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Mit Blushwood-Beeren gegen Hautkrebs?

Im Regenwald Australiens wächst die Blushwood-Beere. Ein Krebs-Killer?

Im Regenwald Australiens wächst die Blushwood-Beere. Ein Krebs-Killer?

Australische Beeren gegen Krebs – eine tolle Schlagzeile. Ob ein bestimmter Inhaltsstoff aus den Blushwood-Beeren Menschen tatsächlich gegen Hautkrebs hilft, wird allerdings derzeit erst getestet.

Frage:Helfen Blushwood-Beeren gegen Hautkrebs?
Antwort:wissenschaftliche Belege fehlen
Erklärung:Ein Wirkstoff (EBC-46, Tigilanoltiglat), der aus Blushwood-Beeren isoliert wurde, wird derzeit untersucht. Ergebnisse einer ersten Studie mit Menschen, die Krebs haben, sind noch nicht veröffentlicht. Untersuchungen zu einer Anti-Krebs-Wirkung von anderen Extrakten aus den Beeren, die eingenommen werden, haben wir nicht identifizieren können.

Krebs ist immer für eine Schlagzeile gut. Und wenn es dabei um ein neues „Wundermittel“ geht, das noch dazu aus Pflanzen stammt, scheinen hohe Klickraten im Internet garantiert.

Beere gegen Hautkrebs

Vor einiger Zeit haben Medien über die australische Blushwood-Beere berichtet. Sie soll Hautkrebszellen innerhalb weniger Minuten abtöten. Der Strauch, von dem die Blushwood-Beeren stammen (botanischer Name: Fontainea picrosperma), kommt lediglich im nordöstlichen Teil des australischen Bundesstaates Queensland vor.

Die Beeren lassen sich als Extrakt in Form von Kapseln oder losem Pulver in Internet-Shops bestellen. Ein Leser wollte von uns wissen, was davon zu halten ist.

Experimente mit Blushwood an Zellen und Mäusen

Die Berichterstattung in den Medien bezieht sich auf einen aus der Blushwood-Beere isolierten Wirkstoff namens EBC-46. Damit wurden im Labor Versuche an einzelnen Krebszellen durchgeführt, die nach der Behandlung mit EBC-46 relativ schnell abstarben.

Zum anderen wurde über Tierversuche an Labormäusen berichtet. Dafür hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Versuchstieren künstlich Hautkrebs erzeugt. Anschließend bekamen die Tiere EBC-46 in die betreffenden Hautstellen gespritzt. Daraufhin büßten die Tumorzellen bereits einige Stunden später einen Großteil ihrer Lebensfähigkeit ein.

Die Erklärung dahinter: Der Wirkstoff hemmt ein Enzym, das in Krebszellen eine wichtige Rolle bei der Zellteilung und der Blutversorgung des Tumors spielt [2].

Keine veröffentlichten Daten zu Hautkrebs-Studie

So vielversprechend diese Ergebnisse auch scheinen: Aus Zell- und Tierversuchen allein lassen sich keine verlässlichen Schlussfolgerungen für die Wirksamkeit am Menschen ableiten. Wir haben deshalb weiter recherchiert, ob EBC-46 auch an menschlichen Patientinnen und Patienten mit Hautkrebs untersucht wurde. Bei der Recherche in drei großen Datenbanken haben wir jedoch keine solchen Untersuchungen finden können, lediglich weitere Versuche an Tieren und Zellen.

Bei der Suche in einem australischen Studienregister sind wir aber in Ansätzen fündig geworden. EBC-46 wird inzwischen unter dem Namen Tigilanoltiglat als Wirkstoff an Menschen mit Krebs getestet und dabei wie in den Tierversuchen in die von Krebs befallenen Stellen gespritzt. Allerdings gibt es bisher lediglich eine einzige Untersuchung an 22 menschlichen Probandinnen und Probanden, und die Ergebnisse der Studie sind noch nicht veröffentlicht [1].

Blushwood-Forschung ganz am Anfang

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es deshalb nicht abzuschätzen, ob mit EBC-46 bzw. Tigilanoltiglat tatsächlich ein wirksames Mittel gegen Hautkrebs gefunden wurde und wie gut es verträglich ist – dafür ist es noch viel zu früh.

Sehr wahrscheinlich lassen sich die Ergebnisse, die mit diesem gespritzten Wirkstoff bisher erzielt wurden, nicht auf ganze Blushwood-Beeren oder andere Extrakte aus dieser Pflanze übertragen. Diese sind anders zusammengesetzt und werden als Kapsel oder Pulver geschluckt.

Hautkrebs

Hinter dem Begriff „Hautkrebs“ verbergen sich verschiedene Krebserkrankungen. Am häufigsten ist der „weiße Hautkrebs“, zu dem das Basalzellkarzinom und das Stachelzellkarzinom zählen [3].

In Mitteleuropa erkranken jährlich etwa 60 von 100.000 Personen an einem Basalzellkarzinom [4], etwa 25 bis 30 von 100.000 Personen an einem Stachelzellkarzinom (Plattenepithelkrebs) [5]. Stellen mit weißem Hautkrebs lassen sich oft vollständig operativ entfernen, und die Tumorzellen streuen nur selten in andere Körperregionen [3].

Seltener sind der „schwarze Hautkrebs“ (malignes Melanom) und andere Hautkrebsarten. In Österreich erkranken jährlich etwa 10 bis 15 von 100.000 Personen neu an schwarzem Hautkrebs, zwei bis drei von 100.000 Personen sterben jedes Jahr daran [6]. Einige Arten von Melanomen wachsen langsam und lassen sich gut operativ entfernen, andere dagegen streuen schnell in andere Körperregionen. Bei einem fortgeschrittenen Melanom werden oft Bestrahlungen und/oder eine Chemotherapie bzw. eine Behandlung mit anderen Medikamenten erforderlich [7].

Für alle Hautkrebsarten ist die Belastung mit UV-Strahlung, etwa durch lange Sonnenbäder, ein wichtiger Risikofaktor. Hinzu kommen das Alter, teilweise auch genetische und andere Faktoren [3,7].

 

Die Studien im Detail

Bei unserer Recherche haben wir lediglich einen Eintrag in einem Studienregister gefunden, wonach eine erste Studie mit dem Wirkstoff Tigilanoltiglat (EBC-46) an Menschen durchgeführt wurde [1].

In die australische Studie wurden 22 Erwachsene eingeschlossen, die unter verschiedenen Formen von Hautkrebs oder bestimmten Krebserkrankungen im Bereich von Kopf und Hals litten. Sie konnten nur an der Studie teilnehmen, wenn eine konventionelle Therapie nicht angeschlagen hatte oder keine Standardtherapie zur Verfügung stand. In der Studie ging es zunächst um die Frage, ob Tigilanoltiglat sicher an Patientinnen und Patienten angewendet werden kann. Der Hersteller berichtet, dass das Mittel relativ gut verträglich gewesen sein soll und Nebenwirkungen sich hauptsächlich in Form von Schwellungen und Schmerzen an der Injektionsstelle zeigten.

Die Ergebnisse der Studie sind bisher jedoch noch nicht wissenschaftlich publiziert. Weiterführende Untersuchungen werden nach Angaben des Herstellers gerade vorbereitet [8]. Nähere Informationen ließen sich dazu jedoch nicht finden.

(AutorIn: I. Hinneburg, Review: J. Harlfinger, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Studienregister
Phase I Dose-Escalation Study to Determine the Safety and Tolerability of an Intratumoural Injection of EBC-46, ACTRN12614000685617. (Abruf am 22.04.2019)

Weitere wissenschaftliche Quellen

[2] Boyle G u.a. (2014) Intra-lesional injection of the novel PKC activator EBC-46 rapidly ablates tumors in mouse models. PLoS One.; 9:e108887
(Zusammenfassung)
(Freier Volltext)

[3] IQWiG (2018)
Weißer Hautkrebs. (Abruf am 22.04.2019)

[4] Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (2017)
Hautkrebs: Basaliom. (Abruf am 22.04.2019)

[5] Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (2017)
Hautkrebs: Plattenepithelkarzinom. (Abruf am 22.04.2019)

[6] Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (2017)
Hautkrebs: Melanom. (Abruf am 22.04.2019)

[7] IQWiG (2018)
Schwarzer Hautkrebs. (Abruf am 22.04.2019)

Weitere Quellen

[8] Qbiotics
QBiotics (o.J.) Human Health – Oncology. (Abruf am 22.04.2019)