Ozontherapie bei COVID-19: fehlende Hinweise auf Wirksamkeit

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Bernd Kerschner, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 16. November 2021
Bei der Ozontherapie wird Blut mit Ozon angereichert und mittels Infusion wieder zurückgeführt
Mit Ozon behandeltes Blut soll gegen Virus-Erkrankungen wirken. Bisherige Studienergebnisse geben keine Hinweise darauf, dass das bei COVID-19 funktioniert.
Frage:
Kann eine Ozontherapie, bei der Eigenblut mit Ozon behandelt und zurückgeführt wird, den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung günstig beeinflussen?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
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Erklärung:
Die wenigen Studien dazu haben grobe Mängel und sind daher nicht aussagekräftig. Ihre Ergebnisse geben keine Hinweise auf eine Wirksamkeit der Ozontherapie.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)

Ozon ist ein reizendes Gas, das sich aus Sauerstoff herstellen lässt. Bei der Ozontherapie wird eine geringe Menge Blut entnommen, mit Ozon angereichert und mittels Infusion wieder in den Körper zurückgeführt. Im Blut reagiert Ozon sofort mit den Bestandteilen des Blutes und wird dabei abgebaut. Das zurück-injizierte Blut enthält also kein Ozon mehr. Behauptungen zufolge sollen die Abbauprodukte im Blut dem Immunsystem bei der Bekämpfung von allerlei Erkrankungen helfen. Ein konkreter Wirkmechanismus ist unklar und nicht nachgewiesen.

Laufende Studien und grobe Mängel

Wir konnten drei randomisiert kontrollierte Studien finden, welche die
Auswirkung von Ozontherapie bei COVID-19 untersuchten [1-3]. Hinweise auf eine Wirksamkeit können sie keine geben. Sie finden keine Unterschiede zwischen einer Standardbehandlung und einer zusätzlichen Ozontherapie – weder was das Fortschreiten der Covid-19-Erkrankung noch das Sterberisiko angeht.

Die Studien haben jedoch grobe Mängel, und die Anzahl der 180 Teilnehmenden ist zu gering, um die Ergebnisse für sämtliche Covid-19-Erkrankten verallgemeinern zu können. Mehr Klarheit können nur weitere und bessere Studien geben. Eine der Studien [1] läuft noch, die berichteten Ergebnisse sind eine erste Zwischenanalyse mit nur 28 Teilnehmenden.

Nebenwirkungen der Ozontherapie

In der Frühzeit der Ozontherapie bestand das Risiko für zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen. So war das Anreichern des Blutes und die Infusion zurück in den Körper problematisch: Ozon war lange schwierig zu dosieren, und durch die Reaktion von Ozon mit dem Kunststoff mancher Blutbeutel konnten Giftstoffe entstehen [8].

Als noch ein Ozon-Sauerstoffgemisch direkt ins Blut injiziert wurde, bestand außerdem die Gefahr, dass Gasblasen den Blutfluss in den Gefäßen blockieren [8]. Fachleute nennen eine solche Blockade Embolie. Doch auch ein neuerer Fallbericht aus dem Jahr 2000 berichtet von einer Frau, bei der die Infusion von mit Ozon versetztem Blut eine tödliche Embolie verursacht hat [7].

Welche Nebenwirkungen auftreten können, und wie häufig sie sind, ist unzureichend erforscht. Die von uns gefundenen Studien berichten keine relevanten Nebenwirkungen.

Ozon und seine Anwendungen

Ozon hat eine desinfizierende Wirkung: Es kann Viren, Bakterien und Pilze bei direktem Einwirken abtöten. Manche Ärztinnen und Ärzte versuchen daher, Ozon auch zur Behandlung der Zähne bei Karies oder bei schlecht heilenden Wunden einzusetzen. Die Wirksamkeit dieser Therapien ist umstritten, Belege dafür gibt es keine [4,6].

Neben der Methode mit der Blutanreicherung existiert eine weitere Art, Ozon in den Körper zu befördern: Bei der „rektalen Ozontherapie“ wird ein Ozon-Sauerstoff-Gasgemisch über einen Schlauch direkt in den Enddarm geleitet. Die Reaktion mit der Darmwand soll ähnliche Wirkmechanismen in Gang setzen, wie die Blut-Ozon-Reaktion. Der behauptete Wirkmechanismus ist ebenso spekulativ.

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Die Studien im Detail

Bei unserer aufwändigen Recherche in mehreren Forschungsdatenbanken fanden wir drei randomisiert-kontrollierte Studien. Darin wurden die an Covid-19 erkrankten Teilnehmenden per Zufall (randomisiert) einer von zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe bekam zusätzlich zur Standard-Behandlung eine Ozontherapie, die andere Gruppe (Kontrollgruppe) erhielt nur die Standardbehandlung.

Das internationale Forschungsteam der Covid-NMA-Initiative [5] analysierte die Studien und fasste ihre Ergebnisse zusammen. Ein Vorteil für die Ozontherapie ergab sich dabei nicht, für keinen der Vergleiche zeigte sich ein klarer Unterschied: weder für das Risiko, an Covid-19 zu versterben, noch für den Krankheitsverlauf [5]. Allerdings ist die Aussagekraft dieser Ergebnisse sehr gering, denn die Studien haben grobe Mängel.

Was die Interpretation weiter erschwert, ist, dass in zwei der drei Studien nicht nur die Eigenblut-Ozontherapie durchgeführt wurde, sondern gleichzeitig noch andere zusätzliche Behandlungsmethoden: Einmal nahmen die Teilnehmenden ergänzend Probiotika ein [1], und einmal bekamen sie zusätzlich eine rektale Ozontherapie [3]. Diese zusätzlichen Behandlungen könnten theoretisch eine mögliche Wirksamkeit der Eigenblut-Ozontherapie sowohl positiv als auch negativ beeinflussen.

Die Studie mit den Probiotika [1] umfasste zum Zeitpunkt der Auswertung 28 Probanden. Geplant ist, sie so lange fortzuführen, bis 152 Personen teilgenommen haben. Zu den untersuchten klinischen Ergebnissen gehören das Sterberisiko, die Notwendigkeit einer Beatmung und die Verlegungen auf die Intensivstation. In der vorläufigen Auswertung findet die Studie bei keinem dieser Ergebnisse einen Unterschied zwischen Standardbehandlung und zusätzlicher Ozontherapie in Kombination mit Probiotika.

Die Studie hat aber grobe Mängel. So wurde vermutlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach der Ozontherapie erhoben, ob die Teilnehmenden gestorben waren. Daher ist beispielsweise über die Auswirkung auf das Sterberisiko keine verlässliche Aussage möglich [5].

Eine Studie mit 60 Probandinnen und Probanden [3] vergleicht die Standardtherapie mit Standardtherapie plus Eigenblut-Ozontherapie und rektaler Ozontherapie. Somit wurde auch hier nicht der alleinige Effekt von Eigenblut-Ozontherapie erhoben. Die Studie wurde an einer Klinik in Indien durchgeführt. In der Gruppe mit nur Standardbehandlung verstarben im Beobachtungszeitraum zwei von 30 Patienten, in der Gruppe mit zusätzlich Ozontherapie keine. Aufgrund der geringen Anzahl an Teilnehmenden ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieser Unterschied rein zufällig ist, und nichts mit der Ozontherapie zu tun hat [5].

Die einzige Studie [2], die sich tatsächlich nur mit Eigenblut-Ozon zusätzlich zur Standardtherapie beschäftigt, wurde an vier Kliniken in Italien durchgeführt und berücksichtigte 92 Teilnehmende. Sie zeigt weder für das Sterberisiko noch das Fortschreiten der Erkrankung einen Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Ein Problem in dieser Studie ist, dass ein höherer Anteil der Kontrollgruppen-Teilnehmenden eine Behandlung mit Kortison benötigte als die Teilnehmenden mit Ozontherapie.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Araimo u.a. (2020)
Araimo F, Imperiale C, Tordiglione P, Ceccarelli G, Borrazzo C, Alessandri F, Santinelli L, Innocenti GP, Pinacchio C, Mauro V, Recchia GE, Zancla S, Calò A, Poscia R, Ruberto F, d’Ettorre G, Bilotta F, Mastroianni C, Pugliese F. Ozone as adjuvant support in the treatment of COVID-19: A preliminary report of probiozovid trial. J Med Virol. 2021 Apr;93(4):2210-2220. doi: 10.1002/jmv.26636. Epub 2020 Nov 10. PMID: 33111980.
(Volltext)

[2] Sozio u.a. (20121)
Sozio E, De Monte A, Sermann G, Bassi F, Sacchet D, Sbrana F, Ripoli A, Curcio F, Fabris M, Marengo S, Italiani D, Luciana Boccalatte-Rosa D, Tascini C; CORMOR study Group. CORonavirus-19 mild to moderate pneumonia Management with blood Ozonization in patients with Respiratory failure (CORMOR) multicentric prospective randomized clinical trial. Int Immunopharmacol. 2021 Sep;98:107874. doi: 10.1016/j.intimp.2021.107874. Epub 2021 Jun 12. PMID: 34186281; PMCID: PMC8196321.
(Volltext)

[3] Shah u.a. (2021)
Shah M, Captain J, Vaidya V, Kulkarni A, Valsangkar K, Nair PMK, Ganu G. Safety and efficacy of ozone therapy in mild to moderate COVID-19 patients: A phase 1/11 randomized control trial (SEOT study). Int Immunopharmacol. 2021 Feb;91:107301. doi: 10.1016/j.intimp.2020.107301. Epub 2020 Dec 23. PMID: 33421928; PMCID: PMC7758022

Weitere Quellen

[4] IQWIG
Topisches Ozon zur Wundbehandlung
https://www.gesundheitsinformation.de/wie-werden-chronische-wunden-behandelt.html (abgerufen am 28.9.2021)

[5] COVID-nma.com
Wissenschaftliches Netzwerk zur Bewertung von COVID-Studien
https://covid-nma.com/living_data/supportive.php

[6] Medizin-transparent (2017)
Ozonbehandlung der Zähne: wirksam gegen Karies?

[7] Marchetti (2000)
Marchetti D, La Monaca G. An unexpected death during oxygen-ozone therapy. Am J Forensic Med Pathol. 2000 Jun;21(2):144-7. (Zusammenfassung des Fallberichts)

[8] Bocci (2006)
Bocci VA. Scientific and medical aspects of ozone therapy. State of the art. Arch Med Res. 2006 May;37(4):425-35. (Zusammenfassung des Artikels)