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Wie gut ist Aloe vera für die Haut?

Aufgeschnittenes Aloe-Blatt

Von Sonnenbrand bis Neurodermitis – Aloe vera ist bei Hautproblemen im Dauereinsatz. Angeblich fördert sie die Wundheilung und verschafft Linderung bei trockener Haut. Was sagen Studien: Einschmieren oder zum in die Haare schmieren?

 
 

 

Frage:Hat Aloe vera gesundheitliche Wirkung bei Hautproblemen?
Antwort:möglicherweise Ja
Erklärung:Obwohl Aloe vera bei sehr vielen Hautproblemen angewendet wird, gibt es kaum Belege für eine Wirksamkeit – weder für eine verbesserte Wundheilung noch bei Neurodermitis; nur bei Schuppenflechte existieren Hinweise.
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Die echte Aloe ist ein echter Renner – die Pflanze aus der Familie der Grasbaumgewächse ist aus der Produktfamilie der Hautpflegeartikel nicht wegzudenken. Das heißt jedoch noch nicht, dass Aloe vera auch medizinisch wirksam ist, für die meisten Hautprobleme finden sich keine Nachweise eines klinischen Nutzens.

Pflanzenschleim und Abführmittel

Aus der Aloe lassen sich unterschiedliche Stoffe gewinnen. Die Pflanze enthält Aloin, das bei Einnahme abführend wirkt; für die Hautpflege wird allerdings ein Gel aus dem Wasserspeichergewebe der Blätter gewonnen, das kein Aloin enthält. Das Gel hat eine schleimartige Konsistenz und enthält unter anderem verschiedene Zucker, Vitamine und Aminosäuren.
2012 haben sich Forscher in einer Übersichtsarbeit auf die Suche nach Belegen für eine Wirksamkeit bei der Wundheilung gemacht. Die Ergebnisse waren eher enttäuschend: In Summe ist keine Aussage darüber möglich, ob Aloe bei der Wundheilung hilfreich ist [1].

Ähnlich mager sieht es für Aloe vera auch bei Neurodermitis und anderen Beschwerden aus. Zwar spricht eine narrative Übersichtsarbeit von positiven Wirkungen bei Neurodermitis, Wundheilung, Genitalherpes, Erfrierungen und noch einigen anderen Problemen, aber die Qualität der Studie [4] ist zu schlecht, um vertrauenswürdig zu sein – und sie widersprecht beispielsweise bei Wundheilung der deutlich besser gemachten Arbeit [1].

Eine ältere gut gemachte Übersichtsarbeit kam 1999 zu dem Schluss, dass es keine Nachweise einer Wirksamkeit für die oberflächliche Anwendung von Aloe vera gibt [5].

Vielleicht sinnvoll bei Schuppenflechte

Es finden sich immerhin zwei randomisiert kontrollierte Studien, die Aloe vera einen Nutzen bei Schuppenflechte (Psoriasis) attestieren [2] [3]. Schuppenflechte betrifft zumeist Erwachsene. Die Erkrankung verläuft in Schüben, das Hautbild kann sich spontan verbessern, aber auch plötzlich wieder schlechter werden. Schuppenflechte gilt bislang als nicht heilbar. Die Symptome werden im ersten Schritt mit feuchtigkeitsspendenden Salben bekämpft, dazu kommen Kortikoid-, Retionoid- und Vitamin D Präparate; wenn das nicht hilft, kann eine Kombination aus Licht- und Badetherapie versucht werden [a].

 

Die Studien im Detail

Aktuell und gut gemacht sind die Studien der Cochrane Collaboration –einerseits jene von 2012 zur Wundheilung [1] und andererseits die von 2013 zur Schuppenflechte [2]. Während es zur Wundheilung immerhin sieben randomisiert kontrollierte Studien gibt, findet sich in der Übersichtsarbeit zur Schuppenflechte nur eine Studie.
Eine zweite Übersichtsarbeit, ebenfalls aus dem Jahr 2013, hat zwei weitere Studien zur Schuppenflechte eingeschlossen ohne dass es die Sache viel klarer macht: In einer der Studien schnitt ein Scheinpräparat sogar besser ab als Aloe vera. In der besseren randomisiert kontrollierten Studie war Aloe vera immerhin mindestens gleich wirksam wie ein Kortikoid [3], aber sowohl die Gruppengröße als auch die gefundenen Effekte sind relativ klein – hier sind auf jeden Fall weitere Studien notwendig.

Die einzige gut gemachte Übersichtsarbeit, die sich allgemein mit der Wirkung von Aloe vera auseinandersetzt, ist von 1999 und somit schon relativ alt [5]. Sie hat keine Beweise für eine Wirksamkeit gefunden. Die neuere Arbeit [3][4] beschreibt nicht einmal ihre Methodik, die Ergebnisse sind nicht zuverlässig.

(AutorIn: J. Wipplinger, Review: B. Kerschner, C. Christof)

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Information zu den wissenschaftlichen Studien

[1] Dat u.a. (2012)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration.
Eingeschlossene Studien: sieben randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 347 Teilnehmern
Fragestellung: Hilft Aloe vera bei der Behandlung von akuten und chronischen Wunden?
Interessenskonflikte: Keine angegeben.

Dat AD, Poon F, Pham KBT, Doust J. Aloe vera for treating acute and chronic wounds. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 2. Art. No.: CD008762.
Zusammenfassung

[2] Mason u.a. (2013)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration.
Eingeschlossene Studien:177, eine randomisiert kontrollierte Studie zu Aloe
Fragestellung: Welche oberflächlichen Behandlungen helfen bei chronischer Schuppenflechte?

Mason AR, Mason J, Cork M, Dooley G, Hancock H. Topical treatments for chronic plaque psoriasis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 3. Art. No.: CD005028

[3] Deng u.a. (2013)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse.
Eingeschlossene Studien:12, drei zu Aloe vera
Fragestellung: Pflanzenstoffe zur Behandlung von Schuppenflechte

Deng S, May BH, Zhang AL, Lu C, Xue CC. Plant extracts for the topical
management of psoriasis: a systematic review and meta-analysis. Br J Dermatol.
2013 Oct;169(4):769-82.
Zusammenfassung

[4] Feily, Mamazi (2009)
Studientyp: Narrative Übersichtsarbeit.
Fragestellung: Einsatz von Aloe vera in der Dermatologie
Mögliche Interessenskonflikte: Keine Angaben.

Feily A, Namazi MR. Aloe vera in dermatology: a brief review. G Ital Dermatol
Venereol. 2009 Feb;144(1):85-91.
Zusammenfassung

[5] Vogler, Ernst (1999)
Studientyp: Systematische Übersichtsarbeit.
Fragestellung: Klinischer Nutzen von Aloe vera
Mögliche Interessenskonflikte: Keine Angaben.

Vogler BK, Ernst E. Aloe vera: a systematic review of its clinical
effectiveness. Br J Gen Pract. 1999 Oct;49(447):823-8.
Zusammenfassung

Weitere wissenschaftliche Quellen

[a] IQWIG über Schuppenflechte:  abgerufen am 26.2.2015