Bioscan, Vieva Vital Analyser & Co: nutzlose Bioresonanz-Geräte

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Julia Harlfinger, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 22. August 2022
So ähnlich sehen auch die Geräte von Bioscan und Vieva Vital Analyser aus.
Die Bioresonanz-Geräte „Bioscan“ und „Vieva Vital Analyser“ können angeblich Gesundheitsprobleme und Mängel feststellen – ohne Blutabnahme. Das ist wissenschaftlich widerlegt.
Frage:
Kann ein Bioresonanz-Gerät wie „Bioscan“ oder „Vieva Vital Analyser“ einen Mangel an Mineralstoffen und Vitaminen messen oder Gesundheitsprobleme feststellen?
nein
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Ein Experiment zeigt, dass die Geräte nicht zwischen Gesunden, schwer Erkrankten und einer Leiche unterscheiden können. Auch die behauptete Wirkungsweise hinter der Messmethode ist wissenschaftlich nicht plausibel. Ein deutsches Gericht hat die Hersteller des Bioscan-Geräts (nicht rechtskräftig) wegen Betrugs verurteilt.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)

Den Gesundheitszustand in wenigen Augenblicken scannen – das soll mit Bioresonanz-Geräten wie „Bioscan“ oder „Vieva Vital Analyser“ möglich sein. Sie bestehen aus einem Metall-beschichteten Stab, der über ein Kabel mit einem kleinen Kästchen verbunden ist.

Rund zwei Minuten soll die untersuchte Person diesen Stab in der Hand halten, und schon spuckt der am Kästchen angeschlossene Computer eine Liste mit über 200 Zahlenwerten aus. Was genau hier gemessen wird, ist allerdings nicht nachvollziehbar. Es ist unklar, ob es sich bei den Testergebnissen um Mengenangaben oder andere physikalische Größen handelt, denn Maßeinheiten fehlen.

Was steckt hinter den Zahlen?

Dennoch behaupten Anbieter, solche Bioresonanz-Geräte könnten einen Vitamin- und Mineralstoff-Mangel feststellen und diverse Blutwerte erfassen. Sie sollen sogar Maßzahlen liefern, die den vermeintlichen Gesundheitszustand vieler Organe anzeigen.

Sollte die Methode tatsächlich funktionieren, wären Sitzungen mit Bioscan und Vieva Vital Analyser verlockende Alternativen zu Blutuntersuchungen, aufwändigen medizinischen Testungen und tagelangem Warten auf Laborergebnisse. Doch was wird hier eigentlich gemessen? Und können Bioresonanz-Geräte wie Bioscan und Vieva Vital Analyser Gesundheitsprobleme so zuverlässig erkennen wie mit anerkannten medizinischen Tests?

Messwerte ohne Wert

Zwei deutsche Wissenschaftler und Ärzte haben das in einem Experiment [1] überprüft. Die Ergebnisse sind haarsträubend.

Einem schwerkranken Krebspatienten bescheinigte der Vieva Vital Analyser eine gute Gesundheit. Bei einem Mann waren zwei von drei Prostata-Messwerten im grünen Bereich – trotz Prostataentfernung. Bei einer Leiche entsprachen 200 Messwerte denen eines gesunden Menschen.

Die Forscher ließen den Bioscan und Vieva Vital Analyser auch sechs gesunde Personen analysieren. Nach jeder Person setzten sie den Geräten zusätzlich einen feuchten Putzlappen und eine rohe Leberkäse-Masse vor. Doch egal ob Mensch, Lappen oder Leberkäse – in keinem Fall unterschieden sich die Ergebnisse wesentlich voneinander.

Dieses Experiment zeigt deutlich, dass die untersuchten Geräte komplett ungeeignet sind, um einen Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen zu diagnostizieren. Auch andere Gesundheitsprobleme können sie offenbar nicht feststellen.

Verurteilt wegen Betrugs

Ende Mai 2022 kam auch ein deutsches Gericht zu dem Schluss, dass das Bioscan-Gerät die beworbenen Behauptungen nicht erfüllen kann. Es verurteilte zwei Geschäftsführer des dahinterstehenden Unternehmens wegen Betrugs. Das Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig [4].

Ohne wissenschaftliche Nachweise

Die Bioscan-Herstellerfirma behauptet, dass hinter ihrer Technik wissenschaftliche Erkenntnisse aus Physik, Chemie und Elektrotechnik stehen. So soll der Bioscan mithilfe „elektromagnetischer Skalarwellen“ das „magnetische Feld von Körperzellen“ messen. Der Haken daran: Derartige Wellen sind in der Physik nicht bekannt [5]. Ebenso unplausibel sind Behauptungen für vergleichbare Produkte.

Angeboten in Apotheken

Trotz Betrugsurteils gibt es etwa in Österreich nach wie vor Apotheken, die Analysen mit dem Bioscan oder Vieva Vital Analyser anbieten – zu einem Preis von bis zu 60 Euro pro Sitzung (Stand August 2022) [2,3]. Darin inkludiert ist üblicherweise ein anschließendes Beratungsgespräch.

Einem Rechercheteam des Bayrischen Rundfunks zufolge [3] werden in diesen Beratungsgesprächen unter anderem teure Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, die die angeblich festgestellten Mängel ausgleichen sollen.

Ähnliche Bioresonanz-Geräte ohne Nutzen

Bioscan und Vieva Vital Analyser sind nicht die einzigen Bioresonanz-Geräte, die vorgeben, Mängel und Gesundheitsprobleme messen zu können. Unter folgenden Bezeichnungen finden sich weitere Produkte mit vergleichbarem Handsensor und ähnlicher Auswertung angeblicher Messwerte (möglicherweise ist unsere Liste unvollständig):

  • Quantum Resonance Magnetic Analyser
  • GEMRA
  • Bio Quantum Analyse System
  • Quantum Resonance Magnetic Analyzer

Trotz intensiver Suche in medizinischen Forschungsdatenbanken konnten wir für diese Geräte keine Studien finden, in denen die Verlässlichkeit der Messungen überprüft wurde. Ohne solche Studien gibt es keinen Grund anzunehmen, dass diese Produkte halten, was sie versprechen. Dazu wäre ein Vergleich mit anerkannten Messmethoden nötig.

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Die Studien im Detail

Für ihre Experimentalstudie [1] testeten zwei deutsche Wissenschaftler sechs Personen mit dem Vieva Vital Analyser und fünf Personen mittels Bioscan. Vor den Messungen gaben sie persönliche Informationen der Probandinnen und Probanden in die Mess-Software ein: Name, Geschlecht, Alter, Gewicht und Körpergröße.

Leberkäse und Putzlappen

Nach den Messungen an den Personen erfolgten auch Messungen an einer rohen Leberkäsemasse und einem feuchten Putzlappen. Blieben die persönlichen Informationen gleich, waren auch die Ergebniswerte auffällig ähnlich. Die Abweichung der Werte zwischen den Messungen betrug jeweils kaum mehr als 2 Prozent – egal, ob sie an einer Person oder mit Leberkäse und Putzlappen durchgeführt wurden [1].

In einem weiteren Versuch führten die Autoren am selben Leberkäse sechs aufeinanderfolgende Messungen mit dem Vieva Vital Analyser durch. Vor jeder Messung änderten sie jedoch die „persönlichen Informationen“. So täuschten sie verschiedene Probandinnen und Probanden vor. Die Ergebnisse der sechs Messungen wichen stark voneinander ab – obwohl immer derselbe Leberkäse gemessen wurde.

Es scheint also, als ob die Messwerte der beiden Geräte hauptsächlich durch die vor den Messungen eingegebenen Personendaten beeinflusst werden. Die Messungen selbst dürften so gut wie nicht ins Gewicht fallen.

Kurios bis gefährlich

Einem schwerkranken Leukämie-Patienten, der gleichzeitig auch Diabetes, eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung und einen chronischen Leberschaden hatte, bescheinigte der Vieva Vital Analyser unauffällige Werte von Bauchspeicheldrüse, Leber und Zuckerstoffwechsel.

Ein Patient, dem aufgrund einer Krebserkrankung die Prostata entfernt worden war, diagnostizierte das Gerät eine Prostataentzündung. Die Werte zu Prostatavergrößerung und Prostataverkalkung waren, laut Gerät, unauffällig.

Bei der Vieva-Vital-Messung einer seit Monaten für anatomische Zwecke präparierten Leiche wiesen die Ergebnisse auf etliche Mangelerscheinungen hin. Gleichzeitig waren 200 Parameter im vermeintlichen Normbereich.

Hohe Aussagekraft

Trotz der geringen Anzahl an Teilnehmenden stufen wir die Studie als aussagekräftig ein. Selbst wenn 1000 Probandinnen und Probanden an der Studie teilgenommen hätten und sich nur bei fünf bis sechs Personen derart unzuverlässige Messwerte gezeigt hätten, wäre ein solches Gerät zur Diagnostik wertlos.

Versionsgeschichte

  • 22. August 2022: keine neuen Studien gefunden, Hinweis auf Gerichtsurteil ergänzt
  • 30. April 2020: erste Version

Wissenschaftliche Quellen


[1] Dorsch & Kolt (2019)
Einfache Testverfahren zur Überprüfung der Aussagekraft von Bioresonanz-basierten medizinischen Befunden—der Leberkäse-Test. Allergo Journal, 28(4), 22-30. (Studie in voller Länge)

[2] Ärztekammer Steiermark
Skalar-Physik misst Geisteskraft. Oder auch nicht. Ärztekammer Steiermark. Abgerufen am 22. 8. 2022 unter www.aekstmk.or.at

[3] Bayrischer Rundfunk (2018)
Bioresonanz – Fragwürdige Messungen für den Verbraucher. Kontrovers. Beitrag vom 24. 10. 2018. Abgerufen am 22. 8. 2022 unter youtube.com

[4] Anwaltskanzlei Breitkreutz (2022)
Stellungnahme der Kanzlei Dr. Breitkreutz zum Strafverfahren gegen bioscanSWA-Hersteller. Pressemitteilung veröffentlicht am 1. 6. 2022. Abgerufen am 22. 8. 2022 unter https://www.presseportal.de/pm/163430/5237341

[5] Bruhn (2003)
Zur DGEIM-Tagung an der Universität Stuttgart am 25. Oktober 2003. Technische Universität Darmstadt. Abgerufen am 22. 8. 2022 unter https://www2.mathematik.tu-darmstadt.de/~bruhn/DGEIM-Tagung_2003.htm