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Mit Akupunktur zum Nichtraucher?

Akupunkturbehandlung

Akupunkturbehandlung

Einem Testbericht des „Konsument“ in der Zeitschrift „News“ zufolge versprechen Akupunktur-Methoden den besten Weg zum Nichtraucher-Dasein. Belege für einen langfristigen Erfolg lassen sich aber nicht finden – auch wenn Akupunktur kurzfristig geringfügig helfen könnte.
 
 

Zeitungsartikel: Womit klappt’s? Nikotinpflaster, Coaching, Hypnose und Co im Check (2. 2. 2012, News)
Frage:Helfen Akupunktur oder verwandte Methoden bei der Raucherentwöhnung über mindestens 6 Monate rauchfrei zu bleiben?
Antwort:Für einen langanhaltenden Erfolg der Raucherentwöhnung mit Hilfe von Akupunktur oder ähnlichen Methoden gibt es keinen Hinweis. Kurzfristig könnte Akupunktur geringfügig helfen. Insgesamt ist Akupunktur jedoch einer Nikotin-Ersatztherapie deutlich unterlegen.
Beweislage:
Niedrige wissenschaftliche Beweislagefür die Nicht-Wirksamkeit

Um mit dem Rauchen aufzuhören, gibt es viele gute Gründe. So stellt der blaue Dunst die Nummer eins unter den vermeidbaren Todesursachen dar. Dazu zählen Verengungen der Blutgefäße (Atherosklerose), die schlussendlich der Auslöser für einen tödlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall sein können. Aber auch Lungenkrebs oder die chronische Lungenerkrankung COPD (englisch „chronic obstructive pulmonary disease“) – im Volksmund auch „Raucherlunge“ beziehungsweise „Raucherhusten“ genannt – führen häufig zum Tod.

Das Rauchen aufzugeben ist jedoch nicht einfach. In Umfragen erwähnen etwa 7 von 10 Rauchern den Wunsch aufzuhören, etwa 4 von 10 haben es zumindest innerhalb des letzten Jahres probiert. Ohne Hilfsmittel oder Unterstützungsangebote schafft dies aber nur etwa jeder zwanzigste [2].

Akupunkturmethoden zur Raucherentwöhnung

Das Verbrauchermagazin „Konsument“ überprüfte nach Angaben der Zeitschrift News 10 verschiedene Raucherentwöhnungsmethoden. Zu den vielversprechendsten Behandlungen wurden dabei Akupunktur und die verwandten Methoden wie Softlasertherapie oder Mesotherapie gezählt.

Die Akupunktur stammt ursprünglich aus der traditionellen chinesischen Medizin und zählt zu den beliebtesten komplementär-medizinischen Behandlungsformen. Wesentlichstes Element sind hauchdünne Nadeln, die an speziellen Punkten in die Haut eingestochen werden. Dabei werden unterschiedlichen, genau definierten Einstichpunkten am Körper nach traditioneller Lehre verschiedene Wirkungen zugeordnet. Ein Einstechen der Akupunkturnadeln an anderen Stellen bliebe demnach wirkungslos.

Bei der Mesotherapie werden ebenfalls Nadeln eingestochen, über die jedoch verschiedene Stoffe in die Haut injiziert werden. Im Unterschied zu diesen beiden etwas schmerzhaften Methoden sollen bei der Softlasertherapie oder Laser-Akupunktur mit Hilfe von Laserlicht bestimmte Akupunkturpunkte am Ohr stimuliert werden.

Keine Hinweise auf langfristige Entwöhnung

Die Verfasser einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse aus dem Jahr 2011 [1] fassten die Ergebnisse von insgesamt 33 randomisiert-kontrollierten Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur bei der Raucherentwöhnung zusammen. Dabei zeigte sich 6 bis 12 Monate nach Beendigung der Behandlung keine höhere Erfolgsrate als ohne Behandlung oder mit Scheinakupunktur (Einstiche an Nicht-Akupunktur-Stellen).

Die zusammengefassten Ergebnisse von 12 dieser Studien deuten allerdings auf einen möglichen geringen Kurzzeit-Effekt hin. So scheinen knapp ein Fünftel der Aufhör-Willigen, die dies ohne Akupunktur nicht geschafft hätten, zumindest für bis zu 6 Wochen von der Zigarette losgekommen zu sein. Allerdings ist dieses Ergebnis mit Unsicherheit behaftet, und auf eine länger andauernde Wirkung gab es in diesen Studien keinen Hinweis.

Die Wirksamkeit von Laser-Akupunktur scheint ebenfalls nicht eindeutig gesichert, zu wenige Untersuchungen wurden dazu bisher durchgeführt.

Die in „News“ angesprochene Akupunktur-ähnliche Mesotherapie zur Raucherentwöhnung war bisher in noch gar keiner wissenschaftlichen Studie untersucht worden – eine Aussage zu ihrer Wirksamkeit ist also derzeit nicht möglich.

Relativ eindeutig scheinen die Ergebnisse des Vergleichs von Akupunktur mit Nikotinersatztherapie zu sein. So zeigte sich, dass Nikotinkaugummis auch langfristig für Aufhörwillige klar erfolgversprechender sind als Akupunktur. So schafften es etwa ein Drittel mehr Raucher, durch Nikotinkaugummis aufzuhören als durch Akupunkturbehandlungen.

Testbericht mit 2 Personen nicht aussagekräftig

Nicht jede Behandlung wirkt bei jedem Menschen gleich gut. Um trotzdem eine relativ eindeutige Einschätzung über die Wirksamkeit einer Therapiemethode treffen zu können, sollte diese daher immer an möglichst vielen Menschen erprobt werden.

Für den Testbericht des Verbrauchermagazins „Konsument“ wurde aber jede Methode nur von zwei Personen getestet. So könnte es sein, dass zufällig gerade jene Personen die Akupunktur-Therapie testeten, die sich insgesamt mit dem Aufhören leichter getan hätten. Da außerdem kein Vergleichstest vorgenommen wurde, lässt sich auch nicht sagen, ob die betreffenden Ex-Raucher nicht auch ohne Akupunktur oder mit sonstiger Hilfe vom blauen Dunst losgekommen wären.

Zusammenfassend gibt es derzeit keine klar objektiven, nicht-widersprüchlichen Hinweise darauf, dass Akupunkturmethoden die Raucherentwöhnung erleichtern können. Zudem stellten sich Nikotinersatzkaugummis als effektiver heraus als Akupunktur.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: M. Strobelberger, K. Thaler)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] White u. a. (2011)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse der Cochrane Collaboration
Eingeschlossene Studien: 33 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmer: >6000
Fragestellung: Vergleich von Akupunktur, Akupressur sowie Elektro- und Laserstimulation von Akupunkturpunkten mit keiner Intervention oder Placebo auf die Erfolgsrate bei Raucherentwöhnung

Titel: “Acupuncture and related interventions for smoking cessation.” Cochrane Database of Systematic Reviews 2011, Issue 1. Art. No.: CD000009. DOI: 10.1002/14651858.CD000009.pub3. (Zusammenfassung der Studie)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[2] Rennard SI, Rigotti NA, Daughton DM (2012). Overview of smoking cessation management in adults. In Rind DM (ed.). UpToDate. Abgerufen unter http://www.uptodate.com am 7. 2. 2012