Low Carb: wahrscheinlich kein Vorteil zum Abnehmen

Mit Low Carb die Menge an Kohlenhydraten zu verringern, kann beim Abnehmen helfen. Das funktioniert aber wahrscheinlich nicht besser als mit anderen Diäten.

AutorIn:
Review:  Jana Meixner 

Hilft Low Carb beim Abnehmen besser als andere Diäten?

Es gibt viele Studien, die Low Carb mit anderen Diätmethoden verglichen haben. Viele sind in ihrer Aussagekraft etwas eingeschränkt. Dennoch zeigen sie, dass der Abnehmerfolg im Schnitt wahrscheinlich ähnlich groß ist wie bei anderen Diäten. Auch für den Blutdruck, den Cholesterinspiegel oder den Blutzucker scheint es keinen Vorteil zu geben. Eine häufige Nebenwirkung der Diätmethode dürfte Mundgeruch sein.

so arbeiten wir
Ein Low-Carb-Burger mit Avocado-Hälften statt Brot Brot ist vom Low-Carb-Speiseplan gestrichen
© OlgaMiltsova – istockphoto.com

Ob in Social-Media-Videos, Diät-Blogs oder in den Medien – Low Carb wird oft als die Abnehm-Methode schlechthin beworben. Das Versprechen: Essen ohne zu hungern und trotzdem Kilos verlieren, und das angeblich schneller als mit anderen Diäten.

„Low Carb“ steht für „arm an Kohlenhydraten“ (englisch: carbohydrates). Das Entscheidende ist, möglichst wenig Zucker, Getreideprodukte und Stärke-haltiges wie Kartoffeln und Reis zu essen. Stattdessen besteht der Speiseplan zum Großteil aus Eiweiß und Fetten – also aus Hülsenfrüchten, Gemüse, eiweißreichen Milchprodukten wie Käse, Fisch, Fleisch, Eier und Nüssen.

Doch ist Low Carb wirklich die beste Diätmethode? Auf der Suche nach Antworten haben wir wissenschaftliche Studiendatenbanken durchforstet.

Laut Studien nicht besser als andere Diäten

Das Ergebnis unserer Recherche: Mit Low Carb lässt sich verlässlich abnehmen. Das zeigen bisherige Studien [Quelle 1] klar. So weit so gut. Low Carb ist also eine wirksame Methode, um Gewicht zu verlieren.

Die Forschungsergebnisse zeigen aber auch: Besser als mit anderen Diäten funktioniert das wahrscheinlich nicht. Das haben rund 7000 übergewichtige Menschen in Studien gemeinsam mit Forscherinnen und Forschern herausgefunden. Die Hälfte von ihnen machte eine Low-Carb-Diät, die andere Hälfte eine Diät mit normalem Kohlenhydrat-Anteil.

Nachdem sie die Diäten bis zu zwei Jahre lang durchgehalten hatten, wurde der Gewichtsverlust verglichen. Dabei sah es auf den ersten Blick nach einem Vorteil für Low Carb aus: Mit der kohlenhydratarmen Diät hatten die Teilnehmenden im Schnitt ein Kilogramm mehr verloren. Dieser Unterschied ist jedoch so klein, dass er für Betroffene keine Rolle spielt.

Für die Gesundheit macht das ebenfalls keinen Unterschied. Das deuten auch die Werte für Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker der Teilnehmenden an. Sie unterschieden sich nicht – egal ob mit Low Carb oder mit ausgewogener Diät [Quelle 1].

Low Carb hat auch Nebenwirkungen

Immerhin haben sich die Werte – etwa für Cholesterin – mit Low Carb auch nicht verschlechtert. Etwas, das bei der durchaus fettreichen Diätmethode nicht selbstverständlich erscheint.

Nachteile scheint es dennoch zu geben: So berichten Abnehmwillige in einer Studie deutlich häufiger von Mundgeruch als bei anderen Abnehmmethoden. Bei Low Carb betraf das rund 4 von 10 Teilnehmende, bei anderen Diäten mit 2 von 10 nur halb so viele [Quelle 1]. Ob auch Verdauungsbeschwerden oder andere Gesundheitsprobleme gehäuft auftreten, ist hingegen unklar. Nur sehr wenige Studien haben dies überhaupt erhoben.

Energie aus Fett

Das Prinzip hinter Low Carb ist einfach: Kohlenhydrate stellen dem Körper schnell Energie zur Verfügung. Nehmen wir sie im Überfluss zu uns, werden sie in Körperfett umgewandelt. Ernähren wir uns hingegen kohlenhydratarm, fehlt die schnell verfügbare Energiequelle, und das Gegenteil passiert: Der Körper gewinnt die benötigte Energie direkt aus Fett.

Extremform Ketogene Diät

Eine besonders strenge Form von Low Carb ist die sogenannte Ketogene Diät. Ziel ist es, Kohlenhydrate möglichst vollständig zu vermeiden – jedenfalls unter 50 Gramm Kohlenhydrate am Tag zu essen. Dabei schaltet der Körper – ähnlich wie beim Fasten – auf Hungerstoffwechsel (in der Fachsprache „Ketose“).

Normalerweise verwendet unser Körper Traubenzucker (Glukose) als „Treibstoff“. Diesen gewinnt er aus anderen Zuckerarten und Stärke. Stehen solche Kohlenhydrate nicht zur Verfügung, muss unser Organismus auf einen anderen Treibstoff wechseln: sogenannte Ketonkörper, die er aus Fetten bilden kann.

Ein Beispiel für eine solche ketogene Diät ist die Atkins-Diät. Dabei verringert sich offenbar das Hungergefühl [Quelle 1]. Man kann bei dieser Diätform daher essen, bis man nicht mehr hungrig ist. Trotzdem scheint man dabei weniger Kalorien zu sich zu nehmen, als man verbraucht – eine Grundvoraussetzung, um abzunehmen.

Low-Carb-Diäten mit einem Kohlenhydrat-Anteil von über 50 bis 150 Gramm am Tag führen nicht zur Ketose. Sie bringen den Körper jedoch dazu, in der Leber gespeicherte Stärke (Glykogen) als Energiequelle heranzuziehen. Auch wenn man nicht vollständig auf Zucker, Getreideprodukte und Stärke-haltiges verzichtet, kann man abnehmen.

Die Studienergebnisse deuten an, dass man mit einer ketogenen Diät anfangs geringfügig mehr abnimmt als mit einer nicht-ketogenen Low-Carb-Diät – das aber nur kurzfristig [Quelle 1].

Was hilft beim Abnehmen?

Es existiert zwar kein Wundermittel für schnelles und nachhaltiges Abnehmen. Es gibt jedoch mehrere wirksame Diätmethoden. Die unabhängige Plattform Gesundheitsinformation.de beschreibt auf ihrer Webseite, für welche Abnehmprogramme es wissenschaftliche Belege gibt.

Welche Abnehm-Mythen stimmen und welche nicht, haben wir uns in Faktenchecks genauer angesehen. Wir haben auch zahlreiche Behauptungen zu Nahrungsergänzungsmitteln, die angeblich die Kilos purzeln lassen, überprüft.

Übergewicht kann die Gesundheit deutlich beeinträchtigen. So ist etwa das Risiko erhöht, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen, an Krebs oder Diabetes zu erkranken oder Schmerzen durch abgenutzte Gelenke zu bekommen.
Um diese Risiken merkbar zu senken, sollten Menschen mit Übergewicht laut Fachleuten innerhalb eines halben bis eines Jahres 5 bis 10 Prozent ihres Gewichts abnehmen. Das gelingt am besten mit einer Kombination aus Bewegung und einer Ernährungsumstellung [Quelle 2].

Die Studien im Detail

Nach welchen Studien haben wir gesucht?

Ob man mit Low Carb mehr Gewicht verliert als mit anderen Diätformen, lässt sich am aussagekräftigsten mit einer randomisiert-kontrollierten Studie überprüfen. Dabei werden viele übergewichtige Menschen nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) zwei Gruppen zugelost: Eine Gruppe ernährt sich besonders kohlenhydratarm, die zweite Gruppe – die Kontrollgruppe – beschränkt ihre Aufnahme von Kohlenhydraten nicht.

Nach ein bis zwei Jahren wird verglichen: Hat eine der beiden Gruppen mehr abgenommen? Wichtig ist, dass die Studie länger als nur ein paar Monate läuft. Denn kurzfristig gelingt es vielen, Gewicht zu verlieren. Häufig kommen die anfangs verlorenen Kilos später aber wieder zurück. Daher ist es wichtig zu untersuchen, ob der Gewichtsverlust nachhaltig ist.

Wie aussagekräftig sind die Studien?

Bei unserer Recherche haben wir eine besonders aussagekräftige Übersichtsarbeit gefunden, die die bisherigen randomisiert-kontrollierten Studien objektiv zusammengefasst hat [Quelle 1].
Die meisten dieser bisherigen Studien haben einige Problem, die ihre Verlässlichkeit einschränken:

  • Häufiger Abbruch der Studienteilnahme: In den meisten Studien ist ein großer Teil der Abnehmwilligen vorzeitig ausgestiegen. Das schränkt die Aussagekraft der Ergebnisse ein.
  • Fehlende Verblindung: Die Teilnehmenden sind wohl mit bestimmten Erwartungen an die Diätmethode in die Studien gestartet. Das könnte beeinflusst haben, wie viel sie gegessen oder wie viel Sport sie gemacht haben. Und das kann wiederum die Ergebnisse verzerrt haben. Das Problem: Im Gegensatz zu Medikamentenstudien lässt sich nicht geheim halten, wer sich kohlenhydratarm ernährt und wer nicht.

Eine Analyse der Studien mit verhältnismäßig wenigen Abbrecherinnen und Abbrechern kam jedoch zum selben Ergebnis: Es scheint keinen Unterschied zu geben zwischen verringertem und normalem Kohlenhydrat-Anteil. Etwa 40 Prozent der Studien wurden von der Diätprodukte- oder Nahrungsmittelindustrie finanziert. Sie kamen jedoch zu keinen wesentlich anderen Ergebnissen als die unabhängig finanzierten Studien.

Insgesamt haben wir daher einigermaßen Vertrauen in die zusammengefassten Studienergebnisse.

[1] Naude et al. (2022) Low-carbohydrate versus balanced-carbohydrate diets for reducing weight and cardiovascular risk. The Cochrane database of systematic reviews, 1(1), CD013334. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[2] IQWIG (2022) Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Starkes Übergewicht (Adipositas). Abgerufen am 19.3.2026 unter gesundheitsinformation.de

  • 20.3.2026: Im Rahmen einer Aktualisierungssuche haben wir neue Studien berücksichtigt. Unsere Einschätzung hat sich dabei nicht geändert. Wir haben den Text jedoch neu geschrieben.
  • 2.9.2016: erste Version des Faktenchecks

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