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Arnika: wie gut hilft das Hausmittel zum Einschmieren?

Bergwiese mit blühender Arnika

Bergwiese mit blühender Arnika

Salben und Gels mit Arnika sind beliebte Hausmittel bei Schmerzen in Knochen, Muskeln und Gelenken. Dass sie helfen, ist aber nicht gut abgesichert.

Frage:Lassen sich Schmerzen bei einer Arthrose (Gelenksabnutzung) durch Arnika-Salbe oder Arnika-Gel lindern?
Antwort:möglicherweise Ja
 
Frage:Lassen sich Schmerzen bei einem verstauchten Knöchel durch Arnika-Salbe oder Arnika-Gel lindern?
Antwort:nicht (ausreichend) erforscht
 
Frage:Lässt sich Muskelkater durch Arnika-Salbe oder Arnika-Gel lindern?
Antwort:möglicherweise Nein
Erklärung:Der einzigen Studie zu Arthrose in den Fingern zufolge könnte Arnika-Gel Schmerzen ähnlich gut lindern wie Ibuprofen-Gel. Wie groß die Schmerzlinderung ist, kann die Studie jedoch nicht beantworten. Die einzige Studie zu Verstauchungen ist aufgrund grober Mängel nicht aussagekräftig. Drei kleine Studien deuten darauf hin, dass Arnika gegen Muskelkater wirkungslos ist.

Auf einer Wanderung umgeknickt und den Knöchel verstaucht? Durchs Joggen den Muskel gezerrt? Bei solchen Verletzungen schwören viele Menschen auf Salben oder Gele mit Arnika. Auch bei Gelenksschmerzen sind Arnika-Produkte beliebt.

Die Bergwiesenblume soll gegen Schmerzen, aber auch gegen Entzündungen helfen [6]. Diese Annahme hat eine lange Tradition. Nicht nur Pfarrer Sebastian Kneipp im 19. Jahrhundert war von Arnika überzeugt, die alpine Heilpflanze wurde bereits im Mittelalter gegen verschiedene Beschwerden verwendet.

Wie gut der schmerzlindernde Effekt von Arnika abgesichert ist, lässt sich aus den überlieferten Quellen jedoch nicht herauslesen. Wir wollten es genauer wissen und durchforsteten mehrere wissenschaftliche Datenbanken nach aussagekräftigen Studien.

Gefunden haben wir Studien zu Finger-Arthrose, Verstauchungen und Muskelkater. Die Ergebnisse unserer Recherche stellen Arnika ein eher durchwachsenes Zeugnis aus.

Geschmierte Gelenke mit Haken

Hinweise auf eine gewisse Wirksamkeit haben wir bei der altersbedingten Gelenksabnützung (Arthrose) in den Fingern gefunden – und zwar in einer Studie [1] mit 204 Betroffenen. Wie klein oder groß die schmerzstillende Wirkung von Arnika-Gel zum Auftragen ist, lässt sich daraus aber nicht ableiten. [7].

Kein Vertrauen bei Verstauchungen

Zu verstauchten Knöcheln haben wir eine Studie [2] gefunden, in der ein Arnika-Spray mit einem wirkstofflosen Placebo-Spray verglichen wurde. Wir halten die Studie jedoch nicht für vertrauenswürdig, denn sie ist ziemlich ungenau. Außerdem fehlen wichtige Daten. Wir können daher nicht sagen, ob Arnika bei einer Verstauchung des Knöchels hilft.

Arnika wirkungslos gegen Muskelkater?

Drei kleine Studien testeten die Wirkung von Arnika bei Muskelkater [3-5]. Eine spürbar schmerzlindernde Wirkung zeigte sich in keiner davon. Da die Studien zusammen aber nur 93 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten, ist das kein aussagekräftiges Ergebnis. Wir können daher nicht mit Sicherheit davon ausgehen, dass Arnika-Gele oder -Salben bei Muskelkater wirklich wirkungslos sind.

Allergische Reaktion

Arnika kann allergische Reaktionen auslösen, zum Beispiel Jucken, Hautrötungen und Ausschläge. Auch Entzündungen der eingeschmierten Hautstellen sind möglich. Wie häufig diese Nebenwirkungen auftreten, ist nicht gut erforscht [6].

Bei Schwangeren, stillenden Frauen und Kindern sind die Nebenwirkungen von Arnika gar nicht untersucht. Die europäische Arzneimittelagentur EMA rät daher, dass diese Personengruppen auf Arnika verzichten [6].

Von Arnika zum Einnehmen – beispielsweise in Form von Tee – wird gewarnt. Der Pflanzenextrakt enthält nämlich Giftstoffe.

Aus diesem Grund rät die EMA auch davon ab, Arnika auf offene Wunden aufzutragen [6]. Denn auf diese Weise könnten Giftstoffe in schädlicher Menge in den Körper gelangen.

Was hilft sonst?

Arthrose tritt im Alter häufiger auf als in jungen Jahren – rund 40 Prozent der 60 bis 70-jährigen sind davon betroffen. Ein erhöhtes Risiko für die altersbedingte Gelenksabnutzung haben etwa Menschen, die im Beruf oft knien, hocken oder schwer heben. Auch Sportarten wie Fußball oder Handball, Vererbung sowie starkes Übergewicht erhöhen das Risiko für eine Arthrose.

Auf der unabhängigen Seite Gesundheitsinformation.de finden sich wissenschaftlich gesicherte Informationen zur Arthrose.

Die Seite bietet auch Informationen dazu, was bei einem verstauchten Knöchel hilft, und welche Vorbeugemaßnahmen es gibt.

Salben und Gels mit Arnika sind auch bei etlichen Beschwerden der Muskeln, Gelenke und Knochen beliebt. Zu vielen davon bietet Gesundheitsinformation.de ebenfalls wissenschaftlich geprüfte Informationen.

 

Die Studien im Detail

Wir wollten wissen, ob Gele und Salben mit Arnika bei Schmerzen von Muskeln, Gelenken oder Knochen helfen können. Dabei haben wir alle Beschwerden berücksichtigt, die durch eine Verletzung oder eine Erkrankung bedingt sind. Schmerzen nach Operationen oder künstliche, etwa durch Laser zugefügte Verletzungen haben wir nicht beachtet.

Bei unserer Recherche durchforsteten wir drei wissenschaftliche Datenbanken nach randomisiert-kontrollierten Studien. Diese Studienart ist am aussagekräftigsten, um unsere Fragestellung beurteilen zu können.

Das heißt für die von uns ausgewertete Studien: Eine Gruppe wurde mit Arnika-Gel oder Arnika-Salbe behandelt. Die Kontrollgruppe bekam zwecks Vergleich Gele oder Salben, die entweder gar keinen Wirkstoff oder ein Schmerzmittel enthielten. Die Zuteilung der Teilnehmenden zu den beiden Gruppen erfolgte dabei zufällig (randomisiert).

Gefunden haben wir fünf randomisiert-kontrollierte Studien [1-5].

Fingergelenks-Arthrose

An einer Studie nahmen 204 Personen mit einer Arthrose der Fingergelenke teil [1]. Finanziert wurde die Studie von einem Unternehmen, das Arnika-Produkte herstellt.

Während eine Gruppe ein Gel mit 5% Arnika verwendete, schmierte die Kontrollgruppe mit einem Gel, das 5% Ibuprofen enthielt. Weder das Forschungsteam noch die Teilnehmenden wussten, wer welcher Gruppe zugeteilt war – alle Beteiligten waren „verblindet“.

Vor Beginn der Studie und zu Studienende nach drei Wochen beurteilten die Testpersonen die Stärke ihrer Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 100. In der Arnika-Gruppe sanken die Schmerzen von anfangs 67 auf einen Wert von 40. In der Ibuprofen-Gruppe verringerten sie sich in ähnlichem Ausmaß von 68 auf 44 [1].

Bedeutet dies, dass das Arnika-Mittel so gut wirkt wie das etablierte Schmerzmittel Ibuprofen? Leider lässt sich dies so nicht einfach sagen. Denn der Effekt von Ibuprofen-Gel im Vergleich zu einem Placebo-Gel ist bei Fingergelenks-Arthrose kaum erforscht.

Es lässt sich daher nicht sagen, wie viel allein die Erwartungshaltung zum Rückgang der Schmerzen beigetragen hat. Zudem ist nicht ausschließen, dass sich die Schmerzen auch von alleine etwas gebessert hätten.

Auch wenn die Studie sonst sorgfältig durchgeführt wurde, bleibt somit unklar, wie stark (oder gering) die schmerzlindernde Wirkung des Arnikamittels ist. Darüber hinaus sind 204 Testpersonen zu wenig für wirklich aussagekräftige Ergebnisse.

Knöchelverstauchung

Für eine Studie zu Knöchelverstauchungen teilte ein Forschungsteam 570 betroffene Personen – darunter 46 Kinder und Jugendliche – auf vier Gruppen auf. Für unsere Fragestellung sind jedoch nur zwei Gruppen mit insgesamt 114 Teilnehmenden relevant: Die Arnika-Gruppe verwendete einen Arnika-Spray (10%), die Kontrollgruppe einen Placebo-Spray.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Arnika die Schmerzen zumindest rechnerisch besser lindert als das Placebomittel. Nach drei bzw. vier Tagen hatten sich die Schmerzen im Durchschnitt um 10 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100 gebessert. In der Praxis ist dieser Unterschied jedoch zu gering, um für den Einzelnen spürbar zu sein.

Wir halten die Studie und ihre Hinweise auf eine leichte (rechnerische) Verbesserung nicht für vertrauenswürdig, denn sie hat grobe Mängel: Beispielsweise wurden die Ergebnisse von Placebo- und Arnika-Gruppe nicht direkt miteinander verglichen. Somit ist unklar, ob der geringe Unterschied von 10 Punkten nur zufallsbedingt ist oder eine reale Verbesserung annehmen lässt. Zudem waren die Schmerzen in der Placebo-Gruppe bereits vor Beginn der Behandlung deutlich stärker als in der Arnika-Gruppe.

Weiters ist nicht angegeben, bei welchen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Schmerzen am dritten bzw. vierten Tag nach der Verletzung erhoben wurden. Da sich die Schmerzen innerhalb eines Tages deutlich ändern können, kann dieser Unterschied das Ergebnis verzerren. Zusätzlich sind 114 Testpersonen zu wenig für aussagekräftige Ergebnisse.

Finanziert wurde die Studie von einem Hersteller von pflanzlichen Heilmitteln.

Muskelkater

Zum Thema Muskelkater fanden wir drei kleine Studien [3-5] mit insgesamt 93 Teilnehmenden. Sie deuten alle in Richtung Wirkungslosigkeit von Arnika. Allerdings ist die Aussagekraft dieser Studien schon allein durch die geringe Anzahl an Testpersonen eingeschränkt.

Die größte der drei Studien [3] mit 53 Teilnehmenden wurde sorgfältig durchgeführt. Zu Studienbeginn machten alle Testpersonen so viele Fersen-Hebeübungen, dass sie einem Muskelkater in den Beinen bekamen. Jede Person bekam zwei gleichaussehende Tuben – eine für jedes Bein. In einer war eine Arnika-Salbe (0,7%), in der anderen Placebo-Salbe ohne Wirkstoff. Welches Bein mit welcher Salbe eingeschmiert wurde, bestimmte das Los.

Laut Studienteam wirkte die Arnika-Salbe nicht besser gegen Muskelkater als die Placebo-Salbe. Im Gegenteil: An Tag 2 nach den Fersen-Hebeübungen stuften die Teilnehmenden den Muskelkater am mit Arnika behandelten Bein durchschnittlich sogar als etwas stärker ein. Der Unterschied war allerdings so klein, dass er wahrscheinlich für die einzelnen Personen nicht spürbar war. An Tag 3 und 4 gab es keinen Unterschied zwischen beiden Beinen.

In einer kleineren Studien [4] haben 20 Männer teilgenommen. Sie hatten Muskelkater, nachdem sie bergab gelaufen waren. Zehn von ihnen schmierten ihre Beine anschließend mit Arnika-Gel (1%) ein, die anderen 10 mit Placebo-Gel. An keinem der vier Folgetage zeigte sich ein Unterschied zwischen beiden Gruppen. Die Studie wurde sorgfältig durchgeführt.

Die andere Studie [5] untersuchte u.a. zwei Gruppen zu je 10 Teilnehmenden. Sie hatten Muskelkater in den Armen. Eine Gruppe erhielt eine 4%-ige Arnika-Salbe, die andere Placebo-Tabletten. Ein Unterschied zwischen beiden Gruppen zeigte sich nicht.

Abgesehen von der geringen Anzahl der Teilnehmenden hat die Studie weitere Mängel, die die Aussagekraft einschränken. So ist unklar, ob die Gruppen zu Studienbeginn ähnlich zusammengesetzt waren. Für einen fairen Vergleich der Behandlungen ist das jedoch eine wichtige Voraussetzung.

Außerdem waren weder Teilnehmende noch Forschungsteam verblindet. Möglicherweise haben daher Erwartungshaltungen das Ergebnis verzerrt.

(AutorIn: B. Kerschner, Review: J. Harlfinger, C. Christof)

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Ähnliche Artikel

 

 

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Widrig u.a. (2007)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 204 Personen mit Fingergelenks-Arthrose
Behandlungsdauer: 3 Wochen
Fragestellung: Wirkt ein Gel mit 5% Arnika bei Fingergelenksarthrose ähnlich schmerzstillend wie ein Gel mit 5% Ibuprofen?
Interessenskonflikte: Ein Autor arbeitet für die Bioforce AG, welche Arnika-Gel herstellt

Widrig R, Suter A, Saller R, Melzer J. Choosing between NSAID and arnica for topical treatment of hand osteoarthritis in a randomised, double-blind study. Rheumatol Int. 2007 Apr;27(6):585-91. (Studie in voller Länge)

[2] Kučera u.a. (2011)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 570 Personen mit verstauchtem Knöchel (davon 8% Kinder oder Jugendliche), davon 114 beim Vergleich Arnika mit Placebo
Behandlungsdauer: 3 bis 4 Tage
Fragestellung: Wirkt ein Spray mit 10% Arnika bei verstauchtem Knöchel besser als ein Placebo-Spray?
Interessenskonflikte: Studie finanziert durch das Unternehmen Harras Pharma Curarina GmbH

Kučera M, Kolar P, Barna M, Kučera A, Hladiková M. Arnica/Hydroxyethyl salicylate combination spray for ankle distortion: a four-arm randomised double-blind study. Pain Res Treat. 2011;2011:365625. (Studie in voller Länge)

[3] Adkison u.a. (2010)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 53 Personen mit Unterschenkel-Muskelkater nach Fersenhebe-Übungen
Behandlungsdauer: 2 Tage
Fragestellung: Wirkt Arnika besser gegen Muskelkater als Placebo, wenn ein Bein mit 0,7% Arnika-Salbe eingeschmiert wird und das andere mit Placebo-Salbe?
Interessenskonflikte: Keine laut Forschungsteam. Die Herstellerfirma Boiron stellte Arnika- und Placebo-Salbe zur Verfügung, war sonst jedoch nicht involviert.

Adkison JD, Bauer DW, Chang T. The effect of topical arnica on muscle pain. Ann Pharmacother. 2010 Oct;44(10):1579-84. (Zusammenfassung der Studie)

[4] Pumpa u.a. (2014)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 20 trainierte Männer mit Muskelkater nach einem Bergab-Lauf
Behandlungsdauer: 4 Tage
Fragestellung: Wirkt ein Gel mit 1% Arnika besser gegen Muskelkater als ein Placebo-Gel?
Interessenskonflikte: Angabe fehlt. Die Herstellerfirma Brauer Natural Medicine stellte Arnika- und Placebo-Gel zur Verfügung.

Pumpa KL, Fallon KE, Bensoussan A, Papalia S. The effects of topical Arnica on performance, pain and muscle damage after intense eccentric exercise. Eur J Sport Sci. 2014;14(3):294-300. (Zusammenfassung der Studie)

[5] Gulick u.a. (1996)
Studientyp: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 70 untrainierte Erwachsene mit Muskelkater in den Armen, davon 20 beim Vergleich Arnika mit Placebo
Behandlungsdauer: 3 Tage
Fragestellung: Wirkt eine Salbe mit 4% Arnika besser gegen Muskelkater als Placebo-Tabletten?
Interessenskonflikte: Angaben fehlen

Gulick DT, Kimura IF, Sitler M, Paolone A, Kelly JD. Various treatment techniques on signs and symptoms of delayed onset muscle soreness. J Athl Train. 1996 Apr;31(2):145-52. (Studie in voller Länge)

Weitere Quellen

[6] EMA (2014)
European Medicines Agency. Assessment report on Arnica montana L., flos. Abgerufen am 28. 10. 2019 unter www.ema.europa.eu

[7] Dynamed (2018)
DynaMed. Ipswich (MA): EBSCO Information Services. Topical NSAIDs. Aktualisiert am 30. 11. 2018. Abgerufen unter www.dynamed.com (Zugriff kostenpflichtig)