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Stuhltransplantation: fremder Kot gegen Darminfektion mit Clostridien

Das Bakterium Clostridium difficile kann schweren Durchfall verursachen

Das Bakterium Clostridium difficile kann schweren Durchfall verursachen

Das Bakterium Clostridium difficile kann wiederkehrende Durchfälle verursachen, die sich nur schwer bekämpfen lassen. Eine Stuhltransplantation könnte helfen.

Frage:Ist eine Stuhltransplantation wirksam gegen wiederkehrende Infektionen mit Clostridium difficile?
Antwort:möglicherweise Ja
Erklärung:Bisher wurden nur wenige Studien mit Menschen durchgeführt. Diese haben diverse Mängel. Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass eine Stuhltransplantation wirksam ist.

Das Darmbakterium Clostridium difficile verursacht Durchfall und gelegentlich schwere Darmentzündungen, die sogar tödlich enden können. Durch Clostridien verursachte Erkrankungen treten oft nach einer Behandlung mit Breitbandantibiotika auf, wenn die Darmflora durch die Medikamente geschwächt ist [5].

Die Infektion kann sehr hartnäckig sein. In vielen Fällen lässt sich die Infektion nicht gut behandeln, und die Beschwerden kehren nach kurzer Zeit wieder zurück.

Ungewöhnliche Spende

Hoffnung verspricht hier eine recht neuartige Therapie: die Stuhltransplantation. Dabei wird Stuhl von einem gesunden Menschen gespendet und dann in den Darm des Patienten oder der Patientin eingebracht.

Das funktioniert entweder über eine Nasensonde durch den Magen in den Dünndarm oder über den After direkt in den unteren Teil des Verdauungstrakts.

Transplantierte Vielfalt

Die Darmflora von gesunden Menschen besteht üblicherweise aus einer großen Vielfalt an nützlichen Mikroorganismen. Ziel der Stuhltransplantation ist es, diese Vielfalt im Darm der Erkrankten wieder herzustellen. Das soll die krankmachenden Bakterien daran hindern, sich auszubreiten und weiter Schaden anzurichten.

Doch funktioniert diese Behandlung auch? Wir haben wissenschaftliche Forschungsdatenbanken nach Belegen durchsucht.

Besser als Medikamente – vielleicht

Gefunden haben wir lediglich drei kleine Studien mit mäßiger Aussagekraft. Dennoch machen ihre Ergebnisse vorsichtig Hoffnung.

Die Teilnehmenden litten an wiederkehrenden Durchfällen durch Clostridium difficile. Nach dem Zufallsprinzip wurden sie zwei Gruppen zugeteilt: Eine Gruppe erhielt eine Behandlung mit Vancomycin. Das ist ein Antibiotikum, das üblicherweise gegen Clostridium zum Einsatz kommt. Die zweite Gruppe bekam eine Stuhltransplantation.

Nach 10 bis 17 Wochen zeigte sich:

  • Mit der Standardbehandlung (Vancomycin) waren rund 29 von 100 Betroffenen ihren Durchfall los.
  • Mit einer Stuhltransplantation waren zwischen 35 und 92 von 100 Betroffenen ihren Durchfall los.

Die Stuhltransplantation konnte zwar nicht allen Patientinnen und Patienten helfen. Doch sie schien besser zu wirken als die sonst übliche Behandlung.

Diese Ergebnisse sind allerdings nicht gut abgesichert. Der Hauptgrund ist die geringe Anzahl an Teilnehmenden: die insgesamt untersuchten 111 Männer und Frauen sind zu wenig, um die Wirksamkeit genau einschätzen zu können.

Nebenwirkungen möglich

Eine Stuhltransplantation kann auch unerwünschte Wirkungen haben. So traten in den bisherigen Studien in den Stunden nach der Behandlung verstärkt Durchfall und Krämpfe auf [7].

Je nach Methode der Stuhltransplantation sind auch schwere Probleme möglich. Wird der Spenderstuhl über den After eingebracht, kann es in seltenen Fällen zu Verletzungen der Darmwand kommen. Wird der Spenderstuhl über eine Nasensonde in den Dünndarm geleitet, besteht für die Patientinnen und Patienten das Risiko, etwas davon einzuatmen. Dies kann eine Lungenentzündung auszulösen [8].

In den bisherigen Studien sind schwere Nebenwirkungen nicht gehäuft aufgetreten [4]. Dennoch ist zu wenig erforscht, wie groß das Risiko dafür ist [7,8].

Offene Fragen

Trotz viel versprechender Hinweise aus den bisherigen Studien sind noch viele Fragen ungeklärt:

  • Auf welchem Weg soll der Stuhl zugeführt werden? Ist es erfolgversprechender, den Stuhl über eine Nasensonde in den Dünndarm zu leiten? Oder ist das Ergebnis besser, wenn er direkt in den Dickdarm gebracht wird – entweder per Einlauf oder mit Geräten, wie sie zur Darmspiegelung verwendet werden?
  • Oder lässt sich die gleiche Wirkung erzielen, wenn der Spenderstuhl in Kapseln verpackt geschluckt wird?
  • Wirkt eine tiefgefrorene Stuhlspende genauso gut wie eine frische?
  • In welcher Dosis bzw. in welcher Zubereitungsart wirkt die Stuhltransplantation am besten?
  • Wie kann der Darm optimal auf eine bevorstehende Stuhltransplantation vorbereitet werden?
  • Wer sind geeignete Spenderinnen und Spender?

Häufige Krankenhaus-Infektion

Schätzungen zufolge erkrankt in den Vereinigten Staaten jedes Jahr 1 von 1000 Menschen an einer Clostridien-Infektion – meist verursacht durch eine Behandlung mit bestimmten Antibiotika. Bei einem Fünftel dieser Betroffenen kehren die Beschwerden nach der Behandlung zurück [5].

Besonders häufig kommt die Erkrankung in Krankenhäusern vor, rund ein Prozent aller Spitalspatientinnen und -patienten ist betroffen [6]. Alte und schwer kranke Menschen haben ein besonders hohes Infektionsrisiko, besonders wenn sie über lange Zeit in einer Pflegeeinrichtung wohnen.

Häufige Anzeichen der Erkrankung sind massiver Durchfall und heftige Bauchkrämpfe. Es kann auch vorkommen, dass sich Blut oder Eiter im Stuhl befindet und Fieber auftritt. In schwerwiegenden Fällen ist eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig. In Folge kann es zu Verletzungen der Darmwand bis hin zum Tod kommen [6].

 

Die Studien im Detail

Ein kanadisch-britisches Forschungsteam hat sich auf die Suche nach allen bis 2017 durchgeführten Studien zum Thema gemacht [4]. Drei der gefundenen Studien haben die Wirksamkeit einer Stuhltransplantation mit der üblichen Standardbehandlung verglichen – dem Spezialantibiotikum Vancomycin [1-3].

Bei diesen Studien handelt es sich um randomisiert-kontrollierte Studien, bei denen die Teilnehmenden per Zufall (randomisiert) zwei Gruppen zugelost wurden. Eine Gruppe erhielt eine Behandlung mit Vancomycin. Die zweite Gruppe bekam eine Stuhltransplantation.

Die zusammenfassende Analyse der drei Studien deutet darauf hin, dass eine Stuhltransplantation Durchfall durch Clostridium difficile mit höherer Wahrscheinlichkeit bessern kann als Vancomycin [4]. Die Studien haben insgesamt jedoch nur 111 Frauen und Männer untersucht – zu wenige für verlässliche Ergebnisse. Zudem ist die Durchführung der Studien mangelhaft.

Wegen vorzeitigem Erfolg abgebrochen

In einer dieser randomisiert-kontrollierten Studien [2] aus dem Jahr 2013 untersuchte eine Forschungsgruppe 42 Personen (18 Frauen und 24 Männer), die unter wiederkehrenden Durchfällen aufgrund einer Clostridien-Infektionen litten.

16 Personen bekamen eine Stuhltransplantation über eine Nasensonde direkt in den Dünndarm. Der Spenderstuhl war zuvor untersucht und mit Kochsalzlösung verdünnt worden. Die Personen der beiden Vergleichsgruppen erhielten entweder das Antibiotikum Vancomycin oder Vancomycin in Kombination mit einer Darmreinigung.

Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend, daher führte die Forschungsgruppe eine Zwischenanalyse durch: Von 16 Erkrankten wurden 13 schon nach der ersten Stuhltransplantation gesund. Zwei weitere Personen wurden nach einer abermaligen Stuhltransplantation ihren Durchfall ebenfalls los.

In den Vergleichsgruppen waren es zum selben Zeitpunkt nur 7 von 26 [2]. Aufgrund dieses deutlichen Unterschieds im Behandlungserfolg brachen die Forscher die Studie vorzeitig ab, um so auch den Personen in den Kontrollgruppen eine Stuhltransplantation zu ermöglichen. Es wäre unethisch gewesen, die Studie weiter fortzuführen.

Mit lediglich 42 Testpersonen ist die Studie allerdings zu klein, um wirklich aussagekräftig zu sein. Die Ergebnisse könnten nur zufällig so positiv ausgefallen sein. Zudem könnte auch die Erwartung, eine möglicherweise gut wirksame Behandlung zu bekommen, die Heilung begünstigt haben. Denn sowohl Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer als auch medizinisches Personal wussten, wer welcher Gruppe zugelost worden war.

Ähnliche Ergebnisse

Im Jahr 2015 wollte auch ein Forschungsteam aus Italien die Wirksamkeit einer Stuhltransplantation überprüfen [1]. Zu diesem Zweck teilten sie 39 Betroffene (22 Frauen, 17 Männer) per Zufall einer von zwei Gruppen zu.

20 Personen erhielten drei Tage lang Vancomycin, um den Darm auf eine Stuhltransplantation vorzubereiten. Anschließend bekamen sie die Stuhltransplantation im Rahmen einer Darmspiegelung. Am Ende waren 13 Personen wieder gesund. Von den verbleibenden 7 Durchfall-Betroffenen konnten 5 weitere mit Hilfe anderer Stuhlspenden geheilt werden. Zwei verstarben hingegen an den Folgen ihrer schweren Infektion.

Die 19 Personen der Vergleichsgruppe wurden mindestens drei Wochen lang nur mit Vancomycin behandelt. Von ihnen wurden nur 5 geheilt. Zwei verstarben, und bei 12 kehrte der Durchfall zurück.

Auch in dieser randomisiert-kontrollierten Studie war die Teilnehmerzahl mit 39 Personen sehr klein und damit für eine abschließende Beurteilung nicht geeignet. Verzerrungseffekte durch Erwartungshaltungen lassen sich in dieser Untersuchung ebenfalls nicht ausschließen.

Unklar ist, ob die Ausgangslage der beiden Studiengruppen tatsächlich vergleichbar war. So litten in der Gruppe der Stuhltransplantation 7 der 20 Teilnehmenden an einer pseudomembranösen Kolitis. Dabei handelt es sich um eine schwere Form der Clostridien-Infektion. Aus den Aufzeichnungen geht nicht hervor, wie viele Personen aus der Antibiotikagruppe davon betroffen waren. So ist denkbar, dass in der Antibiotikagruppe deshalb weniger Teilnehmende wieder gesund wurden, weil sie von vornherein schwerer erkrankt waren.

Grobe Mängel in dritter Studie

Eine dritte randomisiert-kontrollierte Studie ging der Frage nach, ob ein Stuhl-Einlauf mehr Erfolg bringt als eine sechswöchige Therapie mit Vancomycin [3]. Die Autorinnen und Autoren fanden keinen eindeutigen Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Abgesehen von der geringen Zahl an Testpersonen weist diese Studie etliche gravierende methodische Mängel auf .Viele Fragen zur Studiendurchführung sind unklar, daher lassen sich aus dem Ergebnis keine soliden Rückschlüsse ziehen.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Harlfinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Cammarota u.a.(2015)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 39 Patientinnen und Patienten mit wiederholter Clostridium difficile- Infektion
Studiendauer: 10 Wochen
Fragestellung: Wie effektiv ist eine Stuhltransplantation im Vergleich zur Behandlung mit einem spezifischen Antibiotikum?
Interessenkonflikte: keine bekannt

Cammarota, G., et al. (2015). Randomised clinical trial: faecal microbiota transplantation by colonoscopy vs. vancomycin for the treatment of recurrent Clostridium difficile infection. Aliment Pharmacol Ther 41(9): 835-843. (Zusammenfassung der Studie)

[2] van Nood (2013)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 16 Personen erhielten eine Stuhltransplantation, 26 weitere wurden auf zwei Kontrollgruppen aufgeteilt
Teilnehmende: 10 Wochen
Fragestellung: Wie effektiv ist eine Stuhltransplantation im Vergleich zur Behandlung mit einem spezifischen Antibiotikum?
Interessenkonflikte: Die Autorinnen und Autoren erhalten Vortrags- und Beratungsgelder von Astellas bzw. Microbex.

van Nood E, Vrieze A, Nieuwdorp M, Fuentes S, Zoetendal EG, de Vos WM, Visser CE, Kuijper EJ, Bartelsman JF, Tijssen JG, Speelman P, Dijkgraaf MG, Keller JJ: Duodenal Infusion of Donor Feces for Recurrent Clostridium difficile. N Engl J Med. 2013 Jan 16 (Studie in voller Länge)

[3] Hota u.a. (2017)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 30 Patientinnen und Patienten mit wiederholter Clostridium difficile-Infektion
Studiendauer: 120 Tage
Fragestellung: Wie effektiv ist eine Stuhltransplantation im Vergleich zur Behandlung mit einem spezifischen Antibiotikum?
Interessenkonflikte: Einige Autorinnen und Autoren erhalten Honorare von Pharmafirmen

Hota, S. S., et al. (2017). Oral Vancomycin Followed by Fecal Transplantation Versus Tapering Oral Vancomycin Treatment for Recurrent Clostridium difficile Infection: An Open-Label, Randomized Controlled Trial. Clin Infect Dis 64(3): 265-271 (Zusammenfassung der Studie)

[4] Moayyedi u.a. (2017)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Analysierte Studien: 10 randomisiert kontrollierte Studien, davon 3 zum Vergleich mit Vancomycin und 2 zum Vergleich mit Placebo
Studiendauer: zwischen 10 und 17 Wochen
Fragestellung: Wie effektiv ist bei einer Clostridien-Infektion eine Stuhltransplantation im Vergleich zur Behandlung mit Vancomycin oder Placebo? Welche Art der Stuhltransplantation ist am effektivsten?
Interessenkonflikte: keine laut Autorenteam

Moayyedi P, Yuan Y, Baharith H, Ford AC. Faecal microbiota transplantation for Clostridium difficile-associated diarrhoea: a systematic review of randomised controlled trials. Med J Aust. 2017 Aug 21;207(4):166-172. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

Weitere Quellen

[5] UpToDate (2019)
Lamont JT, Bakken JS, Kelly CP. Clostridioides (formerly Clostridium) difficile infection in adults: Epidemiology, microbiology, and pathophysiology. In Baron EL (ed.). UpToDate. Abgerufen am 4.3.2019 unter www.uptodate.com

[6] UpToDate (2019)
Kelly CP, Lamont JT. Patient education: Antibiotic-associated diarrhea caused by Clostridioides (formerly Clostridium) difficile (Beyond the Basics). In Baron EL (ed.). UpToDate. Abgerufen am 6.3.2018 unter www.uptodate.com

[7] Health Quality Ontario (2016)
Health Quality Ontario. Fecal Microbiota Therapy for Clostridium difficile Infection: A Health Technology Assessment. Ont Health Technol Assess Ser. 2016 Jul 1;16(17):1-69. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[8] UpToDate (2019)
Borody TJ, Ramrakha S. Fecal microbiota transplantation for treatment of recurrent Clostridioides (formerly Clostridium) difficile infection. UpToDate. Abgerufen am 4.3.2019 unter www.uptodate.com