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Birkenwasser: kein Beleg für gesundheitlichen Nutzen

Birkenwasser: Hat Tradition, aber auch heilende Wirkung?

Birkenwasser: Hat Tradition, aber auch heilende Wirkung?

Dem Saft der Birke werden einige positive Auswirkungen auf die Gesundheit nachgesagt. Belegt sind die Effekte des Birkenwassers aber keineswegs.

Frage: Hilft Birkenwasser, auch Birkensaft genannt, bei gesundheitlichen Problemen?
Antwort:wissenschaftliche Belege fehlen
Erklärung: Bisher gibt es keine Studien, die diese Frage untersucht haben. Daher fehlen Belege für die Wirksamkeit von Birkenwasser. Auch die Nebenwirkungen sind nicht erforscht.

Seit einiger Zeit reiht sich ein nordischer Food-Trend in die Gruppe der Superfoods ein: Birkenwasser.

Das Getränk, auch Birkensaft genannt, wird nicht nur als kalorienarmer Durstlöscher beworben. Dem hippen Saft werden auch allerlei heilende Kräfte nachgesagt. Beschwerden bei Gicht, Rheuma, Blutarmut und sogar Diabetes sollen durch den Genuss von Birkensaft gelindert werden.

Als Detox-Kur soll Birkenwasser dem Körper beim Entgiften helfen.

Und auch für noch mehr Schönheit sorgt das Getränk angeblich: Nach äußerlicher Anwendung sollen Haarausfall, Hautunreinheiten und Cellulite weniger werden.

Ein Leser wollte wissen, wie es um die aktuelle Studienlage rund um den angeblichen gesundheitlichen Nutzen von Birkenwasser bestellt ist.

Birkenwasser-Wirkung nicht untersucht

Wir haben uns also auf die Suche nach entsprechenden Studien gemacht. Dafür haben wir zahlreiche wissenschaftliche Datenbanken durchsucht. Jedoch ohne Erfolg: Wir konnten keine einzige Studie finden, bei der gesundheitliche Effekte von Birkenwasser Thema waren.

Nur eine einzige Untersuchung konnten wir ausfindig machen – sie wurde an Ratten durchgeführt [b]. Die Experimente geben aber keinen konkreten Hinweis auf den angeblich entzündungshemmenden Effekt von Birkenwasser.

Keine Untersuchungen am Menschen

Doch selbst wenn eine Wirksamkeit an Versuchstieren oder bei Zellen im Reagenzglas nachgewiesen werden hätte können, wäre das noch lange kein Beweis dafür, dass auch der Mensch von Birkenwasser profitiert. Nur durch solide Studien mit menschlichen Probandinnen und Probanden ließe sich die Frage nach dem gesundheitlichen Nutzen von Birkenwasser beantworten.

Das gilt auch für eventuelle unerwünschte Nebenwirkungen, die mit dem Genuss von Birkenwasser verbunden sein könnten. Immerhin wird in manchen Berichten darauf hingewiesen, dass Menschen mit schweren Nierenproblemen dieses nicht konsumieren sollten. Doch weil hochwertige Studien fehlen, lässt sich nicht sagen, ob Birkenwasser für manche Menschen schädlich sein könnte.

Rätselhafte Entgiftung durch Birkensaft?

Genauso wenig belegen Studien einen vermeintlich entgiftenden Effekt von Birkenwasser. Wie bei allen angepriesenen Detox-Kuren fehlt jegliche wissenschaftliche Grundlage. Zudem ist völlig unklar, von welchen Giften der Körper überhaupt befreit werden soll. Über den Detox-Mythos haben wir bereits berichtet.

Zahlreiche Inhaltsstoffe

In den nordischen Ländern ist Birkenwasser schon lange Zeit ein traditionelles Getränk, das vor allem im Frühjahr genossen wird. Um den Pflanzensaft aus Birkenbäumen zu gewinnen, wird die Rinde durch Einschneiden verletzt und dann das Birkenwasser über ein eingesetztes Röhrchen gewonnen. Wird die Ernte des Birkenwassers nicht fachgerecht ausgeführt, kann der Baum dauerhaft geschädigt werden.

Birkenwasser enthält Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe [a,c]. Werbetexte zu Birkensaft legen nahe, dass die angeblich gesundheitsfördernden Effekte durch diese Inhaltsstoffe gegeben sind. Ob dem tatsächlich so ist, ist bisher wissenschaftlich nicht untersucht worden.

Um das Getränk haltbar zu machen, werden mitunter Zitronensäure oder andere Konservierungsstoffe zugesetzt.

 

Die Studien im Detail

Es gibt keine Studien, die die Auswirkung von Birkenwasser auf die Gesundheit des Menschen untersucht haben.

(AutorIn: C. Christof, Review: J. Harlfinger)

 

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[a] Svanberg u.a. (2012)
Svanberg et al: Uses of tree saps in northern and eastern parts of Europe. Acta Societatis Botanicorum Poloniae, 2012, 81, 343–357.

[b] Klinger u.a. (1989)
Klinger et al: Birch sap and birch leaves extract: screening for antimicrobial, phagocytosis-influencing, antiphlogistic and antipyretic activity. Pharmazie, 1989, 44(8), 558-60.

[c] Ahtonen & Kallio (1989)
Ahtonen & Kallio: Identification and seasonal variation of amino acids in birch sap used for syrup production. Food Chemistry, 1989, 33(2), 125–132.