Zink gegen Corona: kein Hinweis auf Wirksamkeit

AutorIn: Bernd Kerschner
Review:

Julia Harlfinger, Jana Meixner

zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2020
Zink-Präparate sind nur bei einem Mangel nötig - doch der ist in Österreich selten.
Bei der Behandlung von Covid-19 scheint Zink nicht zu helfen. Eine vorbeugende Wirkung ist bisher nicht erforscht – trotz so mancher Empfehlungen aus dem Internet.
Frage:
Hilft die Einnahme von Zink bei der Erkrankung Covid-19?
möglicherweise nicht
Antwort:
Antwort:
Frage:
Schützt die Einnahme von Zink vor einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2?
wissenschafliche Beweise fehlen
Antwort:
Antwort:
Erklärung:
Es gibt bisher nur eine bedingt aussagekräftige Studie. Sie deutet an, dass Erkrankte mit Covid-19 nicht von Zink profitieren. Eine vorbeugende Wirkung ist bisher nicht in Studien untersucht worden.

Wie gehen wir vor?

Wirksamkeitsstudie(n)
Beobachtungsstudie(n)
Labor/Tier-Studien(n)

Dieser Beitrag ist Teil unserer Faktencheck-Serie Mythen und Fakten zum Coronavirus

Als Mittel gegen Erkältungen wird häufig die Einnahme von Zink-Präparaten empfohlen. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass Zink die Dauer einer Erkältung zumindest ein wenig verkürzen könnte – auch wenn das nicht gut abgesichert ist. Für einen vorbeugenden Effekt gibt es allerdings keine Hinweise.

Manche hoffen, dass Zink auch gegen das Coronavirus hilft. So finden sich im Internet immer wieder Anregungen, Nahrungsergänzungsmittel mit Zink zur Vorbeugung oder zur Behandlung von Covid-19 einzunehmen. Wir haben recherchiert, ob eine solche Wirkung wissenschaftlich belegt ist.

Ernüchternde Studienergebnisse

Zur Behandlung von Covid-19 wurde bisher nur eine einzige Studie veröffentlicht [1,2], die die Wirksamkeit von Zink nach wissenschaftlich strengen Kriterien überprüft hat. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Einnahme von Zink den Verlauf der Erkrankung nicht verbessert. So dürfte Zink nicht bewirken, dass Spitalspatientinnen und -patienten mit Covid-19 früher nachhause gehen können oder es ihnen rascher wieder besser geht. Auch geben die Studienergebnisse keinen Hinweis darauf, dass Zink Todesfälle verhindert [1,2].

An der Studie nahmen 191 erwachsene Spitalspatientinnen und -patienten mit unterschiedlich schwerem Krankheitsverlauf teil. Die Hälfte von ihnen bekam ein Zink-Präparat, die andere Hälfte stattdessen ein wirkstoffloses Placebo-Präparat. Der Vergleich beider Studiengruppen zeigte keinen Unterschied.

Diese Ergebnisse sind jedoch nicht gut abgesichert. Denn für eine wirklich verlässliche Einschätzung ist die Anzahl der Teilnehmenden noch zu gering. Zudem hat die Studie einige Mängel in der Durchführung.

Dass Zink zur Behandlung von Covid-19 tatsächlich wirkungslos ist, müssen weitere Studien erst bestätigen. Einige Studien laufen derzeit (Stand: Dezember 2020) noch [3]. Diese könnten in Zukunft mehr Klarheit bringen.

Eine vorbeugende Wirkung ist bisher in keiner einzigen Studie erforscht worden. Ob die vorbeugende Einnahme von Zink-Präparaten vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 oder einer Covid-19-Erkrankung schützt, ist somit unklar.

Nicht ohne Nebenwirkung

Besser abgesichert ist, dass Zink-Präparate zum Einnehmen auch Nebenwirkungen haben: Beispielsweise können sie Übelkeit und Verdauungsbeschwerden auslösen. Zudem schmecken sie nicht besonders angenehm [3,4]. Nasensprays mit Zink können möglicherweise zu einem andauernden Geruchsverlust führen [4].

Zink in der Nahrung

Zink ist ein für den Menschen notwendiges Spurenelement und wichtig für viele Vorgänge im Körper. Dazu zählen Immunreaktionen, wobei viele Details noch ungeklärt sind.

Zink muss ständig mit der Nahrung aufgenommen werden, etwa mit Fleisch, Milchprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen – was laut Fachleuten normalerweise auch in ausreichender Menge gelingt. In Österreich ist ein ausgesprochener Zinkmangel selten [5].

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Die Studien im Detail

Die Wirksamkeit von Zink bei Covid-19 lässt sich am besten in randomisiert-kontrollierten Studien überprüfen. Dabei werden an Covid-19 erkrankte Personen per Los einer von zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe nimmt ein Zink-Präparat ein, die andere bekommt stattdessen ein wirkstoffloses Placebo-Präparat.

Idealerweise sollten weder die Studienleitung noch die Teilnehmenden wissen, wer welcher Gruppe angehört. Im Fachjargon wird die Geheimhaltung der Zuteilung „Verblindung“ genannt. So lässt sich ausschließen, dass die Daten durch Erwartungshaltungen verzerrt oder manipuliert werden.

Trotz umfangreicher Suche in drei Forschungsdatenbanken sind wir nur auf Ergebnisse einer einzigen randomisiert-kontrollierten Studie gestoßen [1]. Auch ein auf Studienzusammenfassungen spezialisiertes internationales Forschungsteam [2] fand nur diese eine Studie.

An der Studie nahmen 191 Covid-19-Erkrankte mit leichtem bis schwerem Verlauf teil. In der Zink-Gruppe waren 96 Personen, in der Placebo-Gruppe 95. Zusätzlich zu Zink oder Placebo erhielten alle Teilnehmenden das Mittel Hydroxychloroquin.

Eigentlich wollten die Forscherinnen und Forscher untersuchen, ob Hydroxychloroquin in Kombination mit Zink besser wirkt als Hydroxychloroquin alleine. Fachleute hatten zu Beginn der Corona-Pandemie auf eine mögliche Wirksamkeit von Hydroxychloroquin gehofft. Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass das Mittel bei Covid-19 wirkungslos ist (wir haben darüber bereits berichtet).

Beim Vergleich der Zink-Gruppe mit der Placebo-Gruppe zeigte sich kein Unterschied. So mussten die Patientinnen und Patienten beider Gruppen in etwa 14 Tage lang im Spital bleiben. In beiden Gruppen waren rund 75% der Erkrankten nach einem Monat wieder gesund. Sowohl mit Zink als auch mit Placebo-Behandlung sind je 5 Personen verstorben.

Diese Ergebnisse deuten also an, dass eine Behandlung mit Zink bei Covid-19 keine Hilfe ist. Die Ergebnisse sind allerdings nicht gut abgesichert. Einerseits sind 191 Teilnehmende zu wenig für wirklich aussagekräftige Ergebnisse.

Andererseits weist die Studie einzelne Mängel auf. So ist nicht sicher, ob wirklich alle Beteiligten verblindet waren – ob also bis zum Studienende vor allen geheim gehalten wurde, wer Zink und wer Placebo bekommen hat. Es ist auch nicht sicher, ob die beiden Gruppen wirklich gut vergleichbar waren, denn in der Zink-Gruppe war der Anteil an Personen mit Vorerkrankungen wie zum Beispiel Diabetes höher. Solche Vorerkrankungen erhöhen das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19.

Zukünftig werden vielleicht weitere Studien Ergebnisse veröffentlichen – und damit eine Einschätzung mit mehr Aussagekraft erlauben.

Wissenschaftliche Quellen


[1] Abd-Elsalam (2020)
Studienart: randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 191 Personen mit Covid-19 in unterschiedlichen Schweregraden
Studiendauer: 28 Tage, davon 6 Tage Behandlung
Fragestellung: Ist Zink in Kombination mit Hdydroxychloroquin bei der Behandlung von Covid-19 wirksamer als Hydroxychloroquin alleine?
Interessenskonflikte: keine laut Autorenteam

Abd-Elsalam S, Soliman S, Esmail ES, Khalaf M, Mostafa EF, Medhat MA, Ahmed OA, El Ghafar MSA, Alboraie M, Hassany SM. Do Zinc Supplements Enhance the Clinical Efficacy of Hydroxychloroquine?: a Randomized, Multicenter Trial. Biol Trace Elem Res. 2020 Nov 27:1–5. (Studie in voller Länge)

[2] COVID-NMA Consortium (2020)
Studienart: Laufend aktualisierte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
Analysierte Studien: 1 randomisiert-kontrollierte Studie
Teilnehmende: 191 Spitalspatient/innen mit Covid-19
Untersuchungsdauer: 28 Tage
Fragestellung: Hydroxychloroquin plus Zink verglichen mit Hydroxychloroquin alleine zur Behandlung von Covid-19
Interessenskonflikte: keine laut Autorinnen und Autoren

Abgerufen am 15. 12. 2020. (Zur Analyse in voller Länge)

Juul S, Nielsen N, Bentzer P, Veroniki AA, Thabane L, Linder A, Klingenberg S, Gluud C, Jakobsen JC. Interventions for treatment of COVID-19: a protocol for a living systematic review with network meta-analysis including individual patient data (The LIVING Project). Syst Rev. 2020 May 9;9(1):108. (Protokoll der Übersichtsarbeit)

[3] Hunter (2020)
Studientyp: systematische Übersichtsarbeit & Meta-Analyse
Eingeschlossene Studien: 28 randomisiert-kontrollierte Studien
Teilnehmerinnen und Teilnehmer insgesamt: 3,597 Erwachsene ohne Zink-Mangel
Fragestellung: Helfen Zink-Präparate bei der Behandlung oder Vorbeugung von viralen Atemwegserkrankungen?
Interessenskonflikte: Angaben fehlen

Hunter J, et al. (2020). „Benefits and risks of zinc for adults during covid-19: rapid systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials.“ medRxiv. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[4] Dynamed (2020)
Upper Respiratory Infection (URI) in Adults and Adolescents. Abgerufen am 14. 12. 2020 unter www.dynamed.com (Zugriff kostenpflichtig)

[5] Österreichischer Ernährungsbericht (2017)
Rust P, Hasenegger V, König J. Österreichischer Ernährungsbericht 2017. Department für Ernährungswissenschaften, Universität Wien. (Bericht in voller Länge)