2019 unter www.gesundheitsinformation.de

[4] IQWIG (2018)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Magenschleimhautentzündung (Gastritis). Abgerufen am 9.5.2019 unter www.gesundheitsinformation.de

[5] IQWIG (2016)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Reizdarmsyndrom. Abgerufen am 9.5.2019 unter www.gesundheitsinformation.de

[6] UpToDate (2017)
Weston WL, Howe W. Patient education: Contact dermatitis (including latex dermatitis) (Beyond the Basics). In Corona R (ed.). UpToDate. Abgerufen am 13. 5. 2019 unter www.uptodate.com