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CBD aus Hanf für besseren Schlaf?

CBD: wenn Internetseiten das Blaue vom Himmel versprechen

CBD: wenn Internetseiten zu dem Hanfinhaltsstoff das Blaue vom Himmel versprechen

Cannabidiol, kurz CBD, werden zahlreiche Wunderwirkungen angedichtet. Der Stoff aus der Hanfpflanze soll etwa den Schlaf verbessern. Das ist jedoch fraglich.

Frage:Hilft CBD bei Schlafstörungen?
Antwort:wissenschaftliche Belege fehlen
Erklärung:Wir konnten keine aussagekräftigen Studien zu dieser Frage finden.

Ob als Öl oder in Form von speziell gezüchteten Hanfblüten – der Wirkstoff Cannabidiol ist in Österreich in unterschiedlichen Varianten im Handel erhältlich. Cannabidiol, kurz CBD, ist einer von vielen Inhaltsstoffen der Hanfpflanze. Im Gegensatz zum Hanfbestandteil THC (kurz für Tetra-Hydrocannabinol) hat CBD keine berauschende Wirkung.

Manche Internetseiten bewerben CBD als vielfältiges Wundermittel. Demzufolge hilft die Substanz beim Abnehmen und gegen Akne genauso wie bei schweren Darmerkrankungen oder der Nervenkrankheit Multiple Sklerose.

Viele Versprechen…

Eines der Versprechen ist eine entspannende und beruhigende Wirkung. Auf diese Weise soll CBD den Schlaf verbessern und sogar bei Schlafstörungen helfen.

Doch gibt es wissenschaftliche Belege für solche Wirkungen? Dürfen Betroffene mit Schlafproblemen tatsächlich darauf hoffen, mit CBD besser einschlafen oder durchschlafen zu können? Wir haben recherchiert.

…keine Belege

Auf unserer Suche nach Belegen haben wir drei wissenschaftliche Datenbanken durchforstet. Die Ausbeute war enttäuschend. Die Auswirkung von CBD auf den Schlaf wurde bisher offenbar nicht seriös untersucht.

Wir konnten lediglich zwei kleine Studien [1,2] finden. Sie haben die Wirkung von CBD mit einem Wirkstoff-freien Scheinpräparat (Placebo) verglichen. Nur eine davon untersuchte Personen mit Schlafproblemen. An der zweiten Studie [2] nahmen Frauen und Männer mit gesundem Schlaf teil.

Die Aussagekraft der beiden Studien ist verschwindend klein. Keine der beiden Arbeiten erfüllt grundlegende Anforderungen an wissenschaftliche Studien. Zudem beschränken sich die Ergebnisse auf eine einzige Nacht. Ob CBD regelmäßig über längere Zeit eingenommen bei Schlafstörungen hilft, haben sie nicht untersucht.

Nebenwirkung: gestörter Schlaf

Nebenwirkungen von CBD erwähnen die beiden Arbeiten [1,2] nicht. Doch die Substanz ist für zahlreiche unerwünschte Effekte bekannt.

Bei mehr als einer von zehn Personen löst CBD Schläfrigkeit und Benommenheit aus. Das ist eine Nebenwirkung, die man von einem als schlaffördernd beworbenen Mittel erwartet.

Ähnlich häufig scheint CBD allerdings auch das Gegenteil zu bewirken. So kann es zu Schlaflosigkeit, Schlafstörungen und innerer Unruhe kommen [3].

Weitere häufige Nebenwirkungen sind Unwohlsein, Durchfall, Appetitlosigkeit oder Hautausschläge. Auch Infekte sind nach Einnahme von CBD häufiger als sonst [3].

Wirksam bei Nervenerkrankung

Zurzeit (Stand: März 2019) gibt es nur eine Erkrankung, für die reines CBD zur Behandlung zugelassen ist – und zwar in den USA: das Dravet-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine seltene Nervenerkrankung. Betroffene Kinder leiden unter häufigen Krampfanfällen (Epilepsie) und entwickeln Gehirnschäden, die zu geistiger Beeinträchtigung führen. CBD kann bei Betroffenen die Häufigkeit der Anfälle verringern [3].

Das einzige in Österreich zugelassene Medikament aus Hanf enthält eine Mischung von CBD und THC. Ärztinnen und Ärzte können es zur Behandlung von Muskelkrämpfen bei Multipler Sklerose verschreiben [4].

CBD in Österreich nicht zugelassen

Reines CBD ist in der EU – und somit in Österreich – weder als Nahrungsergänzungsmittel noch als Medikament zugelassen [4,5]. Es ist hierzulande nicht erlaubt, CBD mit einer positiven Wirkung auf die Gesundheit zu bewerben. Viele Internetseiten umgehen dieses Verbot jedoch.

Warum in Österreich CBD dennoch im Handel verkauft werden darf? Voraussetzung ist, dass die Konzentration an THC unter 0,3% liegt – und das Präparat somit keine berauschende Wirkung hat [6]. Offiziell verkaufen die meisten Händler CBD als „Aromaprodukt zur Raumbeduftung“. Empfehlungen zu Einnahme und Dosierung dürfen sie nicht machen [7].

Wer CBD-Produkte konsumiert, nimmt möglicherweise auch geringe Mengen an enthaltenem THC auf. Das kann zum Problem bei Verkehrskontrollen werden. Laut österreichischem Gesetz gilt für Autofahrerinnen und -fahrer ein striktes Verbot von THC im Blut – selbst für Mengen, die so gering sind, dass sie keine berauschende Wirkung haben [8].

 

Die Studien im Detail

Ob CBD bei Schlafstörungen hilft, können nur randomisiert-kontrollierte Studien sicher beantworten. In solchen Studien werden betroffene Testpersonen per Zufall (randomisiert) einer von zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe erhält ein Präparat mit CBD, die zweite ein Scheinpräparat (Placebo) ohne den Wirkstoff. Idealerweise wissen dabei weder die Forscherinnen und Forscher noch die Testpersonen, wer welcher Gruppe zugeteilt ist.

Bei unserer umfangreichen Suche in drei wissenschaftlichen Datenbanken konnten wir nur zwei randomisiert-kontrollierte Studien mit sehr wenigen Teilnehmenden finden. Aufgrund zahlreicher Mängel sind sie nicht aussagekräftig.

Die ältere Studie aus dem Jahr 1981 untersuchte 15 Personen, die von nicht näher beschriebenen Schlafproblemen berichteten [2]. Ob die Teilnehmenden mit CBD früher einschliefen und ihr Schlaf tiefer war, hat das Forschungsteam nicht nachvollziehbar gemessen. Stattdessen hat es die Testpersonen lediglich nach deren subjektiver Einschätzung gefragt. Die Ergebnisse sind widersprüchlich und lassen sich nicht überprüfen.

Die neuere Studie aus dem Jahr 2018 untersuchte die Auswirkung von CBD auf den normalen Schlaf [1]. Schlafstörungen waren jedoch nicht Thema, die 27 teilnehmenden Personen aus Brasilien hatten keine Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen.

Unterschiede in der Schlafwirkung zwischen CBD und Scheinpräparat konnte die Forschungsgruppe in ihrer Studie nicht entdecken. Aufgrund grober Mängel in der Studiendurchführung und der geringen Zahl an Testpersonen sind die Ergebnisse nicht aussagekräftig.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Harlfinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Linares u.a. (2018)
Studienart: randomisiert-kontrollierte Crossover-Studie
Teilnehmende: 27 gesunde Personen ohne Schlafstörungen
Untersuchungszeitraum: je eine Nacht pro Bedingung im Abstand von zwei Wochen
Fragestellung: Beeinflusst CBD den Schlaf bei gesunden Personen mehr als ein Placebo?
Interessenskonflikte: Die untersuchten CBD-Präparate wurden von einer Herstellerfirma gesponsert

Linares IMP, Guimaraes FS, Eckeli A, Crippa ACS, Zuardi AW, Souza JDS, Hallak JE, Crippa JAS. No Acute Effects of Cannabidiol on the Sleep-Wake Cycle of Healthy Subjects: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Crossover Study. Front Pharmacol. 2018 Apr 5;9:315. (Studie in voller Länge)

[2] Carlini u.a. (1981)
Studienart: randomisiert-kontrollierte Crossover-Studie
Teilnehmende: 15 Personen mit selbstberichteten Schlafstörungen
Untersuchungszeitraum: 5 Nächte im Abstand von je einer Woche: je eine Nacht pro Behandlung (1x Placebo, 1x Nitrazepam, 3x CBD in unterschiedlichen Dosierungen)
Fragestellung: Beeinflusst CBD in drei unterschiedlichen Dosierungen den Schlaf bei Personen mehr als Placebo oder Nitrazepam?
Interessenskonflikte: Angaben fehlen

Carlini EA, Cunha JM. Hypnotic and antiepileptic effects of cannabidiol. J Clin Pharmacol. 1981 Aug-Sep;21(S1):417S-427S. (Zusammenfassung der Studie)

Weitere Quellen

[3] UpToDate (2019)
Nascimento FA, Andrade DM. Dravet syndrome: Management and prognosis. In Dashe JF (ed.). UpToDate. Abgerufen am 19.3.2019 unter www.uptodate.com

[4] AGES (2018)
Fragen zu Hanf. Zuletzt geändert: 13.12.2018. Abgerufen am 20.3.2019 unter www.ages.at

[5] EMA
European Medicines Agency. Suche in der Datenbank am 20.3.2019 unter www.ema.europa.eu

[6] Österreichisches Gesundheitsministerium (2018)
BMASGK-22710/0006-IX/17/2018. CBD-und Hanfprodukte -anzuwendende Bestimmungen und rechtliche Beurteilung. Abgerufen am 20.3.2019 unter www.verbrauchergesundheit.gv.at

[7] Addendum.org (2018)
Verkaufsverbot für CBD: Verunsicherung per Erlass. 17.12. 2018. Abgerufen am 20. 3. 2019 unter www.addendum.org

[8] ORF.at (2018)
CBD: Kaum erforscht, nicht reguliert. 18.8.2018. Abgerufen am 20. 3. 32019 unter help.orf.at