Kohlensäure als Risiko für die Zähne?

Autor: Bernd Kerschner
Review:

Julia Harlfinger, Claudia Christof

zuletzt aktualisiert: 01.10.2019
Was wären Erfrischungsgetränke ohne Kohlensäure?
Saures kann den Zahnschmelz angreifen. Es ist aber fraglich, ob Kohlensäure in sprudelnden Getränken ausreicht, um die Zähne zu schädigen.
Frage:
Kann Kohlensäure in Mineralwasser und anderen prickelnden Getränken die Zähne schädigen oder Karies verursachen?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
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Erklärung:
Ob der regelmäßige Konsum von kohlensäurehaltigen Getränken (Mineralwasser, prickelnde Softdrinks) die Zähne stärker schädigt als stille Getränke, ist bisher nicht erforscht.

Wie gehen wir vor?

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Sie verwandelt fade Getränke in sprudelnd-spritzige Erfrischungen – die Kohlensäure. Das in der Flüssigkeit gelöste Kohlendioxid-Gas prickelt angenehm im Mund. Und es verleiht Getränken auch einen erfrischend sauren Geschmack.

Ein wenig Säure verleiht nicht nur Getränken, sondern auch vielen Speisen Pep. Zu viel Saures hat allerdings einen Nachteil. Denn Säuren können den Zahnschmelz angreifen. Die Folgen sind schmerzempfindliche Zähne und ein erhöhtes Risiko für Karies.

Manche Menschen befürchten deswegen, dass auch Kohlensäure die Zähne schädigt. Ist es ratsam, auf Getränke mit Sprudelfaktor zu verzichten?

Zähne im Reagenzglas

Wir haben mehrere Forschungsdatenbanken nach Antworten durchsucht. Doch unsere Recherche blieb ohne Erfolg. Wir konnten keine Studien finden, in denen die Zahngesundheit bei regelmäßigem Konsum von kohlensäurehaltigen Getränken bzw. stillen Getränken verglichen wurde.

Zwar gibt es Laborexperimente, in denen gezogene Zähne im Reagenzglas untersucht wurden. Dabei waren die Zähne für gewisse Zeit in prickelndem Wasser, stillem Wasser und verschiedenen anderen Getränken eingelegt. Anschließend wurde verglichen, welche Flüssigkeit den Zahnschmelz stärker angegriffen hatte.

Im Vergleich mit stillem Wasser schneidet kohlensäurehaltiges Wasser in solchen Experimenten mit „eingelegten Zähnen“ eine Spur schlechter ab. Am stärksten greifen Getränke wie Cola oder Orangensaft den Zahnschmelz im Reagenzglas an. Das liegt am hohen Säuregehalt [1-3].

Klare Aussagen für das „echte Leben“ lassen sich von diesen Laborexperimenten jedoch nicht ableiten. Aus ihnen lässt sich nämlich kaum darauf schließen, was im Mund einer lebenden Person passiert. So benetzen Getränke die Zähne beim Trinken üblicherweise nur kurz, und der Speichel verdünnt die Säuren. Durch Wärme und Bewegung im Mund entweicht zudem ein Teil der Kohlensäure nach kurzer Zeit wieder in Form von Gasbläschen – und das verringert die Säurewirkung.

Saure Ursache

Um den Zahnschmelz anzugreifen, muss es ordentlich sauer sein. Auf der pH-Säureskala von 7 (nicht sauer) bis 0 (ätzend sauer) ist dazu ein Wert von mindestens 5,5 notwendig – je niedriger, umso saurer. Der pH-Wert von mit Kohlensäure versetztem prickelndem Mineralwasser liegt im Durchschnitt bei 5,3 – manche Sprudelwässer sind also etwas saurer als der kritische Wert [6].

Zucker gefährlicher als Kohlensäure

Die häufigste Ursache für Karies sind allerdings nicht saure Lebensmittel, sondern Zucker [1,2]. Seltenes Zähneputzen, süße Snacks und zuckerhaltige Getränke erhöhen das Risiko für Karies deutlich – denn dann haben Kariesbakterien optimale Bedingungen. Sie verdauen Zucker und bilden dabei Säuren. Die unangenehme Folge: löchrige Zähne.

Kohlensäurehaltige Softdrinks können also durchaus die Zähne schädigen [1,2]. Die Ursache ist allerdings hauptsächlich der darin enthaltene Zucker. Ob auch Kohlensäure eine Rolle dabei spielt, ist fraglich.

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Studien im Detail

Bei unserer Recherche in drei Forschungsdatenbanken haben wir keine aussagekräftigen Studien gefunden.

Aussagekräftig wären Studien, in denen die Zahngesundheit bzw. Karieshäufigkeit von zwei Gruppen verglichen wird: also von Menschen, die regelmäßig kohlensäurehaltige Getränke trinken und von Menschen, die stattdessen zu denselben Getränken in der stillen Version ohne Kohlensäure greifen. Am aussagekräftigsten wäre es, die Auswirkung von sprudelndem mit stillem Mineralwasser zu vergleichen. Denn so könnten Zucker und andere zugesetzte Säuren das Ergebnis nicht verzerren.

Wissenschaftliche Quellen


[1] UpToDate (2019)
Nowak AJ. Preventive dental care and counseling for infants and young children. In Torchia MM (ed.). UpToDate. Abgerufen am 27. 9. 2019 unter www.uptodate.com (kostenpflichtiger Zugang)

[2] Kirthiga u.a. (2019)
Kirthiga M, Murugan M, Saikia A, Kirubakaran R. Risk Factors for Early
Childhood Caries: A Systematic Review and Meta-Analysis of Case Control and
Cohort Studies. Pediatr Dent. 2019 Mar 15;41(2):95-112. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[3] Ryu u.a. (2018)
Ryu HK, Kim YD, Heo SS, Kim SC. Effect of carbonated water manufactured by a soda carbonator on etched or sealed enamel. Korean J Orthod. 2018
Jan;48(1):48-56. (Laborstudie in voller Länge)

[4] Parry u.a. (2001)
Parry J, Shaw L, Arnaud MJ, Smith AJ. Investigation of mineral waters and soft drinks in relation to dental erosion. J Oral Rehabil. 2001 Aug;28(8):766-72. (Zusammenfassung der Laborstudie)

[5] Panić u.a. (2019)
Panić, Z., Stojšin, I., Janković, O., Vukoje, K., Brkanić, T., & Tadić-Latinović, L. (2019). In vitro investigation of erosive effect of carbonated beverages on enamel and dentin. Vojnosanitetski pregled, 76(4), 422-430. (Laborstudie in voller Länge)

[6] Stiftung Warentest (2019)
Mineral­wasser im Test. Testergebnisse für 78 Wässer. Abgerufen am 30.9.2019 unter www.test.de