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Xylit gegen Karies: Nutzen größtenteils unklar

Xylit im Kaugummi gegen Karies?

Xylit im Kaugummi gegen Karies?

Regelmäßiges Putzen und wenig Zucker schützt die Zähne vor Löchern. Kann Xylit in Kaugummis oder Zahnpasta Karies zusätzlich vorbeugen?

Frage:Senkt Xylit-haltige Zahnpasta das Karies-Risiko?
Antwort:möglicherweise Ja
 
Frage:Senken andere Xylit-haltige Produkte (z.B. Kaugummis, Süßigkeiten, Mundspülungen) zusätzlich zu einer normalen Zahnpflege das Karies-Risiko?
Antwort:unklar
Erklärung:Zumindest bei Kindern könnte Xylitol in Zahnpasta zusätzlich zu Fluorid das Kariesrisiko verringern. Die Verlässlichkeit ist allerdings eingeschränkt durch die kleine Anzahl der Studien, die nur unter sehr ähnlichen Bedingungen durchgeführt wurden und einige methodische Mängel aufweisen. Studien zu anderen Xylit-haltigen Produkten sind methodisch mangelhaft und kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen

„Zweimal täglich Zähneputzen und regelmäßig zum Zahnarzt“ – das lernen Kinder schon von klein auf. Trotzdem gehört Karies immer noch zu den häufigsten Zahnproblemen: Bei nahezu jedem Erwachsenen und jedem dritten Kind in Österreich finden sich kariesbedingte Schäden an den Zähnen [2]. Schuld daran sind Bakterien, die sich von Kohlenhydraten in Nahrungsresten und Zahnbelägen ernähren. Sie produzieren Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. In der Folge entstehen zuerst weißliche oder bräunliche Flecken auf den Zähnen, später Löcher an der Oberfläche. Schreitet die Karies weiter fort, leiden auch die Zahnnerven oder die Zahnwurzel. Im Extremfall muss der Zahnarzt schließlich den Zahn ziehen [3].

Zahnfreundlich süßen

Neben einer guten Mundhygiene kann die Verwendung von Fluorid, etwa in Zahncremes helfen, den Zahnschmelz zu stärken und so widerstandsfähiger gegen Karies zu machen. In den letzten Jahren wird aber auch vermehrt Xylit als Kariesschutz beworben. Theoretisch ist diese Wirkung auch plausibel: Xylit ist ein Zuckeraustauschstoff. Er schmeckt zwar süß, bietet den Karies-Bakterien aber im Gegensatz zu Haushaltszucker keine Nahrungsgrundlage. Dadurch sinkt die Produktion von Säuren, der Zahnschmelz wird weniger angegriffen. Entsprechend werden Süßigkeiten, die Xylit statt Haushaltszucker enthalten, auch als „zahnfreundlich“ beworben [4].

Anti-Karies-Effekt

Darüber hinaus soll Xylit aber auch noch einen direkten „Anti-Karies-Effekt“ haben, da es das Wachstum von Kariesbakterien hemmt. Deshalb wird Xylit nicht nur als Ersatz für Zucker, sondern auch als zusätzliches Mittel gegen Karies vermarktet. Weltweit wird Xylit Zahncremes zugesetzt oder in separaten Mitteln für die Mundhygiene wie Lutschtabletten; Kaugummis oder Zahnputztüchern vertrieben. Bei einigen Produkten kann sich noch ein weiterer Effekt bemerkbar machen: Wer etwa Lutschtabletten eine Weile im Mund behält oder Kaugummi kaut, produziert mehr Speichel, der die Zähne reinigt und die schädliche Wirkung der Säuren teilweise neutralisieren kann [1].

Das Risiko für Karies ist von Mensch zu Mensch jedoch sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren ab. Wesentlich ist deshalb die Frage, ob Xylit nicht nur theoretisch, sondern auch im praktischen Einsatz zusätzlich zu einer normalen Zahnpflege dazu führt, dass weniger Karies entsteht.

Schlechte Studienlage

Eine systematische Übersichtsarbeit [1], die Studien zur langfristigen Anwendung von Xylit-haltigen Produkten bei Kindern und Erwachsenen zusammengefasst hat, kam zu einem sehr ernüchternden Ergebnis: Viele Studien weisen mehr oder weniger starke methodische Mängel auf, was die Aussagekraft einschränkt. Die Daten müssen deshalb mit Vorsicht interpretiert werden.

Eine Zusammenfassung von Studien war nur für den Zusatz von Xylit zu Fluorid-haltigen Zahncremes und der Anwendung bei Kindern mit bleibenden Zähnen möglich. Bei ihnen sank das Kariesrisiko um 13 Prozent, wenn sie die Zahncreme über einen Zeitraum von etwa drei Jahren anwendeten. Bei allen anderen Xylit-haltigen Produkten kamen Studien entweder zu widersprüchlichen Ergebnissen oder die Methodik der Studien war so schlecht, dass die Ergebnisse nicht vertrauenswürdig sind.

Nebenwirkungen dosisabhängig

Immerhin ließ sich aber feststellen, dass bei der Mehrzahl der Studien keine wesentlichen Nebenwirkungen zu verzeichnen waren. Je nach individueller Verträglichkeit und verzehrter Xylit-Menge kann es jedoch zu Blähungen und Durchfall kommen.

 

Die Studien im Detail

Die systematische Übersichtsarbeit [1] fasst Studien zusammen, in denen Kinder oder Erwachsene mindestens ein Jahr lang ein Xylit-haltiges Produkt anwendeten und das Fortschreiten von Karies beobachtet wurde. Solche Produkte waren etwa Lutschtabletten, Bonbons, Zahnpasta, Sirup oder Zahnputztücher. Die methodische Qualität der Übersichtsarbeit ist zwar gut und birgt nur ein geringes Potential für systematische Verzerrungen. Allerdings lässt die methodische Qualität der meisten eingeschlossenen Studien sehr zu wünschen übrig. Die Forscher beurteilen die Verlässlichkeit der Aussagen deshalb als niedrig, in vielen Fällen sogar als sehr niedrig.

Für die Zusammenfassung zur Anwendung von Xylit-haltiger Zahnpasta konnten die Autoren nur zwei Studien berücksichtigen, die von der gleichen Forschergruppe stammen und mit ähnlichen Studienteilnehmern (Kindern in einer bestimmten Region in Costa Rica) durchgeführt wurden. Ob die Ergebnisse verallgemeinerbar sind, ist deshalb fraglich. Bei allen anderen Anwendungsarten von Xylit waren die gefundenen Studien so unterschiedlich, dass eine Zusammenfassung nicht sinnvoll erschien. Für die beliebteste Anwendung von Xylit in Zahnpflege-Kaugummis konnten die Autoren der Übersichtsarbeit keine Studie finden, die ihren Qualitätsansprüchen genügte. Die meisten der berücksichtigten Studien untersuchten Kinder, nur eine die Anwendung von Xylit bei Erwachsenen.

(AutorIn: I. Hinneburg, Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Riley u.a. (2015)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit/Meta-Analyse
Studien/Teilnehmer: insgesamt:10 Studien, die Daten von 5903 Teilnehmern auswerten
Fragestellung: Verringern Xylit-haltige Produkte (Lutschtabletten, Süßigkeiten, Zahnpasta, Sirup, Zahnputztücher) das Kariesrisiko bei Erwachsenen und Kindern, wenn sie mindestens ein Jahr lang angewendet werden?
Interessenskonflikte: Autoren erhalten institutionelle und finanzielle Unterstützung durch Universitäten, staatliche Forschungsförderung und die Cochrane Oral Health Group, die durch verschiedene zahnärztliche Fachgesellschaften finanziert wird; Die Autoren geben an, dass keine finanzielle oder anderweitige Verbindung zu Personen, Firmen oder Gesellschaften besteht, die durch die Ergebnisse des Reviews begünstigt würden (also z.B. Pharmafirmen oder Hersteller von Xylit-haltigen Produkten).

Riley P, Moore D, Ahmed F, O’Sharif M, Worthington H. Xylitol-containing products for preventing dental caries in children and adults. Cochrane Database of Systematic Reviews (2015), CD010743.pub2. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

Weitere Quellen

[2] Gesundheit.gv.at (2014)
Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs. Karies: Was ist das? Aufgerufen am 21. 10. 2015 unter https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/karies1.html

[3] IQWIG (2014)
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Karies. Aufgerufen am 21. 10. 2015 unter https://www.gesundheitsinformation.de/karies.2588.de.html

[4] Robert-Koch-Institut. (2009)
Themenheft Mundgesundheit (2009). Aufgerufen am 21. 10. 2015 unter http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/mundgesundheit.html