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Wünschelruten: Angst vor Wasseradern & Co unbegründet

Was kann die Wünschelrute?

Was kann die Wünschelrute?

Wünschelrutengeher sollen gesundheitsschädliche Störzonen aufspüren können. Dazu zählen zum Beispiel Wasseradern. Studien dazu liefern aber keine Beweise. Es gibt nachweislich keine Störzonen, die mit einer Wünschelrute gefunden werden können.

 
 

 

Frage:Können Wünschelrutengeher schädliche Bodenzonen oder Wasseradern finden?
Antwort:wahrscheinlich Nein
Erklärung:Kleine Studien zeigen, dass Wünschelruten weder Wasseradern noch hypothetische Störzonen im Boden auffinden können.

Die Wünschelrute soll traditionell dem Aufspüren von Wasser oder Bodenschätzen dienen [1]. In der Komplementärmedizin suchen Wünschelrutengeher/innen aber auch nach Bodenbereichen, die für den Menschen schädlich sein sollen. Ein Mensch, der sich über einen längeren Zeitraum in einem derart belasteten Raum aufhält, ist angeblich einem gesundheitlichen Risiko ausgesetzt.

Sind diese Behauptungen wissenschaftlich haltbar? Gibt es für den Menschen schädliche Bodenbereiche und können sie „erspürt“ werden?

Die Antworten auf diese Fragen sind von wissenschaftlicher Seite aus klar zu beantworten. Wasseradern und Co haben keine schädlichen Auswirkungen auf den Menschen. Und erdumspannende Gitternetze gibt es laut Geologenmeinung auch nicht [2].

Kein unmittelbarer Einfluss auf den Körper

Wenn es für den Menschen schädliche Zonen tatsächlich gibt, müssten diese auch messbare körperliche Veränderungen bewirken. Beispielsweise würden solche Störzonen wahrscheinlich die Herzfrequenz oder den Blutdruck beeinflussen. Von drei bekannten Untersuchungen in diese Richtung liefert aber keine unterstützende Ergebnisse. Eine einzige dieser drei Studien wurde nach strengen, wissenschaftlichen Richtlinien durchgeführt – sie findet keinen Zusammenhang zwischen schädlichen Zonen und einem Einfluss auf den Hautwiderstand [3]. Selbst die beiden methodisch weniger streng durchgeführten Studien [4] [5] liefern bestenfalls widersprüchliche Ergebnisse.

Wünschelruten finden keine Wasseradern

Bei der Frage, ob schädliche Zonen überhaupt erspürt werden können, fällt die Antwort auch klar aus. In den drei dazu gefundenen Studien [6] [7] [8] konnten Wünschelrutengänger künstlich verlegte Wasseradern nicht häufiger auffinden, als es der Zufall erlaubt Die Ergebnisse der Studien gleichen eher denen eines statistischen Zufallsexperimentes – nach dem Motto: Jedes blinde Huhn findet einmal ein Korn. Außerdem gab es weder innerhalb noch zwischen den Studien große Übereinstimmungen der zufällig gefundenen Wasseradern. In keiner Studie konnten die Wünschelrutengänger übereinstimmend sagen, ob der untersuchte Bodenbereich eine schädliche „Störzone“ war oder nicht [4].

 

Die Studien im Detail

Drei Studien untersuchten den Zusammenhang von möglichen schädlichen Zonen auf körperliche Parameter. Nur eine davon – die Studie von Leitgeb und Lukas [4] – wurde allerdings nach strengen, wissenschaftlichen Richtlinien durchgeführt. Die anderen beiden von Bergsmann [3] und Konta [5] waren aufgrund methodischer Mängel nur wenig vertrauenswürdig. Bergsmann [3] untersuchte mehr Parameter als Leitgeb und Lukas [4] und Konta [5]. Dazu zählen die Messungen der Herzfrequenz, anderer bioelektrischer Parameter, der Orthosthase, der Flimmerverschmelzungsfrequenz, dem Puls/Atem Quotient und der Muskelfrequenz. Allerdings verwendete Bergsmann [3] großteils Messverfahren, die in der Biomedizin umstritten sind. Die Ergebnisse zu Hautwiderstand zwischen den drei Studien sind widersprüchlich. Während die statistische Auswertung der methodisch gut durchgeführten Studie von Leitgeb und Lukas [4] keinen Unterschied bei Hautwiderstand ergab, erhielten die beiden minderwertigen Untersuchungen von Konta [5] und Bergsmann [3] widersprüchliche Ergebnisse. So hatten bei Konta et al. [5] Teilnehmer/innen in zwei Versuchen auf Störzonen einen erhöhten und in zwei Studien einen erniedrigten Hautwiderstand.

Drei Studien beschäftigen sich mit der Frage, ob künstliche Wasseradern mit der Wünschelrute gefunden werden können. In der Studie von Moshammer [7] ergab sich eine Trefferrate von 52% in drei von sechs Untersuchungsblöcken. Er verweist auf ähnliche Ergebnisse in den übrigen Blöcken, liefert aber zu diesen keine konkreten Zahlen. Ein sehr ähnliches Ergebnis erhielten auch Walach und Schmidt [8]. In ihrer Studie fanden die Teilnehmer aus 20 möglichen Treffern in etwa 10. Das Ergebnis liegt damit im Bereich des Zufalls. König und Betz [6] führten keine Gesamtauswertung der Ergebnisse durch, sondern berechneten einzelne Irrtumswahrscheinlichkeiten der 107 durchgeführten Serien. Eine Serie bestand aus bis zu 40 Einzelversuchen, wobei jeder Teilnehmer bzw. jede Teilnehmerin mindestens eine aber bis zu 13 Serien durchführte. Das Ergebnis: bei der Hälfte der Serien lag die Wahrscheinlichkeit das Ergebnis rein zufällig erhalten zu haben über 50%. Nur bei 13 von 107 Serien lag die Wahrscheinlichkeit, dass die Wünschelrutengeher/innen falsch lagen unter 5%.

Ein Nachteil aller Studien ist allerdings die geringe Anzahl an teilnehmenden Wünschelrutengängern.

(Autoren: K. Regnat, J. Wipplinger, B. Kerschner)

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Quellen

[1] Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchungen von Parawissenschaften (2011).
Wünschelrute. Aufgerufen am 3.2.2015 unter http://www.gwup.org/infos/themen/643-wuenschelrute

[2] Wielandt E. (2006)
Erdstrahlen. Universität Stuttgart, Institut für Geophysik. Abgerufen am 3.2.2015 unter http://www.geophys.uni-stuttgart.de/erdstrahlen/erds2.htm

Information zu den wissenschaftlichen Studien

[3] Bergsmann (1990)
Studientyp: Messexperiment
Studienteilnehmer: 6-76 freiwillige Teilnehmer zwischen 20 und 35 Jahren
Fragestellung: Untersuchung der Auswirkung von Störzonen auf körperliche Parameter.
Mögliche Interessenkonflikte: kA

Bergsmann O. Risikofaktor Standort: Rutengängerzone und Mensch ; wissenschaftliche Untersuchung zum Problem der Standorteinflüsse auf den Menschen: Facultas; 1991

[4] Leitgeb und Lukas (2008)
Studientyp: doppelt-blindes Messexperiment
Studienteilnehmer: 43 freiwillige Teilnehmer zwischen 19 und 35 Jahren
Fragestellung: Untersuchung der Auswirkung von Störzonen auf körperliche Parameter.
Mögliche Interessenkonflikte: kA

Leitgeb N, Lukas R. Should hospitals protect from geopathogenic zones? Wien
Med Wochenschr. 2008;158(1-2):42-8. (Zusammenfassung der Studie)

[5] Konta u.a. (2007)
Studientyp: doppelt-blindes Messexperiment
Studienteilnehmer:14 Teilnehmer
Fragestellung: Untersuchung der Auswirkung von Störzonen auf körperliche Parameter.
Mögliche Interessenkonflikte: kA

Konta B, Frank W, Dechant E. „Geopathogene“ Zonen im Wohnbereich und Stress. Niederösterreichische Wohnbauforschung, 2007. (Studie in voller Länge)

[6] König und Betz (1989)
Studientyp: doppelt-blindes Messexperiment
Studienteilnehmer: 43 freiwillige geübte Wünschelutengeher/innen
Fragestellung: Kann eine künstlichen Wasserader von den Teilnehmern „gemutet“ werden?
Mögliche Interessenkonflikte: kA

König HL, Betz HD. Erdstrahlen? Der Wünschelruten-Report: Wissenschaftlicher Untersuchungsbericht: H.L. König und H.-D. Betz; 1989.

[7] Moshammer (1986)
Studientyp: doppelt-blindes Messexperiment
Studienteilnehmer: 20 freiwillige Wünschelrutengeher/innen
Fragestellung: Kann eine künstlichen Wasserader von den Teilnehmern „gemutet“ werden?
Mögliche Interessenkonflikte: kA

Moshammer W. Experimentelle Untersuchungen zur Treffsicherheit von Wünschelrutengeherangaben. Graz: Universität Graz; 1986.

[8] Walach und Schmidt (1997)
Studientyp: Doppelt-blindes Messexperiment
Studienteilnehmer: 124 freiwillige Wünschelrutengeher/innen
Fragestellung: Unterscheidung zwischen reinem Wasser und Wasser vermischt mit einem Insektizid
Mögliche Interessenkonflikte: kA

Walach H, Schmidt S. Empirical evidence for a non-classical experimenter effect: An experimental, double-blind investigation of unconventional information transfer. J Sci Explor. 1997;11(1):59-68.