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Feng Shui: Schlaflos durch Spiegel?

Schlafräuber Spiegel?

Schlafräuber Spiegel?

Laut Feng Shui gehören Spiegel nicht gegenüber das Bett. Ob dies wirklich den Schlaf verbessern kann, ist wissenschaftlich nicht untersucht.

Frage:Hilft die Beachtung von Feng-Shui-Gestaltungsregeln gegen schlechten Schlaf?
Antwort:wissenschaftliche Belege fehlen
Erklärung:Die Schlafhygiene empfiehlt, Schlafzimmer so zu gestalten, dass sich seine Bewohnerinnen und Bewohner wohl fühlen. Ob dabei die Gestaltung des Schlafraums nach den Regeln des Feng Shui oder das Weglassen von Spiegeln gegenüber des Betts eine Rolle spielt, konnten wir nicht eruieren. Entsprechende Studien fehlen.

Folgende Anfrage erreichte medizin-transparent.at: „Sind Spiegel gegenüber vom Bett eine mögliche Ursache für Schlafstörungen?“ Unser Leser rätselte darüber, weil er gelesen hatte, dass Spiegel laut Feng Shui im Schlafbereich nichts zu suchen haben.

Unsichtbare Kraft

Naturgemäß erschließen sich Gebote aus dem Feng Shui kaum der westlich geprägten Denkweise. Die Lehre, deren wörtliche Übersetzung „Wind und Wasser“ lautet, hat ihre Wurzeln in Asien. Feng Shui befasst sich beispielsweise mit der Ausrichtung von Grabmälern und anderen Bauwerken. [1] [2] [3]

Die im Feng Shui so wichtige „positive Energie“ namens Chi hat im Westen keine Entsprechung. Anders formuliert: Für die in Europa geläufige wissenschaftliche Faktenwelt ist das Chi schlicht nicht vorhanden.

Unser Fazit

  • Wir konnten keine Studien finden, die sich mit gesundheitlichen Effekten von Spiegeln im Schlafzimmer auseinandergesetzt haben. Wir wissen daher nicht, ob Spiegel, in denen das Bett reflektiert wird, irgendeine Wirkung haben oder ob sie eventuell schaden können.
  • Wir konnten nicht eruieren, ob sich die Gestaltungsprinzipien des Feng Shui möglicherweise günstig auf Gesundheit und Schlaf auswirken.
  • Ein negativer Effekt durch die Anwesenheit von Spiegeln im Schlafzimmer erscheint allerdings nicht wirklich plausibel.
  • Auch über andere mögliche Auswirkungen von Feng Shui konnten wir keine guten Studien aufspüren.


Wohlfühlen durch Schlafhygiene

Über die Auswirkungen einer Feng-Shui-Wohnkultur auf die Schlafqualität können wir kein Urteil fällen.

Jedoch kann die so genannte Schlafhygiene wohl gewisse Auswirkungen auf die Nachtruhe haben. Deswegen gibt es eine Reihe von Empfehlungen, die für das Ein- und Durchschlafen förderlich sein sollen. Dazu zählt etwa die Vermeidung von Alkohol, Kaffee, Tee, Nikotin und schweren Speisen am Abend. Laptops, eBooks und Handys sollten laut Fachleuten eher nicht im Bett genutzt werden. [4] [5]

Zur Schlafhygiene zählt auch die Gestaltung eines behaglichen Rückzugs- und Schlafbereichs. Licht, Temperatur und Lärm sollten sich nach Wunsch abschirmen lassen. [4]

Ob der Verzicht auf Spiegel für dieses Wohlfühlen ausschlaggebend ist, sei dahingestellt. Es ist aber denkbar, dass individuelle Vorlieben hier eine gewisse Rolle spielen könnten. Vielleicht schlafen Menschen mit einem Faible für die minimalistische Ästhetik des Feng Shui tatsächlich schlechter (ein), wenn sie in einem unstrukturierten Schlafzimmer mit allerlei Kramuri übernachten? Insbesondere dann, wenn sie negative Effekte befürchten?

Gestaltung mit Marktwert

Auch wenn wissenschaftliche Belege fehlen bzw. gewisse Wirkungen nicht sonderlich plausibel erscheinen: Einige Strömungen und Elemente aus dem Feng Shui sind in Europa und Nordamerika seit den 1990ern recht populär. Feng Shui findet zum Beispiel in der Landschafts- und Gartenplanung seinen Niederschlag.

In der Innenarchitektur soll beispielsweise der gezielte Einsatz von bestimmten Farben, Formen oder Objekten (Windspiele, Zimmerbrunnen, Blumen, Aquarien usw.) das Chi günstig lenken. Demnach sollen auch Spiegel nur an bestimmten Orten aufgestellt werden und zum Beispiel keine Türen, Fenster, Feuerstellen oder gar die Toilette wiedergeben.

Das Einhalten solcher Regeln sorgt vermeintlich für mehr Harmonie zwischen Menschen und ihrer Umwelt bzw. Wohnumgebung. In Büros kann „Business Feng Shui“ angeblich Kreativität und finanzielle Erfolge bewirken. Dementsprechend hat sich ein Markt mit mehr oder weniger kostspieligen Beratungsangeboten entwickelt; es gibt Selbsthilfe-Literatur und allerlei Accessoires für den Asia-Lifestyle.

Gesund-Bleiben durch Design?

Möglicherweise finden die Effekte von Design, Kunst und Raumgestaltung in Zukunft mehr Beachtung in der Forschung rund um die menschliche Gesundheit. Interessant wären beispielsweise Untersuchungen dazu, ob bzw. welche gestalterischen Faktoren in Wohnungen, Büros und Krankenzimmern beim Gesund-Bleiben oder beim Gesund-Werden helfen oder den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Gefühl der Selbstwirksamkeit vermitteln.

Ursprünglich veröffentlicht am 15.12.2015. Eine neue Suche im Juli 2018 hat wiederum keine Studien aufgezeigt, unsere Einschätzung hat sich daher nicht geändert

(AutorIn: J. Harlfinger, Review: B. Kerschner)

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Quellen

[1] Livingston (2003)
Livingston C. Balancing chi and integrating feng shui. Midwifery Today Int Midwife. 2003 Summer;(66):16. (Zusammenfassung)

[2] Jeffreys (2000)
Jeffreys P. Feng Shui for the health sector: harmonious buildings, healthier people. Complement Ther Nurs Midwifery. 2000 May;6(2):61-5. (Zusammenfassung)

[3] Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e. V. (2009)
Feng Shui. Abgerufen am 27.7.2018 unter www.gwup.org/inhalte/107-themen/sonstige-themen/639-feng-shui

[4] UpToDate (2015)
Patient information: insomnia treatments (Beyond the Basics). Abgerufen am 27.7.2018 unter www.uptodate.com/contents/insomnia-treatments-beyond-the-basics

[5] IQWIG (2013)
Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWIG)- Gesundheitsinformation.de (2013). Schlafstörungen. Abgerufen am 27.7.2018 unter www.gesundheitsinformation.de/schlafstoerungen.2179.de.html