Avocado- und Sojaöl: Wirksam und sicher bei Arthrose?

AutorIn: Jana Meixner
Review:

Bernd Kerschner, Julia Harlfinger

zuletzt aktualisiert: 6. Juli 2020
Gut für den Gaumen! Gut für Gelenke?
Präparate mit Avocado- und Sojaöl können wahrscheinlich bei Arthrose im Kniegelenk helfen. Für Arthrose im Hüftgelenk dürfte das wohl nicht gelten.
Frage:
Helfen Präparate mit unverseifbaren Bestandteilen von Avocado-und Soja-Ölen (ASU) gegen Einschränkungen und Schmerzen bei Arthrose im Kniegelenk?
wahrscheinlich ein bisschen
Antwort:
Antwort:
Frage:
Helfen Präparate mit unverseifbaren Bestandteilen von Avocado-und Soja-Ölen (ASU) gegen Einschränkungen und Schmerzen bei Arthrose im Hüftgelenk?
wahrscheinlich nicht
Antwort:
Antwort:
Frage:
Ist die Einnahme von Präparaten mit unverseifbaren Bestandteilen von Avocado-und Soja-Ölen (ASU) sicher?
ja
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Es gibt Hinweise auf eine geringfügige Wirksamkeit von Präparaten mit Avocado- und Sojaöl (ASU). Sie können wahrscheinlich Bewegungseinschränkungen und Schmerzen bei Arthrose des Kniegelenks etwas lindern – zumindest kurzfristig. Eine Wirkung bei Arthrose im Hüftgelenk konnte bisher nicht gezeigt werden. Mit Nebenwirkungen ist nicht zu rechnen.

Wie gehen wir vor?

Metastudien
Langzeitstudien
Fallstudien

Im Volksmund auch als Gelenksverschleiß bekannt, kann eine Arthrose durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen den Alltag mitunter stark einschränken. Eine Behandlung, die zur Heilung führt, gibt es derzeit nicht.

Demensprechend sind sowohl die Nachfrage als auch das Angebot an „natürlichen“ Anti-Arthrose-Mitteln groß. Sie stellen eine Linderung der Beschwerden in Aussicht. Doch die wenigsten von diesen Mitteln halten, was sie versprechen.

Zählen dazu auch Präparate mit den unverseifbaren Bestandteilen aus Avocado- und Sojaöl, kurz ASU genannt? Oder können ASU-Präparate tatsächlich bei Arthrose helfen, also Schmerzen und Bewegungseinschränkungen lindern? Wir haben uns auf die Suche nach Antworten gemacht.

Kniegelenke profitierten…

Wir fanden eine aktuelle Übersichtsarbeit [1], die die Ergebnisse von 5 Studien zusammenfasst. Die Teilnehmenden der Studien hatten Arthrose der Knie oder Hüftgelenke.

Das Studienteam berichtet, dass sich bei einem Teil der Probandinnen und Probanden die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen ein wenig besserten – und zwar bei jenen mit einer Knie-Arthrose und nur maximal 6 Monaten Beobachtungszeitraum.

…aber Hüftengelenke nicht.

Im Gegensatz dazu ging es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit einer Hüft-Arthrose nicht besser. Sie wurden bis zu 3 Jahre lang beobachtet. Beide Einschätzungen halten wir für ziemlich gut abgesichert.

Bei einer Arthrose im Knie können Präparate mit Avocado- und Sojaöl also die Beschwerden wahrscheinlich – zumindest kurzfristig – etwas lindern. Für eine Arthrose im Hüftgelenk gilt das offenbar nicht.

Nicht mehr Nebenwirkungen durch ASU

Die Anwendung von ASU ist aus unserer Sicht sicher: Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen (ASU, Placebo) etwa gleich häufig.

Mit Avocado und Soja die Gelenke schmieren?

Die sogenannten unverseifbaren Bestandteile von Avocado- und Sojaöl werden auf Englisch avocado/soybean unsaponifiables oder kurz ASU genannt. Sie sind eine Mischung aus verschiedenen Inhaltsstoffen.

Es gibt die Vermutung, dass sich diese Mixtur positiv auf den Gelenksknorpel auswirken könnte. Die Inhaltsstoffe sollen sie etwa den Abbau von Knorpel hemmen und seine Regeneration fördern [1]. Das macht sie interessant für die Arthroseforschung.

Immerhin ist es der Schwund von Knorpel im Gelenk, der zu der schmerzhaften Gelenksentzündung führt. Eine heilende Behandlung, um den Knorpelabbau komplett zu stoppen oder gar rückgängig zu machen, gibt es bei Arthrose bisher nicht. Aber es gibt Therapien, die die Beschwerden lindern können.

Was hilft wirklich?

Die Fülle an beworbenen Behandlungen gegen Arthrose ist groß. Doch nur für wenige Mittel und Methoden ist nachgewiesen, dass sie das Fortschreiten einer Arthrose verlangsamen und die Beschwerden lindern können. Erwiesen ist der Nutzen von Medikamente gegen Schmerzen und verschiedenen Bewegungstherapien.

Nicht dienlich ist es hingegen, das Gelenk zu schonen. Denn Bewegungsmangel kann den Knorpelabbau beschleunigen. Das gilt auch für Übergewicht. Deswegen kann es bei starkem Übergewicht hilfreich sein, Gewicht zu reduzieren – insbesondere dann, wenn Knie oder Hüfte betroffen sind.

Wissenschaftlich geprüfte Informationen rund um Arthrose und ihre Behandlung finden sich auf der unabhängigen Seite Gesundheitsinformation.de

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Die Studien im Detail

Die Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019 schließt die Ergebnisse von fünf Studien ein [1].

Insgesamt 931 Männer und Frauen im Alter von etwa 63 Jahren nahmen daran teil. Sie hatten Arthrose in den Kniegelenken, Arthrose in den Hüftgelenken oder beides. Die Arbeit ist solide gemacht, deswegen schenken wir den Ergebnissen recht großes Vertrauen. Wir nehmen an, dass sich die aktuelle Einschätzung durch künftige Studien nicht mehr sehr stark verändern wird.

Per Zufall wurden die Probandinnen und Probanden einer von zwei Gruppen zugeteilt: Die eine Gruppe nahm täglich Kapseln mit 300 oder 600 Milligramm ASU ein, die andere Gruppe erhielt genauso oft ein gleich aussehendes Scheinpräparat (Placebo). Am Ende der Studiendauer wurden die Teilnehmenden zu Schmerzen in den betroffenen Gelenken und Einschränkungen in der Beweglichkeit befragt.

Insgesamt gaben die Teilnehmenden aller Studien am Ende geringfügig weniger Beschwerden an. Dieser durchschnittliche Effekt war allerdings sehr klein, sodass ihn die Teilnehmenden wahrscheinlich nicht als merkliche Erleichterung erlebt haben.

Interessant ist die Aufschlüsselung nach betroffenem Gelenk. Dabei zeigte sich: Teilnehmende mit Kniearthrose profitierten wahrscheinlich von der Therapie – und zwar in spürbarem Ausmaß. Jene 2 Studien, die Personen mit Kniearthrose untersuchten, dauerten aber nur 3 und 6 Monate lang.

Anders jene 3 Studien, die Personen mit Hüftarthrose untersuchten: Sie dauerten mit bis zu 3 Jahren deutlich länger als die Knie-Studien. Hier gab es am Ende keinen Unterschied zur Placebo-Gruppe. Die ASU-Präparate lindern Schmerzen und Bewegungseinschränkung unter diesen Bedingungen offenbar nicht.

Nur Kurzzeit-Effekt?

Was könnte diese widersprüchlichen Ergebnisse erklären? Das Forschungsteam der Übersichtsarbeit mutmaßte etwa, Arthrose im Hüftgelenk sei oft schwerwiegender als Arthrose im Kniegelenk. Deshalb könnte es sein, dass ein kleiner Effekt für die Betroffenen nicht spürbar ist – sofern dieser überhaupt eintritt.

Genauso wäre es aber auch denkbar, dass sich durch ASU-Präparate die Beschwerden nur kurzzeitig bessern und der positive Effekt auf lange Sicht wieder verschwindet. Ob die Personen mit Kniearthrose auch nach mehreren Jahren noch von der Einnahme der ASU-Präparate profitiert hätten, ist unklar.

Nicht mehr Nebenwirkungen durch ASU

In allen 5 Studien wurde zudem untersucht, wie häufig unerwünschte Wirkungen auftraten. Teilnehmende, die ein ASU-Präparat einnahmen, berichteten ebenso häufig (oder selten) von Nebenwirkungen wie Teilnehmende der Placebo-Gruppen.

Das Ergebnis halten wir für vertrauenswürdig: Demnach sind Präparate mit ASU sicher.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Simental‐Mendía u.a. (2019)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse
Eingeschlossene Studien: 5 randomisiert kontrollierte Studien
Teilnehmer insgesamt: 931 Patienten mit Arthrose
Fragestellung: Wirkung und Nebenwirkung von Präparaten mit unverseifbaren Bestandteilen aus Avocado- und Soja-Öl (ASU)?
Interessenskonflikte: laut Autorenteam keine

Simental‐Mendía, M., Sánchez‐García, A., Acosta‐Olivo, C. A., Vilchez‐Cavazos, F., Osuna‐Garate, J., Peña‐Martínez, V. M., & Simental‐Mendía, L. E. (2019). Efficacy and safety of avocado‐soybean unsaponifiables for the treatment of hip and knee osteoarthritis: A systematic review and meta‐analysis of randomized placebo‐controlled trials. International Journal of Rheumatic Diseases, 22(9), 1607-1615.
(Studie in voller Länge)