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Bei Schuppenflechte: Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D hilfreich?

Nahrungsergänzung wohl wirkungslos gegen Schuppen und Jucken der Haut

Nahrungsergänzung wohl wirkungslos gegen Schuppen und Jucken der Haut

Gegen Schuppenflechte werden zahlreiche Mittelchen zum Einnehmen beworben. Lindern Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl die Beschwerden?

Frage:Verbessert die Einnahme von Vitamin D die Symptome bei der häufigsten Form von Psoriasis?
Antwort:wahrscheinlich Nein
Erklärung: Drei kleinere Studien haben keinen Nutzen von Vitamin D bei Schuppenflechte gefunden, der über jenen bei der Einnahme eines Scheinmedikaments hinausgeht.

Frage:Verbessert die Einnahme von Fischöl mit Omega-3-Fettsäuren die Beschwerden bei verschiedenen Formen von Psoriasis stärker als ein Scheinmedikament?
Antwort:möglicherweise Nein
Erklärung:Die Fragestellung ist in vielen kleinen Studien mit teilweise schwerwiegenden methodischen Mängeln untersucht worden. Die Mehrzahl der Studien hat keinen Nutzen von Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl bei Schuppenflechte im Vergleich zu Placebo finden können.

Eine beliebte Zielgruppe der Werbung für Nahrungsergänzungsmittel sind Menschen mit chronischen Erkrankungen. Sie sind jeden Tag, oft ein Leben lang mit den Beschwerden konfrontiert und nicht selten muss die Behandlung mit Medikamenten regelmäßig angepasst werden. Gerade wenn die Therapie nicht so einfach ist, greifen die Betroffenen nach jedem Strohhalm, der eine Linderung der Symptome verspricht.

So ist es beispielsweise bei der Hautkrankheit Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt. Beworben wird eine ganze Reihe von Vitaminen und anderen Substanzen, die Rötung und Verdickung der Haut sowie den Juckreiz mildern sollen.

Besonders häufig werden Vitamin D und Fischöl mit Omega-3- Fettsäuren zum Einnehmen angepriesen. Sie sind in Form von Kapseln im Internet, in Apotheken und Drogerien erhältlich. Doch helfen die Mittel tatsächlich?

Logisch gedacht

Zumindest theoretisch ist das nicht ganz abwegig. So gibt es etwa Hinweise aus Untersuchungen, dass Menschen mit Psoriasis einen niedrigeren Vitamin-D-Spiegel haben und die Beschwerden umso stärker sind, je weniger Vitamin D sich im Blut findet [1].

Auch gelten eine Lichttherapie mit UV-Strahlung, wodurch in der Haut Vitamin D gebildet wird, oder das Eincremen mit Vitamin-D-ähnlichen Wirkstoffen als bewährte Therapien bei Schuppenflechte [10]. Aber das heißt natürlich nicht automatisch, dass Menschen mit Psoriasis auch von der Einnahme von Vitamin D profitieren.

Etwas andere Überlegungen gibt es zum Fischöl: Es enthält Omega-3-Fettsäuren, die zumindest im Laborversuch Entzündungsprozesse zurückdrängen können. Und Entzündungen spielen im Krankheitsgeschehen bei Psoriasis eine wichtige Rolle [1].

Wenig fundiert

So anschaulich sie auch sein mögen: Alle diese Theorien sind noch lange keine Belege für die Wirksamkeit von Fischöl mit Omega-3- Fettsäuren und Vitamin D bei Schuppenflechte. Sondern es braucht handfeste Untersuchungen an Patientinnen und Patienten mit Psoriasis, um herauszufinden, ob die Mittel spürbar helfen.

Tatsächlich konnten wir auch einige Studien finden, die zumindest unseren Mindestanforderungen genügten: Dass sie nämlich Betroffene mit Schuppenflechte nach dem Zufallsprinzip einer Behandlung mit Vitamin D bzw. Fischöl oder einer anderen Therapie zuteilten.

Vitamin D: Spärliche Daten

Die Studienlage zu Vitamin D war sehr übersichtlich, wir haben nur drei Untersuchungen gefunden [1-3]. Allerdings konnte keine der Studien überzeugend nachweisen, dass Vitamin D den Teilnehmenden besser hilft als ein Scheinmedikament.

Beachten muss man dabei aber, dass insgesamt nur rund 200 und damit eher wenige Patientinnen und Patienten an den Studien teilgenommen haben. Neue größere Studien könnten die Datenlage also beeinflussen. Nach dem derzeitigen Kenntnisstand verbessern sich Psoriasis-Symptome eher nicht, wenn Betroffene Vitamin D einnehmen.

Omega-3-Fettsäuren: Viele Daten, wenig Nutzen

Die Datenlage zu Fischöl mit Omega-3- Fettsäuren dagegen sieht auf den ersten Blick ziemlich beeindruckend aus: 14 Studien mit rund 700 Teilnehmenden [1, 4-7]. Der zweite Blick ernüchtert jedoch: Die allermeisten der kleinen Untersuchungen haben unter sehr unterschiedlichen Bedingungen gearbeitet und weisen schwere methodische Probleme auf, sodass man die Ergebnisse mit viel Vorsicht genießen muss.

Nur eine verschwindend kleine Minderheit der Studien fand überhaupt einen Nutzen, der über einen Placebo-Effekt hinausgeht. Und ob der für die Patientinnen und Patienten spürbar ist, lässt sich nicht sicher sagen. Die derzeitigen Daten sprechen deshalb eher gegen eine Wirksamkeit von Fischöl. Wegen der schlechten Studienqualität gibt es hier aber noch einige Unsicherheiten.

Nebenwirkungen kaum erforscht

Wie so häufig gibt es nur in wenigen Untersuchungen Berichte zu Nebenwirkungen. Bei Fischöl sind es vor allem Magen-Darm-Beschwerden und ein fischiger Geschmack im Mund. Zu Vitamin D finden sich keine Angaben.

Wenn es schuppt und juckt

Etwa zwei Prozent der Bevölkerung in Europa sind von Schuppenflechte (Psoriasis) betroffen, die als Autoimmunerkrankung gilt. Fachleute gehen also davon aus, dass sich das Immunsystem gegen körpereigene Gewebe richtet und so Entzündungsprozesse entstehen.

Die Hauterkrankung äußert sich durch entzündete und schuppende Hautstellen, die jucken können. Typischerweise wechseln sich bei Psoriasis sehr aktive Krankheitsphasen (Schübe) und Phasen mit leichten oder sogar ohne Beschwerden ab. Es gibt verschiedene Therapien, die die Symptome lindern, aber die Krankheit nicht heilen können.

Die häufigste Form der Psoriasis ist die so genannte „Plaque-Psoriasis“ oder „Psoriasis vulgaris“, bei der nur die Haut betroffen ist. Seltener sind Formen der Psoriasis, bei denen auch Entzündungen an Gelenken oder Nägeln auftreten [10].

 

Die Studien im Detail


Für den Nutzen von Vitamin D bei Psoriasis haben wir eine systematische Übersichtsarbeit [1] mit einer älteren Einzelstudie gefunden. Da die Suchstrategie der Übersichtsarbeit nicht ganz optimal war, haben wir die Literatursuche wiederholt. Gefunden haben wir insgesamt drei weitere randomisierte kontrollierte Studien [2,3,8]. Trotz intensiver Bemühungen konnten wir allerdings nur für zwei neuere Untersuchungen die Volltexte beschaffen [2,3].

Die Zusammenfassung der dritten, bereits etwas älteren Studie [8] mit insgesamt 45 Testpersonen beschreibt zwar, dass sich die Symptome bei Psoriasis durch Einnahme von Vitamin D im Vergleich zu einem Scheinmedikament verbesserten. Da aber in der uns vorliegenden Zusammenfassung nicht ausreichend viele Details angegeben sind, können wir die Qualität der Studie und damit die Aussagekraft der Ergebnisse nicht beurteilen.

Unterschiedliche Bedingungen

In den drei ausgewerteten Studien [1-3] wurde der Nutzen von Vitamin D jeweils mit einem Scheinmedikament verglichen. Die Anzahl der Teilnehmenden lag zwischen 41 und 101 und war damit eher niedrig. Bei einer Studie nahmen nur Männer teil [1]. Der Schweregrad der Psoriasis war in zwei Studien [2,3] leicht, in einer Studie [1] moderat bis schwer.

Eingesetzt wurden unterschiedliche Formen und Dosierungen von Vitamin D. In einer Studie erhielten die Teilnehmenden ein Mikrogramm Alfacalcidol täglich [1], in zwei anderen Studien [2,3] wurde Vitamin D3 verabreicht. Die Startdosis lag bei einmalig 200.000 Internationalen Einheiten, danach folgten monatliche Dosen von jeweils 100.000 Internationalen Einheiten.

In einer Studie waren vier Wochen vor sowie während der Untersuchung keine Begleitmedikamente erlaubt [1]. In den beiden anderen Studien wurde etwaige andere Medikamente erfasst und bei der Auswertung berücksichtigt [2,3]. Die Studien dauerten zwischen zwölf Wochen und einem Jahr.

Probleme: Vergleichbarkeit und Aussagekraft

In allen drei Studien war ein Fragebogen das Instrument, um das Ausmaß der betroffenen Hautfläche und den Schweregrad der Schuppenflechte zu Beginn und am Ende der Behandlung zu bewerten. Allerdings unterscheidet sich die Art der Ergebnispräsentation, sodass die Ergebnisse aus [1] einerseits und [2,3] andererseits nicht gut vergleichbar sind.

Im Gegensatz zu den beiden neueren Untersuchungen hat die ältere Studie [1] zahlreiche methodische Probleme, sodass deren Ergebnisse weniger aussagekräftig sind. So wurden beispielsweise nicht alle Daten in die Auswertung einbezogen.

So gut wie Placebo

Die Ergebnisse dieser Studie liefern aber ohnehin keine überzeugenden Belege für die Wirksamkeit von Vitamin D, denn es findet sich kein nennenswerter Unterschied zu dem Scheinmedikament. Gleiches gilt auch für die beiden anderen Studien.

Nebenwirkungen wurden in den Studien entweder nicht erhoben [1,3] bzw. es findet sich nur die Angabe, dass die Teilnehmenden nicht über Nebenwirkungen berichtet haben [2].

Omega-3-Fettsäuren: Viele Studien

Zum Nutzen von Fischöl mit Omega-3-Fettsäuren konnten wir zwei systematische Übersichtsarbeiten mit insgesamt elf verschiedenen randomisiert-kontrollierten Studien identifizieren [1,4].

Bei einer erweiterten Literaturrecherche stießen wir auf weitere vier randomisierte kontrollierte Studien [5-7,9]. Allerdings konnten wir bei einer der Studien den Volltext nicht einsehen [9]. Ob das Ergebnis, wonach bei 20 Patientinnen und Patienten die Einnahme von Fischöl deutlich positivere Effekte zeigte als das Scheinmedikament, tatsächlich aussagekräftig ist, können wir deshalb nicht beurteilen.

Vergleichbarkeit? Schwierig

Insgesamt nahmen an den 14 Studien [1,4,5-7] 707 Menschen mit Psoriasis teil, pro Studie waren das zwischen 18 und 145 Teilnehmende. Dabei waren mehrere Formen von Psoriasis und unterschiedliche Schweregrade der Erkrankung vertreten.

Ebenso unterschieden sich die eingesetzten Formen und Dosierungen von Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl, oft fehlen genauere Angaben. Die Teilnehmenden nahmen die Mittel zwischen zwei Wochen und knapp zehn Monaten ein. Verglichen wurde die Wirksamkeit in der Regel mit einem Scheinmedikament.

Ob andere Medikamente oder Cremes während der Behandlung erlaubt waren, wurde in den Untersuchungen sehr unterschiedlich gehandhabt. Sehr divers sind auch die Methoden, mit denen ein möglicher Behandlungserfolg in den Studien erhoben wurde.

Wenig aussagekräftig

Die meisten der Untersuchungen weisen zum Teil schwere methodische Mängel auf, sodass wir wenig Vertrauen in die Ergebnisse haben. Nur in einigen wenigen Studien findet sich überhaupt ein Nutzen des Fischöls im Vergleich zu dem Scheinmedikament und auch dann nur bei einzelnen Symptomen.

Angaben zu Nebenwirkungen finden sich nur selten. Berichtet wird dann über leichtere Probleme im Magen-Darm-Trakt wie Aufstoßen, Durchfall oder Fischgeschmack im Mund.

(AutorIn: I. Hinneburg , Review: J. Harlfinger, B. Kerschner)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Ford u.a. (2018)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien und Teilnehmende: Zu Vitamin D eine Studie mit 41 Teilnehmenden mit mittlerer bis schwerer Psoriasis
Fragestellung: Verbessert die Einnahme von Vitamin D über einen Zeitraum von 12 Wochen im Vergleich zu Placebo die Symptome der Psoriasis?
Interessenskonflikte: a) für die systematische Übersichtsarbeit: Das Autorenteam hat zahlreiche finanzielle Verbindungen zu Herstellern von Psoriasis-Medikamenten b) für die Einzelstudie: Der Hersteller hat die Studienmedikation zur Verfügung gestellt.

Ford AR u.a. Dietary Recommendations for Adults With Psoriasis or Psoriatic Arthritis From the Medical Board of the National Psoriasis Foundation: A Systematic Review. JAMA Dermatol. 2018 Jun 20.
Zusammenfassung

[2] Ingram u.a. (2018)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmer insgesamt: 101 Erwachsene mit Psoriasis
Fragestellung: Verringert die Einnahme von Vitamin D im Vergleich zu Placebo über einen Zeitraum von 12 Monaten die Psoriasis-Symptome?
Interessenskonflikte: keine nach Angaben des Autorenteams

Ingram MA u.a. Oral vitamin D3 supplementation for chronic plaque psoriasis: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. J Dermatolog Treat. 2018 Mar 22:1-10
Zusammenfassung

[3] Jarrett u.a. (2018)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie Teilnehmende insgesamt: 65 Patientinnen und Patienten mit leichter Psoriasis
Fragestellung: Verbessert die Einnahme von Vitamin D über einen Zeitraum von 12 Monaten im Vergleich zu Placebo die Psoriasis-Symptome?
Interessenskonflikte: keine nach Angaben des Autorenteams

Jarrett P u.a. A randomized, double-blind, placebo-controlled trial of the effect of monthly vitamin D supplementation in mild psoriasis. J Dermatolog Treat. 2018 Jun;29(4):324-328
Zusammenfassung

[4] Upala u.a. (2017)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit
Eingeschlossene Studien und Teilnehmende: 9 RCT mit PUFA oral mit 424 erwachsenen Patienten (m/w) mit Psoriasis
Fragestellung: Verbessert die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren die Psoriasis-Symptome?
Interessenskonflikte: a) für die systematische Übersicht: keine nach Angaben des Autorenteams b) für die Einzelstudien: keine Angabe

Upala S u.a. Effect of omega-3 fatty acids on disease severity in patients with psoriasis: A systematic review. Int J Rheum Dis. 2017; 20:442-450
Zusammenfassung

[5] Linker u.a. (1991)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmnde insgesamt: 60 Personen mit verschiedenen Formen von Psoriasis
Fragestellung: Verbessert die Einnahme von Fischölkapseln im Vergleich zu einem Scheinmedikament über 12 Wochen die Beschwerden bei Psoriasis?
Interessenskonflikte: keine Angabe

Linker U u.a. Besserung klinischer Symptome von Psoriasis durch Fischöl. Akt Dermatol 1991; 17:70-74
Keine freie Zusammenfassung verfügbar

[6] Puig u.a. (1991)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende insgesamt: 18 Patientinnen und Patienten mit Plaque-Psoriasis
Fragestellung: Verbessert die Einnahme von Fischölkapseln über einen Zeitraum von acht Wochen die Psoriasis-Beschwerden besser als ein Scheinmedikament?
Interessenskonflikte: keine Angaben (nur, dass die Arbeit teilweise durch ein staatliches Stipendium finanziert wurde)

Puig LL u.a. Tratamiento de la psoriasis mediante aceite de pescado rico en ácido eicosapentaenoico. Actas Dermo-Sif 1991, 82, 852-863
Keine freie Zusammenfassung verfügbar

[7] Habermann u.a. (1994)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmemde insgesamt: 40 Personen mit Psoriasis
Fragestellung: Verbessert die Einnahme von Fischöl-Kapseln über 12 Wochen die Psoriasis-Beschwerden mehr als ein Scheinmedikament?
Interessenskonflikte: keine Angaben

Habermann NT et al. Efficacy of omega-3 fatty acids in the treatment of psoriasis. Revista brasileira de medicina 1994; 51:779-783
Keine freie Zusammenfassung verfügbar

Weitere wissenschaftliche Quellen

[8] Dogra u.a. (2001)
Role of oral vitamin D3 analogues in the treatment of psoriasis. Indian J Dermatol Venereol Leprol 2001; 67(3):124-125

[9] Grimaldi u.a. (1989)
Treatment of psoriasis with eicosapentaenoic acid: a double-blind, randomized, placebo-controlled trial. Ann ital dermatol clin sper 1989; 43; 131-139

[10] IQWiG (2017)
Schuppenflechte (Psoriasis) (Zugriff am 17.08.2018)