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Hilft die Kapland-Pelargonie bei Erkältungen?

Kapland-Pelargonie bei Erkältungen?

Kapland-Pelargonie bei Erkältungen?

Der Wurzel der Kapland-Pelargonie wird eine heilende Wirkung bei Atemwegsinfekten zugesprochen. Eine systematische Übersichtsarbeit gibt einen schwachen Hinweis darauf, dass ein Extrakt aus den Wurzeln der südafrikanischen Pflanze tatsächlich die Symptome von akuter Bronchitis verringern könnte. Allerdings können auch unerwünschte Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden auftreten. (aktualisiert 14. 4. 2014)

Zeitungsartikel: Erkältungen und Co. besser natürlich bekämpfen (Kronen Zeitung, 17.11.2010)
Frage:Wirkt ein Extrakt aus der Wurzel der Kapland-Pelargonie (Pelargonium Sidoides) gegen Erkältungssymptome?
Antwort:Es gibt schwache Hinweise auf eine solche Wirkung bei Bronchitis, sie ist aber nicht gesichert. Unklar ist die Wirksamkeit bei Nebenhöhlenentzündungen und gewöhnlichen Erkältungen.
Beweislage:
Niedrige wissenschaftliche Beweislagefür die Wirksamkeit bei Bronchitis

[Aktualisierte Version vom 14.4.2014] Die Behandlung der meisten erkältungsbedingten Atemwegsinfekte sei durch Viren verursacht und eine Therapie mit Antibiotika daher wirkungslos, schreibt die Kronen Zeitung am 17.11.2010. Deshalb sollte bei der Behandlung von Schnupfen, Bronchitis und anderen Erkältungssymptomen auf pflanzliche Mittel zurückgegriffen werden. Konkret wird in dem Artikel auf ein Produkt mit dem Markennamen „Kaloba“ hingewiesen, einem Extrakt aus der Wurzel der Kapland-Pelargonie. Dessen Wirksamkeit sei durch Studien an einer großen Zahl von Patienten belegt.

Die Wurzel der Kapland-Pelargonie (Pelargonium Sidoides) findet in der traditionellen südafrikanischen Medizin Anwendung bei der Behandlung von entzündlichen Atemwegserkrankungen. Um die Wirksamkeit von Pelargonium Sidoides Extrakt bei Erkältungssymptomen zu überprüfen, führten wir eine systematische Literatursuche durch.

Ergebnis

Wir fanden 2 systematische Übersichtsarbeiten, denen in beiden Fällen im Wesentlichen dieselben Einzelstudien zugrunde lagen.

Prinzipiell konnte – unter Vorbehalt – eine Wirkung von Pelargonium Sidoides Extrakt bei einzelnen Atemwegsinfekten festgestellt werden. Zusammengefasst wiesen von 100 Erwachsenen mit akuter Bronchitis durchschnittlich 95 nach einer Woche noch Symptome auf. Nach einer Behandlung mit Pelargonium Sidoides waren es nur 62 von 100, was einer Reduktion um rund ein Drittel entspricht. Bei Kindern zeigte sich ein ähnlicher Effekt (Reduktion von durchschnittlich 97 auf 80 von 100 Kindern, das entspricht rund einem Fünftel weniger.) Allerdings gilt dies nur für Extrakt in flüssiger Form, Pelargonium Sidoides in Tablettenform hatte keinen Effekt.

Eine mögliche Wirksamkeit konnte auch bei einer Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) festgestellt werden. Während im Durchschnitt 90 von 100 erwachsenen Patienten nach 21 Tagen noch Symptome einer Sinusitis zeigten, waren es nach Behandlung mit Pelargonium Sidoides nur 39 von 100. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Zahlen ist allerdings niedrig. Ob Pelargonienextrakt tatsächlich bei Nasennebenhöhlen-Entzündungen hilft, müssen weitere Studien zeigen. Bei gewöhnlichen Erkältungessymptomen ist die Wirksamkeit ebenfalls unklar.

Interpretation und Bewertung

Die vorliegenden Ergebnisse zur Wirksamkeit bei Bronchitis sind allerdings kritisch zu betrachten. Alle Einzelstudien wurden vom Hersteller finanziert und sind daher möglicherweise nicht unabhängig. Weiters unterscheiden sich alle beurteilten Einzelstudien stark in methodischer Hinsicht, was einen Vergleich der Ergebnisse schwierig macht. Daher ist die Wirkung von Pelargonium Sidoides Extrakt nicht ausreichend abgesichert. Wir beurteilen die wissenschaftliche Beweislage für die Wirksamkeit als niedrig (1 von 3 Punkten).

Nebenwirkungen

An unerwünschten Nebenwirkungen werden Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall angeführt. Diese wurden von den Autoren einer Übersichtsarbeit (Timmer und Kollegen) als häufig, aber nicht ernst bezeichnet. Die Packungsbeilage des Pelargonium Sidoides Extrakts mit dem Markennamen „Kaloba“ nennt außerdem Magenschmerzen sowie Sodbrennen. Diese Symptome treten dem Hersteller von Kaloba nach im Durchschnitt bei weniger als einem von 100 Menschen auf, aber häufiger als bei einem von 1000. Seltener sind allergische Reaktionen auf das Medikament.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: M. Strobelberger, K. Thaler)

Information zu den verwendeten Studien

Unsere Beurteilung basiert auf einer systematischen Literaturrecherche in den wissenschaftlichen Datenbanken „The Cochrane Library“, Embase und Pubmed. Dabei fanden wir zwei systematische Übersichtsarbeiten:

Übersichtsarbeit von Agbabiaka und Kollegen (2008):
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse über 6 randomisiert-kontrollierte klinische Studien. Finanzierung durch den Hersteller.

Übersichtsarbeit von Timmer und Kollegen (2013):
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse über 8 randomisiert-kontrollierte klinische Studien. (4 davon sind auch in die Studie von Agbabjaka eingegangen, die restlichen 2 der von Agbabjaka analysierten Studien wurden aufgrund methodischer Mängel aus dieser Übersichtsarbeit ausgeschlossen).

Wissenschaftliche Quellen

Agbabiaka, T. B., R. Guo, et al. (2008) Pelargonium sidoides for acute bronchitis: a systematic review and meta-analysis. Phytomedicine 378-385 (Zusammenfassung der Studie)

Timmer A, Günther J, Motschall E, Rücker G, Antes G, Kern WV. Pelargonium sidoides extract for treating acute respiratory tract infections. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 10. Art. No.: CD006323. (Zusammenfassung der Studie)