Graviola: keine Wunderwaffe gegen Krebs

Autor: Julia Harlfinger
Review:

Bernd Kerschner, Claudia Christof

zuletzt aktualisiert: 02.09.2019
Humbug-Alarm? Wir haben nachgeprüft, ob es Belege für die Anti-Krebs-Wirkung von Graviola gibt.
Gerüchten zufolge soll die Frucht des Tropenbaums Graviola gegen Krebs wirken. Aussagekräftige Studien dazu? Fehlanzeige!
Frage:
Ist Graviola ein wirksames und sicheres Mittel zur Krebsbehandlung?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Aussagekräftige Studien mit gesunden oder erkrankten Menschen fehlen bisher.

Wie gehen wir vor?

0 Metastudien
0 Langzeitstudien
0 Fallstudien

In Österreich leben ungefähr 350.000 Menschen mit einer Krebserkrankung, viele von ihnen schon jahrelang. Am häufigsten unter den Krebsdiagnosen sind Brust-, Darm-, Lungen- und Darmkrebs [5] .

Trotz großer Fortschritte in den letzten Jahren können die Behandlungen nicht immer zu einer Heilung oder zumindest zu einer langfristigen Besserung führen. Konventionelle Krebstherapien haben häufig schwere Nebenwirkungen.

Geschäft mit der Angst?

Es ist daher nur verständlich, dass sich Krebspatientinnen und -patienten mitunter neue Behandlungsformen wünschen – also Therapien, die wirksamer und verträglicher sind.

Manche von ihnen sind wohl empfänglich für „Informationen“, die beispielsweise in sozialen Medien kursieren, über angebliche Wundermittel und „Zauberfrüchte“.

Dazu zählen auch „Berichte“ über den Graviola-Baum, auch Stachelannone oder Soursop bzw. im Fachjargon Annona muricata genannt. Substanzen aus dem Graviola-Baum sollen gegen Krebs helfen und sogar herkömmlichen Chemotherapien überlegen seien.

Keinerlei Beweise für Anti-Krebs-Wirkung

Wir mussten feststellen: Für derartige Behauptungen gibt es keinerlei seriöse Belege. Wir haben nach Studien gesucht, bei denen Graviola-Substanzen als Krebsmittel beim Menschen getestet wurde. Wir haben aber keine aussagekräftigen Veröffentlichungen gefunden.

Daher können wir nicht bestätigen, ob oder welche Substanzen aus dem Graviola-Baum bei Krebserkrankungen helfen könnten. Schon gar nicht ist uns bekannt, welche Dosis und welcher Einnahmezeitraum sinnvoll wären. Auch Risiken und Nebenwirkungen sind nicht erforscht.

Datenwüste und Informationsvakuum

Woher kommt eigentlich die Idee, dass Graviola bei Krebs helfen könnte? Bisher gibt es zur möglichen Anti-Krebs-Wirkung einige veröffentlichte Tests an Zellen im Reagenzglas („in vitro“) sowie an Tieren („in vivo“). Tatsächlich konnten Graviola-Substanzen in einigen dieser Versuche etwas gegen verschiedene Krebszellen ausrichten. Eventuell sind Pflanzenstoffe namens Acetogenine dafür (mit)verantwortlich [1] [2] [3] [6] [7].

Allerdings sind Laborexperimente, Fallberichte oder Schilderungen aus der Volksmedizin keineswegs Belege dafür, dass Graviola-Substanzen wirklich gegen Krebs wirken. Zum Wirksamkeitsnachweis müsste eine solche Studie etliche strenge Kriterien erfüllen, wie etwa eine ausreichend große Anzahl von Testpersonen und einen angemessenen langen Beobachtungszeitraum.

Küche und Krankenbett

Der immergrüne Graviola-Baum wächst in Süd- und Zentralamerika und in der Karibik. Auch im tropischen Asien und Afrika wird er kultiviert. Das säuerliche Fruchtfleisch lässt sich zu Getränken und Desserts verarbeiten.

Früchte, Blätter, Rinde und andere Teile des Graviola-Baums werden traditionell bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt, zum Beispiel gegen Bauchschmerzen, Fieber und Infektionen mit Parasiten. Es ist also durchaus nicht auszuschließen, dass es in dieser Pflanze Inhaltsstoffe gibt, die bei der Behandlung von einigen Krankheiten hilfreich sein können [1] [2] [3] [6] [7].

[Die ursprüngliche Fassung dieses Artikels erschien am 31.8.2014. Bei einem Update im August 2019 haben wir den Text verändert – da aber noch immer aussagekräftige Studien fehlen, bleibt es bei unserer ursprünglichen Aussage.]

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Studien im Detail

Zu Graviola existieren keine aussagekräftigen Studien, an denen Menschen mit einer gesicherten Krebsdiagnose teilgenommen haben.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Cancer Research UK
Can graviola (soursop) cure cancer?
Heruntergeladen am 30.8.2019

[2] Memorial Sloan Kettering Cancer Center (2015)
Graviola.
Heruntergeladen am 30.8.2019

[3] Moghadamtousi u.a. (2015)
Annona muricata (Annonaceae): A Review of Its Traditional Uses, Isolated Acetogenins and Biological Activities. Int J Mol Sci. 2015 Jul 10;16(7):15625-58 (Volltext)

[4] Pieme u.a. (2014)
Antiproliferative activity and induction of apoptosis by Annona muricata (Annonaceae) extract on human cancer cells. BMC Complement Altern Med. 2014 Dec 24;14:516 (Volltext)

[5] Statistik Austria (2019)
Krebserkrankungen

[6] Gavamukulya u.a.(2017)
Gavamukulya Y, Wamunyokoli F, El-Shemy HA. Annona muricata: Is the natural therapy to most disease conditions including cancer growing in our backyard? A systematic review of its research history and future prospects. Asian Pac J Trop Med. 2017 Sep;10(9):835-848.
Zusammenfassung

[7] Rady u.a. (2018)
Rady I, Bloch MB, Chamcheu RN, Banang Mbeumi S, Anwar MR, Mohamed H, Babatunde AS, Kuiate JR, Noubissi FK, El Sayed KA, Whitfield GK, Chamcheu JC. Anticancer Properties of Graviola (Annona muricata): A Comprehensive Mechanistic Review. Oxid Med Cell Longev. 2018 Jul 30;2018:1826170.
Zusammenfassung