„BestProvita Diabetin“: Nutzen bei Diabetes?

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Julia Harlfinger, Bernd Kerschner, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 22. April 2021
Kapseln gegen zu viel Zucker im Blut?
Ob ein Produkt namens „BestProvita Diabetin“ Menschen mit Typ-2-Diabetes tatsächlich vor Folgeschäden schützt, ist nicht belegt. Gleiches gilt auch für einen der Inhaltsstoffe: Heidelbeere.
Frage:
Verbessert das Produkt „BestProvita Diabetin“ bei Typ-2-Diabetes den Blutzuckerspiegel oder verhindert es Folgeerkrankungen?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
Antwort:
Frage:
Verbessern Heidelbeeren bei Typ-2-Diabetes den Blutzuckerspiegel oder verhindern sie Folgeerkrankungen?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Weder für das Produkt „BestProvita Diabetin“ noch für den besonders angepriesenen Inhaltsstoff Heidelbeere konnten wir aussagekräftige Studien finden.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)

Es ist oft anspruchsvoll, chronische Erkrankungen gut in den Griff zu bekommen. Die Betroffenen sind eine beliebte Zielgruppe für Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln: Sie legen vermeintlich einfache Lösungen nahe, wenn man ihre Produkte konsumiert.

Hilft „BestProvita Diabetin“ bei Diabetes?

Dieses Muster haben wir, so unser Eindruck, auch bei der Recherche zu einer Leseranfrage festgestellt: Ein Leser wollte von uns wissen, was von einem Produkt namens „BestProvita Diabetin“ zu halten ist, das im Internet oder über Apotheken bestellt werden kann.

Es handelt sich um Kapseln mit einer bunte Mischung aus neun Vitaminen, Mineralstoffen und Pflanzen-Extrakten: zum Beispiel Vitamin D, Zink, Chrom und Zimtkassien-Kraut. Die Heidelbeere ist ein besonders angepriesener Inhaltsstoff.

Das Mittel hilft angeblich dabei, den Blutzuckerspiegel auf gesundem Niveau zu halten. Und es kann auch Schäden an Augen, Niere und Nerven verhindern, die bei einem Typ-2-Diabetes entstehen können – so zumindest haben wir die Werbung aufgefasst.

Die Versprechen sind, wie wir finden, recht vollmundig. Lassen sie sich auch belegen? Das haben wir uns sowohl für das ganze Präparat als auch für einen besonders hervorgehobenen Inhaltsstoff angesehen: die Heidelbeere (bilberry), die sogar als „Anti-Diabetes-Wunder“ bezeichnet wird.

Dabei hat uns besonders interessiert, ob sich damit Diabetes-Folgeerkrankungen vermeiden lassen. Denn diesen Effekt suggeriert, zumindest unserer Ansicht nach, die Werbung .

Enttäuschendes Ergebnis

Unsere Recherche in drei wissenschaftlichen Literaturdatenbanken verlief für das Präparat „BestProvita Diabetin“ ziemlich schnell im Sande: Wir fanden keine einzige Untersuchung, die ein Nahrungsergänzungsmittel mit dieser Zusammensetzung getestet hätte.

Ob die Kapseln die versprochene Wirkung haben, lässt sich also nicht einschätzen. Uns fehlt dazu jegliche Datengrundlage.

Kein „blaues Wunder“

Ähnlich enttäuschend endete auch unsere Suche zum Nutzen von Heidelbeeren bei Typ-2-Diabetes: Die wissenschaftliche Literatur, die der Anbieter auf seiner Website zitiert, ist für den angeblichen Nutzen nicht besonders aussagekräftig. Es handelt sich hier etwa um Tierstudien, Untersuchungen mit anderen Fragestellungen oder Zusammenfassungen von Studien, die nicht die gesamte wissenschaftliche Literatur berücksichtigt haben.

Wir haben zusätzlich selbst die Studiendatenbanken durchforstet. Dabei haben wir uns auf Untersuchungen konzentriert, die Heidelbeeren, also die Früchte der Pflanze Vaccinium myrtillus, getestet und dabei die Teilnehmendem nach dem Zufallsprinzip einer Behandlungs- oder einer Kontrollgruppe zugeteilt haben.

Zur Heidelbeere bei Typ-2-Diabetes konnten wir keine einzige aussagekräftige Studie finden. Ob Heidelbeeren bei Typ-2-Diabetes tatsächlich den Stoffwechsel verbessern oder vor Folgeschäden schützen, können wir also nicht einschätzen. Defnitiv ausschließen können wir es natürlich auch nicht.

Typ-2-Diabetes

Die Zellen des Körpers benötigen Zucker, um daraus Energie gewinnen zu können. Das Hormon Insulin sorgt dafür, dass der Zucker in die Zellen gelangt.

Bei Menschen mit einem Typ-2-Diabetes wirkt das Insulin schlechter, Fachleute sprechen von einer „Insulinresistenz“. Weil der Zucker nicht in die Zellen gelangen kann, bleibt er im Blut und zirkuliert im Körper.

Erhöhte Blutzuckerwerte lassen das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten steigen. Diabetikerinnen und Diabetiker können unter Umständen auch Schäden an der Netzhaut, an den Nerven und der Niere davontragen.

Besonders gefährdet, an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, sind Menschen mit Übergewicht, wenig körperlicher Bewegung und unausgewogener Ernährung. Auch genetische Faktoren oder bestimmte Medikamente können den Ausbruch der Krankheit begünstigen [1].

Bei der Behandlung eines Typ-2-Diabetes spielen Veränderungen des Lebensstils eine wichtige Rolle: Gewichtsreduktion, mehr Bewegung, angepasste Ernährung. Bei vielen Menschen mit Typ-2-Diabetes ist auch eine Behandlung mit Medikamenten notwendig. In der Regel wird dabei zuerst das Mittel Metformin verordnet, das den Blutzuckerspiegel senkt.

Wenn weitere Risikofaktoren für Schäden an Herz und Kreislauf bestehen, etwa hoher Blutdruck oder erhöhte Cholesterinwerte, kommen häufig auch Blutdrucksenker zum Einsatz sowie Statine, die den Cholesterinwert senken und vor Herzinfarkten schützen können [1,2].

Mehr gesicherte Informationen zum Thema Zuckerkrankheit finden Sie auf den Seiten von www.gesundheitsinformation.de

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Die Studien im Detail

Wir haben keine aussagekräftigen Studien zum Produkt „BestProvita Diabetin“ gefunden. Dies gilt auch für Untersuchungen zur Heidelbeere – wir konnten keine gut gemachten Studien zu einer positiven Wirkung für Diabetikerinnen und Diabetiker entdecken.

Wissenschaftliche Quellen


[1] IQWiG (2020) Diabetes Typ 2. Abgerufen am 12.04.2021 unter
https://www.gesundheitsinformation.de/diabetes-typ-2.html

[2] UpToDate (2021) Initial management of hyperglycemia in adults with type 2 diabetes mellitus. Abgerufen am 07.04.2021 unter https://www.uptodate.com/contents/initial-management-of-hyperglycemia-in-adults-with-type-2-diabetes-mellitus