Mönchspfeffer: Wirkung wenig belegt

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Bernd Kerschner

zuletzt aktualisiert: 5. September 2022
Frauen mit PMS können selbst ausprobieren, ob Sport und Entspannungtechniken ihnen helfen.
Mönchspfeffer kann bei PMS möglicherweise helfen. Sicher nachgewiesen ist das allerdings nicht. Für eine Wirkung bei Zyklusstörungen gibt es keine Belege.
Frage:
Kann Mönchspfeffer PMS-Beschwerden reduzieren? PMS ist die Abkürzung für das Prämenstruelle Syndrom. Damit sind Beschwerden gemeint, die in den Tagen vor der Menstruation auftreten.
möglicherweise
Antwort:
Antwort:
Frage:
Kann Mönchspfeffer bei Zyklusstörungen helfen?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
In den bisherigen Studien scheint Mönchspfeffer PMS-Beschwerden besser zu lindern als ein Scheinmedikament. Gut belegt ist das jedoch nicht, denn die Studien haben wesentliche Schwächen. Für eine Wirkung bei Zyklusstörungen gibt eine keine Belege. Aussagekräftige Studien fehlen.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)

Heißhunger, Brustspannen, Kopfschmerzen, Gereiztheit, Schlafprobleme, Verdauungsstörungen und Stimmungsschwankungen: Die Liste der Symptome, die vor der Menstruationsblutung auftreten können, ist lang. Bei manchen Betroffenen beginnen die Beschwerden in den letzten Tagen vor der Regelblutung, bei anderen bis zu zwei Wochen vorher. Zusammenfassend bezeichnet man sie als Prämenstruelles Syndrom, kurz PMS. Sind die Symptome stärker ausgeprägt, können sie Betroffene im Alltag sehr belasten [3,4].

Lindern soll die PMS-Beschwerden eine Pflanze namens Mönchspfeffer (Vitex agnus castus) – genauer gesagt der Extrakt aus ihren Früchten. Das behauptet zumindest die Werbung für Mönchspfeffer-Produkte.

Hinweis auf Wirksamkeit bei PMS

Bisherigen Studien zufolge könnte Mönchspfeffer bei PMS tatsächlich helfen. Die zusammengefassten Studienergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Beschwerden mit Mönchspfeffer bei mehr Betroffenen verringern als mit einem Scheinmedikament (Placebo). In den Studien zeigten sich folgende Zahlen:

  • Mit Mönchspfeffer besserten sich die Beschwerden bei 62 von 100 Frauen.
  • Mit einem Scheinmedikament (Placebo) besserten sie sich bei 28 von 100 Frauen.

Diese Ergebnisse sind allerdings nicht gut abgesichert. Denn die Aussagekraft der Studien ist aufgrund von Mängeln eingeschränkt (siehe Studien im Detail) [1].

Wirkung auf Zyklusstörungen nicht erforscht

Mönchspfeffer-Präparate werden auch zur Behandlung von Zyklusstörungen beworben. In der Werbung werden dafür auch die veralteten Fachbegriffe Regeltempostörung oder Rhythmusstörung verwendet. Damit sind zu kurze oder zu lange Monatszyklen gemeint. Das bedeutet, dass vom ersten Tag der Regelblutung bis zur nächsten Blutung weniger als 24 oder mehr als 38 Tage vergehen [6,7].

Ob Mönchspfeffer bei solchen Zyklusstörungen helfen kann, ist schlicht und einfach nicht aussagekräftig erforscht. Wir konnten keine zuverlässigen Studien finden, die diese Frage untersucht haben (siehe Studien im Detail).

Hinter Zyklusstörungen können auch andere Gesundheitsprobleme stecken. Beispiele dafür sind Schilddrüsenerkrankungen, Hormonstörungen und Erkrankungen der Gebärmutter. Betroffene können die Ursache gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt herausfinden.

Für Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen fragen Sie…

Mönchspfeffer-Präparate sind rezeptfrei erhältlich. Fachleute befürchten allerdings, dass Mönchspfeffer die Wirkung von manchen anderen Medikamenten abschwächen oder verstärken könnte. Das betrifft besonders Medikamente gegen Parkinson und Schizophrenie, sowie manche Hormonpräparate. Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass Mönchspfeffer die Wirkung mancher Brustkrebs-Medikamente abschwächen könnte [5].

Der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zufolge kann Mönchspfeffer folgende Nebenwirkungen hervorrufen: allergische Reaktionen, Hautausschläge, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Bauschmerzen und. Wie häufig diese Nebenwirkungen auftreten, ist nicht bekannt [5].

Ärztinnen und Ärzte können darüber aufklären, ob etwas gegen die Einnahme von Mönchspfeffer spricht.

Möglicher Wirkmechanismus

Fachleute haben eine Theorie, wie das Mönchspfeffer-Extrakt wirken könnte. Sie gehen davon aus, dass es unter anderem die Ausschüttung des Hormons Prolaktin hemmt [5]. Prolaktion regt in der Stillzeit die Milchbildung in der Brust an. Deshalb wäre es möglich, dass Mönchspfeffer gegen PMS-Symptome wie Brustspannen wirkt.

PMS: viele Behandlungs-Ratschläge ohne Belege

Eine spezielle Behandlung für belastende PMS-Beschwerden gibt es nicht. Studien zufolge könnten mehr Bewegung und regelmäßiger Sport helfen [4]. Oft wird Betroffenen auch empfohlen, ihren Lebensstil zu ändern: etwa mit dem Rauchen aufzuhören oder weniger Alkohol, Salz und Koffein zu konsumieren. Ob das die Beschwerden verringern kann, ist jedoch nicht gut untersucht [4].

Im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt kann eine betroffene Frau klären, ob bei belastenden Beschwerden auch Medikamente in Frage kommen. Hormonelle Verhütungsmittel zum Einnehmen („die Pille“) könnten möglicherweise helfen – zumindest, wenn eine Frau aktuell nicht schwanger werden möchte. Bei starken Angstgefühlen und depressiver Verstimmung könnten bestimmte Antidepressiva helfen – und zwar solche mit der Fachbezeichnung Selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer, kurz SSRI [4].

Gesicherte Detail-Informationen zu PMS und deren Behandlung finden sich auf der Seite Gesundheitsinformation.de des deutschen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.

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Die Studien im Detail

Welche Studien haben wir berücksichtigt?

Ob Mönchspfeffer PMS-Beschwerden lindern oder die Länge eines zu kurzen oder zu langen Menstruationszyklus beeinflussen kann, lässt sich am besten in randomisiert-kontrollierten Studien herausfinden. Dabei werden die Teilnehmerinnen zufällig (randomisiert) auf zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhält das Mönchspfeffer-Extrakt, die andere ein gleich aussehendes Scheinmedikament (Placebo). Weder die Teilnehmerinnen noch das Forschungsteam sollten wissen, wer welcher Gruppe zugeteilt wurde. Fachleute bezeichnen das als „Verblindung“.

In unserer Recherche zu PMS haben wir eine systematische Übersichtsarbeit gefunden, die die Ergebnisse der bisher veröffentlichten randomisiert-kontrollierten Studien zusammenfasst.

Frauen mit unregelmäßigem, zu kurzem oder zu langem Zyklus haben bisher in keiner randomisiert-kontrollierten Studie teilgenommen – zumindest konnten wir keine solche Studie finden. An der einzigen randomisiert-kontrollierten Studie dazu haben nur Frauen mit unauffälliger Zykluslänge teilgenommen [2].

Wie aussagekräftig sind die Studien?

Die Aussagekraft der zusammengefassten Studien zu PMS beurteilen wir als gering.

  • Die Studien wurden sehr unterschiedlich durchgeführt und sind dadurch schwer vergleichbar. So haben die Teilnehmerinnen je nach Studie auf sehr unterschiedliche Art eingeschätzt, wie stark ihre PMS-Beschwerden waren. Die einzelnen Studien unterscheiden sich auch stark darin, ab welchem Ausmaß der Verbesserung sie die Behandlung als wirksam beurteilten.
  • Wir vermuten auch, dass die Erwartungshaltung der Teilnehmerinnen die Ergebnisse verzerrt haben könnte. Eventuell wussten sie nämlich, ob sie das Mönchspfeffer-Präparat einnahmen oder das Scheinmedikament. Das kann sie in der Beurteilung ihrer Beschwerden wie Stimmungsschwankungen oder Erschöpfung beeinflusst haben.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Csupor (2019)
Csupor D, Lantos T, Hegyi P, Benkő R, Viola R, Gyöngyi Z, Csécsei P, Tóth B, Vasas A, Márta K, Rostás I, Szentesi A, Matuz M. Vitex agnus-castus in premenstrual syndrome: A meta-analysis of double-blind randomised controlled trials. Complement Ther Med. 2019 Dec;47:102190. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] Milewicz (1993)
Milewicz A, Gejdel E, Sworen H, Sienkiewicz K, Jedrzejak J, Teucher T, Schmitz H. Vitex agnus castus-Extrakt zur Behandlung von Regeltempoanomalien infolge latenter Hyperprolaktinämie. Ergebnisse einer randomisierten Plazebo-kontrollierten Doppelblindstudie. Arzneimittelforschung. 1993 Jul;43(7):752-6. (Zusammenfassung der Studie)

[3] IQWIG (2022)

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Prämenstruelles Syndrom (PMS). Abgerufen am 5. 9. 2022 unter www.gesundheitsinformation.de

[4] IQWIG (2022)

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG). Behandlung von PMS-Beschwerden. Abgerufen am 5. 9. 2022 unter www.gesundheitsinformation.de

[5] EMA (2018)
European Medicines Agency. European Union herbal monograph on Vitex agnus-castus L., fructus. Abgerufen am 5. 9. 2022 unter www.ema.europa.eu

[6] UpToDate (2022)

Kaunitz AM. Abnormal uterine bleeding in nonpregnant reproductive-age patients: Terminology, evaluation, and approach to diagnosis. Abgerufen am 5. 9. 2022 unter www.uptodate.com

[7] Quakernack (2001)
Uterine Blutungen Operative Verfahren zur Diagnostik und Therapie. Geburtshilfe Und Frauenheilkunde, 61(07), R34–R54. (Buchkapitel, kostenpflichtig)