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Schüßler-Salze: Studien fehlen

Schüßler-Salze: Zuckertabletten ohne Wirkung?

Schüßler-Salze: Zuckertabletten ohne Wirkung?

Schüßler-Salze sollen allerlei Beschwerden kurieren können. Die alternativmedizinische Methode ist allerdings wissenschaftlich unplausibel. Und wurde noch nie untersucht.

Frage:Wirken Schüßler Salze? (alternative Schreibweisen: Schüssler-Salze oder Schüsslersalze)
Antwort:nicht (ausreichend) erforscht
Erklärung:Das Konzept der Schüßler-Salze ist wissenschaftlich nicht plausibel. Die Wirksamkeit der alternativmedizinischen Methode wurde zudem noch nie in Studien untersucht.


Dies könnte der kürzeste Beitrag sein, den wir auf medizin-transparent.at je hatten. Denn eigentlich untersuchen wir die wissenschaftliche Beweislage zu einer Behandlung oder Behauptung im Gesundheitsbereich. Und die ist bei Schüßler-Salzen sehr eindeutig: Es gibt nämlich keine. Das heißt, bis heute hat noch nie jemand untersucht, ob die laut ihrem Erfinder „biochemischen“ Pillen nachweislich wirken.

Was ist die „Biochemie nach Schüßler“?

Es ist allerdings auch kaum vorstellbar, wie sie es tun sollten. Denn selbst wenn es graduelle Unterschiede zur Homöopathie gibt, ist das Konzept der „biochemischen Heilweise“, die der Deutsche Wilhelm Heinrich Schüßler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte, dem der Homöopathie ähnlich. Und die ist ja „wahrscheinlich nicht wirksam“, wie wir in einem eigenen Beitrag behandelt haben.

Schüßler (1821–1898) hatte kurz Medizin studiert; seine Approbation ist freilich umstritten [4]. Später wandte er sich der Homöopathie zu. Weil ihm die zu kompliziert war, entwickelte der schon zu Lebzeiten umstrittene Oldenburger sein eigenes Konzept, das er 1873 in dem Werk „Biochemische Heilweise“ veröffentlichte [1, 2] [4].

Die meisten Erkrankungen, so Schüßler, seien auf einen gestörten Mineralhaushalt zurückzuführen. Durch die Zufuhr der fehlenden Mineralstoffe könne die Krankheit bekämpft werden. Zwölf Salze waren alles, was Schüßler dafür brauchte: ausschließlich Mineralstoffe, die in der Asche eines verbrannten Körpers noch zu finden seien. Später fügten Schüßler-Fans 15 „Ergänzungsmittel“ hinzu.

Schüßlers „Salze“ hochgradig verdünnt – und aus Zucker

Ähnlich wie in der Homöopathie werden die Ausgangsstoffe extrem verdünnt. Üblich sind D6- oder D12-„Potenzen“ – das entspricht einer Verdünnung von 1:1 000 000 bzw. 1:1 000 000 000 000. Warum die Einnahme von derart geringen Mengen eines Mineralsalzes therapeutisch wirksam sein soll, während ein Vielfaches davon über die Nahrung aufgenommen wird, ist wissenschaftlich nicht erklärbar [1].

Schüßler-Salze werden zumeist als Tabletten angewendet, die man im Mund zergehen lässt. Angeblich sollen die Mineralsalze über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Der Hauptbestandteil der Tabletten ist Milchzucker oder Rohrzucker – die Schüßler-„Salze“ sind also in erster Linie ein Zucker-Produkt.

Es gibt außerdem Schüßler-Pulver, -Globuli und alkoholische Tropfen sowie Salben, Lotionen und Gele für eine äußerliche Anwendung [3].

Schüßler-Salzen werden zahlreiche, zum Teil widersprüchliche Wirkungen unterstellt. Die Liste der Anwendungsgebiete des Schüßler-Salzes Nr. 2, Calcium phosphoricum D6, beispielsweise umfasst etwa 260 Einträge, von A wie Arbeitsscheu und Anämie bis Z wie Zahnschmelzstärkung, Zeitumstellung und Zyklusschwankungen, soll gegen Willensstärke und Widerborstigkeit genauso helfen wie gegen Entscheidungsschwäche und Hilflosigkeit [3].

Unterschiede der Schüßler-Salze zur Homöopathie

Das zentrale Prinzip der Homöopathie ist „Ähnliches mit Ähnlichem“ zu heilen: Die Symptome, die ein (unverdünnter) Wirkstoff bei Gesunden auslöst, soll bei Kranken in höchster Verdünnung gegen ähnlich wirkende Symptome bekämpfen helfen. Schüßler lehnte dieses Simile-Prinzip ab und berief sich auf physiologisch-chemische Vorgänge.

Und während in der Homöopathie tausende von Mitteln eingesetzt werden, verwendete Schüßler nur zwölf.

[Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels vom 25.2.2013 wurde am 17.7.2014 zum ersten Mal aktualisiert. Eine neuerliche Literatursuche am 17.7.2017 brachte abermals keine neuen Erkenntnisse.]

(AutorIn: J. Wipplinger / V. Ahne, Review: B. Kerschner, C. Christoph)

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Quellen

[1] Goldner, Colin (2010)
Die heilsamen Zwölf. Süddeutsche Zeitung, Ausgabe vom 11.5.2010. Abgerufen am 18.7.2017 unter http://www.sueddeutsche.de/leben/teil-schuessler-salze-die-heilsamen-zwoelf-1.854997

[2] Ernst, Edzard (2010)
Schüßler-Salze – teuer, aber wertlos? Stern: Ausgabe vom 8.10.2010. Abgerufen am 18.7.2017 unter http://www.stern.de/gesundheit/ratgeber-alternativmedizin-schuessler-salze—teuer–aber-wertlos–3885802.html

[3] Eva Marbach
Homepage über Schüßler-Salze und deren Anwendungsgebiete. Abgerufen am 31.7.2017 unter http://schuessler-salze-liste.de/http://schuessler-salze-liste.de/funktionsmittel/2-calcium-phosphoricum.htm

[4] Informationsnetzwerk Homöopathie (INH)
„Wilhelm Schüßler“. Abgerufen am 31.7.2017 unter http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Wilhelm_Schüßler