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Gesünder mit LaVita?

Eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse macht Vitamin-Zusätze überflüssig

Eine ausgewogene Ernährung mit Obst und Gemüse macht Vitamin-Zusätze überflüssig

„Rundum gesund“ und „mehr Leistungsfähigkeit“ – mit Schlagworten wie diesen bewirbt die Herstellerfirma ihr Nahrungsergänzungsmittel LaVita. Was ist dran?

Frage: Fördert die Einnahme von LaVita die Gesundheit oder die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit? (Leseranfrage)
Antwort:wissenschaftliche Belege fehlen
Erklärung: Es gibt keine Studien, die diese Frage überprüft haben.

Der Handel mit Vitaminen, Mineralstoffen und Nahrungszusätzen boomt. Rund 100 Millionen Euro geben die Menschen in Österreich jedes Jahr dafür aus – in der Hoffnung, ihrer Gesundheit etwas Gutes zu tun [5,6].

Ein deutschsprachiges Preisvergleichsportal listet rund 12.000 verschiedene Nahrungsergänzungsmittel auf. Doch selbst diese Liste enthält nicht alle online erhältlichen Produkte.

70 in einer Flasche

Eines dieser Produkte heißt LaVita. Der Webseite des Herstellers zufolge (Lavita.de) handelt es sich bei dem Mittel um ein Konzentrat aus mehr als 70 verschiedenen Lebensmitteln. In LaVita stecke sozusagen die Essenz von Obst, Gemüse, Kräutern und pflanzlichen Ölen sowie von Aloe Vera, grünem Tee und weiteren Lebensmitteln.

Der Hersteller empfiehlt, täglich ein bis zwei Esslöffel des Konzentrats zu trinken, eingerührt in ein Glas Wasser. Bei Kosten von 50 Euro für einen halben Liter des Produkts eine teure Angelegenheit.

Esslöffelweise Gesundheit

“Rundum gesund: so wirkt LaVita“, „in 90 Tagen ein neuer Mensch“ und „mehr Energie“ – diese Aussagen auf der Webseite von LaVita klingen verlockend. Zusätzlich finden sich im Online-Auftritt des Herstellers Artikel über Leistungsfähigkeit im Sport, Unterstützung von Konzentration und Gedächtnis und andere Beiträge rund um das Thema Gesundheit.

Dies dürfte bei vielen Leserinnen und Lesern den Eindruck erwecken, das Nahrungsergänzungsmittel erhöhe die Konzentration, verbessere sportliche Leistungen und bekämpfe Müdigkeit und Energielosigkeit – auch wenn das Unternehmen dies nicht wortwörtlich behauptet.

Studien zu LaVita nicht aussagekräftig

Um den gesundheitlichen Nutzen von LaVita zu belegen, führt die Herstellerfirma auf ihrer Webseite fünf Studien an. Lediglich von einer einzigen wurden Ergebnisse veröffentlicht [1-4].

Weitere Veröffentlichungen von Forschungsergebnissen zu LaVita konnten wir keine finden, selbst bei einer umfangreichen Suche in mehreren medizinischen Studiendatenbanken.

Also haben wir uns die Ergebnisse dieser einzigen veröffentlichten Studie angesehen: Sie sind leider nur wenig aussagekräftig. Untersucht wurden dabei Blutproben der Teilnehmenden, nachdem sie LaVita eingenommen hatten. Das Ergebnis: Die Blutspiegel von verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen schienen nach sechs Monaten angestiegen zu sein [1-4].

Das mag vielleicht nach einem positiven Gesundheitseffekt klingen, aber: Haben die Testpersonen mit den veränderten Blutspiegeln auch spürbar von LaVita profitiert? Waren sie etwa seltener krank, weniger müde oder konzentrierter? Die Antwort darauf bleibt offen, denn in der Studie wurde dies gar nicht untersucht.

Der Mensch ist kein Reagenzglas

Auch die auf der Webseite zusammengefassten Ergebnisse von unveröffentlichten Untersuchungen geben keine Antwort darauf, ob der Konsum von LaVita Gesundheit und Wohlbefinden merklich verbessert. Denn in diesen Arbeiten hat das Forschungsteam von LaVita hauptsächlich die chemischen Eigenschaften des Nahrungsergänzungsmittels im Reagenzglas untersucht [9].

Und daraus lässt sich keine klare Aussage über eine Verbesserung der Gesundheit beim Menschen ableiten. Dasselbe gilt für Untersuchungen zur „antioxidativen Kapazität“ [11] oder der „Lebendigkeit“ von LaVita.

Gefahr von Nebenwirkungen gering

Dass Vitaminpräparate wie LaVita schaden, ist unwahrscheinlich [8]: Der Gehalt an Mikronährstoffen pro empfohlener Portion liegt in dem Nahrungsergänzungsmittel unterhalb der täglichen Höchstmengen, die die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegt hat [13].

Nur wer regelmäßig Vitaminpräparate in sehr hoher Dosierung einnimmt, muss Nebenwirkungen befürchten, siehe: Vitamintabletten: gesund oder gefährlich?.

Ausreichend versorgt

Wie in Österreich und Deutschland durchgeführte Untersuchungen zeigen, ist der Großteil der Bevölkerung ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt [5,6]. Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, halten Fachleute in der Regel für unnötig [6-8]. Eine ausgewogene Ernährung, die auch Obst und Gemüse beinhaltet, ist demnach ausreichend.

Lediglich in speziellen Fällen raten sie zu Nahrungsergänzungsmitteln. Zum Beispiel in der Schwangerschaft, bei bestimmten Erkrankungen oder wenn ein Vitaminmangel ärztlich festgestellt wurde[6-8].

Behauptungen nicht immer untermauert

In ihren Werbeaussagen behauptet die Herstellerfirma von LaVita, dass einzelne Mikronährstoffe für bestimmte Bereiche der Gesundheit wichtig sind. Beispielsweise schreibt das Unternehmen auf seiner Webseite, dass folgende Bestandteile von LaVita zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung beitragen: Eisen, Folsäure, Magnesium, Niacin, Vitamin B2, Vitamin B12, Pantothensäure, Vitamin B6 und Vitamin C.

Solche Aussagen sind nach der EU-Verordnung zu gesundheitsbezogenen Aussagen (Health-Claims-Verordnung) erlaubt. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA ein entsprechendes Gutachten erstellt und die Gesundheitsbehauptung genehmigt hat. Welche Aussagen für welchen Mikronährstoff zulässig sind, lässt sich in einer Datenbank nachschlagen [14].Diese Aussagen sind jedoch nicht immer durch wissenschaftliche Belege untermauert.

So ist etwa die Angabe erlaubt: „Folsäure trägt zur Reduzierung von Müdigkeit und Ermüdung/Erschöpfung bei“. Die Begründung der EFSA ist allerdings eher dünn. So heißt es im Gutachten der Lebensmittelbehörde, dass bei Folsäure-Mangel eine bestimmte Art der Blutarmut entstehen kann, die zu Symptomen wie Schwäche und Müdigkeit führt [15]. Das ist zwar richtig, allerdings muss es nicht an einem Folsäure-Mangel liegen, wenn man sich müde und erschöpft fühlt – dafür sind auch noch eine ganze Reihe von anderen Gründen denkbar. Und in diesen Fällen ist nicht belegt, dass Folsäure hilft.

 

Die Studien im Detail

Auf ihrer Webseite führt die Herstellerfirma als Wirksamkeitsbelege vier Untersuchungen [1] [9-11] an. Nur eine dieser Studien wurde – aufgeteilt auf vier Artikel – in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht [1-4]. Wir haben sie uns näher angesehen.

Insgesamt nahmen an der Studie, durchgeführt an der Universität Wien, 159 gesunde Frauen und Männer teil. Den Autoren zufolge wurden sie per Zufall zwei verschieden großen Gruppen zugeteilt: Die mit 116 Teilnehmenden deutlich größere Gruppe nahm zweimal täglich zehn Milliliter LaVita, eingerührt in Wasser, ein. Die kleinere Gruppe mit 43 Teilnehmenden bekam ein Scheinpräparat mit Saft aus Äpfeln, Orangen, Roten Rüben (Rote Bete) sowie Fruchtzucker und Wasser.

Zu Beginn der Studie sowie nach drei und sechs Monaten wurden verschiedene Mikronährstoffe im Blut gemessen, außerdem diverse Biomarker wie Cholesterin oder Homocystein. Ob das Präparat von LaVita auch eine Wirkung auf die Gesundheit oder die geistige beziehungsweise körperliche Leistungsfähigkeit der Probandinnen und Probanden hatte, wurde in der Studie nicht untersucht.

Unklar ist, ob sich die beiden Gruppen hinsichtlich ihrer Charakteristika (zum Beispiel Lebensstil oder Ernährung) bereits zu Studienbeginn deutlich voneinander unterschieden haben.

Am Ende der Studie hatte sich der Spiegel von Mikronährstoffen und Biomarkern bei der LaVita-Gruppe stärker verändert als bei der Gruppe mit dem Scheinpräparat. Ob es sich dabei um tatsächliche Unterschiede oder zufällige Effekte handelt, ist angesichts der methodischen Mängel und einer fragwürdigen statistischen Auswertungsmethode jedoch unklar. Zudem scheinen nicht alle erhobenen Messwerte in den Ergebnissen angeführt zu sein.

Etwas kurios finden wir die Messung zur „Lebendigkeit und die Wertigkeit“ des Nahrungsergänzungsmittels [9]. Zum Einsatz kam dabei die wissenschaftlich nicht anerkannte „Bio-Elektronische Terrain-Analyse nach Vincent“, kurz BEV. Nach Angabe eines Herstellers entsprechender Messgeräte [16] werden dabei physikalische und chemische Parameter von Blut, Urin oder Speichel bestimmt. Verlässliche Aussagen zum gesundheitlichen Nutzen im menschlichen Organismus lassen sich damit nicht machen [17].

(AutorIn: I. Hinneburg, Review: B. Kerschner, J. Harlfinger, C. Christof)

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[Zuletzt aktualisiert am 14.9.2018, zuvor am 29.8.2018. Ursprünglich veröffentlicht am 17.9.2015. Bei einer neuerlichen Literatursuche konnten wir keine neuen Studien finden, unsere Einschätzung hat sich daher nicht geändert. Allerdings haben wir den Aufbau des Texts in beiden Aktualisierungen adaptiert. Der Verweis auf den Inhaltsstoff Stutenmilch wurde gestrichen, da sich die Zusammensetzung des Produkts nach Angaben der Herstellerfirma geändert hat.]

 

Ähnliche Artikel

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Muss u. a. (2015)
Studienart: Randomisierte kontrollierte Studie
Teilnehmende insgesamt: 159 gesunde Freiwillige (57 Männer und 102 Frauen)
Fragestellung: Wie verändern sich durch die regelmäßige Einnahme von LaVita die Blutspiegel an bestimmten Mikronährstoffen und Biomarkern?
Interessenkonflikte: finanziert durch LaVita

Muss C, Mosgoeller W, Endler T. Neuroprotective impact of a vitamin trace element composition – a randomized, double blind, placebo controlled clinical trial with healthy volunteers. Neuro Endocrinol Lett. 2015;36(1):31-40. (Studie in voller Länge)

[2] Muss u.a. (2015a)
Teilauswertung derselben Studie wie [1]

Muss C, Mosgoeller W, Endler T. Bioavailabilty of a liquid Vitamin Trace Element Composition in healthy volunteers. Neuro Endocrinol Lett. 2015;36(4):337-47. (Studie in voller Länge)

[3] Muss u.a. (2016a)
Teilauswertung derselben Studie wie [1]

Muss C, Mosgoeller W, Endler T. Mood improving Potential of a Vitamin Trace Element Composition–A randomized, double blind, placebo controlled clinical study with healthy volunteers. Neuro Endocrinol Lett. 2016;37(1):18-28. (Studie in voller Länge)

[4] Muss u.a. 2016b)
Teilauswertung derselben Studie wie [1]
Muss C, Mosgoeller W, Endler T. Prevention of „nitrosative stress“ by a nutritional supplement (LaVita®) – a randomized placebo controlled double blind clinical trial with healthy volunteers. Neuro Endocrinol Lett. 2016
Oct;37(5):345-352. (Studie in voller Länge)

Weitere Quellen

[5] Bundesministerium für Gesundheit (2012)
Ernährungsbericht Österreich 2012. Abgerufen am 10. 7. 2018 unter http://ernaehrungsbericht.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/dep_ernaehrung/forschung/ernaehrungsberichte/oesterr_ernaehrungsbericht_2012.pdf

[6] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2012)
Bechthold A, Albrecht V, Leschik-Bonnet E, Heseker H. Beurteilung der Vitaminversorgung
in Deutschland. Teil 1: Daten zur Vitaminzufuhr. Ernährungs Umschau 59 (2012)
324-336. Abgerufen am 10.7.2018 unter https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2012/06_12/EU06_2012_324_336.qxd.pdf

[7] Österreichische Gesellschaft für Ernährung
Nahrungsergänzungsmittel. Abgerufen am 10. 7. 2018 unter http://www.oege.at/index.php/bildung-information/ernaehrung-von-a-z

[8] UpToDate (2018)
Fairfield KM (2018). Vitamin supplementation in disease prevention. In JA Melin (ed.). UpToDate. Abgerufen am 9.7.2018 unter https://www.uptodate.com/contents/vitamin-supplementation-in-disease-prevention

[9] LaVita
BEV-Analyse. Abgerufen am 10.7.2018 unter www.lavita.de/studien/bev-analyse

[10] LaVita
Kurzfristige Bioverfügbarkeit. Abgerufen am 10.7. 2018 unter www.lavita.de/studien/kurzfristige-bioverfuegbarkeit

[11] LaVita
Antioxidative Kapazität von LaVita. Abgerufen am 10.7.2018 unter www.lavita.de/studien/antioxidative-kapazitaet

[12] Österreichische Gesellschaft für Ernährung (2018)
Zufuhrempfehlungen. Abgerufen am 10. 7. 2018 unter http://www.oege.at/index.php/bildung-information/nahrungsinhaltsstoffe/2-uncategorised/1121-nahrungsinhaltstoffe-vitamine-mineralstoffe

[13] Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA (2006)
Zulässige Zufuhrmengen für Vitamine und Mineralstoffe. Abgerufen am 10. 7. 2018 unter http://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/assets/ndatolerableuil.pdf

[14] EFSA
Datenbank der EFSA für gesundheitsbezogene Aussagen (Health Claims) für Inhaltsstoffe von Lebensmitteln. Abgerufen am 10. 7. 2018 unter http://ec.europa.eu/nuhclaims

[15] EFSA (2010)
EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). (2010). Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to folate and contribution to normal psychological functions (ID 81, 85, 86, 88), maintenance of normal vision (ID 83, 87), reduction of tiredness and fatigue (ID 84), cell division (ID 195, 2881) and contribution to normal amino acid synthesis (ID 195, 2881) pursuant to Article 13 (1) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal, 8(10), 1760. (Dokument in voller Länge)

[16] GM GesundheitsManufaktur GmbH
Abgerufen am 10. 7. 2018 unter http://www.gesundheitsmanufaktur.de/med-tronik-/be-t-a-bioelektronische-terrain-analyse-mt-732-nach-prof.-vincent

[17] Psiram (2018)
Bio-Elektronische Terrain-Analyse nach Vincent. Psiram. Abgerufen am 10. 7. 2018 unter https://www.psiram.com/de/index.php/Bio-Elektronische_Terrain-Analyse_nach_Vincent

[18] Pharmig (2017)
Verteilung der verkauften OTC-Arzneimittel in Österreich nach dem Indikationsbereich von 2011 bis 2017. In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 17. Juli 2018, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/293535/umfrage/verteilung-der-indikationsgebiete-auf-dem-otc-arzneimittelmarkt-in-oesterreich/

[19] Pharmig (2017)
Verteilung der verkauften OTC-Arzneimittel in Österreich nach dem Indikationsbereich von 2011 bis 2017. In Statista – Das Statistik-Portal. Zugriff am 17. Juli 2018, von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/293535/umfrage/verteilung-der-indikationsgebiete-auf-dem-otc-arzneimittelmarkt-in-oesterreich/