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HCG-Hormon zur Gewichtsreduktion wirkungslos

HCG-Hormon zum Abnehmen?

HCG-Hormon zum Abnehmen?

Das Hormon hCG (humanes Choriongonadotropin) wird immer wieder als Wundermittel für eine gezielte Gewichtsreduktion angepriesen. Tägliche Injektionen des Hormons sollen – in Kombination mit einer strengen Diät – den Abbau von Körperfett gezielt unterstützen, ohne dabei Hungergefühle oder Erschöpfung aufkommen zu lassen. In einer systematischen Analyse von 24 Einzelstudien zu diesem Thema kann für diese Behauptungen keine Bestätigung gefunden werden. (aktualisiert 17.3.2014)

Zeitungsartikel: Mit einem Hormon an den „richtigen“ Stellen abspecken (Kronen Zeitung, 25.3.2011), Schwangerschaftshormon hilft beim Abnehmen (Kronen Zeitung, 11.1.2008)
Frage:Bewirkt hCG-Hormon eine Gewichtsreduktion?
Antwort:Nein, für eine solche Wirkung gibt es keine Hinweise.
Beweislage:
Mittlere wissenschaftliche Beweislagefür die Nicht-Wirksamkeit

[Aktualisierte Version vom 17.3.2014: eine Suche nach neuen Studien bringt keine inhaltliche Änderung]

Um gezielt Fettdepots an Bauch, Hüfte und Oberschenkel zu reduzieren, soll eine Injektionskur mit dem Hormon hCG (humanes Choriongonadotropin) laut Online-Ausgabe der Krone eine wirkungsvolle Methode sein. Die in dem Artikel vom 25. März beschriebene Behandlung geht auf eine vom britischen Arzt Albert Simeons im Jahr 1954 aufgestellte Theorie zurück. So soll die tägliche Injektion des Hormons hCG während der 3 – 6 wöchigen Behandlung – zusätzlich zu einer Nahrungsaufnahme von höchstens 500 kcal pro Tag – zu einer signifikanten Gewichtsreduktion führen. Gleichzeitig soll die sogenannte Simeons-Therapie diätbedingte Hunger- und Erschöpfungsgefühle unterdrücken und gezielt Fett an Stellen abbauen, die relativ resistent gegenüber Diäten sind. Begründet wird die Wirkung des Hormons (welches natürlicherweise im Körper schwangerer Frauen produziert wird) mit dessen angeblicher Funktion auf die Fettverbrennung. So soll hCG im Falle einer Hungerperiode die Energieversorgung für den heranwachsenden Fötus durch die Verwertung der beschriebenen Fettdepots sicherstellen.

Ergebnis

Bei der gezielten Fachliteratur-Recherche fanden wir eine systematische Übersichtsarbeit, in welcher 24 Studien analysiert und zusammengefasst wurden.

Die Autoren dieser Übersichtsarbeit kommen dabei zu dem Schluss, dass sich für keine der von Simeons aufgestellten Behauptungen ein wissenschaftlicher Nachweis finden lässt. So gibt es keinen Hinweis darauf, dass hCG-Injektionen eine Gewichtsreduktion bewirken, den Abbau von Fett an bestimmten Körperstellen veranlassen oder Hungergefühle und Unwohlsein während der Diät unterdrücken können.

Interpretation und Bewertung

Von den 24 in der systematischen Übersichtsarbeit analysierten Studien beurteilten die Autoren nur 12 als methodisch höherwertig. Unter diesen 12 Einzelarbeiten befand sich nur eine einzige, in der ein signifikanter Gewichtsverlust durch die Simeons-Therapie festgestellt wurde. Allerdings ergab eine andere Studie derselben Forschergruppe keine solche Wirkung. Diese Studie wurde jedoch nicht veröffentlicht. Wir beurteilen daher die wissenschaftliche Beweislage für die Nicht-Wirksamkeit als mittel (2 von 3 Punkten).

Generell scheint der einzige Grund für einen Gewichtsverlust im Zuge der Simeons-Therapie durch die strenge Diät bei 500 kcal/Tag bedingt zu sein, während hCG keine Wirkung ausübt.

Zu unerwünschten Nebenwirkungen von hCG-Injektionen fanden wir keine Angaben.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: M. Strobelberger, K. Thaler)

Information zu den verwendeten Studien

Unsere Einschätzung beruht auf einer systematischen Literatursuche in „The Cochrane Library“, Pubmed sowie Embase nach systematischen Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen. Zur Frage der Wirksamkeit von humanem Choriongonadotropin im Zuge einer Gewichtsreduktion fanden wir eine systematische Übersichtsarbeit, welche Ergebnisse aus 24 Einzelstudien zusammenfasste.

Übersichtsarbeit von Lijesen et al. (1995): Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse (24 Einzelstudien, davon 8 nicht-kontrollierte Studien und 16 randomisiert-kontrollierte klinische Studien, welche nach methodischen Kriterien gewichtet wurden)

Wissenschaftliche Quellen:

Lijesen, G. K., I. Theeuwen, et al. (1995). „The effect of human chorionic gonadotropin (HCG) in the treatment of obesity by means of the Simeons therapy: a criteria-based meta-analysis.“ Br J Clin Pharmacol 40(3): 237-243. (Studie im Volltext).