Die Wirkung von Eigenbluttherapie bei Arthrose

AutorIn: Jörg Wipplinger
Review:

Bernd Kerschner, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 8. April 2020
Das gelbliche Blutplasma soll entzündungshemmende Stoffe enthalten, die bei Arthrose-Beschwerden helfen
Injektionen mit Eigenblut (plättchenreichem Plasma) könnten die Schmerzen bei Kniearthrose ein wenig besser lindern als eine Scheinbehandlung.
Frage:
Reduziert eine Therapie mit plättchenreichem Plasma (Eigenbluttherapie) bei Arthrose im Kniegelenk die Schmerzen?
möglicherweise
Antwort:
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Frage:
Reduziert eine Therapie mit plättchenreichem Plasma (Eigenbluttherapie) bei Arthrose im Hüftgelenk die Schmerzen?
möglicherweise nicht
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Injektionen mit plättchenreichem Plasma könnten die Schmerzen bei Arthrose im Knie geringfügig verringern. Die Therapie ist anscheinend wirksamer als eine Placebobehandlung, der Effekt ist aber gering. Für die Hüfte hingegen, weisen die Studien eher in Richtung keiner Wirksamkeit. Lokale Nebenwirkungen sind häufig. Welche Form der Therapie für wen am besten geeignet ist, wurde noch nicht geklärt und auch der langfristige Erfolg ist nicht untersucht.

Wie gehen wir vor?

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Gelenke können sich im Laufe des Lebens abnutzen. Schmerzen und Steifheit sind die Folgen. Knie und Hüfte sind die großen Gelenke, die besonders betroffen sind und für die sich verschiedenste Injektionen als Therapie anbieten.

Viele Orthopäden raten zu einer Eigenbluttherapie mit Injektionen: Dabei wird Blut entnommen und speziell aufbereitet. Das so gewonnen Plasma ist reich an Blutplättchen. Dieses plättchenreiche Plasma soll Wachstumsfaktoren und Stoffe enthalten, welche die Entzündung bei Arthrose lindern und die Funktion der Gelenke verbessern sollen. Dafür wird das Plasma direkt ins Gelenk gespritzt.

Geringfügig weniger Schmerzen möglich

Die Behandlung reduziert die Schmerzen beim Knie möglicherweise besser als eine Scheinbehandlung, der Effekt dürfte allerdings gering sein. Die bisherigen Studienergebnisse [1] würden einer Linderung der Schmerzen um maximal 2 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10 entsprechen.

Zudem sind zahlreiche Fragen offen: Keine der Studien kann nachweisen, ob sich die Beweglichkeit der Gelenke verbessert. Es ist unklar, ob eine oder mehrere Injektionen notwendig sind. Ebenso ist nicht geklärt, in welchem Stadium der Erkrankung die Therapie hilft – die meisten Studien wurden bei Patienten mit relativ milder Arthrose durchgeführt. Wie lange die mögliche Wirkung anhält, ist ebenfalls nicht untersucht. Studien über einen längeren Zeitraum als 18 Monate fehlen gänzlich.

Ein bleibendes Leiden

Arthrose ist eine Abnutzungserscheinung. Jede Form der Behandlung ist ein Kampf gegen stets fortschreitenden Verfall. Der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein, oft schreitet die Beeinträchtigung der Gelenke nur langsam fort [7]. Eine Behandlung kann bewirken, dass die Funktion eines Gelenks länger erhalten bleibt, die Abnutzung kann gebremst werden oder es werden einfach die Schmerzen gebessert. Besonders interessant ist dabei die langfristige Wirkung. Schließlich lebt man mit einer Arthrose, sofern keine Prothese möglich ist, den Rest seines Lebens. Umso erstaunlicher ist es, dass keine Langzeitergebnisse vorliegen. Kaum eine Studie hat einen längeren Beobachtungszeitraum als 12 Monate.

Die großen Baustellen: Knie und Hüfte

Die Arthrose gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen, besonders bei älteren Menschen. Bei einer beginnenden Arthrose schmerzt das Gelenk meist nur, wenn es belastet wird. Im Bereich der Knie oder der Hüfte sind dann oft stechende Schmerzen bei Stoßbelastungen spürbar, etwa beim Joggen. In weiter fortgeschrittenem Stadium sind die Gelenke morgens oder nach längerer Ruhe steif und schmerzen anfangs bei jeder Bewegung.

Meist entwickelt sich die Arthrose am Hüft- oder Kniegelenk. Sie kann aber auch an anderen Gelenken auftreten, etwa in der Hand oder an der Schulter.

Bisher steht kein Medikament zur Verfügung, das eine Arthrose heilen könnte. Um die Beschwerden zu lindern, werden Bewegung und Schmerzmitteln empfohlen. Es kann helfen, vorhandenes Übergewicht zu reduzieren.

Betrifft die Arthrose Knie oder Hüfte, können Hilfsmittel wie Gehstöcke das Gelenk entlasten. Wenn der Gelenkverschleiß weit fortgeschritten ist, ist auch ein künstlicher Gelenkersatz eine Behandlungsoption [5-7].

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Die Studien im Detail

Wir haben zahlreiche Studien gefunden, welche die Beweislage für die Wirksamkeit von Injektionen mit plättchenreichem Plasma bei Kniearthrose untersuchen.

Eine Zusammenfassung bisheriger Studien von kanadischen Forschern [1] vergleicht verschiedenste Injektionsbehandlungen: Zwei Aufbereitungen von Hyaloronsäure, verschiedene Zusammensetzungen von plättchenreichem Plasma und Kochsalzlösung, die als Scheinbehandlung (Placebo) zu werten ist. Die Injektionen mit plättchenreichem Plasma hatten in der Analyse die größte Auswirkung auf Schmerzen – auch wenn der Effekt insgesamt gering ist. Die Autoren haben allerdings auch eine Auswertung gemacht, bei der sie nur die qualitativ hochwertigsten Studien herangezogen haben. In dieser Auswertung fällt die Eigenbluttherapie hinter eine Variante mit Hyaloronsäure (s.u.) zurück. Aufgrund der großen Schwankungsbreite ist das jedoch mit Unsicherheit behaftet.

Die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit sind nicht gut abgesichert, viele Fragen zur Injektion mit plättchenreichem Plasma sind weiter offen. Eine Wirkung über zwölf Monate hinaus ist nicht untersucht. Zudem unterscheiden sich die einzelnen Studien stark: Es wurden unterschiedliche Zubereitungen des Plasmas verwendet, eine unterschiedliche Zahl an Injektionen verabreicht und die Wirkungen wurden nach verschiedensten Zeitpunkten zwischen zwei und zwölf Monaten gemessen.
Auch eine zweite aktuelle Übersichtsarbeit legt die Wirksamkeit der Eigenbluttherapie gegenüber einer Scheinbehandlung nahe [2]. Leider kann auch diese Studienzusammenfassung die oben erwähnten offenen Fragen nicht beantworten.

Einige Übersichtsarbeiten [3-5] vergleichen die Eigenbluttherapie mit Injektionen mit Hyaloronsäure. Diese Arbeiten sind methodisch nicht einwandfrei. Ihre Ergebnisse sind nicht eindeutig zu interpretieren, da nicht klar ist, ob bzw. welche Injektionen mit Hyaloronsäure wirksamer als eine Scheinbehandlung sind [1,7]. Was diese Studien jedoch zeigen, ist dass beide Behandlungsmethoden in ihren Nebenwirkungen vergleichbar sind. Diese beschränken sich auf lokale Schmerzen und Entzündungsreaktionen, die aber alle von alleine wieder verschwinden. Schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Zwei Studien weisen in die Richtung, dass die Eigenbluttherapie langfristig den Injektionen mit Hyaloronsäure zumindest beim Schmerz überlegen sein könnte [4,6]. Doch gerade der langfristige Erfolg ist viel zu wenig untersucht: Nur eine Einzelstudie beobachtete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer länger als ein Jahr nach der Therapie (18 Monate).

Wissenschaftliche Quellen


[1] Phillips u.a. (2020)
Phillips M, Vannabouathong C, Devji T, Patel R, Gomes Z, Patel A, Dixon M, Bhandari M. Differentiating factors of intra-articular injectables have a meaningful impact on knee osteoarthritis outcomes: a network meta-analysis. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2020 Jan 3. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[2] Chen u.a. (2019)
Chen P, Huang L, Ma Y, Zhang D, Zhang X, Zhou J, Ruan A, Wang Q. Intra-articular platelet-rich plasma injection for knee osteoarthritis: a summary of meta-analyses. J Orthop Surg Res. 2019 Nov 27;14(1):385. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[3] Wu u.a. (2020)
Wu Q, Luo X, Xiong Y, Liu G, Wang J, Chen X, Mi B. Platelet-rich plasma versus hyaluronic acid in knee osteoarthritis: A meta-analysis with the consistent ratio of injection. J Orthop Surg (Hong Kong). 2020 Jan-Apr;28(1):2309499019887660. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[4] Han u.a. (2019)
Han Y, Huang H, Pan J, Lin J, Zeng L, Liang G, Yang W, Liu J. Meta-analysis Comparing Platelet-Rich Plasma vs Hyaluronic Acid Injection in Patients with Knee Osteoarthritis. Pain Med. 2019 Jul 1;20(7):1418-1429. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[5] Ye u.a. (2018)
Ye Y, Zhou X, Mao S, Zhang J, Lin B. Platelet rich plasma versus hyaluronic acid in patients with hip osteoarthritis: A meta-analysis of randomized controlled trials. Int J Surg. 2018 May;53:279-287. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[6] Pachito u.a. (2019)
Pachito DV, Latorraca COC, Riera R. Efficacy of platelet-rich plasma for non-transfusion use: Overview of systematic reviews. Int J Clin Pract. 2019 Nov;73(11):e13402. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[7] IQWiG (2018)
Arthrose. Abgerufen am 3.4.2020 unter www.gesundheitsinformation.de

[8] UpToDate (2019)
Management of knee osteoarthritis. Abgerufen am 16.10.2019 unter uptodate.com (kostenpflichtig)

[9] UpToDate (2019)
Overview of the management of osteoarthritis. Abgerufen am 09.12.2019 unter uptodate.com (kostenpflichtig)