Bioscan, Vieva Vital Analyser & Co: zur Diagnose nutzlos

AutorIn: Bernd Kerschner
Review:

Julia Harlfinger, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 30. April 2020
So ähnlich sehen auch die Geräte von Bioscan und Vieva Vital Analyser aus.
Die Geräte „Bioscan“ oder „Vieva Vital Analyser“ können angeblich Vitamin-Mängel und Gesundheitsprobleme feststellen. Ganz ohne Blutabnahme. Ein Experiment widerlegt diese Behauptung klar.
Frage:
Kann ein „Bioscan“-Gerät oder der „Vieva Vital Analyser“ Mängel von Mineralstoffen und Vitaminen messen oder Gesundheitsprobleme feststellen?
nein
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Ein Experiment zeigt, dass die Geräte nicht zwischen gesunden, schwer erkrankten und verstorbenen Personen unterscheiden können. Nicht einmal der Unterschied zwischen einem Menschen, einem Leberkäse und einem feuchten Putzlappen wurde erkannt. Ähnliche Geräte anderer Herstellerfirmen wurden bisher nicht in Studien untersucht. Die behauptete Wirkungsweise hinter der Messmethode ist jedoch wissenschaftlich nicht plausibel.

Wie gehen wir vor?

Metastudien
Langzeitstudien
Fallstudien

Die Gesundheit scannen, und das in wenigen Augenblicken. Das geht – angeblich – mit Geräten namens „Bioscan“ und „Vieva Vital Analyser“. Sie bestehen aus einem metallischen Stab, der über ein Kabel mit einem kleinen Kästchen verbunden ist.

Man hält den Stab rund zwei Minuten lang in der Hand, und schon spuckt der an das Kästchen angeschlossene Computer eine Liste mit über 200 medizinisch anmutenden Zahlenwerten aus. Beeindruckend, oder?

Angeblich lassen sich so Vitamin- und Mineralstoff-Mängel und diverse Blutwerte erfassen. Es werden sogar Maßzahlen angezeigt, die den vermeintlichen Gesundheitszustand vieler Organe anzeigen.

Was steckt hinter den Zahlen?

Sollte die Methode funktionieren, wären Sitzungen mit Bioscan und Vieva Vital Analyser verlockende Alternativen zu Blutuntersuchungen, aufwändigen medizinischen Testungen und tagelangem Warten auf Laborergebnisse.

Die aufgelisteten Zahlen machen uns jedoch skeptisch: Was hier genau gemessen wird, ist mangels Maßeinheiten nicht nachvollziehbar. Handelt es sich um Konzentrationen im Blut, den elektrischen Hautwiderstand oder gar elektromagnetische Frequenzen? Lassen sich Gesundheitsprobleme mit den Geräten Bioscan und Vieva Vital Analyser so zuverlässig erkennen wie mit anerkannten medizinischen Tests?

Messwerte ohne Wert

Zwei deutsche Wissenschaftler und Ärzte haben das in einem kleinen Experiment [1] überprüft. Die Ergebnisse sind haarsträubend.

Einem schwerkranken Krebspatienten bescheinigte der Vieva Vital Analyser eine gute Gesundheit. Bei einem Mann waren zwei von drei Prostata-Messwerten im grünen Bereich – trotz Prostataentfernung. Bei einer Leiche entsprachen 200 Messwerte denen eines gesunden Menschen.

Die Forscher ließen den Bioscan und Vieva Vital Analyser auch sechs gesunde Personen analysieren. Nach jeder Person setzten sie den Geräten zusätzlich einen feuchten Putzlappen und eine rohe Leberkäse-Masse vor. Doch egal ob Mensch, Lappen oder Leberkäse – in keinem Fall unterschieden sich die Ergebnisse wesentlich voneinander!

Diese Ergebnisse zeigen, dass diese und vergleichbare Geräte anderer Hersteller offensichtlich komplett ungeeignet sind, um einen Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen zu diagnostizieren. Auch andere Gesundheitsprobleme können sie nicht feststellen.

Ähnliche Geräte ohne Nutzen

Bioscan und Vieva Vital Analyser sind nicht die einzigen derartigen Geräte, die vorgeben, Mängel und Gesundheitsprobleme messen zu können. Unter folgenden Bezeichnungen finden sich weitere Produkte mit vergleichbarem Handsensor und ähnlicher Auswertung angeblicher Messwerte (möglicherweise ist unsere Liste unvollständig):

  • Quantum Resonance Magnetic Analyser
  • GEMRA
  • Bio Quantum Analyse System
  • Quantum Resonance Magnetic Analyzer

Trotz intensiver Suche in medizinischen Forschungsdatenbanken konnten wir für diese Geräte keine Studien finden, in denen die Verlässlichkeit der Messungen überprüft wurde. Ohne solche Studien gibt es keinen Grund anzunehmen, dass diese Produkte halten, was sie versprechen. Dazu wäre ein Vergleich mit anerkannten Messmethoden nötig.

Ohne wissenschaftliche Nachweise

Die Bioscan-Herstellerfirma behauptet, dass hinter ihrer Technik wissenschaftliche Erkenntnisse aus Physik, Chemie und Elektrotechnik stehen. So soll der Bioscan mithilfe „elektromagnetischer Skalarwellen“ das „magnetische Feld von Körperzellen“ messen. Der Haken daran: derartige Wellen sind in der Physik nicht bekannt. Ebenso unplausibel sind Behauptungen für vergleichbare Produkte.

Für die Unternehmen hinter Bioscan und Vieva Vital Analyser scheint das kein Problem zu sein. Auf ihren Webseiten [2,3] weisen sie darauf hin, dass die Funktionsweise ihrer Geräte wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist.

Angeboten in Apotheken

Analysen mit dem Bioscan oder Vieva Vital Analyser werden sogar in manchen Apotheken angeboten – natürlich kostenpflichtig [5,6]. Inkludiert ist häufig ein anschließendes Beratungsgespräch.

Einem Rechercheteam des Bayrischen Rundfunks zufolge [6] werden in diesen Beratungsgesprächen unter anderem teure Nahrungsergänzungsmittel empfohlen. Diese sollen die in der Analyse „festgestellten“ Mängel praktischerweise gleich wieder ausbalancieren.

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Die Studien im Detail

Für ihre Experimentalstudie [1] testeten zwei deutsche Wissenschaftler sechs Personen mit dem Vieva Vital Analyser und fünf Personen mittels Bioscan. Vor den Messungen gaben sie persönliche Informationen der Probandinnen und Probanden in die Mess-Software ein: Name, Geschlecht, Alter, Gewicht und Körpergröße.

Leberkäse und Putzlappen

Nach den Messungen an den Personen erfolgen mit denselben Anfangsdaten jeweils eine Messung an einer rohen Leberkäsemasse und einem feuchten Putzlappen. Blieben die persönlichen Informationen gleich, waren auch die Ergebniswerte auffällig ähnlich. Die Abweichung der Werte zwischen den Messungen betrug jeweils kaum mehr als 2 Prozent – egal, ob sie an einer Person oder mit Leberkäse und Putzlappen durchgeführt wurden [1].

In einem weiteren Versuch führten die Autoren am selben Leberkäse sechs aufeinanderfolgende Messungen mit dem Vieva Vital Analyser durch. Vor jeder Messung änderten sie jedoch die „persönlichen Informationen“. So täuschten sie verschiedene Probandinnen und Probanden vor. Die Ergebnisse der sechs Messungen wichen stark voneinander ab – obwohl immer derselbe Leberkäse gemessen wurde.

Es scheint also, als ob die Messwerte der beiden Geräte hauptsächlich durch die vor den Messungen eingegebenen Personendaten beeinflusst werden. Die Messungen selbst dürften so gut wie nicht ins Gewicht fallen.

Kurios bis gefährlich

Einem schwerkranken Leukämie-Patienten, der gleichzeitig auch Diabetes, eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung und einen chronischen Leberschaden hatte, bescheinigte der Vieva Vital Analyser unauffällige Werte von Bauchspeicheldrüse, Leber und Zuckerstoffwechsel.

Ein Patient, dem aufgrund einer Krebserkrankung die Prostata entfernt worden war, diagnostizierte das Gerät eine Prostataentzündung. Die Werte zu Prostatavergrößerung und Prostataverkalkung waren, laut Gerät, unauffällig.

Bei der Vieva-Vital-Messung einer seit Monaten für anatomische Zwecke präparierten Leiche wiesen die Ergebnisse auf etliche Mangelerscheinungen hin. Gleichzeitig waren 200 Parameter im vermeintlichen Normbereich.

Hohe Aussagekraft

Trotz der geringen Anzahl an Teilnehmenden stufen wir die Studie als aussagekräftig ein. Selbst wenn 1000 Probandinnen und Probanden an der Studie teilgenommen hätten und sich nur bei fünf bis sechs Personen derart unzuverlässige Messwerte gezeigt hätten, wäre ein solches Gerät für Diagnosen wertlos.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Dorsch & Kolt (2019)
Einfache Testverfahren zur Überprüfung der Aussagekraft von Bioresonanz-basierten medizinischen Befunden—der Leberkäse-Test. Allergo Journal, 28(4), 22-30. (Zusammenfassung des Artikels)

[2] Bioscanswa.info
Abgerufen am 19.3.2020 unter https://bioscanswa.info

[3] Bioscan.at
Abgerufen am 19.3. 2020 unter https://www.bioscan.at/

[4] Vitaltuning.com
Abgerufen am 23. 3. 2020 unter https://vitaltuning.com/vieva/

[5] Ärztekammer Steiermark
Skalar-Physik misst Geisteskraft. Oder auch nicht. Ärztekammer Steiermark. Abgerufen am 23. 3. 2020 unter www.aekstmk.or.at

[6] Bayrischer Rundfunk (2018)
Bioresonanz – Fragwürdige Messungen für den Verbraucher. Kontrovers. Beitrag vom 24. 10. 2018. Abgerufen am 23. 3. 2020 unter youtube.com