Mit Lysin gegen Herpes?

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Bernd Kerschner

zuletzt aktualisiert: 26. April 2022
Bussi baba, Fieberblase?
Lysin soll bei Fieberblasen und Genitalherpes helfen. Belegt ist das allerdings nicht, denn die verfügbaren Studienergebnisse sind widersprüchlich.
Frage:
Kann die vorbeugende Einnahme von Lysin Fieberblasen (Lippenherpes) und Genitalherpes verhindern? Kann Lysin helfen, wenn die Bläschen schon da sind?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Die Forschung kommt zu uneindeutigen und widersprüchlichen Ergebnissen. Sämtliche verfügbaren Studien sind klein und von unklarer Qualität. Wir könne nicht sagen, ob Lysin vor Herpes schützt oder diesen lindern kann.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)

Fieberblasen sind schmerzhaft und unschön. Und das Schlimmste: Sie kommen immer wieder. Meist dann, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann, etwa vor dem Fototermin, der wichtigen Präsentation oder dem vielversprechenden Date. Oder genau dann, wenn das Allgemeinbefinden ohnehin schon leidet. Denn Fieberblasen (Lippenherpes) entstehen immer dann, wenn das Immunsystem geschwächt oder gefordert ist, etwa während Stress oder Krankheit. Dasselbe gilt für Herpes im Genitalbereich, der durch dasselbe Virus entsteht.

Wer sich im Internet auf die Suche nach Mitteln im Kampf gegen die Bläschen begibt, stößt schnell auf diverse Ernährungsempfehlungen oder Nahrungsergänzungsmittel. Eines davon ist die Aminosäure Lysin.

Laut einigen Gesundheits-Seiten sollen im Herpes-Fall Lysin-reiche Nahrungsmittel helfen. Angeblich noch besser: Kapseln, die Lysin in konzentrierter Form enthalten. Apotheken und Onlineshops bieten solche Nahrungsergänzungsmittel an – oft nicht ganz billig.

Aber hilft Lysin wirklich? Kann es die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Fieberblasen oder Genitalherpes verringern? Wir haben uns auf die Suche nach Fakten aus der Wissenschaft gemacht.

Forschung bleibt Antworten schuldig

Wir fanden sieben Studien, in denen Teilnehmende entweder Lysin oder ein Schein-Präparat (Placebo) einnahmen, und die damit den wissenschaftlichen Mindeststandards genügen [1-7]. Teilgenommen haben Personen, die entweder von Lippenherpes, Herpes im Genitalbereich oder beiden Formen gleichzeitig betroffen waren. In den meisten der Studien schluckten die Teilnehmenden eine Zeit lang Lysin in Kapsel-Form zur Herpes-Vorbeugung. In zwei Studien begannen sie mit der Lysin-Einnahme, sobald erste Symptome auftraten [1,4].

Wirklich schlau werden wir aus diesen Studien jedoch nicht – zu uneindeutig und widersprüchlich sind ihre Ergebnisse. Manche Forschungsteams beobachteten in ihren Studien etwas weniger häufig oder zumindest milder verlaufende Episoden von Herpes bei jenen Teilnehmenden, die Lysin einnahmen [2,6,7]. Andere wiederum fanden keinen positiven Effekt von Lysin [1,3,4,5]. Wie der Volksmund also sagen würde: Nichts Genaueres weiß man nicht.

Lysin gegen Herpes: Forschung eingestellt?

An allen Studien nahmen jeweils sehr wenige Personen teil, wichtige Informationen fehlen und die verwendeten statistischen Methoden sind teilweise ungeeignet. Sie können weder beantworten, ob vorbeugend eingenommenes Lysin Herpes verhindern kann, noch ob es hilft, wenn die Bläschen schon da sind. Ob wir es jemals erfahren werden, ist fraglich. Denn seit den Achtzigerjahren wurde nicht mehr zu dieser Frage geforscht. Neuere Studien fanden wir trotz umfassender Suche keine.

Dennoch preisen diverse Seiten im Internet und Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln Lysin als wirksames Mittel gegen Fieberblasen an. Auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen diese Behauptungen jedenfalls nicht.

Genitalherpes: Selbes Virus, anderer Schauplatz

Herpes an den Lippen und im Genitalbereich wird vom selben Virustyp verursacht. Deshalb haben wir für diesen Beitrag zu Lippenherpes auch Studien berücksichtigt, an denen Personen mit Genitalherpes teilnahmen. In den meisten Studien, die wir finden konnten, nahmen sowohl Personen mit Lippenherpes als auch mit Genitalherpes teil.

Genitalherpes zählt zu den sexuell übertragbaren Krankheiten und äußert sich – ebenso wie Lippenherpes – durch schmerzhafte Bläschen, allerdings im Intimbereich [9].

Warum ausgerechnet Lysin?

Wie so oft waren es Beobachtungen im Labor, die Forschende auf die Theorie der Anti-Herpes-Wirkung der Aminosäure Lysin brachten – und zwar bereits vor rund 60 Jahren [12]. Im Reagenzglas konnte Lysin die Vermehrung des Herpes-Virus nämlich bremsen, während eine andere Aminosäure, Arginin, seine Vermehrung regelrecht befeuerte. Denn das Herpes-Virus benötigt die Aminosäure Arginin, um sich zu vermehren.

Für Fachleute wäre eine mögliche Anti-Herpes-Wirkung von Lysin auch noch über einen anderen Weg erklärbar: Ist besonders viel Lysin in der Nahrung, kann der Körper anscheinend weniger Arginin aufnehmen – und umgekehrt. Denn die beiden Aminosäuren blockieren sich im Darm gegenseitig. Nimmt ein Fieberblasen-geplagter Mensch nun große Mengen an Lysin zu sich, könnte er damit die Aufnahme von Arginin verhindern – und damit dem Herpes-Virus das Leben schwer machen [1]. So lautet zumindest die Theorie. Ob das auch in der Realität funktioniert, bleibt angesichts der widersprüchlichen Studienlage ungewiss.

Schlafendes Virus

Schuld an den schmerzhaften Bläschen ist das Herpes simplex Virus. Etwa 60 bis 80 Prozent der Menschen hierzulande tragen es in sich. Doch nur bei geschätzt 20 bis 40 Prozent macht es sich in Form von Lippenherpes bemerkbar, bei etwa 5 bis 10 Prozent mehr als fünfmal pro Jahr. Warum manche Menschen anfälliger sind als andere, ist ungeklärt [8]. Genitalherpes dagegen kommt weitaus seltener vor: Etwa 1 bis 3 von 1000 Personen sind von den schmerzhaften Bläschen im Intimbereich betroffen. Die Ansteckung erfolgt über Geschlechtsverkehr. Im Verlauf der wiederkehrenden Ausbrüche und auch in den Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden sich die beiden Herpes-Formen jedoch nicht [9].

Stress und Sonneneinstrahlung fördern Fieberblasen

Fieberblasen treten meist an den Lippen auf, aber auch in der Nase, im Mund oder an den Augen kommen sie vor. Mit Lippenherpes infizieren sich die meisten Menschen bereits früh im Leben. Ist das einmal passiert, wird man das Virus nicht wieder los. Es verbleibt „schlafend“ in Nerven des Gesichts, wo es die meiste Zeit keine Probleme verursacht. Außer das Immunsystem ist vorübergehend unaufmerksam – etwa, weil es mit anderen Krankheitserregern beschäftigt, oder durch Stress, hormonelle Veränderungen oder bestimmte Medikamente geschwächt ist. Dann wandert das Virus entlang der Nervenbahnen in die Hautzellen, wo es sich vermehrt und zu den bekannten schmerzhaften Entzündungen und Bläschen führt. Auch Sonneneinstrahlung oder rissige Lippen begünstigen Fieberblasen [8].

Im Fall von Genitalherpes versteckt sich das Herpesvirus in Nerven des Intimbereichs und wird genauso wie Lippenherpes hervorgelockt, wenn das Immunsystem geschwächt ist [9].

Herpes: keine Heilung in Sicht

Herpes ist zwar lästig und mitunter schmerzhaft, er heilt in der Regel jedoch ohne Probleme nach ein bis zwei Wochen ab. Gefährlich werden kann das Herpesvirus jedoch für Menschen mit dauerhaft geschwächtem Immunsystem, etwa durch eine AIDS-Erkrankung oder Immunsystem-unterdrückende Medikamente.

Einen Weg, das Virus endgültig loszuwerden, gibt es derzeit nicht, eine Heilung ist also nicht möglich. Wer unter sehr häufig wiederkehrenden oder stark ausgeprägten Fieberblasen oder Genitalherpes leidet, kann jedoch zur Vorbeugung und frühen Behandlung das Medikament Aciclovir oder ihm verwandte Substanzen einnehmen. Diese Medikamente sind rezeptpflichtig als Tabletten erhältlich. Für Menschen mit einem gesunden Immunsystem ist allerdings noch nicht ausreichend erforscht, wie gut Aciclovir das Ausmaß und die Häufigkeit der Herpes verringern kann [10,11].

Ausführliche Informationen zu Lippenherpes und Genitalherpes finden Sie auf www.gesundheitsinformation.de.

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Die Studien im Detail

[1] DiGiovanna & Blank (1984)

Studienart: Doppelt verblindete randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 20 gesunde Personen (17 Männer, 3 Frauen) zwischen 26 und 71 Jahren mit wiederkehrenden Episoden von Herpes im Genitalbereich mindestens alle 6 Wochen;
Dauer der Studie: 4 bis 5 Monate
Behandlungsgruppe: 3-mal täglich 400 mg Lysin Hydrochlorid als Tablette ab der ersten Episode; zusätzlich Empfehlung, Arginin-reiche Lebensmittel zu meiden (Schokolade, Nüsse, Samen)
Vergleichsgruppe: 3-mal täglich identisch aussehendes Placebo; Empfehlung, Arginin-reiche Lebensmittel zu meiden (Schokolade, Nüsse, Samen)
Das wurde untersucht: Kann ein sofortiges Beginnen mit einer Lysin-Behandlung beim Auftreten erster Symptome eine Herpes-Episode verhindern oder abschwächen?
So wurde das gemessen: Die Teilnehmenden dokumentierten selbst den Beginn, die Schwere und die Dauer der Episoden und berichteten dem Studienteam einmal pro Monat
Interessenskonflikte: Die verwendeten Präparate wurden von einer Herstellerfirma zur Verfügung gestellt

Aussagekraft der Studie: mittelmäßig

Es ist unklar, ob die Zuteilung zur Lysin- und zur Vergleichsgruppe tatsächlich zufällig war. Die Studie ist mit 20 Teilnehmenden zu klein, um aussagekräftige Ergebnisse zu liefern.
Gut war, dass weder die Teilnehmenden noch das Studienteam wusste, wer welcher Gruppe zugeteilt war – die Studie war also doppelt verblindet.

Ergebnisse
Es gab keinen Unterschied in der Häufigkeit, der Schwere und der Dauer der Herpes-Episoden zwischen den beiden Gruppen. Das Lysin schien also keinen Effekt zu haben.

DiGiovanna, J. J., & Blank, H. (1984). Failure of lysine in frequently recurrent herpes simplex infection: treatment and prophylaxis. Archives of dermatology, 120(1), 48-51. (Zusammenfassung der Studie)

 

[2] Griffith u.a. (1987)

Studienart: Doppelt verblindete randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 114 gesunde Personen (85 Frauen und 29 Männer) im Alter von 18 bis 55 Jahren mit mehr als 2 Episoden von Genitalherpes oder Lippenherpes im vorangegangenen Jahr; nur 52 Personen haben die Studie auch beendet;
Dauer der Studie: 6 Monate
Behandlungsgruppe: 3-mal täglich L-Lysin Monohydrochlorid 1000 mg als Tabletten; Empfehlung, Arginin-reiche Lebensmittel zu meiden (Schokolade, Nüsse, Gelatine)
Vergleichsgruppe: 3-mal täglich identisch aussehendes Placebo; Empfehlung, Arginin-reiche Lebensmittel zu meiden (Schokolade, Nüsse, Gelatine)
Das wurde untersucht: Kann die vorbeugende Einnahme von Lysin die Häufigkeit und Schwere von Lippen- und Genitalherpes verringern?
So wurde das gemessen: Die Teilnehmenden dokumentierten die Häufigkeit, Dauer und Schwere von Episoden in einem Formular; die Ergebnisse wurden am Ende mit der Episoden-Häufigkeit verglichen, die aufgrund der vorangegangenen Jahre zu erwarten gewesen wäre.
Interessenskonflikte: Keine Angaben von Studienteam

Aussagekraft der Studie: mittelmäßig

Es ist unklar, ob die Zuteilung zur Lysin- und zur Vergleichsgruppe tatsächlich zufällig war. Auch die statistische Berechnungsmethode war nicht geeignet, um die Ergebnisse der beiden Gruppen aussagekräftig zu vergleichen.
Gut war, dass weder die Teilnehmenden noch das Studienteam wusste, wer welcher Gruppe zugeteilt war – die Studie war also doppelt verblindet.

Ergebnisse
Es gab keinen Unterschied in der Häufigkeit und der Dauer der Herpes-Episoden zwischen den beiden Gruppen. Die Symptome von Episoden wurden von der Lysin-Gruppe allerdings als weniger schlimm beschrieben.

Griffith, R. S., Walsh, D. E., Myrmel, K. H., Thompson, R. W., & Behforooz, A. (1987). Success of L-lysine therapy in frequently recurrent herpes simplex infection. Treatment and prophylaxis. Dermatologica, 175(4), 183-190. (Zusammenfassung der Studie)

 

[3] McCune u.a. (1984)

Studienart: Doppelt verblindete randomisiert-kontrollierte Studie im cross-over-Design
Teilnehmende: 47 gesunde Teilnehmende (37 Frauen, 10 Männer), im Alter von durchschnittlich 31 Jahren mit mindestens 3 Episoden von Lippenherpes (drei Viertel der Teilnehmenden) oder Genitalherpes (ein Viertel) in den vergangenen 6 Monaten;
Dauer der Studie: 48 Wochen
Behandlungsgruppe: 4 x 312 mg L-Lysin Monohydrochlorid täglich oder 2 x 312 mg L-Lysin Monohydrochlorid täglich für 24 Wochen; Empfehlung, Arginin-reiche Lebensmittel zu meiden und Lysin-reiche zu bevorzugen
Vergleichsgruppe: 4 x 312 mg oder 2 x 312 mg gleich aussehendes Placebo täglich für 24 Wochen; Empfehlung, Arginin-reiche Lebensmittel zu meiden und Lysin-reiche zu bevorzugen
Das wurde untersucht: Kann die vorbeugende Einnahme von Lysin die Häufigkeit und Schwere von Lippen- und Genitalherpes verringern? Wirkt eine höhere Dosis Lysin besser als eine niedrigere Dosis?
So wurde das gemessen: 12, 24, 36 und 48 Wochen nach Behandlungsbeginn füllten die Teilnehmenden gemeinsam mit dem Studienteam einen Fragebogen aus und wurden untersucht.
Interessenskonflikte: Die verwenden Präparate wurden von einem Hersteller von Vitaminen und Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung gestellt.

Aussagekraft der Studie: mittelmäßig

Es ist unklar, ob die Zuteilung zu den Gruppen mit hoch dosiertem Lysin und niedrige dosiertem Lysin tatsächlich zufällig war und ob die Gruppen ähnliche Ausgangsbedingungen hatten. Insgesamt war die Anzahl von Herpes-Fällen in allen Gruppen zu gering, um daraus verlässliche Schlüsse ziehen zu können und Unterschiede zwischen den Gruppen könnten auch durch Zufall zustande gekommen sein.
Gut war, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer eine Zeit lang Lysin und eine Zeit lang ein Placebo eingenommen hatten – man spricht auch von einem Cross-over-Design. Dabei wussten weder die Teilnehmenden noch das Studienteam, wer sich gerade in der Lysin- oder in der Placebo-Phase der Studie befand.

Ergebnisse
Insgesamt hatten die Teilnehmenden nicht weniger oft Herpes, egal ob sie hochdosiertes Lysin, niedrigdosiertes Lysin oder ein Placebo einnahmen. Auch hinsichtlich der Dauer und Schwere der Herpes-Episoden gab es keine Unterschiede.

McCune, M. A., Perry, H. O., Muller, S. A., & O’Fallon, W. M. (1984). Treatment of recurrent herpes simplex infections with L-lysine monohydrochloride. Cutis, 34(4), 366-373. (Zusammenfassung der Studie)

 

[4] Milman u.a. (1978)

Studienart: Doppelt verblindete randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 119 gesunde Personen (103 Frauen, 16 Männer) mit mindestens 3 Episoden von Lippenherpes im vorangegangenen Jahr
Dauer der Studie: 48 Wochen
Behandlungsgruppe: Einnahme von 2-mal 500 mg L-Lysin Monohydrochlorid für 11 Tage ab dem ersten Auftreten von Symptomen
Vergleichsgruppe: Einnahme von 2-mal 500 mg eines identisch aussehenden Placebos für 11 Tage ab dem ersten Auftreten von Symptomen
Das wurde untersucht: Kann ein sofortiges Beginnen mit einer Lysin-Behandlung beim Auftreten erster Symptome eine Herpes-Episode verhindern oder abschwächen?
So wurde das gemessen: Die Teilnehmenden füllten Fragebögen zu Dauer und Schwere der Herpes-Episoden aus.
Interessenskonflikte: keine Angaben von Studienteam

Aussagekraft der Studie: mittelmäßig

Es ist unklar, ob die Zuteilung zu den Gruppen tatsächlich zufällig war und ob die Gruppen ähnliche Ausgangsbedingungen hatten. Problematisch war auch, dass sehr viele Herpes-Episoden nicht in die Auswertung einflossen (61 von insgesamt 251 Episoden), weil die Teilnehmenden nicht sofort nach Symptombeginn mit der Einnahme ihres Präparats begonnen hatten.

Gut war, dass weder die Teilnehmenden noch das Studienteam wusste, wer sich in der Lysin- oder in der Placebo-Gruppe befand.

Ergebnisse
Es gab keine Unterschiede in der Schwere oder der Dauer der Fieberblasen zwischen den beiden Gruppen.

Milman, N., Scheibel, J., & Jessen, O. (1978). Failure of lysine treatment in recurrent herpes simplex labialis. Lancet, 2(8096), 942.

 

[5] Milman u.a. (1980)

Studienart: Doppelt verblindete randomisiert-kontrollierte Studie mit cross-over Design
Teilnehmende: 65 gesunde Personen (52 Frauen, 13 Männer) von 16 bis 73 Jahren mit mindestens 3 Episoden von Lippenherpes im vorangegangenen Jahr
Dauer der Studie: 24 Wochen
Behandlungsgruppe: Einnahme von 500 mg L-Lysin Monohydrochlorid 2-mal täglich als Tablette für 12 Wochen, danach Wechsel in die Placebogruppe
Vergleichsgruppe: Einnahme von 500 mg eines identisch aussehenden Placebos 2-mal täglich für 12 Wochen, danach Wechsel in die Behandlungsgruppe
Das wurde untersucht: Kann die vorbeugende Einnahme von Lysin die Häufigkeit und Schwere von Lippenherpes verringern?
So wurde das gemessen: Alle 4 Wochen dokumentierten die Teilnehmenden mittels Fragebogen das Auftreten, die Dauer und die Schwere von auftretenden Herpes-Episoden.
Interessenskonflikte: keine Angaben von Studienteam

Aussagekraft der Studie: mittelmäßig

Es ist unklar, ob die Zuteilung zu den Gruppen tatsächlich zufällig war und ob die Gruppen ähnliche Ausgangsbedingungen hatten.

Gut war, dass weder die Teilnehmenden noch das Studienteam wussten, wer sich gerade in der Lysin- oder in der Placebo-Gruppe befand.

Ergebnisse
Während der Lysin-Behandlung gab es ungefähr gleich viele Lippenherpes-Episoden wie während der Placebo-Behandlung. Auch auf Dauer und Schwere der Episoden hatte das Lysin keinen Effekt.

Milman, N., Scheibel, J., & Jessen, O. (1980). Lysine prophylaxis in recurrent herpes simplex labialis: a double-blind, controlled crossover study. Acta Derm Venereol, 60(1), 85-87. (Zusammenfassung der Studie)

 

[6] Simon u.a. (1985)

Studienart: Doppelt verblindete randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 31 gesunde Personen (Angaben zu Geschlechterverteilung und Alter fehlen) mit mindestens 4 jährlichen Episoden Lippen- oder Genitalherpes.
Dauer der Studie: 3 Monate
Behandlungsgruppe: 500 mg Lysin Hydrochlorid 2-mal täglich als Kapsel
Vergleichsgruppe: Einnahme von 500 mg eines identisch aussehenden Placebos 2-mal täglich
Das wurde untersucht: Kann die vorbeugende Einnahme von Lysin die Häufigkeit und Schwere von Lippen- und Genitalherpes verringern?
So wurde das gemessen: Die Teilnehmenden dokumentierten selbstständig das Auftreten, die Dauer und die Schwere von auftretenden Herpes-Episoden.
Interessenskonflikte: keine Angaben von Studienteam. Die Lysin- und die Placebo-Kapseln wurden von einer Herstellerfirma zur Verfügung gestellt.

Aussagekraft der Studie: gering

Es ist unklar, ob die Zuteilung zu den Gruppen tatsächlich zufällig war und ob die Gruppen ähnliche Ausgangsbedingungen hatten. Informationen zu den Teilnehmenden, wie etwa Alter, Geschlecht oder Häufigkeit und Schwere der vorangegangenen Herpes-Episoden fehlen.
Auch die statistische Berechnungsmethode war nicht geeignet, um die Ergebnisse der beiden Gruppen aussagekräftig zu vergleichen.

Nach 3 Monaten lief die Studie noch weitere 3 Monate, jedoch nahm nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Probandinnen und Probanden teil. Da unklar bleibt, wie diese Teilnehmenden ausgewählt wurden und ihre Anzahl zu gering für aussagekräftige Ergebnisse ist, berücksichtigen wir ausschließlich die Ergebnisse nach 3 Monaten.

Gut war, dass weder die Teilnehmenden noch das Studienteam wusste, wer sich in der Lysin- oder in der Placebo-Gruppe befand.

Ergebnisse
Die Teilnehmenden, die Lysin einnahmen hatten laut Studienteam etwa 47 Prozent weniger Herpes-Episoden als sie aufgrund der Episoden im vorangegangenen Jahr erwartet hätten. Der direkte Vergleich mit der Placebo-Gruppe fehlt allerdings. Auch ob das Lysin einen Effekt auf die Dauer und Schwere der Episoden hatte, geht aus der Studie nicht hervor.

Simon, C. A., Van Melle, G. D., & Ramelet, A. A. (1985). Failure of lysine in frequently recurrent herpes simplex infection. Arch Dermatol, 121(2), 167-168.

 

[7] Thein & Hurt (1984)

Studienart: Doppelt verblindete randomisiert-kontrollierte Studie mit cross-over Design
Teilnehmende: 26 gesunde Kinder und Erwachsene (23 weiblich, 3 männlich) im Alter von 8 bis 50 Jahren mit mindestens 3 Lippenherpes-Episoden im vorangegangenen Jahr
Dauer der Studie: 1 Jahr
Behandlungsgruppe: 1000 mg L-Lysin Monohydrochlorid 1-mal täglich als Tablette; zusätzlich wurde empfohlen, Arginin-reiche Lebensmittel zu vermeiden (Schokolade, Nüsse, Samen, Cerealien); nach 6 Monaten Wechsel in die Placebo-Gruppe
Vergleichsgruppe: 1000 mg gleich aussehende Placebo-Tablette 1-mal täglich; zusätzlich wurde empfohlen, Arginin-reiche Lebensmittel zu vermeiden (Schokolade, Nüsse, Samen, Cerealien)
Das wurde untersucht: Kann die vorbeugende Einnahme von Lysin die Häufigkeit und Schwere von Lippenherpes verringern?
So wurde das gemessen: Die Teilnehmenden dokumentieren selbstständig Beginn und Schwere der Herpes-Episoden.
Interessenskonflikte: keine Angaben von Studienteam.

Aussagekraft der Studie: mittelmäßig

Es ist unklar, ob die Zuteilung zu den Gruppen tatsächlich zufällig war und ob die Gruppen ähnliche Ausgangsbedingungen hatten.

Gut war, dass weder die Teilnehmenden noch das Studienteam wussten, wer sich gerade in der Lysin- oder in der Placebo-Gruppe befand.

Ergebnisse
Die Ergebnisse sind uneindeutig und lassen keine sicheren Schlüsse zu: Sowohl die Teilnehmenden der Lysin-Gruppe als auch jene der Placebo-Gruppe hatten nach 6 Monaten weniger häufig Lippenherpes. Die Anzahl der Herpes-Episoden nahm jedoch in jener Gruppe, die gerade Lysin einnahm jeweils etwas stärker ab als in der Placebogruppe. Das Studienteam vermutet, dass die Arginin-arme Ernährung während der Studie in beiden Gruppen einen Anti-Herpes-Effekt hatte.

Thein, D. J., & Hurt, W. C. (1984). Lysine as a prophylactic agent in the treatment of recurrent herpes simplex labialis. Oral surgery, oral medicine, and oral pathology, 58(6), 659-666. (Zusammenfassung der Studie)

Wissenschaftliche Quellen


[8] IQWiG (2021)
Lippenherpes. Abgerufen am 26.4.2022 unter www.gesundheitsinformation.de

[9] IQWiG (2021)
Genitalherpes. Abgerufen am 26.4.2022 unter www.gesundheitsinformation.de

[10] IQWiG (2021)
Lässt sich Lippenherpes-Ausbrüchen vorbeugen? Abgerufen am 26.4.2022 unter www.gesundheitsinformation.de

[11] IQWiG (2021)
Wie gut helfen Cremes und Tabletten bei Lippenherpes? Abgerufen am 26.4.2022 unter www.gesundheitsinformation.de

[12] Tankersley Jr, R. W. (1964). Amino acid requirements of herpes simplex virus in human cells. Journal of Bacteriology, 87(3), 609-613. (Link zur Studie)